Mama Freundschaften zu nicht HN Mamas

Und schon wieder ist es passiert. Gefühlt lasse ich jede Freundschaft zu anderen Mamas kaputt gehen. Dabei könnte es so einfach sein: beide sind wir in Elternzeit und haben theoretisch Zeit, uns zu treffen und aus zu tauschen. Doch wo wir früher vollkommen auf einer Wellenlänge waren, scheinen unsere Meinungen in letzter Zeit auseinader zu gehen, weshalb unser Austausch immer seltener wird. Das liegt natürlich mitunter daran, dass unsere Kinder grundverschieden sind und unsere Ansichten in vielen Themen der Erziehung auseinander gehen. Aber warum ist es eigentlich so schwierig, Mama Freundschaften mit einer „normalen“ Mama zu halten, wenn das eigene Baby „High Need“ ist?

Es war einmal eine Freundschaft…

Bestimmt ist es auch bei Dir so: im Laufe der Jahre kommen einige neue Freunde dazu, dafür lässt Du die ein oder andere Person aus deinem Leben wieder gehen. Das ist ein ganz normaler Kreislauf: denn Du als Person veränderst Dich während der Zeit und auch Deine Empatien werden anders.

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Seltener haben wir die eine Freundin, mit der wir schon seit unserer Kindheit befreundet sind. Wir kennen sie in- und auswendig, haben sehr viel mit ihr erlebt und auch einige schlechten Zeiten durchgemacht, in den wir nicht immer zu 100% zueinander gestanden sind. In der langen Zeit haben wir nämlich auch Seiten aneinander kennen gelernt, die uns nicht gepasst haben.

Und irgendwann kommt die Zeit, da wir beide erwachsen werden und unsere Familien gründen. Bezogen auf Freundschaften ist dies ein wichtiger Punkt im Leben, denn eine Familie festigt oder zerreißt Freundschaften meist. Du hast plötzlich andere Prioritäten, bist nicht mehr so flexibel und änderst auch ein Stück weit Deine Persönlichkeit. So eine Veränderung muss eine Freundschaft schon abkönnen.

Hin und wieder kommt es vor, dass Freundinnen fast zeitgleich Mamas werden. Nichts ist schöner, als diese emotionalen Momente mit einer Verbündeten teilen zu können! Zu wissen, dass man immer jemanden hat, der einen dabei versteht, wie es ist Mama zu sein.

Wieso leiden Mama Freundschaften an unterschiedlichen Kindern?

Doch was, wenn die Kinder der Freundinnen so unterschiedlich werden, dass beide völlig verschiedene Ansichten vom Leben mit Kind bekommen? Was, wenn die eine ein komplettes Anfängerbaby hat, die andere aber ein High Need Baby?

Eigentlich sollte es in einer Freundschaft keine Rolle spielen, welches Gemüt Kinder haben. Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der Perfektionismus und klare Vorgaben eine große Rolle spielen. Wir sind so in unserem Idealismus gefangen, dass es uns schwer fällt, Lebensweisen von anderen anzunehmen. Und ganz besonders was Kinder angeht ist dieser Idealismus stark ausgeprägt. Wir haben Erwartungen daran, was Kinder wann können sollen, wie sie sich zu verhalten und wann sie zu schlafen haben. Doch das ein oder andere Kind sprengt diesen Rahmen nun einmal.

Dazu kommt, dass Mamas, die ein High Need Baby haben, ihren Lebensstil komplett umkrempeln müssen. Ihnen bleibt oft nichts anders übrig, als sich den verstärkten Bedürfnissen ihres Kindes anzupassen. Und da fallen gemütliche Abende mit Freunden schon mal aus. Ja, oft können wir sogar keinen ganzen Satz am Stück aussprechen, ohne von Geschrei unterbrochen zu werden. Unsere Kinder schlafen anders und wir passen unser Leben deren Schlafverhalten an. Flexibiltät gleich null eben.

