Freundschaften zu anderen Müttern aufbauen – wieso es uns so schwer fällt, diese aufzubauen

Freundschaften zu anderen Müttern aufbauen – wieso es uns so schwer fällt, diese aufzubauen

In den letzten Monaten hat sich ein Bild in meinem Kopf fest gebrannt: wir gehen oft auf den Spielplatz. Meine Große ist nun schon so groß, dass sie nicht mehr mit Mama spielen mag. Also zieht sie los und spricht andere Kinder an, dann spielen sie zusammen. Das ist so völlig unkompliziert. Im Gegenzug sitzen die Eltern irgendwo am Rand. Um nicht einsam auzusehen, schauen sie auf ihr Smartphone und gucken hin und wieder zu den friedlich spielenden Kids. Doch um jede der Mütter ragt eine Mauer, die zwar unsichtbar, aber deutlich spürbar ist. Ganz selten habe ich es mal geschafft, mit einer fremden Mutter ins Gespräch zu kommen, das wars aber meist schon…

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Eines Tages an diesem besagten Spielplatz kam meine Große und sagte mir, dass sie nun eine Freundin kennen gelernt hätte und sie würde sich gerne mit ihr treffen. Beide Mädels standen um uns rum und bettelten, dass wir doch einfach die Nummern tauschen und sie sich dann zum spielen verabreden können. Das haben wir auch getan – uns leider nie mehr beieinander gemeldet. Auch die Kinder haben sich irgendwann vergessen.

Eine ähnliche Situation habe ich auf einer Hochzeit erlebt. Auch dort hat meine Große sehr schnell Anschluss zu einem anderen Mädchen gefunden. Es begeistert mich jedes Mal, wie offen sie bei diesen Dingen ist. In der Fotobox haben die beiden sehr viele Bilder zusammen gemacht, nachdem sie sich verkleidet haben. Auch hier haben wir uns versprochen, in Kontakt zu bleiben, blieben es aber natürlich nie. Irgendwie hat da immer der erste Schritt gefehlt.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind oberflächlich geworden

Ich denke ein sehr großes Problem an Beziehungen, ist diese Mauer, die wir um uns herum aufbauen. Einerseits sammeln wir sehr viele Bekanntschaften, die am Ende nur unsere Sozialen Netzwerke ziehren und die nächste Nummer in der zighundert werden. Manchmal staune ich nicht schlecht, wenn private Profile über 1000 „Freunde“ vorweisen. Diese Personen sind doch niemals wirklich miteinander in Kontakt, oder? Wir wollen immer mehr Menschen kennen, aber zu wenigen von diesen bauen wir wirklich eine tiefe Freundschaft auf. Wir wollen möglichst viele erreichen, aber bloß nicht an uns ran lassen.

Wenn ich mir meinen überschaubaren Freundeskreis ansehe, dann fällt mir auf, dass ich alle Frauen schon seit einigen Jahren kenne. Meist sind wir durch unsere Partner aneinander gekommen oder durch andere Freunde. Damals war es noch einfacher, ins Gespräch zu kommen und wir waren nicht so anspuchsvoll wie heute. Wie schnell das damals doch ging und aus Bekanntschaften noch Freunde wurden. Wie anders wir mit diesen Menschen von früher reden können! Doch in den letzten Jahren habe ich niemanden gewonnen, den ich nun „Freund“ nennen würde und bei der die Beziehung tatsächlich tiefer geworden ist. Vielleicht hat man sich ab und zu miteinander unterhalten , vielleicht sogar ein, zwei Mal getroffen. Doch bevor es anfängt, persönlich zu werden, lässt man lieber los. Alle Kontakte scheinen sich mit der Zeit im Nichts zu verlaufen.

Kind abdrücken oder zusammen hingehen?

Ein weiterer Punkt, der mich sehr stört, den ich aber selbst nicht besser hinbekomme, ist das „Kind abdrücken“. So häufig passiert es, dass die Kinder sich miteinander verabreden, doch wir Eltern nur die Taxi Funktion annehmen. Letztens habe ich mit einer anderen Mama aus dem Kindergarten gelacht, dass wir nur dazu da sind, darauf zu warten, dass jemand nach Hause kommt oder wieder geht. Doch es ist auch verlockend: Kind wegbringen und zwei Stunden Ruhe genießen, in der Stadt bummeln, nicht kochen müssen… Was ist da passiert? Natürlich ist es schön, mal ein wenig Zeit für sich zu haben. Auch für die Kinder ist es toll, Freunde nur für sich zu haben, ohne sie mit den Eltern teilen zu müssen, zumindest ab einem gewissen Alter. Doch was spricht eigentlich dagegen, selbst auf einen Kaffee und ein Gespräch zu bleiben? Es könnten sich wirkliche Freundschaften entwickeln…

