Rauchverbot auf Spielplätzen – wieso Selbstverständliches nötig wird

In den letzten Tagen bin ich über eine Anzeige gestolpert, von der ich mir nicht sicher war, ob ich mich freuen oder aufregen sollte: Berlin hat als erstes Bundesland Deutschlands offiziell das Rauchen auf Spielplätzen verboten und ein Verstoß wird mit einer Geldstrafe bestraft. Ansich ist das natürlich eine super Sache und kommt aus vielen Gründen den Kindern zugute. Ich habe mich jedoch gefragt, inwiefern so ein Verbot tatsächlich nötig sein sollte…

Ich muss mit Schande gestehen, lange Zeit auch zu den rauchenden Müttern gehört zu haben. Ich habe mir auch lange Zeit nichts dazu gedacht, wie das aussehen muss, wenn ich mit einem Glimmstängel am Rand stehe und meiner Tochter beim Spielen zusehe oder kurz auf dem Balkon entspanne. Schließlich habe ich sie nie direkt damit zugequalmt und dachte lange Zeit, es sei in Ordnung für alle. Grundsätzlich kann den Müttern (oder auch Vätern) das Rauchen nicht verboten werden, schließlich handelt es sich um eine legale Droge, dir für jeden frei zugänglich ist und es soll auch jeder selbst entscheiden, was er mit seiner Gesundheit macht.

Und dann kam der Tag, an dem Meine Tochter alt genug wurde, um es zu verstehen

Als sie klein war, hat sie sich (leider) nie darüber beschwert, dass wir rauchen. Nicht als wir sie als Baby stinkend in den Arm genommen haben, nicht als wir ihr später einen stinkenden Gutenachtkuss gegeben haben und mit diesem Gestank an unserem Körper in ihrem Bett saßen und ihr eine Geschichte vorgelesen haben. Nicht als unsere Jacken und Schals immer nach Qualm gerochen haben. Es war kurz nach ihrem 4. Geburtstag als sie sich plötzlich vor die Balkontüre stellte und sagte “Mama geh bitte nicht raus”.

Es war heftig, welcher Film zu dem Zeitpunkt in meinem Kopf abging. Und es war wahrschienlich das erste Mal, an dem ich mir wirklich bewusst wurde, wie sehr das meine Tochter stört und beeinträchtigt, dass ihre Eltern nach Rauch stinken. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht stark genug war aufzuhören, schloss ich mit mir selbst den Kompromiss, es ihr zumindest zu erzählen, ich hätte es gelassen und es heimlich zu tun – auf Arbeit oder wenn sie schon im Bett lag. Lange Zeit war sie überzeugt, dass ich nicht rauchte und ich konnte so mit meinem Gewissen leben, da ich sie persönlich nicht mehr damit belästigte.

Seit 6 Monaten rauchfrei

Als ich schwanger wurde, erübrigte sich das Thema erstmal von selbst. Doch im Gegensatz zu meinen bisherigen Versuchen, rauchfrei zu werden, kann ich nicht einmal sagen, wann genau ich es wirklich wurde. Wer raucht, verbringt die Meiste Zeit damit aufzuhören, oder sich vor zu nehmen, aufzuhören. Daher habe ich immer den kleinsten Fortschritt festgehalten und wusste bei meinen unzähligen Versuchen, wann genau ich aufgehört habe, wie viele Zigaretten ich nicht geraucht und somit wie viel Geld ich gespart habe. Erst beim letzten Mal, als ich schwanger wurde, wusste ich gar nicht, wann ich aufgehört habe. Es kam schleichend, plötzlich waren keine mehr im Haus und ich sagte mir “ach was solls”. Daher können es jetzt 6 oder 7 Monate her sein, ich könnte es gar nicht so recht sagen.

Doch erst wenn man selbst nicht raucht merkt man, wie sehr man den Rauchern hilflos ausgesetzt ist.

Es ist ganz gleich, ob bei Freunden bei einem gemütlichen Grillabend, auf einem Fest oder einfach nur beim durch die Stadt Laufen – es gibt einfach keinen Ort mehr, an dem man nicht dem Qualm anderer ausgesetzt ist. Ich saß letztens in der Stadt auf einer Bank. Es war warm, ich hatte keine Jacke an und es war unverkennbar, dass ich einen dicken Bauch habe… und dann setzte sich ein Typ neben mich und zündete sich eine Zigarette an. Ein völlig fremder Typ, der nicht einmal gefragt hat. Ich habe mich innerlich sehr aufgeregt und bin schließlich gegangen, denn ich konnte ihn ja schlecht anschreien und gehen (was vielleicht die bessere Lösung gewesen wäre). Etwa zeitgleich wurde der oben genannte Artikel veröffentlicht und mir wurde zu dem Zeitpunkt erst wirklich bewusst, obwohl ich es selbst schon mehrfach im Leben getan habe, dass es Menschen gibt, die auf Spielplätzen rauchen.

Es gibt Orte, die geschützt sein sollten vor den schlechten Gewohnheiten der Eltern

Wir Menschen denken uns viele Gesetze und Möglichkeiten aus, um die Rechte gewisser Gruppen zu schützen. Im deutschen Grundgesetz wird von der Unversehrheit der Menschen gesprochen. Wir sollten die Gesundheit und das Leben anderer wahren. Aber wieso kam bisher keine auf die Idee, auf den Spielsplätzen einfach nicht zu rauchen?

