Unterstützung zuhause -wie viel darf ich als Hausfrau von meinem Mann erwarten?

Letzte Woche habe ich über das Thema Beziehungsprobleme bei arbeitenden Müttern geschrieben und festgestellt, dass diese Beziehungen meist an der mangelnden oder gar fehlenden Unterstützung seinerseits leiden. Wie auch in dem Artikel beschrieben ist Reden das A und O aller Harmonie bei uns zuhause. Seit ich im Beschäftigungsverbot bin, hat sich diese Situation völlig geändert, da ich nicht mehr den ganzen Tag im Büro bin und mir meine Zeit ganz anders aufteilen kann. Auch über dieses Thema haben wir gesprochen und sind froh dass wir uns einig sind – was in den meisten Beziehungen nicht der Fall zu sein scheint. In welchen Punkten ich welche Unterstützung von meinem Mann erwarten darf, der den ganzen Tag arbeitet, während ich es nicht tue und wie wir zu der Einstellung vieler Frauen stehen erzähle ich euch aus Sicht einer berufstätigen Mama, die in den Haushalt zurückgekehrt ist.

Der liebe Haushalt

Wie schon erwähnt, mein Mann ist definitiv kein Macho der abends nach Hause kommt und die Füße hoch legt. Und als wir beide voll berufstätig waren, war es bei uns sebstverständlich, die Arbeit zuhause voll und ganz aufzuteilen. Vielleicht habe ich eben deshalb so viel Verständnis und weiß wie es ist, abends gerädert nach Hause zu kommen und dann noch kochen und aufräumen zu müssen. Ich weiß auch, wie nervig es ist, den ganzen Samstag für liegengebliebenen Haushalt und Einkäufe zu verschwenden. Daher ist für uns ganz klar: wer zuhause ist, macht den Haushalt. Ohne Ausnahme, ohne Wenn und Aber und irgendwelche Diskussionen. Und ich finde es schrecklich, mir von Bekannten anhören zu müssen, die dem arbeitenden Mann Hausarbeit aufs Auge drücken, nur damit er auch mal was getan hat, obwohl diese den lieben langen Tag dafür Zeit haben. Deshalb möchte ich hierzu noch auf die Begründungen der Frauen eingehen:

“Ich mache mit dem Haushalt einen 24h Job, der mir nicht mal bezahlt wird”

Bei diesem Satz denke ich manchmal, diese Frau hätte nie gearbeitet. Denn wer schonmal arbeiten gewesen ist und eine eigene Wohnung hatte (sei mal dahin gestellt, ob schon Kinder da waren oder nicht) weiß, dass der Haushalt eben zum Leben dazu gehört. Ganz gleich ob man zuhause ist oder arbeitet, es gibt immer Wäsche zu waschen und zu bügeln, Essen zu kochen, Reste zu beseitigen, Bäder zu putzen und das ganze Programm. Als arbeitender Mensche habe ich nur irgendwie nicht das Recht meine wütende Stimmte zu erheben, dass der Haushalt ein niemals endender Job ist und ich den ganzen Tag damit beschäftigt bin und Hilfe von Menschen einzufordern, die gar nicht da sind. Ich verstehe, dass es langweilig wird, jeden Tag den Haushalt schmeißen zu müssen und man mehr vom Leben erwartet, als nur zu putzen. Aber es ist keine Überforderung, die man abdrücken darf. Und sehe es so: alles, was Du jetzt erledigst, bleibt dir als freie Zeit, die Du mit Deinem Partner besser verbringen kannst.

“Ich bin mit den Kindern so ausgelastet, da komme ich sebst nicht zum putzen”

Natürlich sagt keiner, Du sollst Deine Kinder vernachlässigen und deine Wohnung wie geleckt ohne ein einziges Staubkörnchen wienern. Aber es ist tatsächlich möglich beim Einsatz von 1-2 Stunden am Tag die Wäsche auf zu hängen, zu saugen oder was auch immer anfällt. Auch mit Kindern geht das. Wenn die Kinder klein sind, schlafen sie tagsüber viel oder möchten eh getragen werden. Das alles sind gute Momente, um mal etwas zuhause zu machen und nicht bis zum Abend zu warten, um dem Mann ein perfektes Chaos zu präsentieren und ihm zum helfen zu zwingen. Auch mit größeren Kindern kann man den Haushalt erledigen und die Kinder im besten Fall dazu animieren, mit zu machen. Und vor allem solltest Du nicht zu streng mit dir sein, denn es geht hier um Haushalt nicht um einen Nobelpreis für das sauberste Zuhause. Meine Tochter war ein Schreibaby und hatte sehr oft das Bedürfnis, auf den Arm genommen zu werden. Ich habe sie also immer bei mir haben müssen, was auch völlig verständlich war, da wir nach der Geburt getrennt wurden und sie die erste Zeit auf der Frühchenstation verbracht hat. Allerdings habe ich es gerade dann geschafft, meine Wohnung sauber zu halten, da ich hin wie her mit ihr auf dem Arm herumlaufen musste. Es gibt immer eine Möglichkeit seine Kinder mit einzubinden.

