Wie viel Hobby braucht mein Kind?

Meine Tochter ist nun in einem Alter, in dem sie anfängt, sich mit ihren Freundinnen zu verabreden. Als ich klein war, hat man sich mit einem kurzen “bis heute Mittag” verabschiedet und stand einfach klingelnd an der Tür der anderen. Heutzutage bedeutet eine Verabredung, dass zwei Mütter verzweifelt mit ihren Terminkalendern dastehen, und versuchen, ein Treffen neben den unzähligen Verpflichtungen der Kinder unter zu bekommen. Dabei ist es nicht selten, dass schon Kindergartenkinder jeden Tag einen anderen Termin haben. Was wir davon halten habe ich euch hier nieder geschrieben:

Ab welchem Alter braucht ein Kind ein Hobby?

Es heißt ja, je jünger das Kind, umso besser kann es eine bestimmte Fähigkeit ausbauen. Deshalb sei es sinnvoll, bereits kleine Kinder in Vereinen anzumelden, damit sie diese Fähigkeit schon sehr früh aufbauen können. Ich selbst war als Kind das typische Pferde-Mädchen. Da meine Eltern mir den Traum vom Reiten jedoch nicht ermöglichen wollten und konnten, habe ich die Tatsache, dass ich selbst eine Tochter habe, am Schopf gepackt und sie bereits mit 2,5 Jahren zum Kleinkinderreiten angemeldet. Generell war es nichts verkehrtes und Tiere mochte sie sowieso. Nur diese Fähigkeit des Reitens hat sie nicht wirklich ausgebaut. In diesem Alter hat sie dieses “Hobby” auch nicht wirklich ernst genommen. Für sie war es jede Woche eine kurze Zeit auf dem Rücken eines Tieres, für uns Eltern war es purer Stress, jeden Samstagmorgen extra früh aufstehen und in der Kälte rumstehen zu müssen. Nach einem Jahr hat sie das Interesse am Reiten bereits verloren, weshalb ich sie wieder abmeldete.

Ein riesiges Angebot an Aktivitäten

Damit aus dem sehr überteurtem Hobby eine Investition wird und wir das Geld nicht sinnlos aus dem Fenster werfen, wollten wir uns bei dem zweiten Anlauf Zeit nehmen und uns an die Interessen und Fähigkeiten unserer Tochter richten. Während es bei Jungs fast immer klar ist, dass sie ins Fußball gehen oder einen anderen Ballsport machen, gibt es für Mädchen unzählige Angebote. Ruhige Kinder können in die Malschule, für musikinteressierte gibt es tausende Instrumente und Tanzsportarten, die Vereine bieten zudem Athletik- und Geräteturnen an und die Ballsportarten bleiben auch hier nicht aus. Überraschenderweise zog es unsere Tochter auch nach längerer Pause erstmal wieder zum Reiten, was wir diesmal aber zum Glück nicht ernst genommen haben. Denn diesmal haben wir uns den Charakter und die Interessen unserer Tochter angeschaut und eine kleine Checkliste erstellt:

  • Beschäftigt sich das Kind lieber mit anderen Kindern im Team oder alleine?
  • Sucht es nach einer ausgeglichenen Beschäftigung, möchte es dabei ruhig sitzen bleiben?
  • Braucht das Kind eine Möglichkeit, überschüssige Energie abzubauen?
  • Sollen Fähigkeiten erworben werden oder geht es dabei um Spaß?
  • Wo gehen Kinder aus näherer Umgebung hin, mit den es gerne Zeit verbringt?
  • Welche Angebote gibt es in der näheren Umgebung?
  • Wie ist die Meinung des Kindes nach einem Schnuppertraining?
  • Wie oft und zu welcher Uhrzeit wird die Aktivität angeboten?

Zusammenfassend haben wir also beschlossen, dass unsere Tochter zuhause sehr ruhig und ausgeglichen spielt und malt, wir aber definit merken, dass sie Energie abbauen muss, weshalb es definitiv ein sportliches Hobby werden sollte. Sie möchte gerne Zeit mit anderen verbringen, also wurde eine Sportart nötig, in der sie bewusst mit anderen Kindern trainierte. Und nach einer Prüfung lokaler Angebote und einem Probetraining haben wir uns gemeinsam mit ihr für Kickboxen entschieden. Das Training findet an zwei Nachmittagen in der Woche statt.

