So wichtig ist Vorlesen für unsere Kinder

Seit 2004 findet jährlich der bundesweite Vorlesetag, welcher unter anderem von der Stiftung Lesen gesponsert wird, statt. Am 17. November ist es nun zum 14. Mal soweit. Der Vorlesetag beinhaltet Aktionen, in den Ehrenamtliche einer Gruppe von Kindern Geschichten vorlesen. Eine sehr schöne Aktion in meinen Augen, denn sie erinnert uns daran, wie wichtig es für die Kindliche Entwicklung ist, wenn wir Erwachsenen ihnen bereits im fühen Alter Geschichten lesen. Mehr Informationen und eine einmalige Chance, euch zum Vorleser zu bewerben findet ihr hier

Vorlesen kommt in vielen Familien zu kurz

Laut Stiftung Lesen lesen nur etwa ein Drittel der Eltern ihren Kindern regelmäßig Bücher vor. Aber warum ist das so?

Natürlich leben wir in einer digitalen Welt, sowohl wir Erwachsenen als auch unsere Kinder. Durch ein riesiges Angebot an Apps und Spielen hängen wir immer mehr an unseren elektronischen Geräten. Zudem leben wir in einer Gesellschaft, in der sich alles sehr schnell verändert und viel unserer Zeit beansprucht. Wir arbeiten mehr und leben viel weniger. Wenn wir Freizeit haben, verbringen wir sie meist unter Menschen oder bei Lifestyledienstleistern wie Fitnessstudios. Für das Lesen von Büchern bleibt uns immer weniger Lust und es tauchen immer mehr “einfachere” Alternativen auf, seine Zeit zu verbringen. Wer sich aber selbst nicht fürs Lesen interessiert, wird es auch seinen Kindern nicht weiter vermitteln, denn die bunten Bilder im Fernseher sehen viel ansprechender aus, als ein Buch. Wir leben ein schlechtes Vorbild vor und sehen das als in Ordnung – das ist es aber nicht.

Vorlesen stärkt den Familienzusammenhalt

Wieso das so ist? Ganz einfach: vorlesen kann man nicht nebenher. Wir müssen uns darauf einlassen und verbringen diese Zeit bewusst mit unseren Kindern. Meist kuscheln wir mit Ihnen dabei und haben kein Handy oder andere Geräte in der Hand, machen uns über nichts anderes Gedanken und sind voll bei der Geschichte und unseren Kleinen. Ganz gleich wie stressig unser Tag ist – wir schließen ihn immer mit einer Gute Nacht Geschichte im Bett unserer kleinen ab, bevor sie schlafen geht. Dieser Moment ist mir einer der wichtigsten am Tag, denn nachdem ich den ganzen Tag auf Arbeit war und wir Abends alles zuhause erledigt haben, kommt die Zeit mit meiner Tochter oft etwas zu kurz. Diese 10 Minuten sind jedoch immer garantiert und ich weiß, dass ich mich jeden Tag darauf freuen kann, diese Zeit mit ihr definitiv zu verbringen. Was wir dabei lesen, ist ganz unterschiedlich. Sie hat mittlerweile 3 Regale voll mit Kurzgeschichten, Sammelbüchern, Märchen und allem was sie interessiert.

Vorlesen fördert die Konzentration

Die wenigsten Kinder haben das Interesse und die Geduld für Bücher einfach so. Dies muss von ihnen auch gelernt werden. Kindern, die den richtigen Zeitpunkt zum Zuhören verpassen, fällt es später schwerer, sich auf dieses einzulassen. Ich habe Mia schon mit 9 Monaten zu Büchern gebracht. Sobald sie Sitzen gelernt hat, habe ich sie zu bestimmten Zeiten am Tag immer wieder probeweise aufs Töpfchen gesetzt. Um ihr die Zeit dort zu vertreiben, bis sie Pipi gemacht hat, haben wir uns immer Bilderbücher angeschaut, später auch vorgelesen. So hatte ich zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: mein Kind hat sich nicht nur für Bücher begeistert, sie war auch mit 1,5 Jahren soweit trocken, dass sie nur noch nachts und unterwegs die Windel brauchte. Für uns war das immer eine wertvolle Zeit am Tag, beide auf dem Boden sitzend und lesend. Irgendwann war sie auch soweit, dass sie mir selbst Bücher gebracht hat, die sie vorgelesen haben wollte.

