Rhesuskonflikte – Schwanger mit Antikörpern gegen die kindliche Blutgruppe

Es ist wieder so weit: morgen habe ich eine Ultraschall Untersuchung. Nicht, dass es etwas besonderes wäre: durch meine Risikoschwangerschaft bekomme ich eine spezielle Untersuchung alle 14 Tage und muss nicht wie andere Frauen 4-5 Wochen warten. Doch während andere werdende Mamas sich alle paar Wochen aufs neue darauf freuen, ihr Baby wieder zu sehen, eventuell das Geschlecht zu erfahren oder einfach nur mit zu verfolgen, wie sehr es gewachsen ist, lebe ich von Arzttermin zu Arzttermin vor mich hin und hoffe, es möge endlich November sein. Denn dann halte ich mein Baby in den Händen und weiß, ich habe es überstanden. Bis dahin befürchte ich jeden Termin aufs neue den einen Satz: “Ihr Kind hat eine Anämie”.

Wer meinen Blog schon länger liest oder mich gar persönlich kennt, weiß dass wir genau wussten, worauf wir uns da einlassen. Vor über einem Jahr, als der Kinderwunsch fest wurde, habe ich bereits die Hämatologie und anschließend die Kinderwunschklinik in Tübingen besucht und wurde genauestens über die Folgen und Risiken, aber auch Chancen aufgeklärt. Der Grund ist: am Ende der Schwangerschaft mit meiner Tochter hatte ich eine Plazentaablösung. Blöd, wenn man dabei Rhesusnegativ ist und der Vater, und somit meist auch das Kind, Rhesuspositiv. Noch blöder, wenn kein Antikörpersuchtest durchgeführt wurde, weil 10 Wochen vorher einer gemacht wurde. Was damals geschehen ist, habe ich in meinem Beitrag zum Weltfrühchentag zusammen gefasst.

Auch noch vor einem Jahr, also vier Jahre später war klar: ich habe die Antikörper nie abgebaut und habe sie bis heute noch. Mut gemacht hat mir der Besuch in der Kinderwunschklinik, in der mir alle Möglichkeiten aufgezeigt wurde, wie man die Schwangerschaft dennoch durchbringen kann. Auch darüber habe ich euch letztes Jahr einen Beitrag verfasst. Auch was genau Rheuskonlikte bedeuten, könnt ihr hier nachlesen.

Risikoschwangerschaft Ja oder Nein?

Ich hätte gar nicht erwartet, dass diese Frage sich überhaupt stellt. Zwar hatte meine Frauenärztin nach der Vorfall mit Mia Panik geschoben, sie kenne sich gar nicht mit der Problematik aus und ich soll es klären lassen, als ich mit dem positiven Test im April in ihrer Praxis stand, sah sie es aber sehr gelassen. Eigentlich wäre das alles doch nicht so schlimm und in die Klinik müsste ich auch nicht, es sei ja schließlich noch nichts passiert. Sie kreuzte also einfach alle Felder im Mutterpass mit “nein” an und schickte mich nach einer halbherzigen  Untersuchung wieder nach Hause. Auch als ich beim letzten Besuch, bevor ich mich entschloss zu wechseln, auf den Tisch klopfte, dass es langsam Zeit sei, einen Termin in Tübingen zu vereinbaren, beharrte sie auf ihrer Meinung. In Abstimmung mit meiner Hebame beschloss ich also auf eigene Faust nach Tübingen zu fahren und war richtig froh über diese Entscheidung!

Dopplersonografien

Zum Glück waren dort die Ärzte anderer Meinung. Zwar war der Zeitpunkt noch etwas früh, um tatsächlich Dopplersonografien durchzuführen, aber man könnte schonmal die Blutgruppe des Kindes bestimmen. Also bekam ich einen weiteren Termin und war richtig geflasht: nur durch Abnehmen meines Blutes wurde bestimmt, dass mein Baby tatsächlich wieder die BG-Anteile enthält, gegen die ich Antikörper habe. Da jedoch diese Problematik so selten ist, wissen die Ärzte nicht genau, ob die Menge an Antikörpern genügt, um dem Kind zu schaden. Aus dem Grund wurde beschlossen, dass ich alle zwei Wochen zu diesem besonderen Doppler-Ultraschall erscheinen soll, in dem die Blutfussgeschwindigkeit des Kindes bestimmt wird. Allein von der Qualität des Ultraschalls war ich schon überwältigt, denn ich habe so viel von meinem Ungeborenen gesehen, wie noch nie im Leben. Da die Geschwindigkeit des Blutflusses mit vorangehender Schwangerschaftswoche hin wie her steigt, wird es jedoch immer schwieriger sein, zu erkennen, ob es dem Baby tatsächlich gut geht.

Frauenarztwechsel

Da meine Ärztin jedoch aus welchen Gründen auch immer nicht begeistert von dem ganzen war, beschloss ich, meinen Frauenarzt zu wechseln und bekam tatsächlich einen Platz (bei uns im Ort ist es sehr schwierig, bei einem FA rein zu kommen, weil alle zu viele Patienten haben). Von ihm habe ich mich tatsächlich verstanden gefühlt, er hat sich für die Situation interessiert und der Klinik angeboten, bei den Untersuchungen zu unterstützen. Und nachdem ich fast die halbe Schwangerschaft rum hatte (beziehungsweise mittlerweile habe) fühlte ich mich endlich in den richigen Händen.

So geht es nun weiter

In Abstimmung beider Parteien (Klinik und Frauenarzt) wurde folgendes beschlossen:

  • Ich bekomme alle zwei Wochen Dopplersonografien
  • Alle vier Wochen wird ein Antikörpersuchtest durchgeführt, um fest zu stellen, ob die Menge der Antikörper sich verändert ( ein Anstieg würde bedeuten, dass das Baby angegriffen wird)
  • Im Falle einer kindlichen Anämie (diese passiert, wenn das Baby von meinen Antikörpern angegriffen wird) werden in Tübingen Bluttransfusionen durchgeführt
  • Ab Vollendung der Kindsreife (35. bis 37. Schwangerschaftswoche) wird in Tübingen eingeleitet. Dies hat den Sinn, dass ich tatsächlich dort entbinden kann und ich aus Zeitgründen die 60 km nicht bezwingen kann und zum anderen gehen wir so nicht das Risiko ein, dass bei einem guten Verlauf zum Schluss etwas schiefgehen kann

Also sitze ich heute wieder hier, einen Tag vor der nächsten Untersuchung und bin gespannt auf das Ergebnis. Die leichten Tritte, die ich in der 20. Woche nun spüre geben mir zwar die Sicherheit, dass mein Baby definitiv noch lebt. Doch die Angst, dass irgendwas passieren kann, begleitet mich dennoch Tag und Nacht. Und ich kann nicht aufhören zu hoffen, dass die Zeit bis zur Entbindung einfach schnell vorbei geht.

3 Replies to “Rhesuskonflikte – Schwanger mit Antikörpern gegen die kindliche Blutgruppe”

    1. Liebe Melanie,

      vielen Dank für Deine aufmunternden Worte!
      Wir werden die Zeit irgendwie überstehen und das Baby durch bekommen!
      Was war denn bei euch los, wenn ich frage darf?

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