Teilzeit oder Vollzeit – Warum das bei mir nicht die relevante Frage war

Als Mama muss man so einiges neu umkrempeln. Wichtig ist auch immer die Entscheidung über den Wiedereinstieg in den Beruf. Wann ist der richtige Zeitpunkt und wie viele Stunden am Tag sollen es werden? Auch Nadine, 2-fache Mama und Bloggerin bei Dresdenmutti stand vor dieser Entscheidung und hat eine getroffen, die nicht ganz typisch ausfällt…

Ich danke Wioleta, dass ich für ihren Blog einen Artikel über meine Vereinbarkeit von Beruf und Familie schreiben darf. Ein Thema beschäftigt mich bei diesem Thema schon eine Weile, denn wenn man sich umhört, scheint Teilzeitarbeit das Non-Plus-Ultra zu sein, um Kinder, Haushalt, Job und alle anderen Sachen wuppen zu können. Ich hingegen fühle mich in meiner 40-Stunden-Woche inzwischen viel ausgeglichener als letztes Jahr beispielsweise, als ich Teilzeit gearbeitet habe. Woran liegt das?

Kurz zu mir: Wer bin ich überhaupt?

Bevor ich mit der Tür ins Haus falle, stelle ich mich erst einmal vor. Ich bin Nadine, 30 Jahre alt, verheiratet und Mutti von zwei Töchtern: Maxi ist 5 Jahre alt und Purzelchen 4 Jahre. Wir sind im letzten Dezember von Bonn nach Dresden gezogen und seither blogge ich auf dresdenmutti.com über mein neues Leben in Dresden, Familienthemen, Do it yourself, Finanzen und Tipps & Tricks.

Meiner Töchter bekam ich während des Masterstudiums in Germanistik und wurde eine Studi-Mutter. Mein Mann hing an sein Bachelorstudium eine 3-jährige Elternzeit an. Ich konnte also neben den Kindern weiter studieren und arbeiten. Alles in allem war die Zeit mit zwei Wickelkindern, der Masterarbeit und dem Schlafmangel echt anstrengend – aber alles hat ja ein Ende und dann ging auch schon das Arbeitsleben los. Nach 8 Jahren mit Ausbildung, Bachelor- und Masterstudium wurde es auch Zeit.

Als Maxi zwei Jahre alt wurde und Purzelchen 6 Monate alt war, begann ich zunächst Vollzeit und dann Teilzeit zu arbeiten. 2016 & 2017 teilten mein Mann uns dann auf: er arbeitete 20 Stunden und ich nur noch 30 Stunden. Erst mit meinem Umzug nach Dresden startete ich (wieder) in die Vollzeit-Arbeit – und bin damit sehr zufrieden.

Warum ist die Vollzeitarbeit für mich entspannter?

Unser ganz persönlicher Rahmen hat sich nicht geändert, nur die Kinder sind größer geworden. Das macht viel aus? Sicherlich, aber es ist nicht der wunde Punkt, den wir heilen konnten. Weder in Bonn noch in Dresden hatten wir Familie direkt. Kein Opa, keine Oma, keine Tante, kein Onkel kann/konnte die Kinder mal eben vom Kindergarten abholen oder ähnliches.

Was sich geändert hat, ist die Betreuungssituation. Ich habe unseren Kindergarten in Bonn über alles geliebt, weil er nur zwei Gruppen hatte und die Erzieher sehr lieb mit den Kindern waren und auch Kompetenz ausstrahlten. Auch mit den meisten Eltern war ich per Du und einmal pro Monat trafen wir uns abends zum Plaudern in einem Restaurant um die Ecke.

Was mir das Leben schwer gemacht hat, was Folgendes:
  • Öffnungszeiten von 7:30 Uhr bis 14:30 Uhr
  • Sommerferien: 3,5 Wochen
  • Weihnachtsferien: 1 Woche
  • Osterferien: 1 Woche
  • 10 oder mehr sonstige Schließtage im Jahr
Ich stelle euch als Vergleich direkt unseren Dresdner Kindergarten gegenüber:
  • Öffnungszeiten von 6:30 Uhr bis 17:30 Uhr
  • Nur Weihnachtsferien
  • Etwa 6 zusätzliche Schließtage im Jahr
Was aber war das Problem daran?

Nur 30 Stunden zu arbeiten, war grundsätzlich sehr schön. Mein Mann brachte die Kinder morgens in den Kindergarten und ich arbeitete von 7 bis 13 Uhr, sodass ich um 14 Uhr entspannt am Kindergarten sein konnte. Das war gar kein Problem, im Gegenteil. Ich genoss den gemeinsamen Nachmittag mit den Kindern (meistens). Problematisch wurde es immer dann, wenn etwas außer der Reihe organisiert werden musste.

