Weshalb ich gerne arbeiten gehe

Lest ihr manchmal auch gerne euren eigenen Blog? Es kommt bei mir hin und wieder vor, dass ich mich hinsetze und meinen eigenen Blog durchlese. Manchmal finde ich Sachen, die gut sind und auf die ich stolz bin, sie veröffentlicht zu haben. Und manchmal zweifel ich im Nachinein, wieso ich manche Dinge so verfasst habe.

In der letzten Zeit habe ich selbst den Eindruck, dass mein Blog etwas in die negative Richtung schlägt. Ich habe mir meine Beiträge angesehen und habe mehr und mehr das Gefühl, ich würde vermitteln, dass Arbeiten als Mama etwas schlechtes sei. Natürlich kann ich nicht leugnen, dass ich in den letzten Wochen getresster bin als sonst und vielleicht auch hier und da Dinge sage, die sich schlecht auf meine Gedanken und auch mein Image niederschlagen. Aus dem Grund beschloss ich, mit diesem Missverständnis aufzuräumen und die Wogen etwas zu glätten. Ich gehe gerne arbeiten und habe ganz unterschiedliche Gründe dafür. Ich möchte diesen Beitrag nutzen, um euch diese nahe zu legen und zu erklären, wie wertvoll es ist, was wir arbeitenden Mütter für uns selbst und die Gesellschaft leisten.

Es gab einmal eine Zeit, da saßen wir Frauen zuhause, haben unsere vielen Kinder gehütet und es schien für uns in Ordnung zu sein. Wir haben alles für unsere Familie getan und haben unsere Männer verwöhnt und ihnen quasi jeden Wunsch erfüllt. Im Gegenzug haben wir von ihnen ein sicheres Leben erhalten und es wurde immer für uns gesorgt. Wir hatten es gar nicht nötig, arbeiten zu gehen, denn wir konnten immer darauf vertrauen, dass unser Mann schon die Familie über Wasser halten wird. Im Gegenzug war es jedoch gar nicht möglich für uns, uns persönlich und intelektuell zu entwickeln. Unsere Väter und später Männer haben immer bestimmt, was wir durften und studieren, Bildung und ein Arbeitsverhältnis zähtlen nicht dazu. Wären wir selbstständiger geworden, hätten wir uns schließlich von unseren Männern losreissen können und unseren eigenen Weg gehen, denn wir hätten sie nicht mehr “gebraucht”.

In den 60er Jahren gab es endlich einen Aufstand vieler mutiger und entschlossener Frauen, welche eben dieser Abhängigkeit leid waren. Und nur dank dieser Frauen darf ich nun auf meinem Bürostuhl sitzen, mein Geld verdienen und meine Freiheit genießen. Soll das aber etwa heißen, wir Frauen arbeiten, um nicht von unseren Männern abhängig zu sein? JA!

Ich leiste einen großen Anteil an der familiären Situation

Zum einen habe ich hier meine Einnahmen, die zur Zeit einen sehr großen Anteil der Familienkasse ausmachen. Und so habe ich mir selbst die Wahl geschaffen, das Schicksal meiner Familie nicht in die Hände meines Mannes zu legen sondern selbst meinen Teil daran zu leisten, wie es uns geht. Ja, it’s all about the money, denn das Leben ist nicht umsonst. Und dadurch, dass ich arbeite, kann ich auch bestimmen, was meine Familie sich leisten kann und was nicht und ermögliche ihr so vielleicht ein besseres und einfacheres Leben als ich von Zuhause aus könnte.

Ich habe etwas geschafft

Besonders traurig machen mich Frauen, die viele Jahre an Zeit und Kraft investiert haben, um zu studieren und sich zu bilden, um dann eine Elternzeit nach der anderen zuhause zu sitzen und ihr Wissen nicht zu nutzen. Nichts gegen eine Elternzeit oder Kinder, keineswegs. Jede Frau hat es verdient, genügend Zeit mit ihren Kindern zu verbrigen und kein Mensch sollte es ihr nehmen können. Jedoch verstehe ich einfach nicht, wieso jemand sich selbst und seine Ziele fallen lässt, um 10 Jahre am Stück zuhause zu verbringen. Nach den vielen Jahren ist ein Wiedereinstieg in den Beruf kaum machbar.

