High Need Babys – Hochsensible Babys erkennen

Während der Schwangerschaft stellen wir uns oft vor, wie das Leben mit Baby so sein wird. Wer schonmal ein Kind hatte oder Babys in seiner direkten Umgebung, denkt an die immer trinkenden und schlafenden, friedlichen kleinen Wesen, die man den ganzen Tag fröhlich im Kinderwagen vor sich hin schiebt und die höchstens bei Bedarf kurz weinen. Besonders wer nur liebe Babys kennt, kann von einem High Need Baby völlig umgehauen werden.

10 % der Babys fallen nämlich doch aus dem Rahmen. Diese Kinder werden auch als Schreibabys, untröstliche Babys oder hochsensible Babys bezeichnet. Wie der Begriff es schon verrät: diese Babys schreien. Sie schreien, wenn sie Hunger haben, wenn sie satt sind, wenn sie müde sind und wenn sie fertig sind mit schlafen. Manchmal schreien sie auch einfach so. Auch uns hat es getroffen und unsere zwar anhängliche, doch eigentlich liebe Maus hat sich zu einem hochsensiblen Baby entwickelt. Ich habe in letzter Zeit viel gelesen und stehe nun mit einer Schreiberatung in Kontakt. Und weil ich weiß, dass es zwar wenige, aber dennoch genug Frauen gibt, die ebenfalls dieses Problem haben, möchte ich meine Erfahrungen und mein Wissen teilen. Dies ist der erste Beitrag meiner neuen Themenserie „High Need Babys“. In den folgenden Wochen werde ich mich am Blog mit Babys beschäftigen, die sich nicht trösten lassen und euch viele Tipps und Informationen sammeln. In diesem ersten Beitrag möchte ich euch erzählen, was „High Need Babys“ sind und woher dieser Zustand kommen kann.

Sie werden es nie verstehen. Menschen, die superentspannte Babys oder auch nur „mittelmäßig“ entspannte Babys haben, werden nie verstehen können, was wir durchmachen, wir, die wir leider nicht solche Kinder bekommen. Sie kennen die Panik nicht, wenn das Kind zu früh aufwacht. Die Eine-Minute-Dusche und immer wieder die Dusche ausmachen, um zu lauschen, ob da nicht doch Geschrei ist. Überhaupt das Phantom-Geschrei, das ich ständig höre! Sie fragen sich, warum das Kind schon so früh einen Schnuller antrainiert bekommt, weil sie keine Ahnung haben, wie es ist, wenn man stundenlang ein brüllendes Baby zu beruhigen versucht.Sie sagen: Tragen, Stillen – ist doch ganz einfach, das Geheimnis zufriedener Babys – und sie haben keine Ahnung. Die Allerschlimmsten sagen: Vielleicht seid ihr nicht entspannt? – littleyears.de

Auch ich gehörte mal zu den Frauen, die sich nicht vorstellen konnten, derart überfordert zu sein. Ich dachte oft, dass der Haushalt mit Baby nicht derart leiden kann, dass sich alle Babys irgendwann beruhigen und der Alltag doch irgendwie zu schaffen sein muss. Meine große habe ich immer als anstrengend beurteilt, da sie als Baby mit Bauschmerzen zu kämpfen hatte und viel geweint hat. Heute im Alltag mit ihrer kleinen Schwester lache ich innerlich, wenn ich an die Zeit mit der Großen zurück denke. Denn bei ihr hatte ich immer einen Ass im Ärmel, um sie zu beruhigen. All das haben wir bei der Kleinen natürlich auch ausprobiert. Und während ich früher gelacht habe und sagte, der Haushalt sei doch in einer Stunde erledigt, denn die Babys schlafen ja viel, bin ich heute glücklich, wenn ich die Spülmaschine ausgeräumt bekomme, bevor mein Mann abends nach Hause kommt. Und oft gelingt mir nicht einmal das. Ich versuche täglich den Tag zu überstehen, bis er heim kommt und sie mir abnehmen kann, habe gleichzeitig aber Angst vor den Abenden, weil ich nie weiß, ob sie wieder ausrastet.

