Durch Resilienz zu selbstbewussten Kindern

Aus irgendeinem Grund läuft mir dieser Begriff seit Tagen über den Weg. Ich habe zuvor noch nichts von Resilienz gehört und selbst mein Word-Wörterbuch weigert sich, diesen Begriff zu akzeptieren. Deshalb habe ich mich in letzter Zeit eindringlich mit diesem Thema beschäftigt. Und mir ist klar geworden, dass dieses Thema in jeder kindlichen Erziehung so essentiell wichtig ist, dass ihr alle von diesem Begriff gehört haben müsst.

Bedeutung von Resilienz

Grob übersetzt bedeutet das Wort die Widerstandsfähigkeit gegenüber Misserfolgen und Lebenskrisen. Ich habe tief in meinem Wortschatz gegraben und mir ist kein anderes Wort eingefallen, das diesen Zustand beschreiben würde. Deshalb hole ich etwas weiter aus:

Stellt euch die folgende Szene vor: zwei Kinder spielen gemeinsam ein Brettspiel. Kind Nummer 1 gewinnt und freut sich, während Kind Nummer 2, das verloren hat, auch die Sticheleien von Kind Nummer 1 wenig ausmachen. Es ist schließlich nur ein Spiel. Dennoch beschließen die Kinder, noch eine weitere Runde zu spielen. Kind Nummer 2 hat aus seinen Fehlern in der ersten Runde gelernt und kann dieses Wissen nutzen, um die zweite Runde für sich zu gewinnen. Daraufhin bricht Kind Nummer 1 in Tränen aus. Er ist eben ein „schlechter Verlierer“. Schnell merken wir, dass Kind Nummer 2 bereits jetzt schon eine gute Resilienz erweist, während bei Kind Nummer 1 diese Fähigkeit nicht verbreitet zu sein scheint.

Schon aus dieser Feststellung lernen wir, dass Resilienz nicht bedeutet, dass die Menschen weniger Rückschläge in ihrem Leben erleiden mussten. Sie nehmen diese nur anders wahr und bewerten die Situation insgesamt positiver.

Die allgemeinen Faktoren der Resilienz unterteilen sich folgendermaßen:
  • Emotionale Stabilität: resiliente Personen haben ihre Emotionen besser im Griff. Das bedeutet nicht, dass sie weniger Gefühle haben, die können diese nur besser mit sich selbst ausmachen und zeigen diese nicht gleich nach außen. Nicht resiliente Menschen verlieren eher die Fassung, werden wütend oder sind nah am Wasser gebaut
  • Kognitive Fähigkeiten: resiliente Menschen haben eine Art realistischen Optimismus. Dies darf man keinesfalls mit Naivität verwechseln. Diese Menschen haben ein sehr gutes Gespür dafür, welche Ziele sie erreichen können und haben eine eigene Vorgehensweise, um diese zu erreichen. Außerdem prallt an diesen Menschen Stress und Kritik ab und sie haben eine gewisse Distanz dazu. Resiliente Menschen leiden deshalb seltener an psychischen Krankheiten oder Burnout.
  • Interaktionale Faktoren: Resiliente Personen neigen dazu, einen größeren Freundes- und Bekannteskreis zu haben und sind stets als „gute-Laune-Menschen“ bekannt
Vorteile resilienter Personen

Resiliente Personen haben viele Stärken, die sie zu ihrem eigenen Wohl nutzen. Diese beginnen im Kindheitsalter und begleiten sie ein Leben lang:

  • Sie lassen sich nicht von Kritik unter bekommen sondern lernen daraus und machen es besser
  • Sie haben eine bessere Emotionssteuerung und können mit Stress umgehen
  • Sie erkennen Handlungsspielräume
  • Anstatt sich auf Probleme zu fokussieren, suchen sie nach Lösungen
  • Sie übernehmen Verantwortung für ihr Tun und stellen sich nicht in eine Opferrolle
Resilienz beginnt in der Kindheit

Wie wir Menschen ticken hängt sehr davon ab, wie wir unsere Kindheit erlebt haben und welche Bindung wir zu unseren Eltern hatten. Nicht umsonst wird in Psychotherapien der Fokus meist auf die Familie und Kindheit gelegt. Uns Eltern ist oft nicht bewusst, dass wir schon mit Kleinigkeiten die ganze Zukunft unserer Kinder beeinflussen und sie zu den Menschen machen, die sie sind. Besonders was die Resilienz angeht, pfuschen wir sozusagen viel im Leben unserer Kinder. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die folgenden familiären Aspekte sich auf die Resilienz unserer Kinder auswirken:

