Weltfrühchentag – meine Erfahrung mit einer Frühgeburt

Heute ist Weltfrühchentag – ein guter Tag um einmal mehr über die Frühgeburt nachzudenken und darüber, was in unseren Arztsystem alles falsch läuft. Deshalb teile ich mit euch hier meine tiefe geheime Geschichte, über die ich eigentlich nicht gerne spreche:

Ich hatte eine Ahnung…

Glücklicherweise hatte ich schon immer eine gute Beziehung zu meiner Tochter im Bauch. Bereits als es um die Frage des Geschlechts ging und die Ärzte sagten, es würde ein Junge werden, war ich mir sicher, eine Tochter zu bekommen. Genauso verhielt es sich mit dem Zeitpunkt der Geburt. Schon zu Beginn meiner Schwangerschaft bekam ich das „Mami Buch“ und habe mich sehr für das Thema Frühchen interessiert. Aus irgend einem Grund war ich mir sicher, dass Mia nicht erst im Juli zur Welt kommen würde. Das Thema habe ich regelmäßig bei meiner Frauenärztin und Hebamme angesprochen, beide haben mir jedoch versichert, dass die Kinder in solchen Fällen meist eher nach dem Termin kommen.

In der 33. Woche, nach meiner Rhesusprophylaxe (ich habe 0-, mein Mann A+) bekam ich plötzlich Blutungen. Meine Hebamme riet mir, gleich ins Krankenhaus in den Kreissaal zu gehen. Dort wurde ich lediglich an das CTG angeschlossen und bekam einen Ultraschall, anschließen wurde ich nach Hause geschickt, mit dem Vermerk, dass alles gut sei. Auch meine Frauenärztin hat am nächsten Tag nichts gefunden. Doch keiner kam auf die Idee, mir Blut abzunehmen und einen Antikörpersuchtest durchzuführen. Die Spritze wird schon gewirkt haben bei der Plazentaablösung, das sei ganz normal, dafür wäre das Medikament ja da.

“Das Kind muss noch im Bauch bleiben”

Am Anfang der 36. Woche (Donnerstag) war ich Abends mit meinem Mann unterwegs und bekam plötzlich Bauchschmerzen. Da es meine erste Schwangerschaft war und ich noch gar nicht auf eine Geburt vorbereitet war, habe ich dies ignoriert und eine Magnesium gegen das Ziehen genommen. Doch die Schmerzen wurden immer heftiger. Mir ist ein Rat meiner Hebamme eingefallen und ich ließ mir Nachts um 4 eine Badewanne ein und lief die halbe Nacht herum. Da mein Mann einen neuen Job hatte und nicht freinehmen konnte, rief ich gleich um 8:00 Uhr ein Taxi, welches mich zu meiner FA fuhr. Diese stellte fest, dass mein Muttermund bereits 2 cm offen war und rief gleich nach einem Krankenwagen. Sie sagte mir, dass es völlig im Rahmen wäre und nicht zu früh, ein Kind zu kommen. Sie sei schon groß und reif genug. Die Ärzte im Krankenhaus waren da ganz anderer Meinung. Völlig verwirrt ließ ich mich also verunsichern und glaubte ihnen, dass sie noch keine 2 kg wiegen würde und ich sie zumindest noch zwei Wochen halten sollte. Bis mein Mann im Krankenhaus ankam hatte ich bereits einen Wehenblocker genommen und wurde stationär zur Beobachtung aufgenommen. Danach wurde mir und meinem Mann die Frühchenstation gezeigt, um zu demonstrieren, wie furchtbar es wäre, wenn meine Tochter jetzt schon käme. Da ich am Samstag früh noch immer keine Wehen hatte, wurde ich so durcheinander wie ich war und mit offenem Muttermund mal wieder nach Hause geschickt. Ich habe danach lange mit meiner Hebamme gesprochen und sie sagte mir, dass wenn ich das Gefühl habe, das Kind müsste raus, wird es richtig sein und ich könnte guten Gewissens auf die Tabletten verzichten.

