Formalitäten in der Schwangerschaft – Wann Du was beantragen musst

Im Leben vieler Frauen ist es das schönste Ereignis der Welt: der Moment, in dem Du erfährst, dass Du endlich schwanger bist! Die erste Zeit verbringst Du auch voll und ganz mit der Vorfreude, erzählst von der tollen Neuigkeit den engsten Personen in Deiner Umgebung und passt Deine Lebensweise an den kleinen Krümmel in Deinem Bauch an. Doch was viele vergessen ist, dass es in der Schwangerschaft auch einiges an Formalitäten gibt, die unbedingt erledigt werden müssen! Schließlich möchtest Du in dieser Zeit ärztlich abgesichert sein und auch nach der Schwangerschaft noch Geld erhalten. Doch wann musst Du Dich worum kümmern? Viele Frauen vergessen die Fristen und kommen in zeitliche Engpässe oder erhalten manche Leistungen gar nicht erst. Eine kurze Übersicht habe ich Dir deshalb hier zusammen gestellt.

Erstes Trimester (1. – 13. SSW)

Im ersten Trimester, also die ersten 12 Wochen lang, wird meist nur hinter vorgehaltener Hand und im geheimen die Schwangerschaft genossen, denn es gilt noch als die unsicherste Zeit mit den meisten Fehlgeburten. Klar verzichten deshalb viele darauf, in dieser Zeit etwas über das kommende Baby zu verraten. Doch auch hier hat es Vorteile, langsam die ersten “Erledigungen” zu machen.

Die Schwangerschaft festellen lassen

Wichtig ist natürlich zunächst, zum Frauenarzt zu gehen und Deinen ersten Ultraschall machen zu lassen. Dabei stellt der Arzt nicht nur fest, OB Du schwanger bist, sondern auch, ob die Eizelle sich an der richtigen Stelle eingenistet hat. Manchmal kommt es nämlich auch zu Eileiterschwangerschaften, die operativ verlegt oder entfernt werden müssen. Sofern alles in Ordnung ist, bekommt die Mutter den sogenannten Mutterpass ausgestellt. Hier werden in der gesamten Schwangerschaft alle möglichen Fakten rund um die Mutter, den gesundheitlichen Zustand, Impfungen und Immunitäten, die Schwangerschaftswoche und die Größe und das Gewicht des Babys festgehalten. Es ist wichtig, dass Du den Mutterpass ab jetzt immer bei Dir trägst, da dieser im Falle, dass Dir etwas passiert, für die behandelnden Ärzte sehr wichtig ist!

Die Schwangerschaft beim Arbeitgeber melden

Wichtig ist es vorab zu wissen: es ist Dein Recht, dem Arbeitgeber zunächst nichts über die Schwangerschaft zu verraten. Aufgrund des Risikos in den ersten 12 Wochen entscheiden sich viele werdenen Mütter dafür, dies erst nach den ersten drei Monaten zu tun. Es kann Dir allerdings einige Vorteile bringen, die Schwangerschaft schon vorher anzumelden:

  • Dein Arbeitgeber muss das Mutterschutzgesetz beachten. Dieses besagt bestimmte Vorgaben am Arbeitsplatz, die eingehalten werden müssen. Zum Beispiel dürfen Schwangere keine Nachtschichten oder Überstunden machen.
  • In bestimmten Berufen, die für das Kind gefährlich sind, wird ein sofortiges Beschäftigungsverbot ausgesprochen. Was Du darüber wissen musst, habe ich letztens in meinem Beitrag zusammen gefasst

Du kannst von Deinem Frauenarzt eine Bescheinigung zur Schwangerschaft verlangen. Diese wird meist gegen eine kleine Gebühr ausgestellt und beinhaltet Informationen wie den Geburtstermin und den Beginn des Mutterschutzes.

Eine geeignete Hebamme finden

Wie Du sicherlich schon mitbekommen hast, ist es heutzutage sehr schwierig eine Hebamme zu finden, da immer mehr diesen Beruf aufgeben müssen. Deshalb musst Du hier schnell sein. Bei den meisten Hebammen hast Du nur eine Chance, wenn Du dich gleich nach einem positiven Schwangerschaftstest meldest.