Ein Schreibaby wird dadurch definiert, dass es dei Mal die Woche bis zu drei Stunden täglich weint. Über diese Definition schmunzel ich mittlerweile. Ich wäre schon glücklich, wenn sie an sechs von sieben Wochentagen nicht so wäre. Ich hatte Abende, da hat sie nicht drei sondern sechs Stunden gebrüllt. Und ich habe mit ihr geweint und mich gefragt, was ich falsch mache.

Manche Baby weinen anders

Weinen ist das erste und vorerst einzige Kommunikationsmittel mit unserer Stimme, welches wir schon ab Geburt beherrschen. Es ist den Babys überlebenswichtig zu weinen. So können sie uns vermitteln, wenn sie etwas brauchen. Bei den meisten Babys lässt sich das Weinen aufheben, indem wir sie stillen, wickeln oder ihnen einfach nur Nähe geben. Doch es gibt wenige Babys, den all das nichts hilft. Man spricht von untröstlichen Babys, wenn sie sich nicht einfach beruhigen lassen. Immer wieder kommt es so vor, dass wir sie stundenland tragen, lieder singen, auf Pezzi Bällen hüpfen, spazieren gehen… bis es irgendwann aufhört. Oft denken Eltern, die Babys seien krank – und tatsächlich sollte zunächst abgeklärt werden, ob körperliche Beschwerden vorliegen. Besonders in den ersten Monaten haben einige Babys mit Blähungen oder Verspannungen zu kämpfen. Oder aber, sie haben etwas zu verarbeiten…

Dein Baby erzählt Dir seine Geschichte

Letzte Woche habe ich mit einer Schreiberaterin telefoniert. Ihr erster Satz auf meine Schilderung war „Ihr Baby möchte Ihnen etwas erzählen“. Natürlich versucht es das, indem es untröstlich weint, denn es kann ja nicht sprechen. Es kann uns nicht sagen, was ihm fehlt, was es bedrückt. Also schreit es. Manchmal sehr lange, oft sehr laut. Eltern kommen so schnell an den Rand der Verzweiflung. Es ist uns angeboren, für das Baby zu sorgen und wir reagieren immer auf das Weinen der Kinder wie automatisch. Wenn wir es nicht schaffen, ein Baby zu beruhigen, denken wir, dass wir etwas falsch machen. Daher ist es umso wichtiger, zu verstehen, warum High Need Babys weinen und was ihre Geschichte ist.

Ursachen für häufiges Weinen

Wissenschaftler haben heraus gefunden, dass es bei High Need Babys ähnliche Ursachen gibt, die häufiges Weinen fördern können. Dein Baby könnte hochsensibel sein, wenn es folgendes aufzuarbeiten hat:

  • Stressige Schwangerschaft der Mutter (zum Beispiel durch Stress auf Arbeit, einen Umzug, familiäre oder finanzielle Sorgen…)
  • Gefährliche Schwangerschaften durch Krankkeit der Mutter oder des Babys
  • Eine schlechte Geburt
  • Eine frühe Geburt
  • Plötzliche Schwangerschaftsabbrüche durch Einleitung oder Kaiserschnitt
  • Stressiger Alltag, Reizüberflutung
  • Stress in der Familie
  • Starkes Temperament der Kinder

Die Resonanz mancher Babys ist trotz dieser Umstände größer und sie kommen besser mit gewissen Situationen klar, können Traumata verarbeiten. Hochsensible Babys trauern und drücken ihren Unmut mit Weinen aus. Umso wichtiger ist es, ihnen zu zu hören und für sie da zu sein. Oft hilft es aber schon, sich bewusst zu werden, dass besonders „herausgerissene Kinder“ mehr zu verarbeiten haben. Manchmal scheinen Babys auf den esten Blick ruhig, das Weinen kann jedoch durch bestimmte Situationen ausgelöst werden, da in diesem Moment verdrängte Situationen wieder hoch kommen.

Fakt ist, dass auch bei uns durch meine Rhesuskonflikte, die Nabelschnurtransfusionen und die Einleitung und unsere fürchterliche Geburt ein schlechter Start ins Leben geschaffen wurde.