Ich wusste, dass etwas nicht stimmte

Den Samstag haben wir bewusst verbracht. Es könnte schließlich unser letzter Tag zu zweit gewesen sein. Also haben wir einen langen Spaziergang gemacht (auch um die Wehen wieder zu fördern), sind essen gegangen und haben die Zeit noch genossen. Und tatsächlich, nachts bekam ich wieder Wehen und wir fuhren gleich am nächsten Morgen ins Krankenhaus, wo wir mit bösen Blicken begutachtet wurden. Widerwillig wurde ich aufgenommen und musste eine Einverständniserklärung unterschreiben, um die Tablette zu verweigern. Außerdem hatte ich noch ein anderes Problem: die Wehen wollten nicht richtig weitergehen, weil die Tablette vom Freitag noch wirkte, eine Wehenförderung weigerten sie sich mir zu geben. Also saß ich noch ganze 10 Stunden mit Wehen, die nichts bewirkten, und hörte mir Drohungen über Notkaiserschnitte an, bis gegen späten Nachmittag endlich meine Fruchtblase platze.

Mia-Sophie war mit 48 cm und 2800 g ein sehr großes Frühchen (also gar nicht wie die Ärzte es angedroht haben). Am Sonntag Abend um 18:30 nach quasi 4 Tagen habe ich endlich mein früh geborenes Kind auf natürlichem Weg bekommen. Umgeben von mehreren Frauenärzten, Hebammen und Kinderärzten hatte ich noch noch ganze 20 Minuten mit meiner Tochter, bis sie auf die Intensivstation gebracht wurde und ich erst nach 2 Stunden nachkommen durfte. Und dann begannen die härtesten 10 Tage meines Lebens.

Die leidigen 10 Tage in der Intensivstation

Die Kinder bekamen alle gleich immer nach 3 Stunden ein Fläschchen: um 5, um 8, um 11, um 2 usw. Brust geben war nicht erlaubt, wer stillen wollte, musste zwischen den Zeiten in den Abpumpraum gehen. Auch der Aufenthalt außerhalb dieser Zeiten war nicht gern gesehen. Zwar hatte jedes Frühchen sein eigenes Zimmer, jedoch waren die Schwestern der Meinung, es würde die Kinder stören, wenn die Eltern sich in den Räumen aufhalten würden. Als ich noch im Krankenhaus lag, ging ich zu den Zeiten alle 3 Stunden in die Intensivstation, wechselte die Windel und gab ihr die Flasche, während die an die Kabel angeschlossen war. Ganz gleich ob ich sie wecken musste oder nicht, die Flasche gab es ausschließlich nur zu den Zeiten. Am Mittwoch war es dann soweit: ich wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Glücklicherweise wohnten wir im selben Ort und ich hatte mit dem Auto einen Weg von 5 Minuten. Dennoch sah mein Tag folgendermaßen aus: ich fuhr um 8 Uhr ins Krankenhaus, gab ihr die Flasche, saß bis 11 vor dem Krankenhaus herum (zum Glück war Sommer) und ging über Mittag nach Hause. Um 17 Uhr fuhren wir mit meinem Mann ins Krankenhaus und blieben bis 20 Uhr. Ein Mal durften wir sie sogar abends baden.

Das andere Problem war noch, dass der Gesundheitszustand sich immer weiter verschlechterte und keiner mir sagte wieso. Sie hatte unerklärlicherweise eine starke Gelbsucht und Probleme mit dem Atmen. Bis eines Abends unser Telefon klingelte und die Tante meines Mannes dran war. Sie arbeitete in Baden Baden in der Blutklinik und hat durch Zufall unsere Ergebnisse in die Hände bekommen. Sie war die einzige, die uns erklärte, dass ich Antikörper gegen die Blutgruppe meiner Tochter gebildet hätte und sie deshalb eine Gefährdung für eine Anämie hatte. Am siebten Tag würde das ganze schlimmer werden, danach würde es bergauf gehen. Und tatsächlich als wir am Sonntag in die Klinik kamen, lag meine arme kleine mit einer Magensonde im Wärmebett, weil sie selbstständig nicht mehr essen konnte. Zum Glück kam es nicht zu einer Bluttransfusion, dennoch sah ich wie sie litt und durfte sie nicht einmal in den Arm nehmen zum trösten. Seine Tante versicherte mir zudem, dass es richtig war, dass sie nicht in meinem Bauch geblieben ist, denn jeder Tag hätte es noch schlimmer gemacht. Es tat mir jeden Tag weh in die Klinik zu gehen und zu erfahren, dass der Tag, an dem ich sie nach Hause nehmen durfte, sich wieder um 3 Tage verlängert hätte (sie musste 3 Tage ohne Vorfälle aufweisen). Als ich die Schwestern auf die Blutergebnisse angesprochen hatte, sagten diese nur, dass die Tante uns es hätte nicht erzählen dürfen. Es wäre schon alles in Ordnung.

