Morgenroutine mit langsamen Kindern

Meine große Tochter hat ein Talent: sie kann sich bei allem, was sie tut ausgiebig viel Zeit lassen. Besonders jeden Morgen steht uns dieses Verhalten sehr im Weg. Ganz gleich ob es noch zu meiner Zeit im Beruf war oder jetzt in Elternzeit mit dem zusätzlichen Baby, wir hadern immer damit, kaum oder nicht rechtzeitig aus dem Haus zu kommen. Dies kann insbesondere für berufstätige Mütter große Konsequenzen haben, immer zu spät zu kommen, aber auch in der Zeit als “Hausfrau” wünsche ich mir oft einen entspannteren Start in den Tag.

In meinem heutigen Beitrag möchte ich euch deshalb erzählen, was wir dafür tun, um morgens effektiv aus dem Haus zu kommen und auch, was bei uns besser laufen könnte.

Die richtige Vorbereitung

Ich starte direkt mit einem Punkt, den wir selbst nicht im Griff haben, aber vielleicht könnt ihr ja aus unseren Fehlern lernen 😉

Mein Morgen ist oft schon sehr stressig, da ich durch die Wohnung renne und zig Sachen gleichzeitig mache (meist auch noch mit dem Baby auf dem Arm). Am Esstisch liegt noch altes Geschirr von gestern, das weggeräumt werden will, der Tisch muss neu gedeckt werden und dann folgt eine Diskussion über die richtige Kleiderwahl mit der Großen. Das ganze ist nicht nur Nervenaufreibend, sondern kostet uns alle auch sehr viel Zeit. Ich bin mir dessen wohl bewusst, dass es sinnvoller wäre, vor dem Schlafengehen alte Gläser in die Küche zu räumen und frische hin zu stellen. Auch das Müsli kann ich schon einmal in die Schüsseln füllen und der Streit um den passenden Style auf den Abend vorverschieben. Unser Problem ist aber, dass unsere Abende vor dem Zubettgehen zur Zeit nicht weniger hektisch verlaufen und die Vorbereitung deshalb auf der Strecke bleibt. Aber vielleicht kannst Du diesen Tipp ja für Dich mitnehmen…

https://betje.myportfolio.com/about

Stehe vor den Kindern auf

Mein Wecker klingelt ganz bewusst zwei Stunden vor dem Ende der Bringzeit in den Kindergarten und auch früher bin ich fast zwei Stunden vor der Zeit aufgestanden, zu der ich aus dem Haus sein musste. Das hat den ganz einfachen Grund, dass ich kein Morgenmensch bin und etwas Zeit brauche, um in die Gänge zu kommen. Ich trinke gerne noch mein Kaffee und ziehe mich in Ruhe an, ohne dass beide Kinder um mich rum springen. Auch das klappt zur Zeit nicht so gut, da meine Kleine seit neuestem durch schläft (oder wenn nicht höchstens nur noch ein Mal nachts trinkt) und morgens einfach direkt trinken möchte, sobald mein Wecker klingelt. Andererseits hat das den Vorteil, dass ich beim Stillen noch kurz wach werden kann bevor ich aufstehe und sie dann besser gelaunt ist, wenn ich nach der Großen schauen muss.

Arbeitet im Team

Aufgrund der weiten Arbeitsstrecke meines Mannes bin ich nun seit 1,5 Jahren morgens immer komplett auf mich alleine gestellt, da er das Haus verlässt, lange bevor überhaupt unser Wecker klingelt. Doch auch er packt morgens hier schon passiv mit an! Wie das geht? Er bereitet der Großen schonmal das Vesper für den Kindergarten vor, füllt mir die Kaffeemaschine auf, damit ich nur noch auf einen Knopf drücken muss und wenn er Zeit hat, macht er schon mal eine Maschine Wäsche an, damit ich mit der Kleinen in der Tragetasche nicht den schweren Korb in den Keller schleppen muss. Es sind Kleinigkeiten, aber so viel wert!

