Von der Kunst der Mutterpflege – Ernährung im Wochenbett

Der Countdown läuft – bald kommt unsere kleine Maus auf die Welt. Je näher der große Tag kommt, umso mehr Gedanken mache ich mir um mein Wochenbett und wie wir dieses am entspanntesten für alle gestalten können. Gerade rechtzeitig hat sich die liebe Antonia bei mir gemeldet, welche ein Catering Unternehmen in Australien leitet und sich auf die Ernährung im Wochenbett spezialisiert hat – denn genau dieser Aspekt wird von vielen Frauen in dieser empfindlichen Zeit unterschätzt. Mit ihren Tipps können sich die Frauen voll und ganz auf die Zeit mit dem neuen Baby einstimmen und haben kein Stress mit dem Kochen. Sie erzählt uns heute am Blog, wie wichzig die richtige Ernährung ist und wie wir diese ganz leicht umsetzen können.

“Die erste Zeit als Mama kann eine Zeit voller unterschiedlicher und intensiver Gefühle sein, die uns herausfordern. Ausbrüche von unglaublicher Liebe, Freude und Zuneigung sind gemischt mit Unsicherheit, Einsamkeit und dem Gefühl von Unzulänglichkeit. Mache ich auch alles richtig und werde ich eine Gute Mama sein?

Nach der Geburt ist unser Körper roh und verletzlich. Er bedarf Heilung. 40 Wochen lang haben wir unser Baby in uns ernährt. Ihm alles gegeben was es braucht. Jetzt sind wir es, die diese liebevolle Aufmerksamkeit brauchen. Unser Körper hat gerade eines der grössten Wunder und Kraftakte vollzogen und Ernährung kann einen grossen Teil dazu beitragen, unseren Körper nach der Geburt von innen heraus zu heilen und zu unterstützen. Die drei Hauptanliegen sind es, verlorenes Blut und Nährwerte wieder herzustellen, verletztes Gewebe, die Gebärmutter und die Vagina zu heilen und das Stillen optimal zu unterstützen. Doch Nahrung und Ernährung ist nicht nur Essen, sondern vielmehr das Gefühl von Wertschätzung, des Festhalten dieses besonderen Moments und der nachhaltigen liebevollen Unterstützung, die wir durch das fürsorglich zubereitete Essen erhalten.

Die richtige Ernährung im Wochenbett

Nach der Geburt meiner Kinder fühlte ich mich ausgehungert. Als hätte ich tagelang nichts gegessen. Und Oh, wie wunderbar schmeckte der erste Biss in mein heißgeliebtes, dunkles Roggenbrot mit vielen Körnern, dick bestrichen mit Butter und Honig!

In den Wochen darauf merkte ich jedoch, dass ich meinem Körper, durch das was ich aß, nicht das zu geben schien, was er brauchte. Das Stillen zehrte an meinen Kräften und ich fühlte mich schwach und müde. So begann ich mich mit Ernährung im Wochenbett bzw. im Vierten Trimester, zu beschäftigen (Ich bevorzuge den Begriff des Vierten Trimesters, da er für mich die Verbundenheit mit den vorangegangen drei Trimestern versinnbildlicht und die Schwangerschaft, die Geburt des Babies und die Geburt des Mamaseins als unzertrennliche Einheit beschreibt.). Als eine meiner besten Freundinnen dann ihr erstes Kind bekam versorgte ich sie drei Wochen lang jeden Tag mit einer warmen Mahlzeit. Ich hatte das Bedürfnis ihr meine innige Liebe und Zuneigung von Mama zu Mama zu zeigen und so entstand meine Leidenschaft für die Ernährung im Wochenbett, sowie die besondere Fürsorge für neugeborene Mamas im Wochenbett.

Wochenbett als Erholung nach der Geburt

Die verschiedenen Traditionen der Mutterpflege, die wir in vielen Ländern und Kulturen wieder finden können, sind einander sehr ähnlich und basieren alle auf den gleichen Grundprinzipien. Das Essen ist, neben Ruhe und Wärme, liebevoller Berührung, dem Kontakt mit der Natur und der Anwesenheit und dem Austausch mit erfahrenen Frauen, eine der fünf Säulen. Gemeinsam bilden sie die Einheit der Mutterpflege im Vierten Trimester. Wenn wir uns also körperlich wohl und versorgt fühlen, können wir uns mit unserem Bewusstsein und unserem Geist voll und ganz auf unser Mamasein einlassen.