Bei mir persönlich (und bestimmt auch bei einigen anderen Frauen) sind es zwei Dinge:

Zum einen sehne ich mich einfach nach Ruhe. Ja, tief in mir schreit auch ein großer Teil nach sozialen Kontakten und Unterhaltungen, nach wirklichen Gesprächen. Aber besonders jetzt im ersten Babyjahr schreit es in mir nach Ruhe. Und oft denke ich mir, wenn die Große nicht da ist und die Kleine schläft, dann könnte ich mich einfach mal an den Laptop setzen. Oder ein Buch lesen. Oder einfach ein Mittagschlaf machen, schließlich schlafe ich nachts auch nicht gut…

Zum anderen ist da eben diese Mauer, die wir Mütter aufgestellt haben und die wir nicht so recht durchbrechen können. Und es kommen Sorgen auf, wie, worüber sollen wir uns überhaupt unterhalten? Oder: verstehen wir uns überhaupt miteinander? Schließlich leben wir in einem Zeitalter, in dem wir perfekt sein müssen, alles verglichen wird und keiner mehr seine Schwächen eingestehen kann. Werden wir in diesem Gespräch die Fassade wahren können? Besonders bei uns HN Mamas ist das ein großes Thema, weil wir schnell verurteilt werden, unsere Kinder als „gar nicht so schlimm“ abgewertet werden und wir uns schnell rechtfertigen. Es kostet wirklich Überwindung…

Wieso wir HN Mamas uns so oft ausgrenzen und wieso wir das eigentlich gar nicht möchten, kannst Du hier nachlesen

Wie können wir es schaffen, diese Komfortzone zu verlassen?

Erstmal muss natürlich klar sein, dass beide Frauen diesen Kontakt eigentlich möchten, doch aus welchen Gründen auch immer nicht eingehen. Wir müssen uns da feinfühlig rantasten, die Mama mit dem einsamen Blick auf den Spielplatz auf etwas nettes ansprechen, vielleicht nicht gerade über die Kinder. Findet Gemeinsamkeiten. Doch taste Dich langsam an die Mauer ran, versuche nicht, sie zu durchbrechen. Viele machen noch mehr dicht.

Ein bisschen erinnert mich die Situation an das Dating heutzutage. Mach dich selten, renne keinem hinterher, bedränge niemanden. Es ist wirklich schade, dass die Welt so geworden ist. Aber Du weißt nicht, ob der andere nicht genauso denkt, wenn Du ihn nicht gefragt hast.

Schreibe doch der Mama, deren Nummer Du so lange hast. Trefft euch auf ein Kaffee, lasst die Kinder zusammen spielen. Vielleicht geht es der Anderen genauso und sie traut sich ebenfalls nicht, den ersten Schritt zu machen. Und vielleicht entwickelt sich ja doch noch eine Freundschaft daraus. Denn genau das wünsche ich Dir.

11 Gedanken zu „Freundschaften zu anderen Müttern aufbauen – wieso es uns so schwer fällt, diese aufzubauen

  1. Leider ist das kein Problem nur von Mamas. Wenn ich überlege wie einfach mal früher auf Partys Leute kennengelernt hat und ohne facebook und Whatsapp Kontakte geknüpft hat… Mir fehlt auch eine Freundin zum Kaffee trinken, reden und herumalbern. Zum sich wieder jung fühlen und nicht immer so erwachsen sein müssen. Leider entstehen heute kaum noch echte Freundschaften…

  2. Ich finde es mutig, dass du so offen darüber sprichst. Viel dazu sagen kann ich nicht, da ich keine Kinder habe ich weis aber, dass es auch bei kinderlosen oftmals so ist. Ich denke es hängt auch viel mit der neuen Generation, der neuen Zeit zusammen, früher kannte man seinen Nachbarn, wusste mehr über den Postboten außer das er die Post austrägt, war geselliger und gegenüber fremden offener.

    Ich für meinen Teil tue mir nicht schwer auf andere zuzugehen, merke aber ebenfalls, dass viele diese Mauer haben und ich bin ehrlich, wenn ich merke, dass jemand nicht möchte gebe ich mir auch nicht die Mühe, es sei den für mich wäre es wichtig, weil ich denjenigen wirklich näher kennenlernen möchte.