Auf einem Spielplatz befinden sich meist unterschiedliche Menschen, die jedoch alle ein gemeinsames Merkmal haben: sie sind klein und unschuldig. Da sind Kleinkinder, die gerade schon so laufen können und neugierig die Welt entdecken – auch unsere Zigarettenstummel, die wir auf dem Boden hinterlassen. Da sind fitte und schnelle Kinder, die ihr sportliches Können unter Beweis stellen – während sie den Rauch ihrer Eltern atmen müssen. Da sind große Kinder, die sich in ihrem ganzen Wachstum befinden und von unseren Giften aufgehalten werden, sich gesund zu entwickeln. Es sind nicht nur unsere eigenen Kinder, die wir damit gefährden, es sind auch alle anderen. Und anstatt auf 20 Persönlichkeiten Rücksicht zu nehmen, denken wir nur an die Befriedigung unserer selbst für 5 Minuten.

Also bitte sagt mir liebe Eltern, wieso könnt ihr nicht die halbe Stunde, die ihr euch am Spielplatz aufhaltet, es einfach zurück halten?

Wieso muss ein Gesetz ein Problem regeln, das wir mit gesundem Menschenverstand selbst klären sollten??

19 Antworten auf „Rauchverbot auf Spielplätzen – wieso Selbstverständliches nötig wird“

  1. Ich bin schon immer Nichtraucherin und fand es ohne Kind schon immer sehr unangenehm. den Qualm zu riechen (damals noch Disco, Restaurant etc.). Doch mit Kind bin ich noch empfindlicher geworden, weil ich nicht möchte, dass irgendjemand auf der Parkbank neben uns mit dem Eauch die (eh schon schlechte) Luft verpestet, die meine Tochter einatmet. Daher bin ich eine absolute Befürworterin des Spielplatz-Rauchverbotes und wundere mich – ebenso wie du – dass die Leute mit Hilfe ihres gesunden Menschenverstandes noch nicht selbst darauf gekommen sind…

    Liebe Grüße
    Britta von http://www.fulltime-mami.blogspot.de

    1. Klar ist es als Nichtraucher lästig, es immer riechen zu müssen. In der Disco ist es aber nachvollziehbar. Spielplätze gehören aber einfach zu den Orten, an den es einfach nicht sein muss

  2. Furchtbare Angewohnheit… ich hab es mir in der Schwangerschaft auch abgewöhnt, 2 Jahre nicht geraucht und gerade wieder (keine Ahnung warum) damit angefangen! Jetzt muss ich es mir wieder abgewöhnen! Nicht nur, dass ich Zeit auf dem Balkon verbringe, es nervt mich dass ich sage Moment Mama muss mal kurz raus aber du bleibst drinnen, oder Mama braucht mal fünf Minuten Pause… brauchte ich davor nicht…

  3. Ich finde es super, dass du so ehrlich bist. Erst heute habe ich mich darüber aufgeregt, wie unverantwortlich werdende Mütter sind. Lustigerweise bei so einer Sendung “Armes Deutschland”, ich seppte kurz rein und da sprach eine Frau, die im 5. Monat schwanger war, dass sie es nicht einsehe mit dem Rauchen aufzuhören. Es reicht im 7. Monat, da ist das Kleine ja etwas größer und da macht es ihm wohl mehr aus, als in der Anfangszeit der Schwangerschaft. Mir, als Krankenschwester, blutete das Herz. Ich finde gut, dass es ein Gesetz geben soll, was das Rauchen auf Spielplätzen verbietet. Schon allein die rumliegenden Kippen würden mich da stören.

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Ja diese Sendung habe ich gestern auch gesehen. Und dass es keine Konsequenzen hat stimmt definitiv nicht, da kenne ich selbst viele Fälle die das Gegenteil beweisen. Viele Kinder haben danach chronische Bronchitis oder sind anfällig für Krupp

  4. Hallöchen!

    Find ich toll, dass du hier so selbstkritisch schreibst. Ich hab auch vor 8 Jahren das Rauchen aufgegeben, aber es ist und bleibt eine Sucht & der/die Raucher/in merkt ja nicht mal, wie sehr sie „stinkt“. Früher dachte ich auch immer, dass ich’s mit einem guten Deo übersprühen kann 🙂 Weiter so, ich drück die Daumen, dass du rauchfrei bleibst!

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

    1. Vielen Dank, ich gebe mein bestes ?
      Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig man es selbst merkt und wie verschlossen man als Raucher dagegen ist, wenn andere sich daran stören

    1. Ich habe auch sehr lange geraucht. Wie sehr es einen stört merkt man tatsächlich erst, wenn man es nicht mehr selbst verursacht. Ich habe nichts gegen Raucher und kann nicht ausschließen, nach der Ssw wieder anzufangen. Aber nicht mehr vor meinen Kindern

  5. Erst mal schön das ihr es geschafft hat! Du hast deine Gedanken wirklich sehr schön geschrieben und bin deiner Meinung, Rauchen sollte generell an öffentlichen Plätzen, vor allem dann wenn Kinder im Spiel sind, verboten werden.

    Liebe Grüße
    Lisa

  6. Sehr schön, dass du dein eigenes Verhalten auch hier rein gebracht hat. Das macht den ganzen Post noch viel klarer und verständlicher!

    Ich finde auch, dass es selbstverständlich sein sollte, dass an solchen Orten nicht geraucht wird!

    Wichtiger Post! Danke!

  7. Guter und wichtiger Beitrag. Und vor allem reflektiert – das mag ich. Ich selbst war schon immer Nichtraucherin und bin daher ehrlich gesagt für jedes weitere Verbot dankbar. Gerade wenn es auch Kinder betrifft. 🙂

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