Außerdem warten wir auf einen Platz im Schwimmkurs, diese sind in unserer Gegend leider Monate im Voraus überbucht. Danach wäre sie also 3 Mal die Woche ausgebucht, was ich persönlich fast schon zu viel finde.

Deshalb sind Hobbys in der heutigen Zeit so wichtig

Ja, auch früher gingen einige von uns zum Sport oder haben ein Instrument gespielt. Dennoch scheinen die Eltern mittlerweile von einem Termin der Kinder in den nächsten zu hetzen. Ich halte nicht viel davon, jeden Tag mit einem anderen Hobby voll zu stopfen, bin jedoch dafür, dass Kinder schon früh einer Freizeitaktivität nachgehen.

  • Kinder sitzen heutzutage viel zu oft vor medialen Geräten. Sport ist wichtig, den Überschuss an TV, Spielekonsole und co. auszugleichen.
  • Kinder gehen seltener raus zum Spielen wie früher und verbringen  so weniger Zeit mit ihren Freunden und in Bewegung. Auch hier kann ein Hobby helfen, besonders wenn es an der frischen Luft stattfindet
  • Hobbys mit anderen Kindern machen teamfähiger
  • Kinder haben mehr Ansporn, in etwas gut zu sein, sich Mühe zu geben
  • Soziale Kontakte zu anderen werden aufgebaut
  • Wir können mit einer sinnvollen Beschäftigung verhindern, dass unsere Kinder gelangweilt draußen sitzen und randalieren, was heutzutage ein immer mehr auftretendes Bild ist, das Erwachsene und Ältere von der Jugend haben
  • Kinder und Jugendliche mit Zielen stürzen seltener in schlechten Umgang und verfallen eher nicht den Drogen und dem Alkohol
  • Schulische Leistungen können durch einen inneren oder körperlichen Ausgleich verbessert werden
Wie viel Hobby können wir uns leisten?

Neben der Frage, welches Hobby für unser Kind überhaupt Infrage kommt, spielt Geld auch immer eine große Rolle. Neben Vereinsgebühren und verbundenen Sonderzahlungen muss oft auch eine Ausstattung erworben werden. Im Sport ist das die nötige Kleidung, bei krativen Hobbys zum Beispiel das Instrument. Nicht jede Familie hat die finanziellen Mittel, den Kindern alle oder zu viele Hobbys zu ermöglichen.

Wir haben sehr darauf geachtet, dass der monatliche Beitrag nicht zu hoch liegt und da das Training zwei Mal die Woche stattfindet, sind die Beiträge pro Einheit gar nicht hoch. Auch eine Ausrüstung ist erstmal nicht zwingend nötig und kann nach und nach erworben werden.

Im Schulalter gibt es zudem die Möglichkeit, Kinder in sogenannten Arbeitsgemeinschaften unter zu bringen. Da es immer mehr Ganztagsschulen gibt, werden mittlerweile gute AGs schon ab der Grundschulzeit angeboten.

Neben dem Geld ist auch die Zeit ein wichtiges Thema. Kann ich mein Kind überhaupt zu den Trainingszeiten in den Verein bringen? Beim Reiten war es damals ein großes Problem, da wir Samstags oft auch weg gefahren sind. Auch zum Kickboxen könnte ich sie nicht bringen, wenn ich noch voll arbeiten würde, da ich bis 17 Uhr noch gar nicht zuhause war.

Bevor also Enttäuschungen anstehen und die Kinder wieder aus dem Hobby gerissen werden müssen, sollten sich die Eltern hier vorher genau überlegen, inwiefern dieses Hobby für die Familie überhaupt möglich ist.

Welche Hobbys habt Dein Kind? Welche Erfahrungen hast Du damit gemacht? Erzähle davon in den Kommentaren!

29 Replies to “Wie viel Hobby braucht mein Kind?”

  1. Ich hab zwar noch kein Kind, mache mir aber jetzt schon Gedanken darüber, was es später mal für Hobbies haben wird.. Im Endeffekt soll es dann selbst entscheiden, was es am liebsten hätte – aber auf jeden Fall muss etwas mit Sport dabei sein 🙂

    Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…

    1. Ja das stimmt! Besonders wenn das zweite dann da ist, muss ich jedes mal beide anziehen, ins Auto bringen, anschnallen, das zweite wieder heim, ausziehen und nach einer Stunde dasselbe nochmal…

  2. Ein ganz großes Thema bei uns – denn meine Kinder sollen ja auch einem Sport nachgehen und ein Instrument lernen. Da machen sie mir aber einen Strich durch die Rechnung, der Kleine macht derzeit nichts davon, geht er allerdings auch auf eine Ganztagsschule, der Große hat nur einen Sport. Freizeit ist sehr wichtig, nicht jeder Tag ist verplant.

