Gut für Firmen – schlecht für Familien

Gut für Firmen – schlecht für Familien

Passend zu meinen letzten Beiträgen schlug ich letzte Woche unser Regionalblatt auf und fand prompt den abgebildeten Artikel. Dieser unterstreicht fast zu sehr meine derzeitigen Sorgen.

Wir wohnen in einem kleinen Landkreis ohne besonders große Städte in der Nähe, jedoch mit sehr viel Industrie. Beinahe alle Bewohner eines Ortes sind in dem ansässigen Unternehmen angestellt. Man könnte fast meinen, dass eine gewisse berufliche Sicherheit herrscht. Die meisten Firmen bieten Gleitzeit an, zahlen große Sozialzuschläge oder bieten eigene Kinderkrippen für die Kinder der Angestellten. Doch auch hier herrscht ein sehr großes Problem: Kaum ein Mitarbeiter hat mehr einen unbefristeten Arbeitsplatz. Während die Männer sich Sorgen machen, ob sie ihre Familien ernähren können, trauen sich die wenigsten gar nicht erst, welche zu gründen. Kaum eine Frau kann mehr ihre Familie planen, weil sie von einem befristeten Vertrag in den nächsten rutscht und im Falle eine Schwangerschaft keine Verlängerung erhält. Die Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass wir viele ansässige Leiharbeitsfirmen haben, die mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Bevor ein Leiharbeiter die Dauer der Befristung überschreitet und einen unbefristeten Vertrag erhalten muss, wird dieser an einem anderen Standort eingesetzt.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag in der Zeitung den Unternehmen die Augen öffnet. Ich kann mir vorstellen, dass genügend Vorgesetzte, welche solche Entscheidungen in die Hand nehmen könnten, eben diese Zeitung letzte Woche in der Hand hielten. Wie kann eine Firma sich als sozial engagiert bezeichnen, wenn sie nur darauf aus ist, möglichst günstig Mitarbeiter zu beschaffen und wieder los zu werden? Was bringt mir die Gleitzeit, wenn ich keine Kinder in die Welt setzen kann, für die ich diese lockeren Arbeitszeiten tatsächlich brauche? Euch ist Euer Image so wichtig, dabei vergisst ihr völlig die Familien einzubinden. Irgendwann wird es keine Kinder mehr geben, die ihr in Eure Krippen stecken könnt.

Doch jetzt weiß ich zumindest, dass ich mir nicht umsonst Gedanken und Sorgen mache, sondern dass wir in dieser Gegend tatsächlich dieses Problem haben. Dass etwas dagegen getan werden muss. Es sollte mehr solcher Aufrufe geben in dieser konservativen Region, in der sich nie etwas ändern darf. Wir sollten sprechen, um uns Gehör zu verschaffen. Wir dürfen den großen Unternehmen nicht die Macht über unsere Leben geben.

Quelle: WOM 14. Juni 2017

2 Gedanken zu „Gut für Firmen – schlecht für Familien

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