Kindern auf Augenhöhe begegnen – ein kleines Mindset zur besseren Kommunikation

Hast Du manchmal das Gefühl, dass die Worte, die Du Deinem Kind gegenüber sagst, an ihm abprallen? Ich fühle mich oft wie eine alte Schallplatte, die an derselben Stelle stecken geblieben ist und stundenlang immer dasselbe wiederholt. Sehr lange habe ich mich darüber aufgeregt und mich gefragt: wieso hört mir hier denn keiner zu? Erst viel zu spät ist mir bewusst geworden, dass die Art, wie ich Dinge sage, einfach nicht ankommt. In diesem Beitrag erkläre ich Dir deshalb, warum Dein Kind Dir nicht zuhört und wie Du ganz alltägliche Sätze gegen bessere austauschen kannst. Das ganze funktioniert jedoch nur, wenn Du diese auch selbst verinnerlichst…

Mit Sicherheit kommt Dir diese Situation bekannt vor:

Es ist morgens und Du hast es sehr eilig zu einem wichtigen Termin. Davor müssen alle Kinder jedoch ausgehfertig sein, da Du diese noch im Kindergarten / in der Schule abliefern musst. Die Zeit scheint nur so an Dir vorbei zu rasen und Du hast Dich gefühlt 100 Mal wiederholt, dass das ganze nun schneller funktionieren soll. Doch Kinder haben einen ganz feinen Radar dafür, wie gestresst Du bist. Und je höher Dein Stresslevel zu liegen scheint, umso weniger wird das von Dir Gesagte umgesetzt. Das widerum macht Dich richtig wütend! Du wirst pampig und es führt zu Streit.

„Beeilst Du Dich endlich mal?“

Dieser Satz ist mir persönlich schon mehrfach ausgerutscht. Leider bewirkt er meist das Gegenteil. Den Kindern fällt plötzlich etwas anderes ein, das sie noch unbedingt erledigen müssen, bevor es los geht. Das klene Kind fängt an zu weinen. Es ist zum Kühe melken!

Während dein Stresslevel steigt, schießen die Kinder immer weiter ins Aus. Schlussendlich ist es zu einer großen Disskusion gekommen und alle verlassen im Streit das Haus.

Das Rad der Emotionen

Die Situation genau in dieser Art ist bei uns eine Zeit lang standard gewesen. Ich hatte teilweise schon Panik, wenn wir irgendwo hin mussten, war drauf und dran, alle ihre Hobbys zu kündigen und solche Stressmomente einfach zu vermeiden. Doch wegrennen ist auch nicht die Lösung, oder?

An meinem Rand der Geduld habe ich mich sehr viel belesen und mir Hilfe von Außerhalb gesucht. So ist mir ziemlich schnell klar geworden: es geht auch anders.

Die Frage, die ich mir gestellt habe war: „wieso können meine Kinder bei anderen Personen funktionieren, bei mir aber nicht?“. Und letztendlich ist mir folgendes bewusst geworden:

  • Kinder verhalten sich zuhause anders, weil sie im geschützen Rahmen sind. Sie vertrauen uns und lassen somit andere Emotionen zu
  • Es gibt Kinder, die ihre Emotionen weniger leicht kontrollieren können und diese gelegentlich „ausbrechen“. Sie machen das nicht, um uns zu ärgern oder uns weh zu tun, sondern weil sie es nicht anders können
  • In diesen Momenten schaltet das kindliche Gehirn auf „Emotion“ und nicht auf „Verstand“. Wir kommen mit Worten in diesen Momenten nicht an die Kinder heran. Jedoch aber mit der Art, wie wir etwas sagen. Denn unser Tonfall und unsere Stimmung wird vom Emotionszentrum des Kindes weiterhin wahrgenommen

Stell Dir das ganze wie einen Kreislauf vor: die negativen Emotionen der Kinder beinflussen Deine. Wenn auch Du negativ emotional reagierst, steigert das wiederum die Wut in Deinem Kind. Und so weiter…

Gefühle sind nie falsch!