  • Es wurde nachgewiesen, dass resiliente Kinder eine gute und vertrauensvolle Bindung zu ihren Eltern haben. Wenn sie diesen Rückhalt immer im Leben mitnehmen können, fühlen sie sich automatisch in allen Lebenssituationen sicherer und reagieren positiver auf schlechte Erfahrungen. Sie sind mit ihren Problemen sozusagen nie alleine
  • Eltern resilienter Kinder sind berufstätig, haben Ziele, die sie verwirklicht haben und zeigen ihren Kindern, dass es sich lohnt, für etwas zu kämpfen und auf etwas hin zu arbeiten. Resilienz bedeutet auch, für seine Ziele einzustehen und auch mal Rückschläge zu erleiden. Viele Kinder fühlen sich von Rückschlägen in der Schule entmutigt und sind weniger motiviert. Wir Eltern leben unseren Kindern vor, sich dennoch zusammen zu raufen und für das zu bemühen, das einem wichtig ist. Zudem brauchen wir im allgemeinen Ziele in unserem Leben, damit wir einen Grund haben, etwas zu tun. Wenn wir unseren Kindern in die Wiege legen, dass gute Leistungen durch Preis XY (ein guter Arbeitsplatz oder der Platz in DEM Traumberuf) entlohnt wird, wird es eher die Motivation aufbringen dafür zu kämpfen.
  • Die meisten resilienten Kinder leben in einer traditionellen Familie mit beiden Elternteilen. Eine „vollständige“ Familie gibt den Kindern Sicherheit, während eine Scheidung oder gar der Tod eines Elternteils sich negativ auf die Resilienz und die allgemeine Selbstsicherheit der Kinder auswirkt
  • Die Eltern leben den Kindern positives Denken vor. Wenn ein oder beide Elternteile sich nur auf die Rückschläge im Leben konzentrieren und diese so benennen, schauen auch die Kinder sich diese Angewohnheit ab. Wir müssen verstärkt darauf achten, wie wir uns besonders im Beisein der Kinder über negative Ereignisse äußern. Lassen sich die Eltern eher davon niederschlagen, werden auch die Kinder negativ auf Krisen reagieren. Wenn die Eltern jedoch einen Niederschlag als Herausforderung sehen, und das Problem angehen, nehmen die Kinder sich diese Einstellung zum Vorbild.
  • Eher ängstliche Eltern schränken ihre Kinder unbewusst ein, denn sie trauen ihnen bestimmte körperliche oder geistige Aktivitäten nicht zu. Wer als Kind jedoch Zuspruch und Vertrauen in das eigene Tun erfahren kann, lernt sich der Angst und dem Neuen zu stellen und die Situation zum eigenen Vorteil zu nutzen. Im besten Fall helfen die Eltern den Kindern, indem sie sie zwar machen lassen, aber dabei bleiben und ihnen wieder aufhelfen, wenn das Vorhaben doch schiefgeht
  • Kinder, die für eben diese neuen Erfahrungen Lob erhalten und wissen, dass sie eine Situation gut gemeistert haben, fühlen sich ebenfalls ermutigt, über den eigenen Schatten zu springen. Denkt immer darauf, eure Kinder für besondere Leistungen zu loben.
Eigene Resilienz stärken – Vorbild für unsere Kinder sein

Nicht nur das indirekte Verhalten und die familiären Umstände machen unsere Kinder zu den Menschen, die sie mal werden sollen. Wir Eltern funktionieren schon ganz früh als Vorbild und werden von unseren Kindern nachgeahmt. Deshalb sollte jeder für sich seine eigene Einstellung überdenken und gewisse Angewohnheiten zu verbessern. Wenn wir unseren Kindern mehr Resilienz vorleben, dann kann es sie spiegeln und seine eigene Entwickeln. Hier ein paar Tipps, die Du Deine eigene Resilienz verbessern kannst:

  • Akzeptiere Veränderungen um Dich herum und passe Dich den neuen Umständen an, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken
  • Akzeptiere Krisen in Deinem Leben, denn diese hat jeder von uns. Es ist sinnvoll, diese als überwindbare Probleme zu sehen und zu akzeptieren
  • Habe immer ein positives Selbstbild. Wenn Du Deinem Kind vorlebst, nicht intelligent oder schön genug zu sein, wird es diese Eigenschaft schnell übernehmen. Du bist gut so wie Du bist.
  • Arbeite immer, um die Ziele, die Du in Deinem Leben hast, zu verwirklichen und kämpfe für das, was Du haben willst. Wenn Du nur etwas Ausdauer hast, wird Dir bald alles in die Hände fallen, was Du haben möchtest
  • Ändere Deine Erwartungen. Wer immer pessimistisch denkt, dass etwas sowieso nicht klappt, der wird auch an dieser Stelle stehen bleiben. Und ein Kind, das immer nur hört, dass nichts funktionieren wird und alles schief geht, wird nie eine positive Grundhaltung entwickeln können.
  • Halte Deine sozialen Beziehungen aufrecht. Resiliente Menschen umgeben sich viel mit anderen Personen und schöpfen dadurch neue Kraft und neues Vertrauen.

5 Replies to “Durch Resilienz zu selbstbewussten Kindern”

  1. Ein sehr interessantes Thema! Natürlich kannte ich den Begriff Resilienz aus der Psychologie … aber mit Erziehung habe ich ihn noch nie in Zusammenhang gebracht. Da ist wirklich was Wahres dran … es ist aber gar nicht so leicht das auch tatsächlich zu leben … wenn man vom Leben gebeutelt wird 😉 …

    Liebe Grüße
    Verena

  2. Hi!

    Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich mir “Hä? Das Wort hab ich ja noch nie gehört” Aber du hast es wirklich toll erklärt und jetzt bin ich total im Bilde.
    Das Umfeld beeinflusst definitiv maßgeblich die Kindheit, auch ob die Eltern positiv eingestellt sind oder eben nicht. Und natürlich auch die Widerstandsfähigkeit eines Kindes.

    Danke noch mal für die tolle Ausführung und für die Beispiele.

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

  3. Hallo, das Wort kannte ich vorher auch nicht und daher Danke für die Aufklärung, die Beispiele und die tollen Ausführungen. Ich denke zwar auch, dass das Umfeld eine Rolle spielt, aber es gibt Charaktereigenschaften, die man einfach nicht beeinflussen kann, egal wie sehr man sich Mühe gibt, die Kinder zu stärken.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

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