Ich habe zwar kein Studium hinter mir und auch keine besondere Laufbahn. Jeoch habe ich mich nach der Elternzeit für eine Aubildung entschlossen. Ich habe viele Nerven daran verloren, abends zu lernen, nachdem mein Kind im Bett lag und habe oft genug nach einer schlaflosen Nacht Klassenarbeiten geschrieben und wäre dabei vor Müdigkeit fast umgekippt. Und ganz lange während meiner schlechten Phase in meinem Job habe ich mich gefragt, wieso ich mir das eigentlich angetan habe. Wieso habe ich diese Zeit verschwendet, wenn ich viel lieber in einem einfachen Teilzeitjob um 14 Uhr zuhause wäre und mehr Zeit mit meiner Tochter gehabt hätte? Ich hätte einfach in irgendeinen Beruf einsteigen können und hätte vielleicht schon ein zweites Kind. Ja, diese Gedanken schweifen sehr oft in einem Kopf herum. Doch dann kommt ein kleiner Lichtblick und ich bin im Büro und mir wird bewusst, dass ich als einfache Industriekauffrau nach der Ausbildung als Chefsekretärin des technischen Vertriebs im Projektgeschäft eingestiegen bin und gleich eine riesige Verantwortug übertragen bekommen habe. Vielleicht ist diese auch der Grund, der mich so maßlos überfordert, da an meiner Arbeit sehr viel hängt. Aber dann wird mir bewusst, wie wichtig meine Arbeit ist und denke an die Zeit zurück, in der ich Zigaretten und Zeitschriften in einem Bahnhofskiosk verkauft habe. Und da wird mir bewusst, dass ich es tatsächlich geschafft habe, mit Kind im Rücken und dass ich endlich wer bin. Das soll nicht heißen, dass ich von den anderen Berufen nichts halte. Ich hatte meine lustigste Zeit bei einer Versandunternehmen am Band und es hat mir ebenfalls sehr viel Spaß gemacht im Fitnessstudio zu stehen, Eisweißshakes zu verkaufen und eine Menge toller Menschen kennen gelernt zu haben. Es ist nichts schlechtes, einen solchen Beruf zu haben. Aber es zeigt mir, wozu ich selbst fähig bin, wenn ich daran denke, was ich nun alles leiste und welche große Chance ich damals als Azubine erhalten habe.

Arbeit sichert uns beiden eine gute Zukunft

Wir beide waren nicht die Oberverdiener und ja wir sind es bisher nicht wirklich. Noch immer leben wir von Monat zu Monat und waren auch nie wirklich im Urlaub, wenn man Familienbesuche im Ausland nicht zählen kann. In den Jahren, die ich für meine Ausbildung genutzt habe, hat mein Mann sich auf dem Bau kaputt gearbeitet. Bei jedem Wetter stand er draußen und hat die im schwarzwald typischen Schindelhäuser bearbeitet. Nun habe ich eine gute Position und wir nutzen diese Zeit für seine Umschulung, damit auch er eine sichere und angenehme Stelle bekommen kann. Und so kann ich als Frau dazu beitragen, dass alle Familienmitglieder etwas aus sich machen können. Und ja ein bisschen erfüllt mich das mit stolz. Denn wie oben erwähnt gab es mal eine Zeit, da hätte ich ihn nicht unterstützen können, weil ich keine andere Möglichkeit gehabt hätte, als zuhause zu sein. Das sichert nicht nur meine sondern auch seine Zufriedenheit und setzt meinen Mann nicht unter Druck, immer funktionieren zu müssen.

Ich habe eine gewisse Unabhängigkeit erlangt

Als ich nach meinem niedrig bezahlten Job ein ebenfalls niedrig bezahltes Eltengeld hatte, war ich immer abhängig davon, dass mein Mann da ist. Und ich kann mir vorstellen, dass es immernoch sehr viele Frauen gibt, die auf das Unterhalt ihrer Männer angewiesen sind und ohne sie vielleicht  aufgeschmissen wären. Im Falle einer Trennung oder gar einer Arbeitsunfähigkeit des Mannes könnte es jederzeit zu einem Drama kommen, in dem die Familie finanziell nicht mehr weiter weiß. Ich habe es selbst in der Hand und bin mit meinem Mann auf Augenhöhe. Ich brauche ihn noch genauso wie zuvor- doch auch er braucht mich genauso. Während ich früher wegen jeder kleinsten Ausgabe für mich selbst das Gefühl hatte mich rechtfertigen zu müssen, kann ich mir meine Sachen nun einfach kaufen und brauche keine Gewissensbisse zu haben. Die Schuhe gefallen mir? Dann kann ich sie mir einfach kaufen, wenn ich Lust darauf habe. Schließlich habe ich mir mein Geld dafür selbst verdient.

