Positiv durch schwierige Tage mit High-Need Babys

Wir Erwachsenen kennen das nur zu gut: wir haben Tage, an den uns alles locker von der Hand läuft, wir wunderbar gelaunt sind und gerne unter Menschen gehen. Und wir haben Tage, an den unsere Laune sich einfach durch nichts bessern lässt. Bei Kindern und Babys ist das ganz genauso. Während sie an einem Tag fast ein Selbstläufer sind, können wir ihnen am nächsten Tag beinahe nichts recht machen. Wer da noch ein High Need Baby hat, welches den Rahmen an schlechter Laune und Geschrei sprengt, kommt schnell an seine Grenzen.

Letzte Woche habe ich euch in meinem ersten Beitrag zur High-Need Serie erklärt, wie ihr erkennen könnt, ob auch euer Baby zu der schwierigen Sorte gehört und welche Gründe es dafür haben könnte. Heute möchte ich euch dabei helfen, dieses Wissen anzuwenden, wenn euer Baby mal wieder einen besonders untröstlichen Tag hat.

Verstehen und akzeptieren

Der Grund, weshalb ich den vorherigen Beitrag nochmal hier plaziert habe ist, dass Du zuerst einmal verstehen solltest, weshalb Dein Baby schwieriger ist als andere und diesen Umstand einfach akzeptieren musst. Wir sind lange Zeit zum Kinderarzt, Osteupat und der Hebamme gerannt und haben immer wieder gesagt, dass es doch nicht sein kann, dass sie doch etwas haben muss. Seit wir akzeptiert haben, dass unser Baby eben einfach ein Schreikind ist, fällt es uns viel leichter damit umzugehen. Wir wissen, dass wir die Situation nicht ändern können und dass sie es nicht tut, um uns zu schaden. Unser Baby hat in ihrem kurzen Leben viel Schlechtes erlebt, schon bevor sie überhaupt geboren wurde, hatte sie schon drei Bluttransfusionen und war sehr schwach und krank. So etwas muss verarbeitet werden. Während wir Erwachsene bei uns selbst verstehen, was in uns vorgeht, weiß das Baby es aber nicht. Es geht davon aus, immer behütet und sicher zu sein, besonders im Mutterleib. Ist es das nicht, versucht es Dir davon zu erzählen. Und das kann es nur auf diesem Weg.

Wenn Du also verstehst, dass es Deinem Baby nicht gut geht oder ging, dann fällt es Dir leichter, es einfach hin zu nehmen. Dann bist Du nicht mehr verzweifelt, wenn es stundenlang geweint hat und suchst nicht nach dem Grund, was es haben könnte. Du weißt: es braucht Dich jetzt einfach. Du versuchst nicht, die Situation krampfhaft zu verändern sondern kannst sie einfach hinnehmen und sagen, dass Du alles richtig machst. Ganz gleich, was Dir vorgeworfen wird.

Schlechte Ratschläge überhören

“Das Baby wird sich schon alleine beruhigen”

Ich finde das ist so ziemlich das schlimmste, was ich immer so zu hören bekomme. Beispielsweise hasst es Lea, im Kinderwagen oder Autositz zu reisen. Und wenn sie im Auto brüllt, dann brüllt sie, bis wir aussteigen. Ganz gleich ob wir eine kurze oder eine lange Strecke fahren, ob jemand neben ihr sitzt und sie streichelt oder nicht. Normal fühlende Babys haben schon Probleme damit, sich zu beruhigen, wenn eine Situation ihnen bedrohlich vorkommt. Ein High Need Baby steigert sich viel mehr in die Situation hinein und lässt sich schwieriger wieder raus holen. Und alleine schafft es das schon gar nicht. Lass Dir kein schlechtes Gewissen erinreden, Du seist überfürsorglich, Dein Baby braucht Dich wirklich.

“Dein Baby muss in seinem Bett schlafen, sonst wirst Du es nie los”

Noch so ein klassiker, den ich gerne an den Kopf geworfen bekommen. Seit ihrem ersten Lebenstag mag Lea einfach nicht in einem getrennten Bett schlafen. Ich habe sie deshalb schon im Krankenhaus bei mir schlafen lassen, wir halten die ganze Nacht unsere Hände und so weiß sie, dass ich für sie da bin. Wenn Dir wieder mal jemand ein schlechtes Gewissen macht, dass Dein Kind unbedingt woanders schlafen MUSS, denk immer daran, kein Kind schläft bis ins Jugendalter bei seinen Eltern im Bett. Irgendwann ist jedes Kind von sich selbst aus soweit und möchte seine Ruhe.