Auch meine Große kann Morgens schon mit anpacken, zum Beispiel indem sie mal nach ihrer Schwester schaut, wenn diese weint oder mir hilft, die nicht vorbereiteten Dinge auf den Tisch zu tragen 😉 Wenn alle mit anpacken, geht es morgens gleich viel schneller und harmonischer zu!

Gebe die Zeit vor

Jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Problem: meine große Tochter ist seeeehr langam. Sie hat das große Talent, Minutenlang in der Gegend rum zu schauen und nichts zu tun, während wir alle im Stress sind. Ich habe schon sehr viel probiert, um sie dazu zu motivieren, etwas schneller zu sein. Unsere neue Geheimwaffe ist die Küchenstoppuhr! So kann ich ganz easy einstellen, wie lange sie für eine Sache brauchen darf. Wenn sie das nicht schafft, geht sie in den Kindergarten, so wie sie ist (bisher musste sie genau so zum Glück noch nicht gehen). Zum Beispiel stelle ich die Uhr für das Umziehen auf 5 Minuten und sie hat Spaß dran, die Zeit zu toppen. Anderweitig musste ich nach 15 Minuten ins Bad gehen und habe sie immer genau so vorgefunden, wie ich sie zuvor verlassen hatte.

Weitere Tipps, die den Alltag mit Kindern erleichtern können habe ich in einem alten Beitrag zusammen gefasst:

Wecke die Kinder rechtzeitig

Wie auch wir Erwachsenen, brauchen unsere Kinder ihre Zeit, um Morgens in die Gänge zu kommen. Für einen entspannten Morgenablauf ist es deshalb wichtig, die Kinder rechtzeitig zu wecken, damit wir sie nicht gestresst aus dem Bett werfen müssen. Plane deshalb immer eine Weile ein, in der Dein Kind Zeit hat, um sich im Bett nochmal umdrehen zu können.

Kinderfreundliche Checkliste

Meine Große ist oft etwas vergesslich. So kann es schon mal passieren, dass wir bereits alle unsere Jacken anhaben und sie panisch ruft, dass ihre Zähne noch gar nicht geputzt sind. Ein Ander Mal haben wir das Haus bereits verlassen, als sie sich daran erinnerte, dass ihre Vesperdose noch in der Küche lag. Damit wir nicht mehr panisch zurück rennen müssen, haben wir daher beschlossen, eine Checkliste zu erstellen, anhand derer die Kids sich orientieren können, ob wir an alles gedacht haben.

Kinderfreundlich wird die Liste auch bei Schulkindern, indem sie gemalt ist, anstatt geschrieben. So können einfache Bildchen, wie eine Zahnbüste und ein Rucksack die Kinder schnell daran erinnern, welcher Punkt denn noch fehlt.

Wiederkehrende Routinen

Kinder brauchen feste Routinen, um sich zu orientieren. Es ist nachgewiesen, dass ein fester und immer wieder kehrender Ablauf, Kindern den Tag erleichtert. Bei der Großen haben wir sowohl morgens als auch Abends seit Jahren eine Routine eingeführt, in der sie Dinge erledigt: Aufstehen, Toilette, Anziehen, Frühstück, Zähne putzen. Auch bei der Kleinen versuchen wir bereits, Abläufe zu wiederholen, damit sie sich einen Rhythmus angewöhnt. So haben wir uns schon einen festen Nachtrhythmus geschaffen, nur meine Tage sind noch etwas wirr 🙂

Mit guter Laune starten

Zum Schluss noch das wichtigste: der Morgen sollte nicht als Stress empfunden und gut gestartet werden! Kinder haben ganz feine Antennen. Wenn ich morgens gestresst bin und schnell aus dem Haus muss, merken sie es direkt und schießen dagegen. Deshalb versuche ich bewusst (auch als Morgenmuffel) nach dem Aufstehen alles etwas lockerer zu sehen, damit auch meine Kinder entspannt starten können 🙂

Wie ist es bei euch? Was tut ihr, um morgens gut in den Tag zu starten? Was sind eure geheimen Tricks?