Hochsensible Babys reagieren anders

Dein Baby könnte hochsensibel sein, wenn es folgendes tut:

  • Es lässt sich schlecht durch das Stillen der Bedürfnisse beruhigen
  • Es weint beim Trinken
  • Es schläft schlecht oder findet keine Ruhe zum Einschlafen
  • Es lässt sich nicht ablegen, möchte nicht alleine sein
  • Es fremdelt stark und lässt sich nur von bestimmten Personen beruhigen
  • Es möchte nicht im Kinderwagen oder Autositz transportiert werden
  • Abends weint das Baby häufiger, um Erlebtes zu verarbeiten
  • Es scheint häufig „Bauchschmerzen“ zu haben

Ich habe diese Woche einen großen Fortschritt erlebt: mit fast 11 Wochen schläft Lea nicht mehr auf mir, ich kann sie endlich in meinem Bett neben mich legen. Sie gehört zu den Babys, die sehr viel Nähe brauchen, weshalb wir wochenlang die ganze Nacht Bauch an Bauch geschlafen haben. Sie stillt nun abends stundenlang, anstatt durch zu brüllen. Es wird besser, aber es ist noch nicht einfach. Und ich habe gelernt, ihr mein Verständnis entgegen zu bringen.

Nächste Woche möchte ich euch Möglichkeiten aufzeigen, wie ihr mit dem Schreien der Babys umgehen könnt. Und bitte denkt immer daran, ihr seid nicht allein. Auch wenn die Welt voll ist mit super entspannten Babys und Übereltern, die es sowieso besser können, ihr macht nichts falsch! Und es gibt noch mehr Eltern wie uns, die sich fragen, was wir besser machen können!

28 Antworten auf „High Need Babys – Hochsensible Babys erkennen“

  1. Leider bin ich jetzt erst auf den Artikel gestoßen. Er spricht mir aus der Seele. Wir haben selber einen jetzt 3-jährigen der genauso hochsensibel und/oder auch high-need ist. Auch jetzt merkt man diese Besonderheit natürlich. Auch wenn man zusammen wächst, ist gerade die Anfangszeit, das ständige schreien, die Ohnmacht als Eltern eine der anstrengensten Zeiten gewesen. Und das schlimmste: Keiner hat einen für voll genommen.
    Ich bin gespannt auf weitere Beiträge und werde mich mal durch den Blog lesen.

  2. Mein Kleiner war und ist hochsensibel. Er hat auch heute noch viel mit der Überreizung zu kämpfen, nur jetzt schreit er natürlich nicht mehr. Aber bis er durchgeschlafen hat, hat echt sehr lange gedauert. Und nun ist er eher sehr zickig und unausgeglichen. Jeder Mensch ist halt anders.

    Lieben Gruß, Bea.

  3. Ein wirklich toller Beitrag! Ich bin froh, dass wir trotz der vielen Schwierigkeiten kein Schreikind gehabt haben. Unser Sonnenschein war auch monatelang Abends 1-2 Stunden sehr anspruchsvoll. Hat viel Geweint, viel Nähe gebraucht, war fast nicht tröstbar. Auch da kam schon Verzweiflung auf, aber ich habe auch viel darüber gelesen. Es muss wirklich eine große Verzweiflung mit High-Need Babys sein. Ich würde mich auch immer fragen, was mache ich falsch. Wie kann ich helfen. Der beste Satz, den ich mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen habe: „das ist nur eine Phase und geht vorüber“. Das half mir ungemein.
    Liebe Grüße,
    Steffi

  4. Ich habe selbst keine Kinder, aber ich kann mir vorstellen, dass ein Schreibaby unglaublich viel von den Eltern abverlangt und dies zu einer Belastung und Zerreissprobe werden kann.
    Mein Patenkind hat sehr viel geschrien als Baby – jetzt nach dem Lesen deines Artikels denke ich, dass sie ein hochsensibles Baby war.
    LG
    Carina

  5. Wirklich ein sehr informativer Beitrag. Ich hatte kein „Schreibaby“ und war trotzdem manchmal mit der Gesamtsituation überfordert. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend und nervenaufreibend es betroffene Eltern haben!
    LG Ina

  6. Schätzungsweise 20 Prozent aller Babys bis zu drei Monaten schreien exzessiv. Das belastet die Mütter und Väter sehr. Aber gerade diese Belastung überträgt sich dann wieder auf die kleine Seele. Ruhe bewahren ist nicht leicht aber wichtig.
    Alles Liebe
    Annette

  7. Ich kenne das gut! Meine Tochter und ich hatte eine traumatische Geburt … die hat bei ihr auch ihre Spuren hinterlassen. Es hat Monate gedauert bis sie in der Nacht schlafen konnte und nicht stundenlang geschrien hat. Eine solche Situation kostet echt Nerven.