“Du verwöhnst Dein Kind und wirst später Probleme haben”

Hier möchte ich auf das Buch “Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust” von Julia Dibbern eingehen, die die Situation sehr schön beschrieben hat: bei uns Erwachsenen ist verwöhnen etwas Positives. Wenn wir verwöhnt werden, gönnen wir uns etwas gutes, wonach es uns besser geht. Kinder sollen aber nicht verwöhnt werden, da wird es gleichgesetzt mit “verziehen”. Wieso haben wir also mehr das Recht auf etwas Gutes, als unsere Kinder?

Nur Du kannst Deinem Kind helfen

Kinder spiegeln sehr viel von unserem eigenen Verhalten wieder. Sie lernen es sogar von uns, wie sie auf Gewisse Situationen reagieren müssen, welche Gefühle richtig sind. Strahlen wir Angst aus, finden die Babys die Situation auch bedrohlich. An diesem Punkt befinden wir uns oft im Zwiespalt, was richtig und was falsch ist und wie wir am Besten reagieren sollten, denn wer unter Stress steht, kann seine eigenen negativen Gefühle schlecht ausschalten.

Hier möchte ich das Beispiel Baden verwenden. Lea bekommt manchmal, aus welchem Grund auch immer, Angst beim Baden und brüllt auch danach noch panisch. Ich habe mit der Zeit eine Angst gegen das Baden entwickelt und habe angefangen, es zu meiden. Wir haben sie nur noch gebadet, wenn es nötig war. Mein Mann hat das übernommen, ich war meist zur Unterstützung dabei, damit es schneller vorbei ist. Somit habe ich ihr immer ausgestrahlt: Baden ist gefährlich. Sie hat dieses Verhalten gespiegelt, denn wie kann sie bei etwas Unbekanntem entspannt sein, wenn Mama Angst davor hat? Letzte Woche hatten wir ein paar sehr gute Tage. Sie war entspannter als sonst, hat gut geschlafen und ich war somit ausgeruhter und motivierter. Als es Abends ans Baden ging, habe ich plötzlich richtig Lust bekommen, sie selbst zu waschen. Ich habe mit ihr gesprochen, positive Energie ausgestrahlt und wurde belohnt: sie hat beim Baden zum ersten mal gelacht und sich gefreut.

Lass Dir von anderen helfen

Dies ist für mich ein sehr wichtiger Punkt. Auch wir Mamas kommen an unsere Grenze und schon zweimal, wenn wir ein Baby haben, das viel schreit und mit kaum etwas zufrieden zu stellen ist. An Tagen, an den es einfach nicht mehr geht, muss ich sie auch mal abgeben. Mir ist auch sehr bewusst, dass es alleinerziehende Mütter gibt, die Abends nicht einfach mal das Baby dem Mann oder Freund in die Arme drücken können. Aber es gibt sicherlich viele tolle andere Personen, die nach eurem Baby schauen. Auch wenn es nur eure Freundin ist, die mit dem Baby auf dem Arm durch euer Wohnzimmer läuft und Du einfach mal sitzen bleiben kannst. Solche Momente sind sehr viel wert, besonders an untröstlichen Tagen. An diesem Tagen brauche ich mal Abstand, denn ich weiß, dass bei uns ihr Dauerstillen dazu kommt und ich sie wenig später gar nicht mehr weglegen kann.

Sei Dir immer bewusst: es wird vorbei gehen

Vor ein paar Wochen, als Lea noch ihr abendliches Schreien nicht durch abendliches Dauerstillen ersetzt hatte, lagen wir drei erschöpft im Bett und wussten nicht mehr weiter. Aus der Situation heraus haben wir uns über den Schlaf unserer großen Tochter unterhalten, die bis kurz vor ihren 5. Geburtstag noch regelmäßig nachts zu uns kam. Und wie sie heute nun groß ist und langsam ihren Abstand zu uns sucht. Bald geht sie zur Schule und ist nicht mehr unser kleines Mädchen, irgendwann kommt sie in die Pubertät, wird Geheimnisse haben, wird alleine aus dem Haus gehen. Unsere Kinder werden sehr schnell groß. Wir wünschen uns so sehr, dass der Tag endlich kommt, weil wir stundenlang mit einem Baby auf dem Arm sitzen. Und kaum, dass wir uns versehen, können diese schon laufen und diskutieren mit uns, weil wir ihnen den Teller in der falschen Farbe serviert haben. Damit möchte ich Dir sagen: es wird vorbei gehen. Dein Baby wird nicht immer brüllen und es wird auch irgendwann nicht mehr den ganzen Tag mit dir kuscheln wollen, bei Dir schlafen, etc. Genieße diese Zeit, denn keiner kann sie Dir wieder geben!