Zweites Trimester (14. -26. SSW)

Das zweite Trimester empfand ich in beiden Schwangerschaften als das schönste. Du bist körperlich meist am fittesten, denn die Überkeit des ersten Trimesters ist meist vorbei und Du bist noch nicht so rund und hast weniger Schmerzen als im letzten Teil der Schwangerschaft. Dies ist ein guter Augenblick, Dich um die Zukunft mit dem Baby zu kümmern.

Die Erstaustattung

Irgendwann im Laufe des zweiten Trimesters wirst Du das Geschlecht Deines Babys erfahren. Dies ist ein guter Startschuss, nun die ersten Babyartikel zu kaufen. Damit solltest Du nicht zu lange warten, denn es sind nicht mehr viele volle Gehälter vor Deinem Elterngeld übrig und es wird noch so viel Kosten. Was Du wirklich brauchst und was nicht, habe ich Dir schon vor einigen Wochen in einer Checkliste zusammengefasst.

Doch selbst wenn Du auf viele gebrauchte Artikel zurückgreifst, wird dich die Anschaffung der vielen Möbel und Transportmittel sehr viel Geld kosten. Für Familien, die nicht viel Einkommen zur Verfügung haben, gibt es deshalb finanzielle Unterstützung in Form von Erstausstattungsgeld. Dieses kannst Du beim Sozialamt über soziale Einrichtungen wie die Diakonie beantragen. Im besten Fall kannst Du hier bis zu 1400 € abgreifen.

Kleiner Tipp: diese Einrichtung kann Dir auch bei der Beantragung weiterer Gelder oder bei der Suche einer Hebamme helfen.

Anmeldung des neuen Mitbewohners beim Vermieter

Es ist nicht direkt eine Pflicht, aber es gehört sich einfach, dem Vermieter mitzuteilen, wenn ein weiteres Familienmitglied in den Haushalt einzieht. Das zweite Trimester eignet sich gut für eine kurze freundliche Nachricht, bevor die Schwangerschaft zu sichtbar ist und der Vermieter es vielleicht über andere Personen erfahren könnte. Es kann passieren, dass er die Nebenkosten hoch setzt, diese sind meist nach der Anzahl der Personen im Haushalt berechnet. Dies sieht im ersten Moment zwar viel aus, ist jedoch meist sinnvoller als eine Nachzahlung von mehreren Hundert Euro am Jahresende, da der Wasserverbrauch tatsächlich steigt.

Drittes Trimester (27. – 40. SSW)
Elternzeit beim Arbeitgeber anmelden

So langsam solltest Du dir Gedanken machen, wie lange Du vorhast, mit dem Baby zuhause zu bleiben. Natürlich gibt es unterschiedliche Elternzeit Modelle und Du kannst Dich noch entscheiden, ob Du anteilig dennoch arbeitest. Es geht zunächst auch gar nicht um den Elterngeld Antrag, sondern nur um die Mitteilung an den Arbeitgeber.

Hierzu gibt es kein Formular, es genügt völlig, wenn Du einen kurzen Brief verfasst. Dieser muss natürlich die Anschrift des Arbeitgebers beinhalten und Deine Daten (zum Beipsiel Name und Personalnummer). In einem Freitext erläuterst Du dem AG dann, wie lange Du vorhast, zuhause zu bleiben. Zum Beispiel ist mein ET am 15. Dezember 2018, somit merke ich beim Arbeitgeber an, dass ich bis 15. Dezember 2019 in Elternzeit bleiben möchte (da mein Vertrag nächstes Jahr ausläuft ist die Dauer nicht wikrlich relevant). Das tatsächliche Datum wird noch variieren, da Du ja nicht sicher sein kannst, dass Dein Baby am errechneten Termin zur Welt kommt.

