Wie das Mama-Sein meine Ängste verändert hat

Wer noch keine Kinder hat, kennst dieses unbekümmerte Gefühl, einfach etwas zu tun oder zu lassen. Ich denke oft darüber nach, wie wir Nächte durchgemacht haben, in brenzlige Situationen gekommen sind, übermüdet Auto gefahren sind, einfach mal den Job gewechselt haben. Und wir haben uns insgesamt einfach nicht wirklich Gedanken um irgendwelche Kosequenzen gemacht sondern haben einfach so vor uns hin gelebt. Es kommt mir vor wie die Erinnerung an ein ganz anderes Leben, denn heute bin ich ein wahres Nervenbündel geworden. Welche Ängste ich entwickelt habe, seit ich Mama bin, möchte ich im Rahmen der Blogparade “Warum sind Mütter immer so ängstlich” von meiner Lieben Kollegin Denise, Bloggerin bei Mamschens Blog, aufzählen.

“Hast Du auch wirklich was gegessen?”

Als Mama scheine ich zu einer Krankenschwester und Versorgerin meiner Familie geworden zu sein. Während ich mir früher kaum Gedanken um regelmäßige Mahlzeiten gemacht habe und froh war, wenn ich meinen Alltag was Energie und Gesundheit angeht, irgendwie organisiert bekommen habe, bin ich ein Fanatiker des Unterzuckert-seins geworden. Besonders in der jetztigen Zeit, in der mein Mann ständig zwischen Klinik und zuhause pendelt, um mich hin zu bringen, zu besuchen oder abzuholen und dabei stundenlang bei mir sitzt, bekomme ich eine ganz komische und unbegründete Angst .Und ich frage ihn 100 Mal “geht es dir wirklich gut?”, “möchtest Du nicht doch etwas essen, bevor Du fährst?” oder “dir könnte schwindelig werden”.

Auch was die Planung meines Alltags angeht, bin ich ein Verfechter von festen Mahlzeiten geworden. Wenn mein Tag außer Plan gerät und jemand nicht um 13 Uhr sein Mittagessen zu sich nehmen kann, kommt gleich die Angst auf “sie könnte unterzuckert sein oder ihr kann schlecht werden”.

Ich kann nicht einmal ein festes Ereignis benennen, das diese Angst ausgelöst haben könnte. Eines Tages war sie plötzlich einfach da und der Satz ist mittlerweile fester Bestandteil meines Wortschatzes geworden. Und so banal diese Angst klingen kann, richte ich meinen ganzen Tag mittlerweile danach aus, dass alle zur richtigen Zeit etwas zu essen bekommen…

“bin ich eine gute Mama?”

Früher hatte ich eine weitere schlechte Angewohnheit, die ich indirekt abgelegt habe: ich habe oft ohne Rücksicht gelebt und gehandelt und war in vielen Dingen egoistisch, hauptsache es ging mir gut. Ich habe mir nie wirklich Gedanken darum gemacht, ob mein Handeln das Leben von jemand anderen beeinflusst. Als Mama wendet sich das ganze und Du bekommst eine ganz besondere Angst. Nämlich die nicht gut genug zu sein. Und zwar nicht für irgendwelche Menschen, sondern für diesen einen kleinen Mensch, dem Du die Welt bedeutest. Du hast immer Sorge, wie Dein Handeln sich auf die Enwicklung und das Leben des kleien Wesens auswirkt. Du beurteilst ständig Dein Handeln und Denken und schaust, wie alles reflektiert wird. Kannst Du gut für Dein Kind sorgen? Fühlt es sich in dieser Familie wohl? Hast Du genug Deiner Zeit gegeben? Warst Du genug da? Eine starke selbstbewusste Frau kann plötzlich ganz klein und ängstlich werden, wenn es um das Wohlergehen der eigenen Kinder geht. Und plötzlich fragen wir uns, ob wir gut genug sind und haben Angst, unseren Kindern nicht das bestmögliche Leben ermöglicht zu haben.

