Wie, Sie sind schon Mutter?

Bei meinem gestrigen Freibadbesuch unterhielt ich mich mit einer Mutter, dessen Kind mit meiner Kleinen gespielt hat. Sie erzählte mir, dass sie wieder schwanger sei und wir kamen auf das Thema Wiedereinstieg in den Beruf. Dabei erzählte sie, dass ihr Studium im Endeffekt umsonst war, da sie nun eine schlechter bezahlte Stelle erhielt und sie somit einfach eine Ausbildung hätte machen können. Stattdessen hätte sie ihre Zeit bis sie 27 war vergeudet. Später erwähnte sie rechtfertigend, sie sei ja sehr jung Mutter geworden. Wenn man hierbei bedenkt, dass sie nach dem Studium noch gearbeitet hat und zusätzlich die Schwangerschaft hatte, wird sie frühestens mit 29 Mutter gewesen sein – was in meinen Augen nicht als „sehr jung“ abgetan werden kann.

Tatsächlich erhalte auch ich regelmäßig Reaktionen wie „wie, Sie sind schon Mutter?“. Ja 21 ist tatsächlich etwas früh gewesen, schwanger zu werden. Es jedoch so hinzustellen, als hätte ich mit 16 ein Kind bekommen und hätte nicht einmal einen Schulabschluss, ist oft jedoch hart. Und jedes Mal muss ich mich dafür rechtfertigen, schon mit 25 ein 4 jähriges Kind zu haben, nur weil die meisten Frauen diesen Schritt nicht vor ihrem 30. Lebensjahr abschließen.

Ich erinnere mich auch an eine Situation, als ich mit meiner Kleinen, damals noch im Säuglingsalter, mit dem Kinderwagen morgens spazieren war. Mir kam eine Mutter mit einem älteren Kind entgegen. Es frage seine Mutter, ob das Mädchen denn mit ihrem Baby zur Schule gehen würde. Kurz habe ich tatsächlich überlegt etwas zu sagen. Aber es ist nicht die Schuld des Kindes, so erzogen zu sein. Daran ist die Gesellschaft schuld, die uns übermittelt, ohne jahrelanges Studieren seien wir nichts wert.

Jedoch bin ich Stolz eine junge Mutter zu sein und sehe darin viele Vorteile. Das soll kein Angriff auf Frauen sein, welche sich zu einem späteren Zeitpunkt zu diesem Schritt entschieden haben. Aber ich würde persönlich niemals tauschen wollen. Einfach nur, weil ich weiß, dass ich dieses Glück jetzt schon erleben kann und es in 10 Jahren nicht besser gemacht hätte.

Reife hängt nicht zwingend vom Alter ab

Und mit dieser Aussage meine ich nicht die Jugendlichen, die alle behaupten, bereits erwachsen zu sein. Mir geht es um Unterschiede in der Lebensgestaltung. Ich kenne sehr viele 30 Jährige, die noch immer keinen festen Partner haben und jedes Wochenende mit ihrer Clique in Clubs unterwegs sind. Und ich kenne einige 20 Jährige, die gerne einen Abend mit ihrem Freund vor dem Fernseher verbringen. Es ist nicht schwer zu erraten, wer sich eher für ein Kind entscheiden würde, weil er sein Leben bereits so führt, wie er es auch mit Kind tun würde. Auch junge erwachsene, die bereits eine eigene Wohnung und feste Einkünfte haben sind in dem Fall weiter als diese, die bereits ihr zweites Studium anfangen, weil sie noch gar nicht wissen, wer sie eigentlich sind.

Auch junge Erwachsene sind dazu fähig langjährige Beziehungen zu führen. Und es gibt genug 40 Jährige, die sich scheiden lassen. All diese Merkmale hängen nicht zwingend vom Alter ab. Und genau aus dem Grund kann man niemanden dafür verantworten, „jetzt schon“ ein Kind zu haben.

Die Bindung zum Kind hängt nicht vom Alter ab

Keiner kann sagen, dass eine jüngere Mutter besser oder schlechter wäre, als eine ältere und auch nicht dass die Eine oder die Andere stärkere Gefühle für ihr Kind hätte. Die Mutter-Kind-Verbindung ist sehr individuell und kann an solchen Kennzeichen nicht festgemacht werden. Ebenso ist aus dem Grund eine junge Mutter nicht schlechter für ihr Kind als eine ältere. Solche Vorurteile nerven immer wieder aufs Neue. Hierzu müsste die Gesellschaft eine größere Toleranz aufweisen.

Ich kann mit meiner Tochter immer gut reden, wir spielen zusammen und unternehmen viel. Ich kann für sie genauso sorgen wie ich es mit 35 könnte. Vielleicht habe ich noch nicht die finanzielle Stabilität erreicht und habe kein eigenes Haus. Jedoch kommen wir immer durch und ich versuche immer erst ihr etwas zu bieten, bevor ich es mir selbst gönne. Und dies erreichen auch viele ältere Mütter nicht.

Denken wir nur an unsere Mütter oder Omas. Früher war es selbstverständlich, schon in den 20ern Kinder zu haben. Und wir hatten deshalb keine schlechtere Kindheit. Wir haben nicht gehungert, weil unsere Mütter nicht studiert haben und sie waren aufgrund ihres Alters nicht mehr oder weniger überfordert als wir es sind. Sie waren lediglich jünger.

Wir müssen feinfühliger werden

Wir müssen anfangen uns gegenseitig zu akzeptieren und zu verstehen. Wir müssen diese Einstellung, dass unsere Art das Leben zu führen, die bessere ist, ablegen. Ich würde niemals einen Finger gegen eine Frau erheben, die sich erst in einem bestimmten Alter für Kinder entscheidet. Und genauso darf es eine Frau, die es umgekehrt macht, nicht. Ich möchte mir in meinem Beruf und in meinem Privatleben nicht nachsagen lassen, ich hätte einen Fehler gemacht. Und ich möchte mich niemals mehr dafür rechtfertigen.

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