Mutterschutz beantragen

Eine weitere sehr wichtige Formalität ist die Beantragung des Mutterschutzgeldes. 6 Wochen vor und 8 Wochen nach Geburt steht Dir der sogenannte Mutterschutz zu, bei einer Frühgeburt oder bei Zwillingen wird sie auf 12 Wochen nach Geburt verlängert. Dies ist der Zeitpunkt, an dem Du vor der Entbindung den Betrieb verlässt. Es ändert sich aber auch, dass Du ab diesem Moment nicht mehr Dein reguläres Gehalt beziehst. Du muss den Mutterschutz bei der Krankenkasse beantragen. Diese zahlt Dir einen Betrag in Höhe von 13 € pro Arbeitstag. Wenn Dein reguläres Gehalt diesen Betrag übersteigt, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den restlichen Betrag zu überweisen.

Um dieses Geld zu beantragen, musst Du die Bescheinigung vom Arzt über den Geburtstermin bei Deiner gesetzlichen Krankenkasse abgeben.

Nach der Geburt

Unmittelbar nach der Geburt musst Du schnell sein und Dich um Deine finanzielle Absicherung kümmern. Hier gibt es zwei Gelder, die Du beantragen musst: das Elterngeld und das Kindergeld. Um diese jedoch zu erhalten brauchst Du zwei Dokumente.

Die Geburtsurkunde des Kindes

Wie Du selbst auch eine hast, wird auch Deinem Kind eine Geburtsurkunde ausgestellt. Bei der Geburt erhältst Du ein Formular vom Krankenhaus. Mit diesen musst Du zum Standesamt gehen oder zur Standesamtstelle Deines Krankenhauses (an der Information bekommst Du sicherlich eine Auskunft darüber, ob eine vorhanden ist). Nach wenigen Wochen kannst Du die Urkunde beim Standesamt Deines Landkreises abholen.

Die Steueridentifikationsnummer

Dies ist eine Nummer, hinter der wahrschienlich alle Daten, die Du jemals verursacht hast, hinterlegt sind. Kinder erhalten diese Nummer automatisch vom Finanzamt wenige Wochen nach der Geburt zugesendet. Wenn es schneller gehen musst, kannst Du diese dort auch abholen.

Kindergeld beantragen

Für jedes Kind erhätst Du bei der Familienkasse des Arbeitsamtes das sogenannte Kindergeld. Für die ersten beiden Kinder beträgt dies monatlich je 194 €, für jedes weitere steigt der Satz. Den Antrag für das Kindergeld und weitere wichtige Informationen findest Du auf dieser Website.

Elterngeld beantragen

Für die Zeit, in der Dein Gehalt ausfällt, kannst Du Elterngeld beziehen. Dies beträgt die Höhe von 65 % Deines Nettoverdienstes. Die genaue Höhe hängt auch davon ab, für welches Modell Du dich entscheidest, und wie lange Du in Elternzeit gehen möchtest. Beantragt wird dies bei der L-Bank

In naher Zukunft wird es am Blog weitere Artikel zum Thema Gelder und finanzielle Hilfen geben.

Natürlich werden die finanziellen Mittel durch Deinen Verdienstausfall viel kleiner und die Ausgaben durch das neue Familienmitglied größer. Wie Du das Geld besser zusammen halten kannst, kannst Du in meinem Beitrag über unsere Spar Tipps nachlesen.

Ich hoffe, dass diese Zusammenfassung den Urwald aus Anträgen etwas gelichtet hat. Denn das Wichtigste ist es natürlich, dass Du Die Schwangerschaft voll und ganz genießen kannst 🙂

 

 

30 Antworten auf „Formalitäten in der Schwangerschaft – Wann Du was beantragen musst“

    1. Ja das stimmt! Ich habe meine Bescheinigung seit Wochen in der Handtasche und will zur AOK und habe es bis heute nicht geschafft 🤦‍♀️ aber danke dass du mich daran erinnerst ☺️

  1. Vielen Dank für den super informativen Beitrag! Das erspart viel Lauferei, gerade beim ersten Mal hat man ja keine Ahnung wo wie was 😀 Danach ist man dann natürlich schon routinierter 🙂

  2. Ein sehr hilfreicher Beitrag! Ich habe zwar aktuell noch keine Kinder in Planung, bin aber immer gerne vorbereitet, vor allem bei solchen Themen. Danke für diesen Beitrag!