Am 19. Juni 2013 war es endlich soweit: nach 10 Tagen durfte ich die Kleine endlich mit nach Hause nehmen. Doch die Probleme bezüglich der Antikörper gehen weiter: auch gegen die Spritze nach der Geburt war ich immun und habe stand heute auch immer noch die Antikörper gegen D. Durch die Rhesusformel meines Mannes werden wir kein Rhesusnegatives Kind bekommen können. Wie es in Zukunft weiter geht, ist aber eine andere Geschichte…

14 Antworten auf „Weltfrühchentag – meine Erfahrung mit einer Frühgeburt“

  1. Da fehlen mir so sehr die Worte! Sehr traurig, wie ihr behandelt wurde, wie wenig man dir Glauben schenken wollte. Aber ich freue mich, dass wenigstens alles gut gegangen ist und du jetzt auch besser in deiner zweiten Schwangerschaft betreut wirst.

    Liebe Grüße
    Victoria

  2. ein sehr ergreifender Beitrag liebe Wioleta!
    ich kenne die Frühchen bisher nur von der anderen Seite aus -weil ich einige Monate in einem Krankehaus mit Frühchen gearbeitet habe – und schon das ist sehr ergreifend. kaum vorzustellen, wie es für die Mama da sein muss!!!

    ich bin doch echt froh am Ende zu lesen, dass bei euch alles gut ausgegangen ist 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

  3. Das ist ja eine recht beunruhigende Geschichte. Irgendwie gehe ich immer noch davon aus, dass Ärzte genau wissen, was sie wissen und tun müssen. Bei dir war das offensichtlich nicht der Fall und ich höre auch öfter mal von solchen Geschichten.

    Ich habe eine ziemlich gute Verbindung zu meinem Körper und traue Ärzten nicht einfach blind, sondern spüre in mich hinein. Letztlich habe ich aber nicht Medizin studiert und komme irgendwann an den Punkt, an dem ich den Ärzten einfach vertrauen muss.

    Viele Grüße
    Maike

    1. Hallo Maike,

      der Beitrag sollte keineswegs einschüchternd wirken. Aber es ist nun einmal so, dass immer mehr Ärzte gar kein Interesse mehr an den Patienten haben sondern nur auf Geld aus sind. Das ist traurig, aber wahr.

      Viele Grüße
      Wio

  4. Ein schöner Beitrag von dir – ich bin einfach nur dankbar dass meine beiden Kinder gesund auf die Welt gekommen sind. Beide um den errechneten Geburtstermin herum … das zerreißt einer Mutter einfach das Herz wenn das Kleine gleich am Anfang so kämpfen muss …

    Liebste Grüße
    Verena

    1. Hallo Verena,

      ich glaube das schlimmste war wirklich einfach, dass ich sie nicht gleich bei mir haben konnte. Vielleicht klappt das ja beim nächsten Mal

      Liebe Grüße
      Wio

  5. Ich hab überhaupt keine Erfahrungen mit eigenen Kindern und hab deswegen auch keinen Einblick in das Geschehen bei Geburten. Schön dass du so offen bist und dieses Erlebnis mit deinen Lesern teilt! Aktuell ist gerade meine beste Freundin schwanger und ehrlich gesagt, schaut es so aus, als wär ich nervöser als sie ?

  6. Du arme. Da hast du ja ganz schön was durchgemacht. Ich habe selber keine Kinder und stelle mir es schlimm vor, dass einem nicht geglaubt oder richtig geholfen wird. Ärzte können sich zwar auch irren, aber es sollte doch alles untersucht werden, was möglich ist.
    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe!

    Liebe Grüße

    Jules

  7. Puh das klingt ja nach einer richtigen Gefühlsachterbahn.
    Ich finde es heftig, dass du das so früh gespürt hast, aber viele haben da ja solche EIngebungen, die sich dann als wahr entpuppen.
    Schön, dass trotzdem alles erstmal gut ging und es euch gut geht, auch wenn das mit den Antikörpern echt eine heftige Angelegenheit ist

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

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