Die Gegenpartei (schlimm genug, dass mir dieser Begriff im Zusammenhang Freundschaft eingefallen ist) hat selten Verständnis für diese Änderungen. Jedoch:

Gegenseitiges Verständnis als Grundlage

Das Einzige, was zunächst einmal in so einer Situation hilft, ist ein tiefes Verständnis füreinander. Allein das ist eine sehr große Herausforderung für beide Seiten, denn die Mama Freundinnen stecken in komplett anderen Lebensumständen. Die eine ist immer müde, ausgelaugt, hört nichts als Geschrei. Die andere tiefenentspannt, lebt ihr eigenes Leben, kann das Baby auch mal getrost beim Papa lassen und sich mit Freundinnen auf ein Kaffee verabreden. Die Eine kann die Geschichten über das ruhige Baby nicht mehr hören, schafft es nicht, sich zu freuen und der Anderen das Glück vollkommen zu gönnen. Die Andere hingegen sieht es nicht ein, dass ihre Freundin sich nur noch zuhause einsperrt und so überfordert ist, denn sie kann sich einfach nicht vorstellen, wie so eine Situation ist.

Früher war ich „die Andere“. Ich dachte mir so oft über gewisse Mütter „stell Dich nicht so an, was ist das bisschen Haushalt? Lass Dein Kind doch mal bei Oma und entspann Dich“. Vielleicht wollte mich das Leben etwas Lehren, als er mich beim zweiten Kind zu „der Einen“ gemacht hat. Die Eine, die so oft nicht einmal ruhig duschen konnte ohne im Hintergrund Geschrei zu hören.

In derart unterschiedlichen Lebenssituationen hilft nur, sich irgendwie Verständnis entgegen zu bringen. Auch wenn man die andere vielleicht nicht versteht – einfach mal zurück schrauben und akzeptieren, statt versuchen zu verändern. Wenn das Verständnis nicht da ist, bleibt nicht mehr viel, um eine solche Freundschaft zu halten.

Wichtig: es ist nicht die Schuld oder der Verdienst einer Mama, wie ihr Kind ist!

Egal ob nun positiv oder negativ behaftet: viele glauben, eine Mama würde das Wesen ihrer Kinder beeinflussen. Die Eine würde ihres verziehen und es zu einem ungehorsamen Balg verderben. Und die Andere hätte einfach alles richtig gemacht und deshalb sei ihr Kind so super lieb.

Ich habe mir letztens den Vorwurf an den Kopf schmeißen lassen, dass ich die Meinung der anderen nicht annehmen würde und sie mir nur gute Ratschläge gibt, wie die Situation bei uns besser werden kann. In einem hatte sie Recht: ich nehme diese Ratschläge nicht an. Weil sie nicht zu unserer Familie und unserem Kind passen. Weil viele Dinge, die ihr Kind akzeptiert auf heftigen Widerstand stoßen und die Situation hier noch mehr verschlimmern können. Und diese Person nicht weiß, welche Konsequenzen es hat, wenn hier etwas noch schlimmer wird. Ich laufe ja so schon auf dem Zahnfleisch.

Der Grund, weshalb das oben genannte Verständnis oft fehlt ist, dass viele Mamas von Anfängerbabys überzeugt sind, alles richtig gemacht zu haben. Sie denken, es sei ihr Verdienst, dass das Baby so ruhig und fröhlich ist. Sie vergessen jedoch, dass jeder Mensch seinen eigenen Charakter hat. Dieser ist uns angeboren, nicht anerzogen.

Schwierige Mama Freundschaften trotzdem halten?

Und nun stehen wir da ohne Verständnis und mit unterschiedlichen Idealen der Familie und sind auf Abstand gegangen. Schlussendlich führte jedes Gespräch, das wir hatten zum Streit. Darauf hatte keine von uns beiden Lust und unausgesprochen haben wir eine Schweigepause eingelegt. Ich muss gestehen, dass mir trotz dass ich diese Person vermisse die Ruhe ganz gut gefällt. Ich habe auf einmal nicht mehr das Bedürfnis mich für das Wesen meiner Kinder rechtfertigen zu müssen – was ich ganz klar nicht muss! Wie es weiter geht, weiß ich zunächst einmal nicht.

