Manche Babys brauchen mehr Nähe – und weshalb das völlig ok ist

In den Sozialen Medien haben wir es schon bekannt gegeben: Ende November kam unsere zweite Tochter endlich zur Welt! Wie ihr schon mitbekommen habt, hatten wir in der Schwangerschaft viele Probleme und Anfang der 38. Woche wurde ich eingeleitet – was irgendwie sehr früh war. Umso verständlicher, dass wir ein sehr anhängliches Baby haben, welches sehr viel Nähe braucht. Denn zum Team Schreien Lassen gehören wir definitiv nicht. Über unser intensives Kuscheln, unser neues Familienbett und wie wir uns einleben, möchte ich euch heute berichten.

Schon als ich schwanger war, wusste ich, dass ich eine sehr kuschelige Maus habe. Tatsächlich hatte ich einmal das Gefühl, sie würde mit ihrer Hand meinen Bauch streicheln, als es mir mal nicht gut ging. Wir haben uns beide miteinander sehr wohl gefühlt, auch wenn mein Körper versucht hat, sie ab zu stoßen. Und ich bin mir sehr sicher, hätten wir die Probleme nicht gehabt, wäre sie bis nach dem Termin drin geblieben und hätte die Zeit bei Mama genossen. Nun mussten wir sie zu ihrer eigenen Sicherheit einleiten und die kleine Lea kam schon Anfang der 38. Woche zu uns. Natürlich war die künstliche Eineitung nicht einfach und weder sie noch ich konnten so richtig loslassen. Wir waren überglücklich, unsere Maus endlich bei uns zu haben und dass wir die Komplikationen mehr oder weniger hinter uns lassen konnten und das Kapitel Rhesuskonflikte endlich abschließen konnten. Jedoch merke ich, dass die kleine Lea noch sehr viel Nähe nachzuholen hat, die sie im Bauch noch bis Mitte Dezember gehabt hätte. Dies krempelt unser Leben komplett um, denn es dreht sich alles hauptsächlich um das neue Baby in unserem Zuhause, damit wir alle ihr die Liebe und Nähe geben können, die sie braucht.

Rhesuskonflikte – Schwanger mit Antikörpern gegen die kindliche Blutgruppe

Viel gemeinsame Zeit

Durch Kuscheln repariert man sich gegenseitig, sagt ein bekanntes Sprichwort. Und ganz nach diesem Motto, verbringen wir ganz viel Zeit miteinander. Versteht mich nicht falsch, wir haben kein “Schreibaby”. Ganz im Gegenteil, wenn unsere Maus die Nähe bekommt, die sie braucht, weint sie so gut wie gar nicht. Aber sie ist direkt unruhig und weinerlich, sobald ihr bewusst wird, dass sich niemand in ihrer unmittelbaren Nähe befindet. Das bedeutet für uns alle: ganz viel Tragen und Kuscheln. Zum Glück sind wir drei uns einig und möchten ihr diesen Wunsch natürlich erfüllen, damit sie gut in der Welt ankommt. Ein Glück hat die kleine Lea eine tolle große Schwester, die ihre Eltern beim Kuscheln unterstützt und selbst gerne und viel Zeit mir ihr verbringt.

Das große Kind auf sein Geschwisterchen vorbereiten – unsere Tipps

Böse Zungen heben oft den Finger und behaupten, dass es schlecht sei, Kinder zu verwöhnen. Auch wir dürfen uns jetzt schon oft anhören, dass wir sie zu sehr an uns gewöhnen und später Probleme haben werden. Für uns ist das viele Kuscheln jedoch völlig in Ordnung. Für die kindliche Entwicklung hat übermäßige Nähe sogar große Vorteile:

  • Die Vertrauensbasis zwischen Eltern und Baby wird so von Anfang an gestärkt. Das Kind lernt von Anfang an, dass es auf dieser Welt nicht alleine ist und sich immer auf seine Familie verlassen kann. Das kann die Beziehung zwischen Eltern und Kindern bis ins spätere Alter verbessern und Erziehungsprobleme verhindern
  • Kuscheln schüttet bei den Müttern Glückshormone aus, was sich positiv auf die Milchbildung auswirkt
  • Das frühe Erkennen von Hungerzeichen und die sofortige Reaktion darauf verhindert Schreianfälle, die wiederum das das Trinken verhindern. Kinder, die nicht schreiend gefüttert werden, trinken besser, da die Atem-Trink-Koordination nicht gestört ist
  • Kinder, die viel Nähe erfahren, schlafen besser, weil sie sich sicherer fühlen

Und denkt immer daran, das Baby-Gehirn ist noch nicht weit genug ausgereift, um die Eltern auszunutzen oder zu manipulieren, was viele als Kosequenz befürchten. Im Gegenteil haben Neugeborene nur die wichtigsten Bedürfnisse, die einfach gestillt werden müssen. Du musst dich nicht schlecht fühlen, wenn Du genau das Deinem Baby bieten kannst!