“Ist mein Kind auch wirklich gesund”

Das ist tatsächlich die meistverbreitete Angst von Mamas, die mir bekannt ist. Denn da ticken wir alle gleich: wenn etwas nicht nach Plan verläuft, bekommen wir gleich Panik, unseren Kindern könnte es schlecht gehen. Das is auch verständlich, schließlich sind wir als Mütter für das Leben dieser keinen zerbrechlichen Wesen verantwortlich. Bei jedem Fieber bekommen wir Panik, welche schreckliche Krankheit sich eingeschlichen haben könnte. Jede Verletzung könnte etwas schlimmeres sein. Meist wird diese Angst verstärkt, wenn tatsächlich etwas schief gelaufen ist. Wenn ein umgeknicker Arm sich wirklich als Gebrochen herausgestellt hatte. Wenn ein schwacher Säugling tatsächlich per Magensonde gefüttert wurde. Es gibt viele Auslöser im Muttersein, die eine Angst vor Krankheiten begründen kann. Manche sind für Außenstehende ersichtlicher, andere sind es weniger. Aber genau diese Angst ist es, die unsere Kinder am Leben hält.

Es ist wichtig, als Mama Angst zu haben

Eine gewisse Dosis Angst ist nie verkehrt, schließlich müssen wir seit es Menschen gibt innerhalb kürzester Zeit entscheiden können, ob wir uns in einer gefährlichen Situation befinden oder nicht. Wenn Mamas Angst haben, dann hat es folgenden Sinn für die Familie:

  • Wir können in einer Angstsituation schneller entscheiden, ob eine Gefahr vorliegt und besser reagieren
  • Das Hinterfragen und Zweifeln unseres Handelns kann sich gut auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken
  • Mamas tragen eine sehr große Verantwortung für andere Menschen. Die Angst ist evolutionär begründet und hilft uns, diese am Leben zu erhalten
  • Durch die Vermittlung von Angst, lehren wir unsere Kinder, Situationen zu bewerten und einzuschätzen. Sie lernen so, besser aufzupassen und nicht einfach zum Beispiel auf die Straße zu rennen.
Wir sollten unsere Angst nicht zu sehr auf unsere Kinder projezieren

Wer Angst hat, strahlt diese auch aus. Das ist in einem gewissen Maß auch gut und wichtig, denn so vermitteln wir dem Gegenüber, sich in bestimmten Situationen vorsichtiger zu verhalten. Aber wer immer Angst hat, der lehrt auch das Gegenüber Angst zu entwickeln. Und das kann schwere Folgen in der psychischen Entwicklung unserer Kinder haben. Es ist immer wichtig, abzuwägen, welche Ängste wir schlucken und für uns behalten und welche Angst wir weiter vermitteln dürfen.

Außerdem gibt es Situationen, in den sich Kinder auf uns verlassen. Für solche Fälle ist es wichtig, die eingene Angst unter Kontrolle zu bekommen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Krankheiten unserer Kinder. Hast Du schon mal einen Pseudokrupp-Anfall gesehen? Meine Tochter hat das mittlerweile bis zu zwei Mal im Jahr. Die ersten Male waren die Hölle, vor allem wenn man nicht weiß, was passiert. Diese Krankheit äußert sich durch das typische Seehund-Husten oder Keuchhusten. Dieses wird nachts durch die liegende Position schlimmer. Bei einem Pseudokrupp-Anfall atmet das Kind ähnlich wie bei einem Asthma Anfall schnell ein und keucht dabei… wer das nicht kennt, denkt in diesem Moment “Mein Kind erstickt”. Schnell neigt man dazu Panik zu bekommen, sein Kind hoch zu nehmen und irgendwas tun zu müssen. Wer das zum ersten Mal erlebt weiß auch nicht, dass Angst die Atmung verschnellert und diesen Anfall somit verschlimmert. Das Kind hat so schon genug Angst, wenn es nicht einmal die Sicherheit der Eltern spürt, wo soll es diese denn noch hernehmen?

Wie verhält es sich mit Dir? Hast Du als Mama neue Ängste entwickelt? Und wie äußern sich diese bei Dir?

 

 

38 Antworten auf „Wie das Mama-Sein meine Ängste verändert hat“

  1. Ich bin zwar noch keine Mama, aber bekomme es durch Freund mit, die fast alle schon Kinder haben. Teilweise rede ich mit Freundinnen offen über das Thema, teilweise merke ich es an Reaktionen oder Erlebnissen. Ich finde es gut, auch solche Themen offen anzusprechen, vielen Dank für deinen Einblick.

