Rhesuskonflikte – Teil 1: was sie sind und was sie bewirken

In dieser Serie möchte ich Euch alles über Rhesuskonflikte erzählen und meine eigenen Erfahrungen mit Euch teilen. Ich werde Euch über meine Vergangenheit und die zukünftigen Erkenntnisse und Eingriffe informieren. Dennoch weise ich Euch ausdrücklich darauf hin, dass meine Erfahrungen unter ärztlicher Kontrolle erfolgen und Ihr euch trotz allem individuell dazu beraten lassen sollt.

Was ist ein Rhesusfaktor?

Ein Rhesusfaktor bestimmt das AB0-System unserer Blutgruppen. Sie setzt sich zusammen aus der Rhesusformel, welche beispielsweise die Merkmale dd, dD, Dd oder DD trägt. Ist ein großes D vorhanden, hat die Person einen positiven Rhesusfaktor, wenn sie die Formel dd trägt, ist er negativ. Nur etwa 17 % der Europäer sind Rhesus-negativ. Eine Rolle spielt das in dem Fall bei Bluttransfusionen und Schwangerschaften. Während Personen, die Rh positiv sind unter Umständen auch mit einem rh negativen Faktor auskommen, verträgt das rh negative Blut kein positives. Aus dem Grund werden allen rh negativen Frauen während und nach der Schwangerschaft sogenannte Prophylaxe gespritzt, die den Körper davor bewahren, Antikörper gegen den Fötus zu entwickeln.

Wie kommt es zu einem Rhesuskonflikt in der Schwangerschaft?

Eigentlich schützt die Plazenta das ungeborene Kind und ist dicht, sodass das Blut der Mutter nicht in diese hinein gelangen kann. Manchmal passiert es jedoch zum Ende der ersten Schwangerschaft, dass das Blut des Kindes mit dem der Mutter in Berührung kommt. Meist passiert das während der Geburt, selten schon vorher. In diesem Moment beginnt der Körper der Mutter Antikörper gegen das Merkmal D zu bilden. Um den Prozess aufzuhalten wird den Müttern nach der Geburt erneut eine Prophylaxe gespritzt um diese Antikörper abzudämpfen.

Wieso ich über dieses Thema schreibe

In der 33. Schwangerschaftswoche habe ich Blutungen bekommen und wurde von meiner Hebamme in das Kreiskrankenhaus geschickt. Dort wurden nur die üblichen Untersuchungen gemacht, Ultraschall und CTG. Ansonsten hat man darauf vertraut, dass zwei Wochen vorher ein Antikörpersuchtest gemacht wurde und negativ ausgefallen ist. Ich habe natürlich auf die Ärzte gehört und habe mir darüber keine weiteren Gedanken gemacht (und hatte in dem Moment noch keine Ahnung von der Genetik). Wie jede andere Schwangere auch habe ich im Internet recherchiert und lediglich einen Artikel gefunden, in dem beschrieben wurde dass dies meist ein Vorzeichen ist, dass in ca. 14 Wochen die Geburt stattfände. Und wie erwartet habe ich tatsächlich Mitte der 35. Woche Wehen bekommen. Meine Frauenärztin hat mich umgehend ins Krankenhaus geschickt und hat mich darauf vorbereitet, dass es ok wäre, wenn sie jetzt kommt. Die Hebammen im Krankenhaus hatten eine andere Meinung, haben laut dem Ultraschall bestimmt, dass sie nur 2 kg wiegen würde und beschlossen, mir Wehenblocker zu geben. Da ich in dem Moment durcheinander war und nicht wirklich wusste, was passiert, habe ich dem zugestimmt. Eine Nacht blieb ich noch im Krankenhaus und durfte am Samstagmorgen ohne Wehen nach Hause gehen. Doch sie wollte unbedingt raus und keine 24 Stunden später befand ich mich wieder im Kreißsaal. Am Sonntag Abend hatte ich eine kleine Tochter, welche gleich in die Intensivstation gebracht wurde, um dort versorgt zu werden.

Ich glaube diese Zeit war die schlimmste in meinem Leben. Alle 3 Stunden durfte ich zu ihr zum Flasche geben und wickeln und musste dann wieder raus, um „nicht die anderen Kinder zu stören“. Als ich am Mittwoch wieder heim durfte, musste sie noch eine weitere Woche mit starker Gelbsucht im Krankenhaus bleiben.

Witzigerweise erhielten wir einen Tag später einen Anruf von der Tante meines Mannes, welche in einer Blutklinik arbeitete, in die unser Krankenhaus die Blutwerte zur Kontrolle gesendet hatte. Sie erklärte uns die oberen Punkte und dass meine Tochter A+ war und sich nicht mit meiner 0- Blutgruppe vertragen hat. Sie bereitete uns auch darauf vor, dass sie am 7. Tag den schlimmsten Tag der Gelbsucht erleiden würde, es eventuell auch zu einer Bluttransfusion kommen würde, es danach aber schnell bergauf gehen würde. Sie hat zwar keine Transfusion gebraucht, aber als wir am Sonntag in die Intensivstation kam, hatte sie eine Magensonde, weil sie die ganze Nacht nicht gegessen hatte. Ab Montag ging es ihr viel besser und am Mittwoch durfte ich meine Kleine endlich mit nach Hause nehmen.

Wenige Wochen nach der Geburt machte meine Frauenärztin einen Antikörpertest, der positiv ausfiel. Das bedeutet, dass mein Körper trotz der Prophylaxe die Antikörper nicht abgebaut hat. Und dass das beim zweiten Kind Probleme auftreten würden, weil es von Beginn der Schwangerschaft angegriffen würde.

Ich habe ganze 4 Jahre gebraucht, bis ich mich getraut habe, einen Spezialisten aufzusuchen. Natürlich will niemand erfahren, dass er keine Kinder mehr bekommen kann und die Zeit meiner Ausbildung kam mir sehr gelegen, es aufzuschieben. Aber nun war ich am Freitag in der Hämatologie und habe mehr Fragen als Antworten bekommen. Ich weiß nun, dass mein Mann die Formel DD hat, was bedeutet, dass keines unserer Kinder jemals rh negativ sein könnte. Ich weiß auch, was die Gefahren einer Schwangerschaft sind und dass ich eine Fehlgeburt erleiden kann. Aber ich weiß auch, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass wir nochmal ein Kind bekommen können und dass es Möglichkeiten gibt, die Schwangerschaft zu betreuen. Aber welche Möglichkeiten es sind und wie oft ich mich in der Prenatalen Klinik untersuchen lassen muss, das erfahre ich nur von der Frauenklinik in Tübingen. Anschließend wurden mir weitere Blutproben entnommen, um sicher zu gehen, dass die Antikörper noch aktiv sind. Diese muss ich noch abwarten, bevor ich in die andere Klinik kann.

Eigentlich hatten wir von diesem Termin erwartet, dass wir endlich einen Plan aufstellen könnten, wann wir endlich unser zweites Kind bekommen. Doch so wie es aussieht, verzögert sich alles nochmal um eine ungenaue Zeit. Was im Endeffekt sehr ernüchternd ist.

Mit dieser Themenserie hoffe ich, gleichgesinnte zu finden. Frauen, denen es auch so ergeht, die vielleicht schon das zweite Kind bekommen haben. Ich hoffe, dass mir jemand positive Nachrichten überbringen kann oder dass ich anderen Frauen, die auch auf solche Ergebnisse warten, Hoffnung schenken kann.

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