Unser Familienbett

Wir haben sehr viel Geld in die Hand genommen und unserer Tochter ein richtig schönes und vor allem teures Bettchen gekauft. Eines, das vom Beistellbett zu einem großen umgebaut werden kann. Als wir mit den Nabelschnur-Tansfusionen begonnen haben und das Wort Notkaiserschnitt immer wieder im Raum stand, habe ich mich wahnsinnig dafür eingesetzt, dass das Bett schon im Oktober aufgebaut bei uns im Zimmer stand – nur für den Fall. Seit unsere Tochter auf der Welt ist, hat sie ganze zwei Stunden in diesem Bett verbracht – innerhalb einer ganzen Nacht.

Im Großen und Ganzen haben wir uns mit dem Thema Familienbett gut angefreundet. Mein Mann hat schon gelernt uns einfach zu ignorieren und wacht gar nicht mehr auf und selbst ich brauche mittlerweile die Nähe der Kleinen, um ruhig schlafen zu können, ganz gleich obs tagsüber oder nachts. Zudem kommt sie öfter durchs Stillen als die Große damals. Am Anfang habe ich mir oft Sorgen gemacht, ihr weh zu tun oder sie zu überrollen, mittlerweile sind wir da richtig gut eingespielt.

So schläft ihr sicher im Familienbett
  • Kissen und Decken müssen vom Baby fern gehalten werden. Unsere Kleine schläft auch bei uns im Schlafsack auf Höhe meiner Brust
  • Die Matratze sollte nicht zu weich sein. Somit sind Wasserbetten oder Sofas nicht für ein Familienbett geeignet
  • Sanftes Licht kann der Familie bei der Orientierung helfen
  • Das Baby sollte am Besten am Bettrand liegen. Dieser sollte gesichert werden. Ich lege sie immer auf die Höhe ihres Beistellbetts und lege das Stillkissen zusätzlich gegen den Rand
  • Falls eine Person sich stark dreht sollte das Baby nicht neben dieser liegen. Ich liege immer zwischen Lea und ihrem Papa, da er einen sehr tiefen Schlaf hat und sich viel wälzt
  • Es sollte keine Lücken geben, wo das Baby hinein rutschen könnte
  • Eltern sollten darauf achten, nicht vor dem Zubettgehen zu rauchen, um das Kind nicht direkt mit Nikotin an zu atmen
  • Genauso verhält es sich mit Alkohol und anderen Rauschmitteln wie bestimmten Medikamenten. Zum Einen atmen wir den Alkohol zum Kind, zum Anderen schlafen Erwachsene unter Alkoholeinfluss tiefer und haben eine geringere Reaktionsfähigkeit und könnten so das Kind verletzen, da sie es im Bett nicht mehr wahrnehmen.
Vorteile des Familienbetts

Auch wenn man mit dem Wort Familienbett oft nur die oben aufgeführten Gefahren verbindet, hat ein geteiltes Schlafen viele Vorteile für die Familie

  • Stillende Mütter fühlen sich oft weniger müde, wenn sie nachts nichts aufstehen müssen, sondern das Stillen quasi im Halbschlaf nachts durchführen
  • Kinder fühlen sich im Elternbett oft sicherer und schlafen besser. Unsere Große kommt heute noch oft wenn sie Albträume hatte
  • Säuglinge beruhigen sich beim nächtlichen Aufwachen in der Nähe der Eltern schneller. Das bedeutet: sie wachen seltener auf, schlafen schneller wieder ein und schreien weniger
Wie schaut es bei euch aus? Wie viel Nähe habt ihr zugelassen und wie viel Freiraum habt ihr für euch gebraucht? Schlafen eure Kinder bei euch im Bett?

27 Replies to “Manche Babys brauchen mehr Nähe – und weshalb das völlig ok ist”

  1. Hallo! Nein, schreien lassen finde ich voellig daneben, ganz ehrlich! Ich habe meine Sohn immer mit mir rum getragen, im Tragetuch, da ist er immer schön eingeschlafen! Danke Dir! Hab einen schönen Tag! Sirit

  2. Das klingt ja so süß, vor allem als du schreibst, dass du das Gefühl hattest die kleine Maus würde deinen Bauch streicheln <3 <3 <3

    Jeder Mensch ist anders, die einen brauchen mehr Nähe, die anderen weniger und bei den Babys kommt das ja auch schon ganz gut zum Vorschein 😉

  3. Mein Kleiner hat schon im Krankenhaus neben mir im Bett geschlafen und das ist auch so geblieben bis er in den Kindergarten gegangen ist. Egal was andere sagen, man darf sich als Mutter nicht beeinflussen lassen, sondern seinem eigenen Gefühl folgen.