Nächtliches Aufstehen

Auch bei diesem Thema scheinen sich die Geister zu scheiden. Zumindest bei stillenden Müttern ist klar, dass diese Nachts das Kind füttern müssen. Wer jedoch die Flasche gibt, verfällt automatisch in die Erwartung, dass der Mann nachts auch mal die Flasche geben kann, damit die Frau mal eine Nacht durchschläft. In den meisten Fällen stellt sich diese Vorstellung als utopisch heraus und das Ganze endet im Frust. Dabei vergessen wir, dass wir zwar nicht die ganze Nacht schlafen, in der Elternzeit jedoch so gut wie jeden Tag die Möglichkeit haben, uns irgendwann wieder hin zu legen, während Dein Mann nach einer unruhigen Nacht übermüdet am PC oder in der Industriehalle steht oder sitzt, am Steuer ist oder eine andere Tätgkeit ausübt, bei der er voll und ganz dabei sein sollte. Auch wenn Du mehrere Kinder hast, wird es Dir niemand übel nehmen, wenn Dir in einer ruhigen Minute die Augen zufallen oder Du dich mit dem Baby bewusst schlafen legst, während die größeren Kinder im Kindergarten oder in der Schule sind. Es gibt unzählige Möglichkeiten, die Dein Partner unter dem Tag nicht hat. Wer jedoch dennoch einfach Erholung braucht, kann folgendes tun:

  • Ein Beistellbett im Zimmer in Bettnähe anbringen. Mir hat es wahnsinnig geholfen, nachts zwar aufwachen, jedoch nicht herumlaufen zu müssen. Es hilft Dir zwar nicht beim Fläschchen machen, bei der nächtlichen Suche nach dem Schnulli jedoch sehr viel
  • Bewusste Schlafenszeiten vereinbaren. Dein Mann kann Dich auch mal am Wochenende morgens länger schlafen lassen oder mal am Tag etwas mit den Kids unternehmen, damit Du dich hinlegen kannst. So kannst Du deine Batterie aufladen, ohne seinen Schlaf zu unterbrechen.
  • Schlafen wenn das Baby schläft. Ganz ohne schlechtes Gewissen, dass der Haushalt legen lässt, denn der lässt sich, wie oben erwähnt, auch mit wachen Kindern erledigen
Die Kinder abnehmen

In diesem Punkt ist ganz klar: es sind nicht Deine Kinder sondern eure. Jedoch solltest Du nicht dem Mann mit einem schreienden Kind im Arm im Treppenhaus entgegen rennen und “jetzt bist Du dran” rufen. Mein Mann hat in der Elternzeit zum Beispiel immer das Abendritual übernommen, ihr die Flasche gegeben und sie ins Bett gebracht. Das hat der Bindung der beiden richtig gut getan und ich hatte etwas “kinderfreie Zeit” für mich. Auch am Wochenende kann der Papa ruhig mal auf den Spielplatz oder einen Spaziergang gehen.

Genieße die Zeit und sei Dankbar

Was viele vergessen ist der Wert an dieser tollen Zeit, die sie mit ihren Kindern gemeinsam zuhause verbringen dürfen. Sehr viele Frauen sehen es als anstrendend, mit dem Kleinkind zuhause zu bleiben und für alles, was daheim ist, verantwortlich zu sein. Sie fühlen sich oft mit dem Haushalt und der Erziehung alleine und sehen den Umstand eher als eine Last. Du darfst aber nie vergessen, dass nicht alle den Luxus haben, mit ihren Kindern zuhause sein zu DÜRFEN. Ich musste als meine Tochter 15 Monate alt war, in den Job vollzeit zurückkehren. Und ich habe es immer bereut, so viel Zeit mit ihr verpasst zu haben. Auch wenn es daheim anstrendend war, es war immer noch anstrengender sie zu vermissen. Du hast jederzeit die Möglichkeit, raus zu gehen, Menschen zu treffen, mit deinen Kindern zu spielen, ins Freibad zu gehen. Du kannst machen, was immer dir auch gefällt. Also bitte versuche das ganze als Geschenk und nicht als Strafe zu sehen.

Wie war das bei Dir? Woei hilft Dein Mann zuhause? Und was erwartest Du von ihm?

 

13 Replies to “Unterstützung zuhause -wie viel darf ich als Hausfrau von meinem Mann erwarten?”

  1. Ziemlich heftige Reaktionen hat es hier. Das Thema scheint zu polarisieren. Ich bin meiner Mutter dankbar, dass sie nicht nebenher noch arbeiten war. Und ein Haushalt mit 4 Mädchen, zwei Hunden und einem Hektar parkähnlichem Garten war sie tatsächlich ausgelastet. Heute, in der Pension ist mein Dad im Garten zuständig und für die Hunde. Und sie fürs Haus. Arrangieren muss man sich halt.