Was hat dir an schlechten Tagen mit High Need Babys geholfen? Wo hast Du die Kraft her genommen, das Weinen zu ertragen?

14 Antworten auf „Positiv durch schwierige Tage mit High-Need Babys“

  1. Euer Baby hat ja wirklich schon eine Menge mitgemacht und du hast vollkommen recht, dass muss erstmal verarbeitet werden. Jedes Kind ist anders, eines braucht mehr Zuwendung, das andere weniger.

  2. Danke für den interessanten Beitrag – bei mir ists ja jederzeit soweit und mein Baby kommt zur Welt… da saug ich gerade alllle spannenden & hilfreichen Beiträge auf! Ich bin schon so gespannt, welchen Charakter sie haben wird… und ob sie (auch) ein High Need Baby wird 🙂

    Alles Liebe, Katii

  3. Da hatte ich aber Glück mit meinem Baby. Das war super entspannt und wirklich sehr pflegeleicht. Auch wenn sie nicht gebrüllt hat, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, sie mit ins Bett zu nehmen, um ihr Nestwärme geben zu können oder sie herumzutragen – gerne im Tuch – und so ständig oder oft auf Tuchfühlung zu sein. Mittlerweile ist das Baby schon groß und mitunter nicht mehr ganz so relaxed – aber so ist es eben mit fünfzehn Jahren 😉
    Viele Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

    1. Da scheinst du alles super gemacht zu haben 🙂
      Teenies sind ein ganz anderes Kaliber! Meine Schwester wird 18 und ist noch mitten in der Pubertät 🤷‍♀️

  4. Das mit den schlechten Ratschlägen stelle ich mir richtig nervig vor, auch wenn ich keine Mama bin. Ich denke eine Mutter weiß selbst am besten was ihr Kind braucht und was nicht. Kein Außenstehender wird da je mitreden können… Vielen Dank für den tollen Beitrag!

    1. Schlechte Ratschläge gibt es in jedem Bereich des Lebens. Wir Menschen, egal ob groß oder ganz klein, haben unterschiedliche Bedürfnisse. Diese sollte man immer individuell betrachten

  5. Hey, ich hatte kein High Need Baby, sondern Zwillinge. 😉 Da kann sich keiner leisten, high need zu sein, denn man muss immer beiden gleichermaßen gerecht werden. Denn ich habe nur zwei Hände und kann nur einen füttern, auf dem Arm haben oder streicheln. Das haben die beiden schnell verstanden und daher hatte ich zwei super unkomplizierte Knirpse, die heute ebenso unkomplizierte Jungs geworden sind.
    Liebe Grüße,
    Marie

    1. Zwillinge stelle ich mir an sich schon schwierig vor! Wenn diese ein starkes Gemüt hätten, wäre es umso schlimmer. Ich freue mich sehr, dass es sich so gut eingependelt hat bei euch!

  6. Mein Baby braucht unglaublich viel Körperkontakt. Mit fast sechs Monaten ist noch lange nicht daran zu denken, dass sie nicht bei mir im Bett schläft. Sie liegt auch nicht gerne im Kinderwagen, sondern möchte lieber in die Trage. Ich denke man sollte sich da nicht zu viel Druck machen und auf sein Herz hören.

    Liebe Grüße
    Fio

    1. Mich stört es auch nicht besonders! Wir schlafen super gut im gemeinsamen Bett. Nur manchmal würde ich lieber den Wagen nehmen statt sie zu tragen, um Dinge damit zu transportieren

  7. Ein sehr spannendes Thema das absolut dazu führt, dass man seine eigene Kindheit nochmal reflektiert. Ich bin noch nicht schwanger, aber recherchiere schon viel zu dem Thema, da ich es einfach spannend finde 🙂
    Je mehr ich lese, desto mehr denke ich aber, dass es oft das beste es das ganze Thema entspannt und ohne Erwartungen, wie etwas zu sein hat, angehen sollte, um eine Möglichst schöne Schwangerschaft und später auch eine schöne Zeit mit dem eignen Baby zu haben.

    xx Ann-Vivien
    von http://www.annvivien.blog

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