Andere Kinder, die nicht von Anfang an daran gewöhnt wurden, sich auf die Bücher einzulassen, haben später mehr Probleme damit gehabt und meist nach 2 Seiten die Lust verloren. Das beobachte ich ganz oft an Kindern, von deren Eltern ich auch weiß, dass sie etwas lesefaul sind.

Auch außerhalb des Vorlesens ist die Konzentration eine wichtige Eigenschaft für Kinder. Sie erlernen so Geduld für etwas zu widmen, ganz gleich ob sie Legohäuser bauen, etwas basteln oder sich einfach nur auf die Worte der Erwachsenen konzentrieren, die zu ihnen gesprochen werden. Und dies wirkt sich auch wiederum in der Schule aus, wenn sie stundenlang dasitzen, zuhören und Aufgaben erledigen.

(Vor-)Lesen fördert die Fantasie

Fernseher sind manchmal schon sehr praktisch – wir setzen uns hin und uns wird alles genau vorserviert, wie es sein soll. Was wir gezeigt bekommen, nehmen wir einfach hin und genießen es. Doch wer schonmal ein Buch gelesen hat, welcher später verfilmt wurde, kennt das Gefühl, dass die Bilder, die einem gezeigt werden, überhaupt nichts mit dem zu tun haben, das wir uns ausgemalt haben. Die Personen sehen anders aus und auch die Charakter scheinen unserer Vorstellung abzuweichen. Wer viel liest kennt diese Bilder, die wir uns in unseren Köpfen ausmalen.

Besonders Kinder haben eine sehr starke Fantasie. Ich war immer sehr begeistert für Pferde, auch wenn ich in meiner Jugend kaum geritten bin. Ich habe mir immer Bücher über Pferde bestellt, kannte jede Rasse auswendig und habe mich sehr lange nur dafür interessiert. Anschließend ging ich raus und habe gespielt, dass ich einen Reiterhof habe, habe immer Buch geführt über die Namen meiner Pferde und habe Turniere gemacht, indem ich über Blumentöpfe gehüpft bin. Auch Mia scheint in diese Richtung zu gehen. Eines Tages bin ich in ihr Zimmer gegangen als sie völlig vertieft in ein Spiel mit ihren Ponyfiguren war. Ich war kurz schockiert, als sie mich sah und aufhörte zu spielen, um mir zu sagen, dass ich sie stören würde. Andererseits war ich sehr stolz darüber, dass sie fähig war, sich so sehr darin zu vertiefen, was sie sich vorstellte.

Vorlesen um die schulische Entwicklung zu fördern

Kinder, den oft und gerne vorgelesen wurde und somit vermittelt wurde, dass Lesen etwas Gutes ist, entwicklen auch später, wenn sie selbst Lesen lernen das Interesse hierfür. Und dies ist nur das Beste für die schulische Entwicklung. Wer viel liest, bekommt ein besseres Gefühl für Grammatik und Satzbau und vergrößert seinen eigenen Wortschatz. Das bringt die Kinder nicht nur in der Schulzeit, sondern auch im späteren Arbeitsleben viel weiter. Ich merke sehr oft, dass ich bei bestimmten Mails oft an meine Grenzen komme, was die Ausdrucksweise angeht und desöfteren Themen etwas missverständlich formuliere. Was ich dazu jedoch erwähnen muss, ist dass ich erst mit 8 Jahren nach Deutschland gezogen bin und damals nur einzelne Worte verstand. Nur 1 Jahr später habe ich angefangen, die Harry Potter Bücher zu lesen – auf deutsch. Mittlerweile fällt mir die polnische Sprache viel schwerer als die deutsche und ich bin mir sicher, dass ich ohne das viele Lesen in meiner Jugend nie so gut die Sprache übernommen hätte.