27 Antworten auf „Morgenroutine mit langsamen Kindern“

  1. Ein paar der Tipps könnte ich ganz gut bei mir selbst anwenden 😀 Der Vorteil bei mir ist jedoch, dass es ganz allein mein eigener Stress und mein Problem ist, wenn ich unnötig Zeit vertrödle und mich dann stressen muss. Mit Kindern muss man sich wirklich gut organisieren, damit alles einigermaßen klappt. Das mit der Stoppuhr finde ich eine tolle Idee!

    1. Das ist wahr. Wobei wir da irgendwie unsere innere Uhr haben, und wir egal ob wir nun trödeln oder uns beeilen im Endeffekt quasi gleich rauskommen

  2. Das sind total hilfreiche Tipps – da könnte ich ein paar davon sogar auch schon jetzt nur auf mich selbst ummünzen 😀
    Jetzt fangen wir mal ganz klein an mit unserer Kleinen… da gibts erstmal eine ganz andere Morgenroutine 🙂

    Alles Liebe, Katii

  3. Ohren steif halten und durch 😊 Von Freunden weiß ich, wie stressig der Start in den Tag mit Kindern sein kann, darum findem ich deine Tipps sehr nützlich und auch leicht umsetzbar, Danke und liebe Grüße Bettina

  4. Huhu, also bei uns hat es tatsächlich geholfen, den Kindern Armbanduhren zu kaufen. 🙂 Zu dem Comic: Dass nichts passiert stimmt nicht, wenn erstmal die Schule losgeht… Da spiegelt sich zu spät kommen leider in den Noten wieder. Deswegen haben wir einen Plan aufgestellt, zu welcher Uhrzeit wir morgens was zu erledigen haben – 7 Uhr aufstehen, 7.30 Uhr frühstücken, 8 Uhr loslaufen. Das klappt ziemlich gut und so können die Jungs die Zeit selber im Blick halten.
    Liebe Grüße,
    Marie

    1. Ja die liebe Schule naht bei uns auch, im. Kindergarten ist es zum Glück tatsächlich nicht schlimm. Um Ehrlich zu sein genieße ich es sehr, die große erst gegen 9 weg zu bringen und habe ein bisschen Angst vor dem Schulbeginn 😉

  5. Hi,

    ich versuche uns morgens immer sehr viel Zeit zu geben. Je mehr Zeit ich zu Verfügung stellexä exeuüu
    desto schneller ist mein Sohn.😉

    Außerdem darf er nur zwischen zwei Outfitvarianten wählen, es sei denn er schafft die freie Wahl alleine, während ich seine Schwester fertig mache.

    Deinen Tipp mit der kinderfreundlichen Checkliste werde ich bald mal ausprobieren. Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Alexandra

  6. Liebe Wioleta,

    ich kann mir gut vorstellen, wie stressig es morgens mit Kindern sein kann. Mir geht’s ja allein manchmal schon so 😉
    Deine Tipps sind bestimmt super hilfreich! Und die Stoppuhr ist eine tolle Idee! 🙂

    Viele liebe Grüße,

    Tabea
    von tabsstyle.com

  7. Liebe Wioleta,

    ach, ich erkenne viele, viele Parallelen zu unserem damaligen morgentlichen Chaos wieder. Bei uns war das auch immer super hektisch und ich schon k.o. bevor ich überhaupt auf Arbeit war.
    Mein Kind ist auch der absolute Bummler, also habe ich den Morgen anders strukturiert. Ging auch gar nicht anders, weil mein Mann schon Dienst hat, wenn wir aus dem Bett krabbeln.