    Viele Grüße
    Sophia

  3. Was für ein toller und hilfreicher Überblick! Das hätte ich vor 11 Jahren sehr gut gebrauchen können, denn als ich damals schwanger war, da war ich doch auch anfangs leicht überfordert. Die Formalitäten und Wege sind echt nicht zu unterschätzen. Danke für die Tipps!

    LG Chris

    1. Liebe Christine,
      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es vor 11 Jahren noch viel mehr zu beachten gab. Deutschland ist schon viel familienfreundlicher geworden als damals

  4. Spannendes Thema!
    Ich habe zwar noch Zeit bis zur KInderplanung und bin bei dem Thema natürlich noch nicht so drin. Aber es ist spannend zu erfahren was man alles berücksichtigen sollte und auch welche Möglichkeiten es gibt. Das meiste davon wusste ich noch gar nicht und bin jetzt wirklich verwundert, wie unvorbereitet ich wäre, wenn es mal zufällig dazu kommen sollte 🙂

    Liebe Grüße Anni von https://hydrogenperoxid.net

    1. Liebe Anni,
      Ja manchmal ist es besser vorher zu wissen, was auf einen im Falle eines Falles zukommen könnte 😅 aber die Sachen werden wirklich erst in der Ssw relevant und du musst Dir sicherlich keine Sorgen machen 🙂

  5. Sehr informativer Beitrag. Wusste zwar dass es viel Behördenrennen gibt, aber was da alles noch mit dran hängt, ist echt krass.
    Ich find es auch immer noch richtig *** dass du in der Elternzeit weniger Geld bekommst und zwar richtig viel weniger Geld.
    Die meisten Mütter steigen nach der Elternzeit ja auch nur Teilzeit wieder ein und verdienen dann ja wieder weniger. Wie will man sich da denn finanziell vernünftig aufstellen, wenn der Mann nicht nen Arsch voll Geld verdient!?
    Liebe Grüße,
    Tama <3

    1. Liebe Tama,
      Danke für Deinen Kommentar. Ich finde es im Gegensatz nicht richtig, dass es so viel weniger Geld gibt. Klar machen wir in dem Jahr elternzeit beruflich nichts aber viele Familien müssen auf Kinder verzichten, weil sie sich eben diese elternzeit gar nicht erst leisten können. Und dann heult die Gesellschaft aber, dass wir zu wenig Kinder haben, um die Renten zu zahlen 🤷‍♀️ Familien brauchen da noch mehr Unterstützung als bisher

  6. Ohja ich kenne das auch. Ist bei mir jetzt auch schon wieder 5 Jahre her. Aber was man alles wissen muss und wo man es beantragt ist wirklich chaotisch und viel. Danke für deine tolle Liste. Werde ich gerne an meine Freundinnen weitergeben, wenn wieder eine schwanger wird. Liebe Grüße Nadine

  7. Hallo Wioleta,

    bei uns dauert es noch etwas, wir sind gerade mal seit einem Monat verlobt und wohnen an zwei verschiedenen Enden von Deutschland. Aber es ist echt gut zu wissen, dass es deinen Beitrag gibt, denn woher soll man in so einem Fall die ganzen Informationen nehmen? Klasse zusammen geschrieben und sehr übersichtlich.

    Liebe Grüße
    Bea

  8. Bei mir hat das ganze Thema noch etwas Zeit, aber ich finde es super gut, dass Du auch solche Themen aufgreifst. Im Behörden-Dschungel kann man nämlich schon mal schnell den Überblick verlieren. 😉

    Liebst, Elisa

  9. Hallo,
    bow bei mir ist es jetzt schon 13 Jahre her das ich mich um diese Dinge kümmern musste. Ja man hat ganz schön viel zu erledigen. Dein Beitrag ist sehr informativ und deckt alle wichtigen Punkte ab. Super, LG Claudia

    1. Ja das denkt man manchmal gar nicht ☺️ aber in einem Sozialstaat wie Deutschland gibt es eben für alles Dokumente und die kleinen brauchen die genauso wie wir großen

  10. Toller Beitrag, hätte mir damals viel Lauferei erspart, denn gerade wenn man das erste Kind erwartet, weiß man garnicht, worum man sich vorher und direkt danach kümmern muss. Danke für die tolle Aufklärung darüber.

    Lieben Gruß, Bea.

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