Es ist jedoch auch wichtig zu wissen, dass Emotionen und Gefühle niemald falsch sind. Wir können Gefühle nicht steuern, sie sind da. Wir können nur lernen, mit diesen umzugehen.

Du selbst würdest schließlich auch nie erlauben, dass Du in einer bestimmen Situation nicht traurig / wütend / enttäuscht sein darfst. Es ist in diesem Moment dein Gefühl. Andererseits hat die andere Person das Recht, dass Du ihre Gefühle nicht an ihr auslässt, weil das auch sie verletzt.

Kindern fällt es noch viel schwerer als uns erwachsenen, ihre Gefühle im Zaum zu halten. Die einen erlernen es früher, die anderen später, aber die offene und wahre Gefühlswelt von Kindern kann man nicht mit der von Erwachsenen vergleichen.

Insgesamt sollten aber sowohl Kinder als auch Erwachsene sich dessen bewusst sein, dass wir unsere Mitmenschen so behandeln sollten, wie wir selbst behandelt werden möchten. Doch woher sollen unsere Kinder diese Eigenschaft besitzen, wenn wir Eltern ihnen diese nicht vorleben?

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“

Kindern auf Augenhöhe begegnen. Es ist ein so kurzer Satz, er besitzt jedoch so viel Macht. Begegne ich jemandem auf Augenhöhe, dann behandel ich ihn mir gleichwertig. Aber jetzt sind wir mal ehrlich: nutzen wir Eltern unsere Überlegenheit nicht aus? Natürlich gibt es Momente, in den unsere Kinder auf uns hören müssen. Das muss jedoch kein Befehl sein. Sie müssen lediglich verstehen, dass etwas wichtig oder richtig ist.

Nehmen wir die Situation oben und drehen sie etwas um.

Dein Partner hat einen wichtigen Termin und muss aus dem Haus. Leider hast Du verschlafen und bist etwas spät dran. Ihr hattet jedoch vereinbart, dass er Dich vorher zur Arbeit bringt. Nun hat Dein Partner mehrfach erwähnt, dass Du dich beeilen sollst. Du bist schon ziemlich genervt und gibst Dein Bestes. Das ist aber nicht genug und er schnauzt dich an: „Beeilst Du dich jetzt mal endlich??“. Am liebsten würdest Du zurück keifen, bocken, noch langsamer machen oder einen bissigen Kommentar machen. Als Erwachsene hast Du aber (in den meisten Fällen) genügend emotionale Kontrolle, um nicht so zu handeln.

Ein Kind hat diese Kontrolle oftmals nicht!

Kindern auf Augenhöhe begegnen – so geht’s

Nun weißt Du also, dass eine andere Umgangsweise mit Deinen Kindern solche problematischen Momente ändern kann. Trotzdem stehst Du noch vor der Frage, wie Du Dein Mindset ändern kannst, um das auch umzusetzen. Schließlich hast Du immer noch Erwartungen an ein Kind, die nun mal erfüllt werden sollen.

Die gute Nachricht ist: mit etwas Gewohnheit wird das ganz einfach! Denn durch Gewohnheit spielen sich Vorgänge ganz automatisch ab. Sind wir es gewohnt, gewisse „negativen“ Sätze zu sagen, fallen sie uns ganz automatisch ein. Aber das muss nicht so bleiben. Durch Übung können wir Gewohnheiten nämlich ändern.

Ich habe Dir eine Liste aus Sätzen zusammen gestellt, die Du in Dein neues Mindset aufnehmen kannst – und die schlechten Beispiele, die ersetzt werden sollten:

anstatt…besser….
„Beeil Dich mal endlich“„Komm wir müssen heute leider schnell sein. Lass uns doch ein Wettrennen machen“
„Wir müssen gleich gehen“„In 5 Minuten gehen wir. Du kannst Dich langsam darauf vorbereiten / Dich verabschieden“
„Räumst Du Dein Zimmer auf?“„Es wäre schön, wenn Dein Zimmer heute Abend sauber ist. Dann kann ich heute Nacht beruhigt rein kommen, ohne mir weh zu tun“
„Jetzt beruhige Dich mal!“„Ich glaube wir sind beide ziemlich wütend geworden. Lass uns kurz beruhigen, dann reden wir weiter“
„Schrei mich nicht an“„Ich verstehe Dich nicht, wenn Du mich anschreist. Sage es mir bitte normal“