 

Ich denke ich habe euch nun genügend Gründe genannt, weshalb es wichtig ist, wenn ihr euren Kindern bereits im frühen Alter vorlest. Und ihr könnt mir glauben, dies ist eine wirklich tolle Methode, Zeit mir euren Kinden zu verbringen.

Wie oft lest ihr vor? Und wie alt waren eure Kinder, als ihr damit angefangen habt? Ich freue mich auf viele Kommentare!

10 Replies to “So wichtig ist Vorlesen für unsere Kinder”

  1. Sehr schöner Beitrag! ich habe früher auch immer vorgelesen bekommen, und wahrscheinlich dadurch auch schon mit 6 selber angefangen zu lesen weil ich es kaum erwarten konnte endlich selbst zu lesen 😀

    Liebe Grüße
    Luise

  2. Was für ein toller Beitrag!
    Ich selbst finde vorlesen auch super wichtig, aber nicht nur vorlesen auch das sie später selber lesen
    Jeden Abend bevor meine Maus ins Bett, gibt es eine gute Nacht Geschichte.
    Einen schönen Sonntag noch.
    Beste Grüße Sabrina

  3. Liebe Verena,

    das ist mit Abstand das interessanteste, was ich in der letzten Zeit selbst “lesen” durfte! Ich weiß noch, wie es bei mir früher war. Meine Mutter, mein Opa und vor allem meine Oma laß uns immer vor, mit ihrer leisen und beruhigenden Stimme. Das prägt Kinder, macht sie neugierig und lebensfroh. Leider sehe ich auch, dass die Tendenz zu verblödenden Fernsehsendungen und eben “Bildern” auf einem Bildschirm hinausläuft. Das ist sehr traurig, lernen die Kinder doch sonst nicht, was Fantasie für das Leben bedeutet und wie wichtig es ist zwischendurch auch mal in eine friedliche und ruhige Welt fliehen zu können. Dein Artikel ist wirklich sehr tiefgreifend und nicht mindestens, sondern genauso interessant, wie es ein gutes Buch ist! Danke dafür, denn dieser Beitrag ist wichtig für die Erziehung aller Kinder! Der Wert der Worte für das Leben eben..

    1. WOW ich bin ja richtig gerührt 🙂
      Das freut mich sehr, dass dieser Artikel dir so gefällt. Ich habe leider sehr viele Personen in meiner Umgebung, die dies eben so handhaben und bei den ich mir gar nicht vorstellen kann, dass diese auch nur ein Kinderbuch in der Hand hatten. Und ich verstehe gar nicht, wie man seinem Kind etwas so wertvolles nehmen kann. Vielleicht berührt der Artikel nicht nur die, die es genauso tun, sondern auch die, die ihr Denken umstellen sollten.

  4. du hast vollkommen recht, wir leben in so einer digitalen welt, dass wir mittlerweile fast schon vom handy abhängig sind. und das vorlesen ist eine schöne sachen, um sich voll und ganz auf die kinder zu konzentrieren und alles andere ausser acht zu lassen.
    glg karolina

  5. Liebe Wioleta,

    schöner Beitrag! Bei uns wird JEDEN Tag mindestens am Abend beim Schlafengehen vorgelesen … unvorstellbar dass manche Eltern das nicht machen. Ich finde das total wichtig und mache es bei meinen beiden von Geburt an <3!

    Liebe Grüße
    Verena

    1. Hallo Verena,
      ich finde das auch furchtbar. Natürlich soll jeder sein Leben so leben wie er will. Aber in dem Fall geht das Wohl der Kinder einfach über das der Erwachsenen und es gibt keinen besseren Weg, sie in so vielen Themen zu unterstützen.

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