Immer wenn ich beispielsweise auf Dienstreise oder Fortbildung wollte oder einfach nur nachmittags um 15 Uhr noch einen Termin hatte, stand ich vor einem Problem. Mein Mann arbeitete nachmittags bis 16:30 Uhr – und war erst 17 Uhr zu Hause. Die Kinder hatten aber ab 14:30 Uhr schon keine Betreuung mehr…

Wir probierten drei verschiedene Studenten als Babysitter aus, die aber auch nicht immer Zeit hatten. Manchmal konnten wir Nachbarn einspannen, manchmal Freunde, manchmal konnte eine Tante anreisen. Aber es war immer ein großer Organisationsaufwand und nicht immer fanden wir eine Lösung. Dann gingen die Kinder natürlich vor und ich musste Termine absagen.

Wie sieht mein Tag heute aus?

Inzwischen habe ich mir das frühe Aufstehen angewöhnt und bin schon 6:30 Uhr auf Arbeit, wo ich das Büro aufschließe. Bald darauf stoßen auch schon weitere Kollegen dazu – wir sind eine nette Morgenrunde. Mein Mann und die Kinder trödeln währenddessen zu Hause noch herum. Sie sind meistens erst kurz vor 9 Uhr im Kindergarten – mein Mann muss gegen 11 Uhr los zur Arbeit (er arbeitet 20 Stunden/Woche).

Ich selbst arbeite bis 15 Uhr oder 15:30 Uhr (inklusive Mittagspause). Selten muss ich länger arbeiten, aber theoretisch wäre es möglich, denn der Kindergarten hat ja bis 17:30 Uhr geöffnet. Ich hole die Kinder etwa 15:45 Uhr ab und wir gehen nach Hause, wo ich noch Haushaltskram erledigen kann oder Hobbys nachgehe. In der Babyzeit bin ich zu gar nichts gekommen, aber mit meinen größeren Kindern klappt es meistens gut. Wir basteln auch oder unternehmen etwas, aber oft gehen sie auch einfach ihre Freunde besuchen oder diese kommen bei uns vorbei.

Gegen 21 Uhr schlafen die Kinder abends ein. Dann beginnt die Netflix-Zeit für uns Eltern.

Meine Erfahrung: 40 Stunden können auch sehr entspannt sein

Jedes Kind ist anders und auch jede Mutter, deswegen würde ich niemals sagen, dass 40 Stunden immer eine gute Lösung sind. Bei uns ist es so, dass die Kinder Mittagschlaf gemacht haben und es noch einen Nachmittagssnack (Vesper) im Kindergarten gibt, bevor ich sie abhole. Der Kinder-Akku ist also auf 100%. Die Wohnung zu Hause ist relativ sauber und ordentlich, weil niemand zu Hause war, um sie zu verwüsten. Perfekter Feierabend!

Wenn ich 30 Stunden arbeiten könnte bei vollem Verdienst, würde ich das natürlich trotzdem tun. Meine Hobbys sind grenzenlos – immer scheint mir für alles die Zeit zu fehlen. Doch alles in allem kann ich das Leben jetzt trotz Vollzeit mehr genießen. Der ständige Orga-Aufwand und nicht zu wissen, ob man Termine einhalten kann, hat mich sehr gestresst.

Muss ich Vollzeit arbeiten?

Viele Mütter interessiert, ob man denn so viel arbeiten muss. Das fragten mich andere Mütter sogar bei meiner 30-Stunden Woche und auch jetzt ist es manchmal Thema. Dabei ist diese Frage schwierig zu beantworten. Ich denke, man muss im Grunde gar nichts. Es geht immer ums Wollen. Wir könnten wieder in eine Zweizimmerwohnung ziehen – wollen wir aber nicht. Also ja, ich muss so viel arbeiten, weil ich so leben will, wie wir jetzt leben.

Ich bin gerade einmal 30 Jahre alt (fast 31). Vollzeit ist absolut okay für mich, denn meine Arbeit ist (in der Regel) nach meinem Geschmack. Ich kann mein Talent einbringen, fühle mich wohl mit dem, was ich tue, und habe ein cooles Team.

Übrigens sollte sich jeder auch diese Frage beim Thema Vereinbarkeit stellen: Was macht Väter glücklich? Auch die Väter müssen eine entscheidende Rolle in der Debatte spielen – und nicht nur als Nebenrolle.

Fazit: eine sichere Kinderbetreuung kann den Stress nehmen

Ich denke, das Fazit meines Artikels ist, dass eine gesicherte Kinderbetreuung den Stress nehmen kann. Wenn ich bei 30 Stunden Arbeitszeit immer nur hetzen muss und nicht weiß, ob der Termin morgen und der Termin in zwei Wochen eingehalten werden können, belastet mich das.

