Mama und Papa oder Mann und Frau?

Eines Tages hörten wir auf, miteinander zu sprechen. Wir hatten uns eigentlich so viel zu erzählen, doch wenn man das verlernt, dann gibt es weiterhin auch nichts mehr zu sagen. Also trennten wir uns, weil es da nichts mehr gab, was wir teilen konnten. Und plötzlich hatten wir sehr viele Sachen zu erzählen.

Es ist eine Kunst, ein Kind aufzuziehen, Vollzeit arbeiten zu gehen und dann auch noch ein Partner zu sein. Nicht die Art Partner, die wichtige Dinge gemeinsam entscheiden und irgendwie denselben Weg gehen, ohne sich dabei anzusehen. Eben die Art Partner, die wirklich ihre erlebten Momente, egal ob gut oder schlecht, miteinander teilen. Die Art Personen, die mit Freude nach Hause kommen, weil sie wissen, dass es jemanden gibt, der auf sie wartet. Die Art Team, das sich gegenseitig die Verpflichtungen nimmt und entlastet. Und eben diese Art von Partnerschaft vergeht, wenn man beginnt, Mutter und Vater zu sein. Denn dann dreht sich nicht mehr alles um euch. Ihr beginnt euch Sorgen zu machen, wie ihr alles durchsteht, die Kinder sind anstrengend, die Arbeit wird anstrengend, das Leben wird anstrengend und ihr werdet von allem und besonders von Euch selbst müde. Die Euphorie wird schon in normalen Beziehungen kleiner, je mehr Jahre vergehen. Irgendwann klopft das Herz nicht mehr so hoch, wenn ihr den anderen anseht und ihr habt nicht mehr das Gefühl, jede freie Minute miteinander verbringen zu müssen. Denn irgendwann klopft das Ich an der Tür und möchte wieder selbst in den Vordergrund gestellt werden.

Am Anfang des Elternseins dreht sich alles immer nur um das Baby. Es schreit und hat Hunger und hat ein Gespür dafür, wenn seine Eltern einmal versuchen sich wieder nahe zu kommen (was ohnehin schon immer seltener passiert). Nachdem es endlich einmal schläft, haben wir Mütter auch kein anderes Bedürfnis, als uns hinzulegen und diese Zeit zu nutzen, bevor das Baby wieder aufwacht.

Auch wenn die Kinder größer werden, geraten unsere Beziehungen in den Hintergrund. Wir beginnen wieder zu arbeiten und machen abends den Haushalt. Wenn überhaupt, bleibt uns um 20 Uhr noch Kraft, um uns mühsam aus der Dusche auf das Sofa zu ziehen und am besten nicht mehr zu denken. Leider schalten wir dabei den Kopf so sehr aus, dass wir keine Worte für unseren Partner finden, der genauso alleine vor sich hin vegetiert wie wir auch. Und dass nur wir uns gegenseitig aus dieser Situation hätten holen können.

Mit dem Alter des Kindes beginnen wir auch wieder zu leben. Wir treffen uns mit Freunden und suchen uns vielleicht auch Hobbies. Ich beispielsweise habe angefangen, wieder Sport zu machen. Zwischen Arbeit, Haushalt, Kind und Schule bin ich also 3 Mal die Woche noch ins Fitnessstudio gegangen und war somit etwa noch 6 Stunden pro Woche weniger zuhause. Aber nach diesen ganzen Aktivitäten sind wir noch viel mehr mit uns selbst beschäftigt. Wir hätten zwar mehr zu erzählen, da wir uns weniger sehen. Aber wirklich tiefsinnig werden diese Gespräche auch nicht.

Das soll nicht bedeuten, dass unser Partner in dieser Zeit nicht mehr existiertn oder wir ihn nicht mehr lieben würden. Wir bemühen uns dennoch, alle zusammen etwas zu unternehmen, als Familie. Diese Momente sind sehr schön, doch man kann sich nicht auf seinen Partner einlassen, während mal seinem Kind im Zoo hinterher rennt. MANCHMAL gehen wir auch alleine etwas essen oder ins Kino. Doch es ist einfach anders als früher. Die Gespräche drehen sich immer um dieselben Themen und führen letztendlich ins Nichts. Wir beginnen uns über Kleinigkeiten aufzuregen und finden kaum ein lobendes Wort.

Wir haben uns natürlich wieder vertragen und führen nun seit 6 Monaten wieder eine mal mehr Mal weniger glückliche, aber mittlerweile ehrliche Ehe. Denn in der Zeit der Trennung haben wir eines getan, das wir zuvor nicht konnten: wir haben uns hingesetzt und über alles gesprochen. Alles, was uns belastet hat und alles, das uns gefreut hat. Es kamen auch unschöne Wahrheiten ans Licht, aber zumindest können wir nun sagen, dass alles auf dem Tisch ist. Wir sind miteinander ins Reine gekommen. Wir haben uns angewöhnt, uns nach der Arbeit erst einmal hin zu setzen und über den Tag zu sprechen. Wir haben uns vorgenommen abends nicht mehr wie Zombies in den Fernseher zu starren. Wir haben 3 und halb Jahre Kind gebraucht, um wieder zueinander zu finden.

Ich möchte Euch mit auf den Weg geben, dass es neben eurem Leben als Eltern auch noch das Leben als Partner gibt. Dass sich nicht alles um die volle Windel, den vollen Kühlschrank sondern um ein volles Herz geht. Denn wenn ihr das leer werden lässt, dann könnt ihr es nicht mehr so schnell wieder füllen. Eine Beziehung ist eine lebenslange Arbeit. Sie braucht Luft zum Atmen aber auch Liebe und Wäre zum wachsen.

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9 Replies to “Mama und Papa oder Mann und Frau?”

  1. Ja, das miteinander sprechen ist so wichtig und geht oft vergessen!

    Das hast Du so toll Geschrieben und es freut mich von Herzen, dass Ihr den Weg wieder zusammen gefunden habt!

    Hab ein schönes Wochenende!

    xoxo
    Jacqueline

  2. Vielen lieben Dank für diese ehrlichen Worte und die Ratschläge! Unsere Tochter ist jetzt 7 Wochen alt und ich bin auch absolut der Meinung, dass man nur weil wir jetzt Eltern sind, das Partner sein nicht vergessen dürfen!
    LG Ina

  3. Hallo,
    ich klebte mit meinen Augen an jedem einzelnen Wort. Als das Happy End kam, war ich echt überglücklich. Es ist schön, dass ihr es wieder hinbekommen habt, eine Partnerschaft aufzubauen! Das gelingt nicht jedem.. Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Kraft und Liebe 🙂

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  4. Ich denke das Problem an vielen Beziehungen ist einfach die fehlende Kommunikation. Man spricht immer weniger miteinander übereinander und hört nur noch mit halbem Ohr zu. Das kann echt alles killen und dabei ist es so vermeidbar, wenn man sich abends nur10-15 aktive Minuten füreinander nimmt, ist das schon soviel wert anstatt 10x am Stück Ja, hmm, ja hmmm.
    Und auch angesprochene Probleme sind schneller (aber nicht einfacher :D) zu lösen. Schön, das ihr wieder zusammen gefunden habt

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

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