Die ernährung an den Heilungsprozess anpassen

Nach den Anstrengungen der Geburt und nach den fast 10 Monaten, in denen deine Organe auf kleinsten Raum gedrängt worden sind, ist deine Verdauung etwas langsamer und schwächer als zuvor. Beginne langsam und sanft. Eine warme Suppe oder ein weich gekochter Eintopf sind ideal. Deinem Körper wird es so leichter fallen, die nötigen Nährstoffe aufzunehmen. So bleibt ihm mehr Energie deinen Körper zu erwärmen und von innen heraus zu heilen.

Vermeide das Kalte. Kaltes Essen und kalte Getränke verlangsamen deine Verdauung und verhindern die Blutzirkulation, die nötig ist, um die Gebärmutter und die Reproduktionsorgane in seinen natürlichen, nicht schwangeren, Zustand zurück zu bringen.

Gute und reichhaltige Fette können dein bester Freund werden. Auch wenn wir manchmal eine etwas kritische Beziehung zu Fett haben, lohnt es sich in der Zeit nach der Geburt, sich mit ihnen anzufreunden. Gute Qualität der Zutaten, des Fleisch, der Eier oder des Fisches, sind hier ausschlaggebend. Sie helfen dir deine Ressourcen aufzubauen, deine Brustmilch anzureichern, deine Hormone und deine Stimmung auszubalancieren und haben Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns deines Babies.

Und zu guter Letzt stelle sicher, dass du genug trinkst. Flüssigkeiten, die dir während der Geburt verloren gegangen sind, sollten durch ausreichend Wasser (Raumtemperatur), Tee oder auch Brühe wieder aufgefüllt werden.

In alten Traditionen können wir viel Weisheit und Heilung finden. Es gibt einer neugeborenen Mama die Möglichkeit Ruhe zu finden, ihre neue Rolle als Mutter anzunehmen und ihre Gefühle zu erkunden. Für dein Baby bist du Alles. Der Anker, in dieser noch so neuen und unbekannten Welt. Ihr seid jetzt zwei individuelle Personen und doch für ein paar kurze und wertvolle Wochen seit ihr doch in vielerlei Hinsicht noch Eins. Wenn deine Grundbedürfnisse – versorgt und gesehen zu werden – erfüllt sind, kannst du dich in Ruhe dir selbst und deinem Baby hingeben und ihr könnt euch gegenseitig in Liebe und Gelassenheit kennenlernen.

Rezept : Süßkartoffel, Linsen und Kichererbsen Eintopf
Zutaten:

Olivenöl

3 Schalotten, fein geschnitten

1 Bund fein geschnittener Rosmarin

1 mittelgrosse Süßkartoffel

1 Tasse Linsen

750ml Gemüsebrühe

1 Dose Kichererbsen, gut gewaschen

Babyspinat zum servieren

  1. Erwärme das Olivenöl in einer grossen Pfanne auf und füge die Schalotten und den Rosmarin hinzu. Koche das Ganze für etwa 3-4 Minuten bis sie weicher werden. Füge die Süßkartoffeln hinzu und koche für eine weitere Minute. Dann füge die Linsen, die Brühe und ausreichen Wasser hinzu, bis das Gemüse bedeckt ist.

  2. Koche es bei mittlerer Hitze etwa 35-40 min lang. Die Kichererbsen kommen in den letzten 10 min hinzu. Abschmecken.

  3. Dann mische soviel Babyspinat unter wie du möchtest und fertig!

Die Autorin

Antonia Unger – Mama Birth

www.mamabirth.de

_mamabirth (Instagram)

Mama Birth – Mama werden, Mama sein (Facebook)

17 Antworten auf „Von der Kunst der Mutterpflege – Ernährung im Wochenbett“

  1. Es ist schon spannend, worauf man alles achten sollte und worüber man sich am besten noch vor oder während der Schwangerschaft informieren sollte. Die fünf Säulen finde ich interessant.