    Schwieriges Thema aber klasse das du es ansprichst!
    Alles Liebe, Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

    1. Unser Postbote ist ein total offener und netter Mensch und wir plaudern tatsächlich oft 🙂 aber du hast natürlich recht, früher war das alles viel offener. Heute versuchen wir, bloß nicht zuviel von uns Preis zu geben

  3. Ich kann nicht beurteilen, wie kompliziert es heutzutage ist, Kontakte mit anderen Müttern aufzubauen.
    Gerade über Spielplätze, Gruppen und einfach draußen kommt man doch immer mit anderen in Kontakt.
    Ich sah da nie Probleme.

    Liebe Grüße, Katja

  4. Wir sind noch in dem Alter, wo die Mamas mitkommen müssen zu den Spielverabredungen, deshalb treffen wir uns auch nur mit den Kindern, wo ich auch mit der Mama befreundet bin. Mir fällt das Zugehen auf andere auch nicht so leicht, das fiel mir noch nie leicht und ich sehe, dass meine Tochter da genauso ist. Dennoch finde ich es wichtig, dass ich meiner Tochter vorlebe, dass man auch mal über seinen Schatten springen muss, auch wenn es nicht einfach ist.

    Liebe Grüße,
    Diana

  5. Liebe Wioleta,

    ein super toller Artikel, der ein wirkliches „Problem“ anspricht. Ich selber habe bisher keine Schwierigkeiten gehabt mit anderen Müttern so weit zu kommen, dass auch tatsächlich ein Treffen stattgefunden hat. Jedoch sitzen wir in der Tat nie die ganze Zeit zusammen, während unsere Kinder spielen. Meistens machen wir das zur Abholsituation. Dann gibt es einen kurzen Plausch.
    Deine Tipps finde ich aber wirklich klasse!

    Liebe Grüße,
    Mo

  6. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Freundschaften schließen als Mutter heutzutage nicht so einfach ist. Ich finde es als Erwachsene ohne Kind schon echt schwierig. Man sollte aber auch selbst mehr auf andere zugehen, wenn das jeder so macht wird es schon wieder etwas einfacher.

  7. Danke, für Deine Einblicke die Du hier gewährst. Ich denke es ist ein Gesellschaftliches Problem, denn mir geht es als Nichtmutter ebenso. Da sitzt man in einer großartigen Schulung und jeder hat diese unsichtbare Mauer die signalisiert „sprich mich nur nicht an“. Ich bin extrovertiert und tue es dennoch. Es ergeben sich dann auch schöne Gespräche und man taucht Adressen, doch in den seltensten Fällen bleibt man in Kontakt. Das sind dann Perlen, die ich hüte.
    Alles Liebe
    Annette

  8. Liebe Wioleta,

    mir fällt es nicht schwer, andere Mamis kennenzulernen – aber ich würde mich auch als sehr kommunikativ bezeichnen. Im Babymassage-Kurs hatte ich das Gefühl, dass auch andere Mamis Anschluss suchen. Wir tauschten die Nummern aus und treffen uns heute noch regelmäßig zum Spazierengehen. Es ist wunderschön, wenn man die Kinder zusammen aufwachsen sieht.

    Ich finde es wunderbar, dass du am Ende des Beitrags Vorschläge machst, die Komfortzone zu verlassen. Das hilft weiter, denn manchmal suchen die anderen Mamis genauso Anschluss wie wir – trauen sich aber nicht.

    Ich wünsche dir, dass du auf deinem Weg noch vielen tollen Mamis begegnest.

    Liebe Grüße
    Sarah

    PS: Als Achtsamkeitstrainerin gebe ich auch Mamis Tipps, für mehr Selbstfürsorge. Schau doch gern mal hier vorbei: http://www.achtsam.blog

  9. Ja, heute ist das alles so komisch geworden. Bei meiner Mutter war es noch so, dass die Mütter (einige, die sich mochten) sich regelmäßig gegenseitig zum Kaffee eingeladen haben. Waren kleine Kinder im Haus, kamen die dazu und man hat miteinander gespielt. Diese Treffen waren regelmäßig und selbstverständlich. Es waren aber halt auch alles Hausfrauen. Ich glaube, heute konkurriert man einfach auch sehr. Es ist aber schade, und wirklich merkwürdig. Vielleicht sollte eine den Anfang machen und mehrere andere Mütter einfach einladen… wer das doof findet, muss ja nicht kommen.

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