    Viele Grüße
    Isa von a href=https://www.lustloszugehen.de/ rel=“nofollow“>lustloszugehen

  2. Ja es ändert sich dann vieles und die Gedanken und Sorgen sind anders. Man denkt über kleine Sachen nach, fragt nach und kommt aus dem Grübeln nicht raus.
    Auch beim Einschlafen und aufwachen sind die Gedanken da. Aber man nimmt das gerne in Kauf für das tolle Gefühl.

    Liebe Grüße
    Julia

  3. Oh ja ich habe seit ich Mama bin auch einige neue Ängste entwickelt. Zum Beispiel war es mir früher eigentlich immer „egal“ ob ich regelmäßig nen Arzt aufsuche, eigentlich bin ich nur gegangen wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Bei meinem Kind habe ich erst gelernt wie sehr man auch schon kleinste Anzeichen als etwas schlimmeres (als es meistens ist) deuten kann! Ich würde zwar nie wegen Kleinigkeiten in die Klinik fahren aber ich bin doch ängstlicher und rufe öfter mal beim KiA an um nachzufragen was was sein könnte!

    Viele Grüße
    Denise

    1. Ja das kenne ich liebe Denise! Heute habe ich meine Tochter aus dem Kindergarten geholt wegen Bauchschmerzen und abends hat sie leichtes Fieber bekommen. Alles halb so schlimm wenn ihr Papa letzte Woche nicht Scharlach gehabt hätte… Da rechnet man einfach gleich mit dem schlimmsten 🤷‍♀️

    1. Ich finde es gehört zum bloggen dazu, auch mal die schlechten Themen zu erwähnen. Kein Leser hat etwas davon nur zu erfahren, wie toll es bei uns “influencern” funktioniert. Das macht es in meinen Augen aus, auch mal über die schlechten Seiten zu sprechen und da anzusetzen und zu helfen

    1. Ohje das glaube ich dir gleich! Bei euch kommen jetzt ganz andere Sorgen und Gefahren (die vielleicht auch gar keine Gefahren an sich sind). Ich erinnere mich noch gut an meine Jugend und musste viel davon zuhause verbringen, weil meine Mutter sehr ängstlich war. Meine Schwestern hatten es danach einfacher

  4. Ich bin zwar selbst keine Mama kann mir aber durchaus vorstellen, dass man da gewisse Ängste entwickelt und ich glaub das muss auch so sein. Ich glaube, nur Mama’s die wirklich Ängste haben, wirklich gute Mama’s sind. Man sorgt sich ja ums Kind und alles, da gehört das eben dazu.

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

    1. Liebe Freyja,
      da hast Du vollkommen Recht! Es wird einfach erwartet, dass wir funktionieren. Leider ist das nicht immer so und die Ängste sind dennoch vorhanden.

  5. Ich bin zwar noch keine Mama aber ich finde es sehr spannend wie du über deine ängste und gefühle schreibst. Ich leb ein wenig so wie du früher! Spontan, ohne viel darüber nachzudenken und ich liebe es ungebunden zu sein, und dass ich lediglich auf meine katzen und mich schaun muss! Aber glaub mir, den beiden geht es mehr als gut und mir auch! Ich glaube sobald man ein Kind bekommt ist es aber voll normal ängste zu entwickeln, solange sie nicht zu übertrieben und du zu vorsichtig und ängstlich wirst! Schlussendlich hast du ja nun Verantwortung gegenüber dem kind und das braucht dich ja noch länger! Toller Beitrag! Echt supiii 👍🏻

    Sprinzenminzige Grüße Iris 🐞

  6. Danke für den persönlichen Einblick.
    Ich habe von der Blogparade gehört und habe da auch ein bisschen rumgestöbert. Da ich noch keine Mutter bin, kann ich das noch nicht alles so nachvollziehen.
    Aber es ist sehr spannend zu sehen, wie sich das Leben einiger so verändert.