    Alles Gute für dich
    lg
    Verena

  8. Was für ein informativer Beitrag. Hätte ich mal einiges davon vor 16 Jahren gewusst, wäre wohl manche Zeit entspannter gelaufen. Irgendwann haben wir dann aber unseren Weg gefunden und dann wurde alles entspannter. Das wünsche ich Euch auch bald.
    Liebe Grüße
    Sandra

    1. Vor 16 Jahren war die Forschung und Erziehung nicht so Bedürfnis orientiert wie heutzutage. Da haben wir einen riesigen Fortschritt gemacht, finde ich!

    1. Liebe Sarah,
      Versuche dich nicht zu sehr rein zu steigern, bevor es soweit ist 🙂 du bist eine frohe Natur, dein Baby wird wundervoll so wie es wird ❤️

  9. Deine Beschreibung zu Beginn des Beitrags klingt ganz nett, aber wenn ich an Babys denke, dann auch viel an weinen, schreien und schlaflose Nächte 😉 Aber ich denke es ist wie bei den Erwachsenen, die einen sind so und die anderen eben anders. Man sollte darauf achten und darauf eingehen.

    1. Ja das stimmt, der Charakter spielt eine sehr wichtige Rolle! Wir sind auch eher aufbrausende Menschen, dass da keine ruhigen Kinder bei rauskommen, war irgendwie klar. Aber dass es so heftig werden würde, hat uns doch umgehauen

  10. Bisher wusste ich nicht wirklich etwas über hochsensible Babys. Weder kenne ich Eltern die ein hochsensibles Kind haben, noch „musste“ ich mich bisher damit beschäftigen. Ich stelle mir das aber richtig schwer vor, wenn man als Eltern helfen will es dann aber einfach nicht kann (und man auch nichts dafür kann).

  11. Schön wie es geschrieben ist . Unser Sohn ist auch Hochsensibel aber er hat absolut keine Nähe zu gelassen , was uns die Situation noch schwerer gemacht hat weil man sich dann als Eltern noch schlechter fühlt und andere einen vermutlich als unsensibel empfinden und es ist wirklich so , andere Mütter haben keine Ahnung wie es ist , oft wird man nur als überfordert gesehen oder gestresst. Dabei versucht man nur täglich zu überleben.

    1. Ohje das ist wirklich schrecklich! Das habe ich bei einem Kind in der Verwandtschaft auch erlebt. Es hat gebrüllt und keiner konnte es beruhigen, da es alle von sich weg gedrückt hat…

  12. Liebe Wioleta,

    das hört sich „schrecklich“ an. Nein, nicht weil das Baby schreit, sondern weil man doch als Mama helfen möchte und nicht richtig weiß, wie – ein bisschen hilflos ist. Natürlich liegen sicher auch als Mutter irgendwann die Nerven blank. Dass man dann mitweint kann ich – obwohl ich ja keine Kinder habe – gut nachvollziehen.
    Ich finde es toll, dass Du Dich so sehr mit dem Thema auseinandersetzt. So viele Mütter machen das bestimmt nicht.

    Viele liebe Grüße,

    Tabea

    1. Liebe Tabea,
      Das nichts tun können ist definitiv das schlimmste! Es gibt eben gute und weniger gute Tage, das weiß man vorher nicht. Heute ist es etwas besser, die Kommunikation passt. Das kann heute Abend ganz anders aussehen

  13. Dann hoffe ich sie kommt bald richtig an auf der Welt, das sie nicht mehr nur schreit. Unsere Nr.4 war auch anders wie die anderen, aber nicht soviel schreien, sondern sie brauchte Nähe,Nähe, Nähe die ersten Monate, sie hat auf mir/uns gelebt, dann war sie aber ruhig. Sie war ja auch ein Frühchen und dysmatur also zu leicht für die Schwangerschaftswoche. Dann nach Monaten ging es immer besser, man merkte wie sie wirklich ankam und bereit war die Welt zu erkunden und zu entdecken! also ich wünsche euch das sie bald nicht mehr soviel schreit.

    LG aus Görlitz
    Ina

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