Familienfeste mit High Need Kind – unsere Tipps

Nun ist es da, das Weihnachtsfest! Wir haben eine recht große Familie, was bedeutet, dass wir jeden Tag anderswo eingeladen sind. Zudem kommt, dass wir recht viele Geburtstage um und an Weihnachten haben. Das ist einerseits sehr schön, denn ich verbringe gerne Zeit unter Menschen und unter den Liebsten sowieso! Was für mich meist Freude bedeutet ist für meine kleinste Tochter aber eine ziemliche Herausforderung, denn typisch für ein High Need Kind ist sie sehr Mama-bezogen und mag „fremde“ Menschen um sich herum nicht sonderlich. Auch ihr Schlafverhalten ist sehr eigenwillig. Daher bedeutet die Zeit viel Planung und Durchhalten. Wie wir Weihnachten und Familienfeste generell gut rum bekommen möchte ich Dir deshalb in diesem Beitrag erzählen.

So ein Familienfest kann für ein High Need Kind, das zudem sehr hochsensibel ist und fremdelt eine ganz schöne Herausforderung sein! Denn diese Kinder nehmen viel mehr Reize wahr, die für uns Ewachsene oder für „normale“ Kinder nicht vorhanden sind. Außerdem sind solche Kinder mit mehr Ängsten konfrontiert, die für andere Kinder als gewöhnliche Situationen gelten. Daher sind Familienfeste mit High Need Kindern oft eine ganz schön große Herausforderung!

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In diesem Beitrag habe ich Dir einige Problempunkte aufgelistet, mit den wir konfrontiert waren und unsere Lösungen, mit den wir die Feiertage so angenehm wie möglich über die Bühne bringen.

Gesondertes Schlafverhalten vom High Need Kind anpassen

Meine HN Maus ist sehr eigen, was ihr Schlafverhalten angeht, was uns bei diversen Festen und Geburtstagen vor eine große Herausforderung stellt. Denn wir können nicht verlangen, dass die komplette Verwandtschaft sich an die Schlafzeiten meiner Tochter anpassen, die zudem sehr variieren. Also musste ein Notfallplan her und wir müssen die Schläfchen schieben. Puh…aber wie hält man ein Kleinkind, das müde und sowieso schon weinerlich ist, wach? Oder legt es zu einer „gewohnten“ Zeit hin, wenn sie noh nicht schlafen kann? Und was noch viel schlimmer ist: was, wenn sie unterwegs schlafen müssen? Jede einzelne dieser Situationen begegnet uns diese Weihnachten. So in etwa hat es bei uns ausgesehen:

Tag 1: Geburtstag meines Mannes

Morgens haben wir die Maus so lange schlafen lassen wie es nur eben möglich war. Das Maximale ist bei uns 8 Uhr und wir waren sehr glücklich, dass das geklappt hat, nachdem ich um halb 7 nochmal stillen musste. Schließlich steht sie zu dieser Zeit nur zu gerne dann doch auf.

Den Vormittag über hatten wir noch viel zu erledigen. Unterwegs fällt es ihr leichter, wach zu bleiben, daher haben wir es tatsächlich geschafft, ihren vormittaglichen Schlaf ausfallen zu lassen und sie erst um die Mittagszeit herum hinzulegen. Glück gehabt!

Nachmittags um 14 Uhr war sie also ausgeschlafen, als die Gäste kamen und hätte nicht mehr zwingend schlafen müssen – wollte sie aber. Um 17 Uhr kam das große Tief. Wir haben es glücklicherweise geschafft, sie recht gut abzulenken. Gegen 18 Uhr gingen die meisten Gäste, da auch ihre Kinder müde wurden und ich konnte sie um 19 Uhr völlig übermüdet hinlegen.

Tag 2: Heiligabend

Am nächsten Tag ging es weiter. Leider sollte unser Rhythmus an Heiligabend ganz anders verlaufen, da wir erst am späten Nachmittag eingeladen waren. Geplant waren somit zwei Schläfchen zuhause. Da wir an diesem Tag jedoch ebenfalls recht lange geschlafen haben, war es unmöglich, sie vormittags hin zu legen. Also haben wir sie vormittags so lange es ging wach gehalten und haben es bis 13 Uhr geschafft! Anschließend schlief sie sogar auf ihrem Papa vor dem TV weiter und hat so zwei Stunden geschafft. Ich war richtig neidisch, denn mit mir kuschelt sie nie, außer nachts, wenn sie auf mir schläft.

Abends wurde es dennoch recht dramatisch, das Essen und die Bescherung haben sich sehr gezogen und plötzlich war es 20 Uhr. Pünktlich ist die Laune meiner kleinen umgeschlagen und wir sind einfach gegangen. Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren (dazu später mehr).

Tag 3 und 4: Weitere Weihnachtsfeste ab der Mittagszeit

Heute und morgen stehen wir erneut vor einem anderen Tagesrhythmus und ich muss erneut die Schlafzeiten anpassen. Heute früh bin ich extra schon früher mit der Maus aufgestanden, damit sie Vormittags nochmal müde wird. Gerade schläft sie seit einer halben Stunde (es ist 10:50). So wird sie um 13 Uhr, wenn wir eingeladen sind, noch recht fit sein.

Nun folgt aber das Probem, dass sie Nachtmittags sicherlich müde wird. Heute nehme ich eine Trage mit. Diese hat mich schon oft gerettet! Zwar ist mir die kleine schon deutlich zu schwer, um sie zu tragen, ich mache es notfalls aber trotzdem. Denn sie wird zu 90 % nicht in einem fremden Bett schlafen wollen und im Wagen schläft sie auch so gut wie nie!