    Sich zu verabreden fällt sehr schwer, denn die anderen sint total verplant und haben schon richtigen Termin-Stress. Der Film “Momo” ist voll eingetreten. Das tut mir sehr leid!

    Lieben Gruß, Bea

  3. eine sehr lehrreicher Beitrag! ich denke, wie bei allem kommt es darauf an, die Dosis macht das Gift – man sollte Kindern wohl ihren Freiraum lassen, aber sie auch fordern 🙂

    alles Liebe,
    Eden

  4. Liebe Wioleta!

    Wir selbst haben zwar noch keine Kinder, können uns aber absolut nicht mit Eltern identifizieren, die für ihre Kinder strikte volle Terminpläne, voller tausender Verpflichtungen und Hobbys, haben. Ich finde ja, dass Kinder auch einfach selbst entscheiden können und sollten, ob sie bei einem Verein dabei sein möchten, welche Sportart ihnen gefällt, ob sie ein Instrument lernen wollen, usw. Ich sehe aber zB auch PC, Videospiele und Co. als absolut tolles Hobby an. Das habe ich zB. auch bei meinem kleinen Bruder beobachtet. Der hat sehr früh den PC und Videospiele als sein Hobby angesehen. Und mit 15 konnte er sich bereits eigene Spiele programmieren. Wenn das nicht schon mal ein guter Weg für seine Zukunft ist, Spaß und Job in einem zu haben 😉

    Lieben Gruß,
    ❤ Alice von alicechristina.com

    1. Liebe Alice,
      Da stimme ich dir nicht ganz zu 🙂 Kinder können nicht immer ganz beurteilen, was wirklich gut für sie ist, zumindest noch nicht im Alter meiner Tochter. Siehe das Beispiel reiten. Sie wollte unbedingt, war angemeldet, es wurde langweilig, wurde abgemeldet. Und jetzt will sie wieder hin.
      Bei uns gibt es ganz strikte Regeln was Medien angeht. Die beinhalten zB nur zwei Folgen einer bestimmten Serie pro Woche. Dass es bei deinem Bruder so lief, ist leider eher die Ausnahme. Die Regel zeigt Zombieartige Kinder, die in den Bildschirm starren

  5. Ich selber habe keine Kinder, kann aber über die der Nachbarschaft nur den Kopf schütteln. Wenn man mit drei Jahren schon einen Terminkalender braucht, dann kann das nicht mehr normal sein, oder?
    Ich selber bin ein Kind der 70er, ich habe meine Freizeit fast ausschliesslich draussen verbracht, war nie krank und immer in Bewegung.
    Irgendwann kam meine Mutter auf die Idee, ich müsste ein Instrument lernen und hat mich zum Blockflötenunterricht genötigt. An alle Mütter hier: Vergesst es! Wartet, bis Euer Kind von selber einem Verein beitreten möchte, denn dann hat es auch Spaß daran. Und wenn nicht, hat es zumindest von sich aus Initiative gezeigt und sich ausprobiert.
    Ich finde überhaupt nicht, dass Kinder in irgendeinem Verein sein müssen – wann ist dieser Trend eigentlich entstanden?
    Viel wichtiger finde ich es, dass Kinder zu Anstand und Respekt ihrer Umwelt und ihrer Mitmenschen gegenüber erzogen werden. Und das Beste was einem Kind passieren kann, ist meiner Meinung nach sowieso, mit einem Hund aufzuwachsen. Denn damit hat es von Anfang an einen treuen Spielfreund und lernt Verantwortung.

    LG von
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin,
      Ich verstehe deine Ansicht vollkommen. Auch wir waren damals als Kinder sehr viel draußen. Mein Stiefvater kam mal auf die Idee, er müsste mich ins Fußball stecken. Das endete mit einer Enttäuschung auf beiden Seiten. Ich wollte lieber reiten und durfte nicht.
      Das mit dem Hund ist so eine Sache. Natürlich sind Haustiere etwas tolles. Wir hätten uns auch fast einen geholt. Aber für ein Tier braucht man zu 100 % die Zeit. Wenn ich diese nicht habe, brauche ich kein Tier hier zu quälen

  6. Das ist ein Thema welche auch noch auf uns zukommen wird. Noch ist meine Tochter klein und mit Kindergarten gut ausgelastet. Dort bekommt sie auch zweimal die Woche musikalische Früherziehung wo sie viel Spaß hat. Ich habe noch überlegt einen Sportkurs zu besuchen, aber es muss natürlich noch genug Zeit für freies Spielen bleiben.