    Schönen Sonntag dir!
    Michelle <3

  7. Ja ich habe auch solche Ängste. Die meiste Angst habe ich, dass meinem Kind etwas passieren könnte. Jetzt nicht so Helikoptermäßig wie zB. Angst, dass er beim klettern stürzen könnte. Das gehört zum Lernprozess dazu und ist wichtig. Bei mir ist es eher die Angst vor etwas wirklich schlimmem, wie ein Unfall oder eine Krankheit. Aber das sind Ängste auf die wir als Mütter wenig bis gar keinen Einfluss haben und damit müssen wir leben. Aber es stimmt schon, früher habe ich auch viel sorgloser gelebt.

    Liebe Grüße
    Melanie von https://www.lovingcarli.com/

  8. Ich versuche keine überängstliche Mama zu sein und bin meistens entspannter als mein Mann. Aber auch ich mache mir viele Sorgen … die ich damals bei meinen Eltern belächelt habe ;-). Aber das gehört wohl dazu.

    Liebe Grüße
    Verena

  9. Als Mutter zweier Mädchen habe ich natürlich Ängste entwickelt, die eher den Beschützerinstinkt betreffen. Dennoch empfinde ich es als äußerst wichtig, auch den Kindern Freiheiten zu erlauben, um sich entfalten zu können. Da muss ich mich als Mutter oftmals besinnen und zurücknehmen und an meine eigene Kindheit zurück denken, um diesen Instinkt nicht als beklemmend wirken zu lassen.
    Liebste Grüße
    Nadine

  10. Ich bin zwar keine Mama, aber vor allem der letzte Satz ist so wahr.
    ich habe so viele Kinder kennen gelernt, die bereits total verängstigt vor Alltagssituationen waren wie z.B. “allein zur Schule gehen”, weil die Mama natürlich Horrorgeschichten erzählt was alles passieren kann. Zum einen versteht man die Angst natürlich, aber das Kind leidet dann auch darunter und nimmt diese Angst an. Ich finde es total normal als Mama neue Ängste zu entwickeln, man hat da schließlich ein neues Leben auf das man acht geben muss. Aber du hast es genau richtig erkannt, dass man manchmal darauf achten muss, dass Kind nicht zu beeinflussen

    Liebe Grüße Anni von https://hydrogenperoxid.net

    1. Ja das ist wahr! Kinder reflektieren einfach sehr viel von dem,was wir nach außen geben. Wenn ich recht darüber nachdenke, habe ich ähnliche Ängste übernommen, wie. Meine Mutter hatte

  11. Oh ja, liebe Wioleta,
    ich kann mich gut in deinen offen und ehrlichen Beitrag einfühlen. Bei mir sind auch Ängste zu Tage getreten, die ich gar nicht für möglich gehalten hätte. Dennoch versuche ich immer, wenn mich eine dieser Ängste heimsucht, innerlich zwei Schritte zurück zu gehen und die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das klappt ganz gut und auch wenn ich oft Bauchgrummeln in der ein oder anderen Situation habe, am Ende hat mein intuitives Gefühl recht gehabt und nicht das Mamagefühl.

    Liebe Grüße,
    Mo

  12. eine sehr spannende Selbstreflexion liebe Wioleta! ich kann mir nur gut vorstellen, dass man als Mama mit vielen Ängsten um die eigene Familie und ja v.a. um die Kinder zu kämpfen hat – aber wie du auch schreibst, sollte man ich davon wohl am besten nicht beherrschen lassen 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    1. Ja ich glaube dass wir im Laufe des Lebens ganz unterschiedliche Ängste entwickeln werden, je nach lebenssituation. Wir müssen nur Abstand dazu gewinnen

  13. Wenn ich einen Notfallwagen vorbeifahren sehe, dann packt mich die Trauer/Angst/Mitgefühl mehr als früher. Ich hoffe dann immer, dass nicht schlimmes passiert ist.
    Ansonsten lasse ich meine Kids recht frei. Wenn ich etwas für Gefährlich empfinde, dann teile ich ihnen klar mit, dass es gefährlich ist und ich nicht will, dass sie es machen. Meistens verstehen sie es.

    1. Liebe Victoria,
      da hast Du vollkommen Recht, es ist wichtig, den Kindern da freie Hand zu lassen. Es kommt aber auch immer auf das Alter der Kinder an, wie viel wir ihnen zumuten können. Meine Große ist erst 5, die hat ganz andere Freiheiten, als ein Schulkind.

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