Besonders der letzte Satz ist bei uns sehr häufig gefallen und ich habe ihn nach meinem Mindset ersetzt – mit sofortigem Erfolg! Außerdem habe ich hinzugefügt, dass meine Ohren so weh tun und ich deshalb nichts verstehen kann.

Sicherlich fallen bei euch andere „negativen“ Beispiele. Du kannst auch Deine eigene Liste erstellen (ich bin einfach so ein Fan von Listen!), welche Du ersetzen möchtest und womit. Wenn Du Dich einmal daran gewöhnt hast, die neue Variante auszusprechen, hast Du einen sehr großen Schritt gemacht, mit Deinem Kind auf Augenhöhe zu sprechen.

Wie ist das bei euch? Welche Sätze sagst Du häufig, die Dein Kind nicht wahrzunehmen scheint? Erzähle davon in den Kommentaren!

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11 Antworten auf „Kindern auf Augenhöhe begegnen – ein kleines Mindset zur besseren Kommunikation“

  1. Hallo Wioleta,
    wie schön geschrieben.
    Ich denke einem Kind auf Augenhöhe zu begegnen ist so wertvoll und es kann Kinder stärken.
    Auch viele Dinge nicht zu bewerten kann sinnvoll sein.
    Super ist Deine Liste und sie bietet Inspirationen.
    Alles Liebe und einen guten Rutsch ins Jahr 2020
    Karin

  2. Das kenne ich nur zu gut. Ich versuche auch immer mit meiner Tochter auf Augenhöhe zu kommunizieren bzw. ich lasse sie vieles mitbestimmen. Bei dieser Art und weiße gibt man den Kids auch das Gefühl wichtig zu sein

  3. Schöner Beitrag und ich teile deine Meinung zu 100%. Ich finde es wichtig, Kinder als volle, eigenständige Persönlichkeiten zu sehen. Deine Formulierungstips sind auch toll! Schön, dass es bei euch zu Hause so gleichberechtigt zu geht

  4. Welch wunderbare Tipps! Ich glaube, die sollten sich Mütter eindeutig zu Gemüte führen und versuchen anzuwenden.
    Ich selbst habe mich zwar immer mit solchen Dingen beschäftigt und habe mich sehr bemüht, tat mir aber sehr schwer, diese auch umzusetzen. Dein Beitrag hätte mir auf alle Fälle geholfen …

    Mittlerweile ist mein Sohn erwachsen. Rückblickend glaube ich, dass es im Großen und Ganzen trotz allem gar nicht so schlecht gelaufen ist, wie ich es damals oft empfunden hatte. Eventuell gilt auch hier „Der Wille zählt fürs Werk“…
    Ich war einfach sehr damit beschäftigt, als Alleinerzieherin und selbständige Unternehmerin irgendwie alles unter einen Hut zu bringen, das Rad am Laufen zu halten und alles bestmöglich zu schaffen. Das war oft wirklich richtig stressig. Wodurch ich manchmal einfach nicht die Nerven hatte, Dinge ruhig und konsequent umzusetzen.

    Aber wie bereits erwähnt: Tolle Tipps!
    Beste Grüße,

    Doris

    1. Liebe Doris,

      Danke für deinen total ehrlichen Kommentar! Wir dürfen nie vergessen, dass auch wir Menschen sind. Menschen mit Gefühlen und Problemen, wir sind keine Maschinen. Was an Dir lastete, können viele Frauen nicht verstehen und ich sage es ganz ehrlich: ohne meinen Mann wäre ich aufgeschmissen!
      Und dass ihr jetzt ein gutes Verhältnis habt, ist doch der Beweis, dass Du alles richtig gemacht hast 🙂 auch wenn es damals schwer war

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