Morgen feiern wir bei uns im Ort. Wenn alle Stricke reißen gehe ich, wie bereits einmal, für die Schlafzeit nach Hause und kehre dann zur Feier zurück.

Wie Du siehst ist hier das Patentrezept also: anpassen und planen!

Ich kenne viele Babys und Kinder, die sich hier einfach super anpassen und überall hingelegt werden können. Vielleicht ist das wirklich so ein spezielles High Need Kind Ding, dass es eben nicht funktioniert. Mit meiner großen sind wir, wenn alle Stricke reißen, einfach spazieren gegangen. Andererseits möchte ich mich aber nicht die nächsten Jahre zuhause einsperren, nur weil das mit dem Schlafen nicht geht.

Bezugspersonen vom High Need Kind aufteilen

Ein weiteres Problem mit High Need Kindern bei Familienfesten sind die vielen Verwandten. Meine Maus ist sehr Mama-bezogen. Sie will einfach nicht zu jeglichen (Ur-)Omas, Tanten, Opas oder sonstwen. Das ist für alle natürlich schwer nachvollziehbar und führt jedes Mal zu Diskussionen („Du musst sie eben daran gewöhnen“, „Das ist doch nicht normal, dass sie vor allen so viel Angst hat“).

Doch es nützt alles nichts und es bringt auch dem ganzen Familienkreis nichts, wenn ein Kind von Arm zu Arm gereicht wird und weint. Aber ich kann (und will!) als Mama nicht die ganze Zeit der Babysitter sein und einfach nichts von der Gesellschaft haben, denn schließlich gehe ich genau dafür unter Menschen. Daher teilen wir die wenigen Bezugspersonen auf, die sich dann abwechselnd um die kleine kümmern. Zu dem Personenkreis gehören nur mein Mann, meine große Tochter, selten meine Schwiegermutter für 10 Minuten und natürlich ich. Wir wechseln uns immer ab mit dem bespaßen und nehmen sie abwechselnd auf den Schoß, wenn sie nicht im Hochstuhl sitzen will, damit einer immer in Ruhe essen kann. Die Große spielt mit ihr zeitweise, damit wir beide eine Pause haben.

Hier ist Teamarbeit angesagt! Abwechseln so gut es eben geht.

Negative Kritik über High Need Kinder ignorieren

Ein weiteres Problem, welches ich schon angesprochen habe, ist die negative Kritik von allen Seiten. Wer meine Beiträge liest oder sich bereits mit dem Begriff „High Need“ auseinander gesetzt hat, weiß, dass diese Kinder eben so sind wie sie sind. Jedes Biegen und Brechen führt nur zu noch mehr Widerstand und Geschrei, weshalb es am Besten ist, seine Kinder einfach zu akzptieren, wie sie sind. Das versteht jedoch nur, wer solch ein Kind schonmal hatte. Alle anderen wissen es stets besser, wie man diesen Willen brechen kann und solch schwierige Kinder erzieht.

Mamas von High Need Kindern machen in den Augen der Gesellschaft und vor allem in den der (älteren) Verwandtschaft einfach alles falsch! Und das lässt uns dieser Personenkreis deutlich spüren. Ich kenne einige Frauen, die aufgrund solcher Kritik von allen Seiten das Haus mit ihren Kindern gar nicht erst verlassen. Das ist aber nicht richtig, denn auch wir brauchen unseren Freiraum und müssen mal unter Menschen.

Das einfachste, das ich auf jegliche Kommentare antworte ist „es ist eben so“.

  • Wieso stillst Du eigentlich noch?
  • Gib sie mir mal, sie wird schon nicht weinen!
  • Du solltest sie mal schreien lassen!
  • Du lässt Dich von ihr herumscheuchen!
  • Lass ihr nicht alles durchgehen!

Die Liste ist so lang und meine Nerven, mir all das anzuhören und vor allem, mich jedes Mal zu rechtfertigen, sind so schmal. Deshalb habe ich es ganz einfach gelassen. Sie ist eben so!

Wenn die Fahrt sich nicht vermeiden lässt

Viele High Need Kinder haben ein großes Problem: sie hassen jegliche Autofahren! Leider können wir nicht alle Feste immer im Ort feiern und müssen mal mehr mal weniger weit anfahren. Es ist kein Patentrezept und wird das Gebrüll in den meisten Fällen nicht verhindern, aber wir machen es so:

  • Der mit den stärkeren Nerven fährt. Bei uns ist es mein Mann, denn mich macht es völlig fertig, mich bei dem Gebrüll zu konzentrieren
  • Ein Erwachsener sitzt hinten und unterhält sie
  • Bei längeren Fahrten planen wir die Zeit so, dass sie im Auto schlafen kann. Bis das eintritt büllt sie die halbe Stunde, bis wir zur Autobahn kommen, dann gehts aber meistens
  • Wir nehmen genug Unterhaltungsprogramm für die Fahrt mit und versuchen sie solang es geht abzulenken

Fazit

Familienfeste mit High Need Kindern sind selten einfach. Aber wenn wir das Ganze richtig angehen und gut planen, können wir auch diese Tage überstehen. Das wichtigste ist: versuche die Gesellschaft dennoch so gut es geht zu genießen. Als Mama kommst Du sicherlich selten raus.

Wie übersteht ihr Familienfeiern mit High Need Babys? Vor welche Probleme werdet ihr dabei gestellt? Erzähle mir davon in den Kommentaren!

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