    Wenn ich aufstehe, wecke ich das Kind. Dann kann er in Ruhe wach werden und kommt dann meistens ins Bad, wenn ich fertig bin. Bis das Kind sich selber angezogen hat, habe ich das Frühstück und die Betten gebaut.
    Wir Frühstücken in Ruhe, dann gehen wir gemeinsam Zähne putzen (sonst dauert es ewig bis er fertig ist) und im Anschluss wird sich zum Rausgehen fertig gemacht. Dann kommt mein Hund mit ins Spiel, der will auch noch raus, bevor ich auf Arbeit düse.

    Liebe Grüße,
    Mo

    1. Ja so ähnlich sah das bei uns auch aus, bevor die kleine kam. Beide morgens zu koordinieren ist wirklich eine Herausforderung. Ich Stille nach Bedarf und den hat sie nach einer durchgeschlafenen Nacht sehr sehr oft… Manchmal an einem Morgen bis zu drei Mal. Da fällt das gemeinsame Frühstück oft ins Wasser.

  8. Hallo! Ich glaube, das Thema ist weit verbreitet! Manchmal schaffe ich es ruhig zu bleiben und manchmal platzt mit die Hutschnur. Was ich aber am aller wichtigsten finde ich: authentisch zu sein und das was Du mit der Morgenroutine beschrieben hast, klappt auch wunderbar! Danke Dir! VG, Sirit

  9. Wieder ein sehr schöner Beitrag. Ich kenne das zu gut! Ich habe irgendwann das Buch gelesen (oder war es ein Blogbeitrag, ich weiß es nicht mehr genau!): Der Tag an dem ich aufhörte, “beeil’ dich” zu sagen. Denn es bringt überhaupt garnichts. Die Kinder werden nicht schneller, die Mutter nur immer frustrierter. Ich habe damit aufgehört. Aber ich musste – wie Du schön beschreibst, viel ändern. Vorbereiten, früher aufstehen, mehr Raum geben. Nun läuft das bei uns schon jahrelang und die Routine zeigt mir, dass ich es richtig gemacht habe und mache. Wir haben morgens keinen Stress (außer ich verschlafe, aber dann habe nur ich Stress).

    Lieben Gruß, Bea.

  10. Ich hab keine Kinder kann da jetzt nicht so mit reden.
    Bin da auch eher der Mensch der langsam arbeitet aber natürlich lasse icz mir nie soviel zeit.
    Auch wenn man langsam ist, bedarf es alles seiner Struktur 😀 und dann klappt auch allles
    Lg:*

  11. Ui, das ist bei uns zu Hause auch ein riesengroßes Thema. Meine beiden sind in der Früh auch eher gemütlich unterwegs und ich bin dann diejenige die ständig laut werden muss, damit was weitergeht und sie rechtzeitig in der Schule und im KIGA sind. Da hilft auch all das Vorbereiten am Vorabend nicht so viel ;-).

    lg
    Verena

    1. Ich kann mir das nur zu gut vorstellen, wie das aussieht! Ich hin da leider auch immer etwas impulsiv. Und Naja wie im Beitrag beschrieben, je gestresster ich bin, umso langsamer geht es hier voran

  12. Das sind richtig tolle Tipps für Kinder, die das Zeitmanagement noch lernen müssen. Bei uns hat das auch eine Weile gedauert – eine große Weile sogar. Seit Sohnemann 14 ist, klappt aber alles wunderbar. Vorher wars auch manchmal ganz schön anstrengend. Alles hatte Stress – er jede Menge Zeit ;o)
    LiebGruß
    Sandra

    1. Ich glaube du beschreibst da meine Tochter 😉
      Ich hoffe ja, dass wir das im Griff haben, bis sie zur Schule geht. Da ist es zumindest nicht mehr ohne Konsequenzen, wenn sie zu spät käme

  13. Hallo!
    Ich habe zwar keine eigenen Kinder, aber Patenkinder. Eines davon ist auch wirklich langsam. Zum Glück übernachtet sie immer nur in den Ferien bei mir, da können wir uns Zeit lassen – zum Glück.
    LG
    Carina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.