    Liebe Grüße
    Verena

  4. Auch für mich (noch) nicht Mama ist dieser Beitrag sehr interessant. Als Frau in den Dreißigern sehe ich mich recht oft mit dem Kinderthema konfrontiert und stelle mir viele Fragen. Ich selbst war ein Schreikind, heute weiß meine Mutter, dass ich vermutlich durch die Geburt traumatisiert war (Nabelschnur um den Hals gewickelt und Saugglockengeburt). Da bekomme ich richtige Angstzustände im Hinblick auf potentiellen Nachwuchs und frage mich immer, wie Mamas das gewuppt bekommen, ohne zugrunde zu gehen.
    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel!

    Ein Lächeln,

    Miri von thesoulfoodtraveller.com

    1. Liebe Miri,
      Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwierig ist, in den 30ern noch kein Kind zu haben und dass sehr viel von außen an Kommentaren kommt. Egal wie man es macht, es ist nie so wie andere es erwarten. Das ist bei uns umgekehrt nicht anders, wir haben Ende der 20er schon die Familienplanung angeschlossen.
      Ich denke aber nicht, dass Du dir Sorgen darum machen musst, dass es als Mama immer nur anstrengend ist. Glaube mir, die kleinen geben dir wahnsinnig viel zurück!
      Viele Grüße
      Wioleta

  5. Ich finde, jedes Kind hat ein Recht auf ganz viel Nähe und Kuscheln ohne Ende, wann immer es dies braucht. Ich habe mein Kind nie schreien gelassen und es war ein total ausgeglichenes, rundum zufriedenes Baby. Ich glaube schon, dass dies auch auf die vorhandene Nähe zurückzuführen war. Auch in der Nacht durfte es bei mir im Bett sein, solange es dies wollte. Das hat uns eigentlich beiden gut getan – ich war eine der ausgeschlafenen Mütter …. Und für mich als Selbständige war dies zudem unbezahlbar!

    Liebe Grüße,

    Doris von https://diegutelaune.com

    1. Liebe Doris,
      Das ist ein sehr guter Ansatz! Meine kleine ist auch ein sehr liebes und ruhiges Kind und sie bekommt die Nähe von uns immer. Ich kann mir gut vorstellen, dass Babys glücklicher sind wenn sie voll und ganz das Gefühl haben willkommen zu sein und nicht zu stören

  6. Das ist ein interessanter Beitrag. Ich habe auch viel mit meinen kindern gekuschelt und sie oft bei uns im Bett gehabt, ich finde auch Nähe ist wichtig.
    Liebe Grüße Bo

  7. Das war wirklich so ein interessanter Artikel, den ich sehr gerne gelesen habe… Ich bin momentan zum ersten Mal schwanger, deshalb habe ich die Infos gleich komplett aufgesogen 🙂
    Bin schon gespannt, wie das bei uns wird!
    Und natürlich: GRATULIERE zur zweiten Maus <3

    Alles Liebe, Katii

    1. Liebe katii dir meinen herzlichen Glückwunsch 😍 das freut mich wahnsinnig!
      Wenn dich das Thema Nähe interessiert, kann ich dir ein gutes Buch empfehlen 🙂 in verwöhn dein Baby nach Herzenslust sind nochmal die Bausteine der Nähe zum Baby erläutert.

  8. auch wenn ich selber noch keine Mama bin, kann ich das gut nachvollziehen! es ist ja auch ganz natürlich, dass so ein Baby die körperliche Nähe braucht – ein psycho-medizinischer Ansatz ist ja auch das Bonding-Prinzip, wenn das Baby auf den Bauch der Mama gelegt wird 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    1. Ja ich finde es nur schade, dass die Stimmen da so unterschiedlich sind. Viele sehen es einfach als falsch an, kritisieren Eltern, die nur nach dem Baby schauen etc. Da hat sich die Gesellschaft leider wieder stark ins negative gewandelt

      1. da kann ich dir nur Rcht geben! als Außenstehende verstehe ich dennoch absolut nicht, dass man es überhaupt negativ auffassen kann, wenn ein Kind die Nähe sucht … bei meinen beiden Neffen z.B. war der eine eher ein Kind, der die Nähe nicht so brauchte, aber der jüngere dagegen sehr – Kinder sind eben auch ganz individuell 🙂

        ❤ Tina

  9. Kuscheln ist immer gut für die Seele und wirkt sich positiv auf den Körper aus. Meine Tochter ist jetzt schon 13 Jahre und ich kann mich noch gut an die Baby-Zeit erinnern. Sie lag immer auf meiner Brust, dort schlief sie am Besten ein. Herrlich, liebe Grüße Claudia

  10. Meine Kinder schlüpfen immer noch jeden Abend ins Bett – meine Tochter ist schon in der ersten Klasse. Was soll’s, sie will das, uns stört es nicht, es ist schön – zumindest, sofern sie noch etwas Platz lässt 😉

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