Ja, trotz meiner Gewissensbisse und der Überforderung mache ich mir oft selbst klar, wie wertvoll es ist, dass ich arbeiten gehen KANN und DARF. Ich habe die Möglichkeit dazu, mein Leben mir so zu legen, wie ich es mir wünsche. Und ich kann als gutes Beispiel meiner Tochter vorleben, dass eine Frau sich selbst etwas gutes tun kann und auf eigenen Füßen stehen kann. Damit kann ich vielleicht bewirken, dass sie etwas wertvolles aus sich selbst macht. Ich bin mir bewusst, dass ich viel dafür tun muss, um da zu stehen, wo ich gerade stehe, aber dass mein Preis dafür es tatsächlich wert ist.

13 Antworten auf „Weshalb ich gerne arbeiten gehe“

  1. Ein toller Beitrag, den ich voll und ganz so unterschreiben kann. Ich trage zwar mit meinem Blog nicht wirklich etwas zur Familienkasse bei, weiss aber genau was du meinst – obwohl die “Arbeit” am Blog für mich immer noch Hobby und eben keine Arbeit im eigentlichen Sinne ist 🙂

  2. Ein ganz toller Beitrag… ich finde es auch wichtig, arbeiten zu gehen oder wie jetzt selbstständig zu sein. Für mein Selbstwertgefühl, für die Familienkasse, für meine Kinder. Denn ich bin ja auch ein Vorbild. Sie sehen so schon früh, von nix kommt nix. Aber auch für mich! Allerdings wenn eine Frau nicht arbeiten gehen möchte und es für die Familie okay ist – so what? Auch okay. Ich habe halt für mich anders entschieden. Und am Anfang war es auch wichtig finanziell. Mittlerweile ist es einfach mein persönlicher Luxus zu entscheiden, ob ich arbeite oder nicht.

    LG, Bea.

  3. Ein sehr toller Beitrag. Es muss natürlich jede für sich entscheiden ob sie arbeiten und mit voller Kraft Mutter und Ehefrau sein möchte. Oder beides etwas. Ich selbst möchte auf jedenfall später versuchen beides unter einen Hut zu bekommen. Aber das dauert noch eine Weilchen ?

    LG, Silvie
    Von
    https://kopfsache.online

    1. Hallo Silvie, ja da ist tatsächlich jeder anders 🙂 Ich könnte es mir einerseits gar nicht vorstellen, über die Elternzeit hinaus zuhause zu bleiben, andererseits ist voll arbeiten etwas heftig. Ich hoffe, mal einen idealen Mittelweg zu finden.

  4. Ich bin auch eine working Mum. Ich habe mein ganzes Leben gearbeitet und kann es mir gar nicht anders vorstellen. Sicher macht das nicht immer gleich viel Spaß. Es gibt gute Zeiten und Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Dennoch würde ich für nichts in der Welt meine Unabhänigkeit aufgeben wollen.
    Die Zeiten, in denen Freuen ausschließlich für Heim und Herd zuständig waren, sollten im 21. Jahrhundert endgültig vorbei sein!
    Verspielte Grüßle,
    Simone

    1. Hallo Simone,
      ja ich denke auch, dass nur zuhause zu bleiben nicht mehr sein sollte / muss.
      WIr sollten glücklich daüber sein, dass wir diese Möglichkeit überhaupt haben.

  5. Hey,

    mit etwas Unterstützung sollte es möglich sein beruflich tätig zu sein auch wenn man Mutter ist. Ich sehe es wie du, wenn man studiert hat etc., sollte man sein Können nicht einfach wegeerfen, es reicht ja auch, wenn man eine kleine Teilzeitstelle erstmal hat.

    Finde deine Einstellung richtig!

    Lg

    Steffi

  6. Für mich wäre es auch nichts, daheim zu bleiben. Daher käme für mich auch nie ein zweites Kind in Frage. Ich war insgesammt 3 Jahre daheim “Schwangerschaft komplett und 2 Jahre Elternzeit”. Nicht nur, dass es mit einem Kind schon schwer ist eine neue Arbeit zu finden, fände ich es noch schwerer mit mehreren Kindern.
    Zumal gehe ich lieber Arbeiten und bin unabhängig vom Staat. Ich will leben, mein Geld ausgeben, mein Heim bezahlen und für mein Sohn da sein. Ich finde demnach deine Entscheidung gut 😉

    Alles liebe

    1. Hallo Nici,
      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂
      Schön zu wissen, dass es auch andere Mütter gibt, die das so sehen.
      Aber deshalb auf weitere Kinder zu verzichten würde ich niemals wollen! Ich hätte schon gerne ein zweites oder drittes und eine Elternzeit kommt schon in Frage. Jedoch nicht auf mehrere Jahre.

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