  2. Ein sehr interessanter Artikel! Leider konnte ich das alles gar nicht umsetzen, da es zu der Zeit als ich Mutter wurde, solche Hilfen gar nicht gab. Damals vor 40 Jahren hat es niemanden interessiert, wie man das schafft, leider.
    Liebe Grüße
    Sigrid

    1. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es früher alles sehr viel schwieriger war! Aber wir sind damals auch alle irgendwie groß geworden ohne diese Erkenntnisse

  3. Sicherlich eine spannende und schöne Zeit, in der es einiges zu beachten gilt. Jeder geht mit der Wochenbett Zeit ja auch anders um… Da ich noch keine Kinder habe, kann ich hier nicht mitreden, behalte deinen Post und das Thema Ernährung in dieser Zeit im Hinterkopf.
    Liebe Grüße,
    Emilie von LA MODE ET MOI

    1. Liebe Tina, Ja irgendwie wird das Wochenbett in all dem Trubel um Schwangerschaft und Geburt und Baby oft vergessen. Doch auch wir werden als Mama geboren und verdienen Aufmerksamkeit und Pflege 🙂
      Alles Liebe, Antonia von Mamabirth

  4. Wow, damit hab ich mich noch gar nicht befasst. Danke für diesen informativen Beitrag <3 Ich bin zwar noch nicht Mama & auch nicht schwanger, freue mich aber total über Artikel zu diesen Themen. Alles Dinge, die ich dann schon mal weiß, wenn es soweit ist. Ich wundere mich gerade, dass ich mit meinen Freundinnen, die schon Mütter sind, dieses Thema noch nie besprochen habe – dabei ist es total wichtig.

    Liebst,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

    1. Liebe Sarah,
      Ja das ist tatsächlich ein wichtiges Thema! Vielleicht habt ihr einfach nicht darüber geredet, weil Frauen im Wochenbett sich einfach etwas zurück ziehen und du sie in diesen paar Tagen gar nicht gesehen hast?

  5. Ein wichtiges Thema … leider lässt sich das nicht immer umsetzen. Als ich beim 2. Kind nach Hause kam, hatte ich ein Kleinkind mit 23 Monaten das mich einfach ebenfalls brauchte. Da musste ich sofort zu 100% funktionieren … da war keine Zeit zum Schonen und auf mich aufpassen …

    Hab einen schönen Abend
    lg
    Verena

    1. Das ist wahr! Mein erstes Wochenbett habe ich komplett zwischen zuhause und Intensivstation gependelt, wo meine Tochter 10 Tage lang lag… Mal sehen wie es beim zweiten wird

  6. Obwohl ich noch keine Mama bin, fand ich diesen Artikel unheimlich spannend. Als Noch-nicht-Mama macht man sich über sowas keine Gedanken. Aber klar, meine Mutter berichtete mir, dass sie während der Stillzeit tafelweise Schokolade verdrücken konnte, weil ihr Körper alles zur Milchproduktion verbrannte. Wahnsinn, was ein Frauenkörper leistet!

    Ein Lächeln,
    Miri von thesoulfoodtraveller.com

    1. Ja ich stelle mich auch schon voll und ganz auf die 500 Kalorien mehr ein 😅
      Meine Große habe ich nicht gestillt und würde mich sehr freuen, wenn es beim zweiten klappt

  7. Sehr hilfreicher Beitrag zu einem wichtigen Thema! Ich weiß noch wie erschöpft ich nach der Geburt durch den Blutverlust war und es dauerte eine Weile, bis ich wieder auf die Beine kam. Selbst kochen war nicht möglich. Dabei ist gesundes Essen so wichtig wie du schön beschrieben hast.

    Liebe Grüße,
    Diana

    1. Liebe Diana, Es ging mir genau wie dir. Ich hatte soviel Blut verloren, dass ich garnicht alleine aufstehen konnte. Das war auch einer der Gründe warum ich angefangen habe mich mit dem Thema zu beschäftigen. Wie können wir uns auf natürlichem Wege helfen, wieder zu Kräften zu kommen?
      Alles Liebe Antonia von Mamabirth

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