Denn ich muss mir zunächst einmal darüber klar werden, was überwiegt: die schlechte Stimmung aufgrund unserer Ansichten oder die Empatie füreinander. Generell solltet ihr euch bei einer netagiv behafteten Freundschaft folgendes Fragen:

  • Tut mir dieser Mensch noch gut oder sind wir nur in negative Gefühle zueinaner verstrickt?
  • Passen unsere Lebensstile überhaupt noch zueinander?
  • Können wir Kompromisse eingehen?
  • Habe ich das Gefühl, mich für mein Leben bei der anderen Person zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen?
  • Können wir noch normale Gespräche führen oder endet alles im Streit?
  • Vertraue ich der Person überhaupt?

Freunde sind Menschen, die füreinander da sind. Solche, die Du zu jeder Tageszeit anrufen kannst und von ihnen einen Rat einfordern kannst, ohne Dich dafür schämen zu müssen, dass Du diesen überhaupt brauchst. Sobald dieses Vertrauensverhältnis beschädigt ist, wird es schwierig, noch zueinander zu finden.

Aber was bleibt Dir auch übrig? Das Thema Kinder komplett meiden? Als Mama ziemlich schwierig, da dieses Thema umfasst einen sehr großen Teil unseres Lebens. Und gehört nun einmal dazu.

So gelingt euch die Freundschaft trotzdem

Doch glücklicherweise habe ich auch die ein oder andere Freundschaft, die trotz meiner HN Tochter gut funktioniert. Ein Patentrezept hierzu gibt es nicht. Aber es ist eine Prise aus Verständnis, Mitgefühl und Kompromissbereitschaft nötig.

Es gibt tatsächlich die Personen mit einfachen Babys, die dennoch nicht hinter Scheuklappen leben und keine „das gibt es doch gar nicht“ Haltung einnehmen. Generell sollten die Freundinnen aber zumindest eine ähnliche Haltung in Erziehungsthemen haben, da diese oft ein großer Konfliktpunkt an der jeweils anderen Person sind. Stillgegner gegen Stillbefürworter. Attachment Fans gegen Autoritäre Eltern. Die Liste ist ewig.

Wenn ihr in unterschiedlichen Situationen steckt, reitet nicht aufeinander rum. Jeder lebt sein Leben, so wie er es eben tut. Und als Freundin muss ich nicht immer den besten Rat parat haben, denn ich kann die Probleme der anderen nicht lösen. Oft reicht es einfach schon, nur zuzuhören und zu verstehen.

Fazit

Ich kann nich für Dich entscheiden, ob Du Mama Freundschaften zu nicht HN Mamas führen kannst und sollst. Ich kann Dir nur ans Herz legen, das zu tun, was Dir gut tut. Und wenn Du in einer Freundschaft nur noch das Gefühl hast, angegriffen zu werden und nicht mehr zu Deiner Familie stehen zu können, solltest Du zumindest eimal auf Distanz gehen. Es muss ja nicht immer gleich ein Abbruch sein. Vielleicht beruhigt sich die Situation einmal. Oder die Umstände ändern sich. Wer weiß.

Hast auch Du Freundschaften zu Nicht-HN Mamas? Sind diese eher Problematisch oder gelingt es euch, die Toleranz zueinander zu bewahren? Erzähle davon in den Kommentaren.

4 Antworten auf „Mama Freundschaften zu nicht HN Mamas“

  1. Es ist echt immer sehr schade, wenn Freundschaften durch Vergleichen, Beurteilen und Bewerten des jeweilig anderen kaputt gehen. Ich hatte da wirklich Glück mit meinem Bekanntenkreis. Ich denke, jeder weiß, was für sein Kind das Beste ist und sollte ich da auch nicht rechtfertigen müssen oder so.

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