  2. Zwar war ich nie zu Hause, aber wenn ich mal alleine mit den Kinder war, hatte ich so gut wie keine Zeit für den Haushalt… Deshalb war ich sehr froh, dass mein Mann in Elternzeit war. Mich macht es wahnsinnig, Zeit zu haben und einfach nichts erledigen zu können… Zwar musste ich dann nach der Arbeit viel zu Hause erledigen, aber ich hatte volles Verständnis dafür, dass mein Mann zu nichts gekommen war.

    Mit größeren Kindern ist das sicher etwas anderes, aber mit Baby und später Baby plus 1-jährigem Kind haben wir das beide schlecht nicht hinbekommen.

    1. Ja das stimmt! Als wir beide noch voll gearbeitet haben, war das bei mir nicht anders. Jetzt im Beschäftigungsverbot ist es aber selbstverständlich für mich, die Arbeit zuhause zu übernehmen.

  3. ich kann mir sehr gut vorstellen, dass genau dieses Thema natürlich sehr schnell zum Problem in einer Beziehung werden kann! persönlich erwarte ich auch eine aktive Teilnahme bzw. Mithilfe von meinem Partner – wenn z.B. in bestimmten Dingen gut ist, kann man so auch gut nach der Neigung gehen, wer welche Aufgabe übernimmt 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  4. Toller Artikel! Leider kenne ich sehr viele, denen man diesen dringend zum Lesen geben müsste.
    Ich selbst habe neben meiner Selbständigkeit meinen Sohn alleine großgezogen und unser Leben auch alleine finanziert. Klar, er war bei Veranstaltungen, bei denen es galt “jeder bringt was mit”, immer der mit der Torte vom Konditor, aber er war überall dabei, nebst Ausübung, aller möglichen Sportarten, Freunde besuchen, Spielplatz gehen und Co. Perfekten Haushalt mit Böden, von denen Du hättest essen können, blitzblank geputzen Fenster und dergleichen hat es bei uns nicht gegeben, aber dafür jeden Tag von mir frisch selbst gekochtes Essen und eine gemeinsame Mahlzeit. Er konnte in sämtlichen Sportgruppen sein – von Tennis, über Golf, Eishockey bis Skiverein. Natürlich inklusive zeitaufwendigem Taxiservice von mir und am Wochenende selbstverständlich mit braver Mama als Zuseherin bei Turnieren, Rennen und Co.
    Dies habe ich natürlich alles neben/zu meiner Arbeit gemacht. Wie ich es geschafft habe? Keine Ahnung – aber wenn einem etwas wichtig ist, findet man immer einen Weg. Man muss halt den Willen, das Engagement und das Interesse mitbringen und sich selbst auch mal hintan stellen können. Und das sollte man als Mutter schon machen.
    Deshalb ist es mir schier unerklärlich, wenn Frauen, die lediglich Haushalt und Kind versorgen müssen und auf Kosten ihres Mannes leben, mit Überforderung kommen. Sorry, Ladies – aber wenn Ihr das nicht hinbekommt, was kriegt Ihr dann überhaupt gebacken?
    Sobald jemand sich für das Zuhause bleiben entscheidet – und die Entscheidung finde ich bei allen, die es sich leisten können wirklich mehr als super – sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, seinen Teil zum gemeinsamen Leben zumindest in Form der Hausarbeit beizutragen.

    Nun, wie gesagt, ich finde den Bericht und Deine Einstellung toll – hoffe, es lesen viele und sie nehmen es sich zu Herzen!

    Liebe Grüße,

    Doris von https://diegutelaune.com

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar Liebe Doris! Mir scheint als wärst du die erste, die den Beitrag wirklich gelesen hat und es freut mich, dass du meine Meinung teilst. Oft denke ich, dass Frauen, die zu viel erwarten selbst noch nicht wirklich gearbeitet haben. Aber wer weiß das schon, vielleicht vergessen sie nur schnell

  5. Deinen Beitrag finde ich toll. Generell muss ja jedes Paar selber den richtigen Weg finden. Ich war damals mit dem Kind auch fast zwei Jahre zu Hause und mochte irgendwann bestimmt Haushaltstätigkeiten einfach nicht mehr machen. Die hat mir dann aber mein Mann abgenommen. Wir haben uns ganz gut aufgestellt und wechseln uns auch ab. Je nachdem wer mehr Zeit und Lust hat, macht dann auch die anfallen Arbeiten im Haushalt. Streit gibt es da bei uns keinen.

    Liebe Grüße,
    Mo

  6. Der Haushalt ist immer so ein Thema bei uns. Wir sprechen viel darüber, aber so Kleinigkeiten klappen einfach nicht in der Kommunikation. Daran üben wir derzeit intensiv. Übung mach den Meister und immerhin sind mein Verlobter und ich beide noch jung und auch nach knapp 2 Jahren ist das Zusammeleben etwas vollkommen fremdes, denn ich habe vorher keinen eigenen Haushalt gehabt, was sich wirklich bemerkbar macht.

    Liebe Grüße
    Freyja
    https://www.freyjasthing.de

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