Dagegen kann eine 40 Stunden Arbeitswoche sehr entspannend sein, wenn die Betreuungssituation besser passt. Wenn mir mal etwas dazwischenkommt, bleiben die Kinder weiter in der KiTa – ganz regulär. Ich weiß sie in guten Händen und ich weiß, dass es so gedacht ist.

26 Antworten auf „Teilzeit oder Vollzeit – Warum das bei mir nicht die relevante Frage war“

  1. Wenn ich so Deinen Artikel lese, fällt mir spontan Jessica Valenti ein. Eine sehr bekannte Columnistin, Autorin und Feministin. Du hast mit Deinem Partner Glück. Viele andere Frauen nicht. Ich poste dir hier mal einen Link rein, weil ich denke er ist für Dich vielleicht auch good to read und gibt Dir weitere Inspiration für deinen Blog. Falls nicht gewünscht, kannst du den ja kopieren und einfach dann hier rauslöschen. VLG Marion
    https://medium.com/s/jessica-valenti/kids-dont-damage-women-s-careers-men-do-eb07cba689b8

  2. Ich finde es klasse, wenn es Männer gibt, die weniger arbeiten als Frauen und der Frau so einiges abnehmen. Das ist ja leider nicht die Regel, bestenfalls teilt man sich noch die Elternzeit. Hut ab jedenfalls vor der Regelung die ihr getroffen habt!

  3. Servus, ja das kenne ich nur zu gut. Ich war auch immer auf mich gestellt und hatte niemanden der mir meine Kleine auch mal abnehmen konnte. Da ich lange Alleinerziehend war, musste ich immer schon 40 Stunden arbeiten damit genügend Geld am Konto ist. Zum Glück hatte ich einen Kindergarten der bis 18 Uhr offen hatte und meine Kleine dort auch gerne hin ging. Frage nicht wie ich mich als Mutter dabei gefüllt habe – furchtbar. Um das selbe Geld würde ich auf alle Fälle nur Teilzeit arbeiten gehen wollen, da mir die Zeit mit meiner Familie fehlt und ich sie vermisse. LG, Claudia

    1. Liebe Claudia,
      Das habe ich ähnlich erlebt wie du! Bei mir kam jedoch dazu dass meine vollzeit Stelle eine Ausbildung war, selbst wenn ich also gewollt hätte, dann hätte ich nicht weniger arbeiten können. Dafür hat sich die Zeit ausgezahlt und ich werde teilzeit sehr gut verdienen und kann nach Baby Nr 2 zurück schalten.
      Aber ich verstehe auch die Sichtweise der gastautorin, denn oft kommt man um Überstunden nicht drum herum. Deshalb ist es einfacher eine Vollzeitbetreuung im Rücken zu haben als ein Kindi der um 2 schließt

  4. Ich kenne das so gut was du beschreibst! Wir haben auch keine Omas, Opas oder Verwandten die mal schnell einspringen können wenn die Kids abgeholt werden müssen oder krank sind. Ein Horror. Ich arbeite zwar Vollzeit, aber kann es mir halbwegs einteilen. Die Betreuung ist bei uns im Hort und Kindergarten auch gewährleistet. Nur die Ferienzeit (in Österreich 9 Wochen!) ist einfach ein Horror … da brauche ich immer Babysitter und habe den Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen.

    Viel Erfolg weiterhin!
    Liebe Grüße
    Verena

    1. Ja das stimmt Liebe Verena! Die gastautorin hat da auch das Glück noch beide Kinder im Kindergarten zu haben. Ab nächsten Sommer wenn meine große zur Schule kommt haben wir die ersten 5 wöchigen Sommerferien und ich bin so dankbar, noch in elternzeit zu sein!

  5. Super, wenn ihr das für euch so gut geregelt bekommt. Aber wie du sagtest, es hängt eben auch sehr viel von den möglichen Betreuungszeiten und den Schließtagen. Speziell letztere können einem das Leben mitunter ein wenig zur Hölle machen 😉 – aber für mich ist das Thema sowieso gegessen, das Kind ist schon fast keines mehr…
    Viele Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

    1. Ja die schlieszeiten sind ein sehr großes Thema! Nadine lebt in Ostdeutschland, dort sind die betreuungszeiten einfach himmlisch! Das sieht bei uns im Schwarzwald schon wieder ganz anders aus!

  6. Toller Beitrag, der zeigt, dass es nicht einen Pauschalplan für alle gibt. Ihr habt Euren Weg gefunden, das finde ich so super. Euer Kindergarten hat aber echt tolle Öffnungszeiten! Sehr gut. Das hätte ich auch gut brauchen können.