    Liebe Grüße,
    Diana

  7. Hey, meine Kinder haben ein Hobby, sie gehen einmal pro Woche zur Feuerwehr. Das reicht und auch völlig – sie spielen noch sehr gerne und wollen auch einfach mal unter sich sein. Und natürlich kommen noch Hausaufgaben und Lernen dazu…
    Liebe Grüße,
    Marie

  8. Absolut klasse dein Artikel und ein Thema mit dem ich mich als noch junger Vater (mit 26) beschäftige.

    Deine Herangehensweise finde ich sehr spannend auch wenn natürlich Themen dabei sind die ich schwierig finde. So bin ich jemand der Videospiele nicht unbedingt verteufelt und auch darin ein Hobby und sogar spätere Arbeitsmöglichkeiten sieht.

    1. Wie alt sind denn deine Kinder? Ich verteufel das zocken auch nicht im allgemeinen. Aber ich finde, dass Kinder heutzutage viel zu viel Zeit vor solchen Geräten verbringen. Da ist eine Sportart als Ausgleich genau das richtige 🙂

  9. Ich finde Hobbys für ein Kind ebenfalls sehr wichtig, gerade in der heutigen Zeit mit der ganzen Reizüberflutung durch Medien, Elektrogeräte usw. Vielen Dank, dass du darauf aufmerksam machst 🙂

  10. Danke für diesen tollen Beitrag. Tatsächlich haben meine Kindern im Moment keine Aktivitäten außerhalb des Kindergartens. Letztes Jahr hat meine große Tochter (damals 4) einen Tanzkurs besucht, aber als wir von Bonn nach Dresden zogen, machte ihr ein neuer Kurs keinen Spaß.

    Ich bin im Moment hin und hergerissen. Einerseits finde ich Kurse toll, andererseits besuchen meine Töchter bis 15:45 Uhr den Kindergarten und danach spielen sie mit Freunden aus unserem Haus. Sie “brauchen” kein Hobby, wir sparen Geld und verzichten auf zusätzlichen Stress, denn: wer kann das Kind zum Kurs bringen? Wer holt es ab? Da muss man viel organisieren, denn die Kinderkurse starten früh. Um 17 Uhr wären die Zwerge ohnehin zu platt, um noch ein Training zu absolvieren…

    Wir schauen vielleicht im neuen Jahr nochmal, was passen könnte. Momentan wollen die Kinder auch gar nicht, weil sie sich nicht alleine hintrauen. Und das ist auch okay.

    1. Liebe Nadine,
      Ja das Problem kenne ich zu gut. Vor meinem BV hätte ich ihr das auch niemals ermöglichen können, da wir um 5 noch nicht einmal zuhause waren und nach 10 Stunden Kindi sehe ich es auch nicht als sehr sinnvoll. Aber da kommt bei euch noch die Zeit der Schul AGs und dann sind sie auch anders beschäftigt, wenn sie größer sind 🙂

    1. Ja ausprobieren ist wichtig! Die Kinder können ja vorher gar nicht wissen, ob zB die Sportart etwas für sie ist. Und es macht kein Sinn, Kinder zu einem Hobby zu zwingen, das einfach kein Spaß macht

  11. Liebe Wioleta,

    an Deinem Beitrag merke ich gerade, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Ja, auch wir hatten früher unsere Hobbies. Ich bin allerdings immer selbst zum Sport gegangen. Jetzt ist es üblich, dass die Eltern einen bringen. Klar, wenn die Kinder noch sehr jung sind, kann ich das auch wirklich nachvollziehen. Also bitte nicht falsch verstehen.
    Ich finde es sehr gut, dass Du Deine Tochter nicht mit Hobbies “überladen” möchtest. Hobbies sind schön, aber können auch in Stress ausarten. Außerdem gefällt mir, dass Du Dir Gedanken machst, was passt und wie es zu ermöglichen ist.
    Für alle Eltern ein sehr hilfreicher Beitrag, den sie lesen sollten.

    Viele liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

    1. Ja da hast du vollkommen Recht! Natürlich wird meine Tochter mal zum Sport selbst hingehen. Mit 5 Jahren ist es aber noch selbstverständlich sie zu fahren 😉

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