    Lieben Gruß, Bea.

    1. Ja das vermisse ich im Schwarzwald auch, bin andererseits aber auch froh, öfter zuhause sein zu müssen und so eine ausrede zu haben, die für meine Kinder spricht

    1. Das stimmt Verena, das bekommt man sehr strrk von zuhause mit. Ich habe es so erlebt, dass meine Mama sehr lange zuhause war, nach meiner jüngsten Schwester sogar komplette 10 Jahre. Vielleicht fiel es mir deshalb so schwer, mich vollzeit von meiner Tochter zu trennen

  7. Ich finde es immer interessant wie unterschiedlich Familien sind und wie jede Mutter anders denkt. Ich kann verstehen, dass es durch die bessere Betruung wesentlich entspannter ist. Und ich finde es toll, dass ihr damit glücklich seid. Ich habe erst zuletzt hier einen Gastbeitrag geschrieben und arbeite auch viel. Allerdings versuche ich mir immer 1-2 Nachmittage nur für meinen Sohn freizuhalten. Ich habe immer das Gefühl zuviel zu verpassen.
    Das mit den vielen Schließungstagen kenne ich übrigens auch. Ist echt nervig.

    Liebe Grüße
    Melanie von https://www.lovingcarli.com/

    1. Liebe Melanie, da bin ich ganz deiner Meinung! Ich bin auch sehr glücklich seit ich im BV bin und meine Tochter öfter sehen kann. Allerdings freue ich mich auch, zeitweise wieder in den Job zurück zu kehren in einem Jahr

  8. Liebe Nadine,

    dies ist ein super toller und vor allem auch ehrlicher Bericht von dir. In vielen Dingen habe ich mich wieder erkannt. Oft hatte ich auch Probleme mit einer guten Betreuung und das hat den Stresslevel wirklich fies nach oben getrieben. Aber genau wie du schon geschrieben hast, mit einem gut aufgestellten Plan ist (fast) alles möglich.

    Vollzeit möchte ich auch unbedingt wieder arbeiten und dein Beitrag stärkt mich noch viel mehr in diesem Bestreben.

    Liebe Grüße,
    Mo

  9. finde das eine sehr inspirierende Denkweise! persönlich habe ich für die Zukunft auch an eine Teilzeitstelle gedacht, auch ohne Kinder. das ist aber eben auch eine ganz individuelle Entscheidung. kann die Dresden Mama auch durchaus verstehen 🙂

    alles Liebe,
    Eden

  10. Hach wie toll – so ein positiver Bericht. Ich höre immer wieder, dass ein Vollzeitjob mit dem Muttersein nicht vereinbar ist. Das ist ganz eindeutig Quatsch und zeigt dein Beispiel auch nochmal ganz klar 🙂 Und Hut ab, wie toll du und dein Mann da zusammen arbeitet 🙂

    Liebst,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  11. Ein wirklich total spannender Artikel und ich finde es schön, dass ihr gemeinsam so an einem Strang gezogen habt. Noch sind bei mir keine Kinder in Planung, aber ich möchte auch weiterhin arbeiten… mal sehen, wie wir uns dann organisieren, da wir beide selbstständig sind.

    Liebste Grüße,
    Elisa

  12. Wirklich ein sehr interessanter Artikel! Wir haben es uns aktuell so aufgeteilt, dass mein Mann 40 Stunden arbeitet und ich 50% arbeite. Das ist bei Lehrern ja immer ein wenig anders und so kann ich auch wirklich recht viel mit unserer Kleinen unternehmen!
    LG Ina

    1. Ja das stimmt, Lehrer haben da wirklich mehr Freiheiten! Aber bei euch werden die Stunden glaub auch anders gezählt, weil ihr ja zuhause arbeiten müsst

  13. Es ist schön, wenn du dich in deinem Job so wohl fühlst, dass du auch gerne länger arbeiten möchtest. So oder so ist es sicher nicht einfach all das unter einen Hut zu bekommen. Aber toll, wenn man sich mit dem Partner auch so gut arrangieren kann.

  14. Schöner Artikel! Ich selbst habe auch schon beides durch ,muss aber sagen wir liegt die Teilzeitarbeit mehr. Aber eine gute Betreuung ist das A u.O., ja kann man vom Osten oftmals etwas lernen.

    LG aus Norwegen
    Ina

    1. Das stimmt, in Ostdeutschland sind die Bedingungen da schon um einiges besser als beispielsweise bei uns im Schwarzwald! Ich habe bisher nur vollzeit gearbeitet, möchte nach dem zweiten aber auf teilzeit anfangen, um meine große bei der Schule zu unterstützen. Im Gegensatz zum Osten haben wir hier nämlich auch keinen Schulhort

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