Dürfen Mamas krank sein?

Wie in meiem letzten Beitrag erwähnt, habe ich mir eine ganz komische Grippe eingefangen und habe mich dazu entschiden, doch nochmal zuhause zu bleiben. Besonders toll fand es meine kleine. Als der Wecker meines Mannes um 5:40 geklingelt hat, sprang sie munter aus dem Bett, frühstückte etwas und kuschelte sich gemütlich zu mir unter die Decke. Dann sagte sie “Mama, du bist ja nicht aufgestanden, zum Glück ist heute Wochenende!”…STOP! Am Wochenende wäre sie ja nicht so früh wach oder? Ganz im Gegenteil: während sie in der Sommerzeit in der Regel bis 8, manchmal nach 9 Uhr schläft, wacht sie in der Winterzeit, wenn es morgens noch finster ist und in unserem Dorf die Laternen quasi erst eingeschaltet wurden, schon um 6 Uhr auf. Verstehe einer die Kinder.

Am Wochenende hat mein Mann mir ganz viel mit der kleinen Rabaukin gehofen, ist mit ihr zu Oma gefahren, damit ich schlafen kann, hat aus Lego Flugzeuge gebaut und sie morgens angezogen. Ich habe mich lediglich zum Sonntagsfilm dazu gekuschelt, für mehr hat mir die Kraft einfach gefehlt. Heute morgen ging er um  6 aus dem Haus und ich war af mich alleine gestellt. Ich musste ihre Vision vom Verlängerten Wochenende kaputt machen, erklärte ihr aber, dass ich noch zum Arzt muss und sie sonst stundenlang im Wartezimmer sitzen müsste bei den ganzen Bakterien. Das hat sie zum Glück verstanden. Um 8 habe ich sie gemütlich in den Kindergarten gebracht und sie erzählte allen ganz fröhlich, dass Mama ja heute zu Hause ist und sie schon viel früher holen kann. Vielleicht sogar vor dem Mittagessen.

Wenn mein Mann krank ist, sieht das alles ganz anders aus. Er bringt sie in den Kindi, legt sich den ganzen Tag aufs Sofa und holt sie gegen 4 wieder ab. Sie interessiert es nicht weiter, vielleicht auch weil zu dem Zeitpunkt meistens gutes Wetter ist und alle Kinder draußen spielen wollen. Zuhause angekommen gibt es anscheinend immer ein riesen Theater, wieso Mama denn noch nicht zuhause ist. Ich hätte es schon alleien mit meinem schlechten Gewissen nicht vereinbaren können, sie nach 14 Uhr dort zu lassen und habe sie deshalb nach meinem Arzttermin und einem misglückten Mittagschlafversuch abgeholt. Zumindest die glücklichen Augen haben wir das Gefühl gegeben, dass es mir zumindest gedankt wird.

Mit welchem Recht also dürfen unsere Männer immer krank sein, wir Mamas jedoch nicht?

Diese Lektion lerne ich bereits kurz nach ihrer Geburt. Ich habe mir – ohne Witz – beim Kissen aufschütteln einen Nerv an der Schulter eingeklemmt. Das arme Baby hatte Hunger und wollte auf den Arm aber ich konnte sie einfach nicht tragen. Immer, wenn so etwas passiert hat zudem mein Hausarzt Urlaub. Unter Tränen habe ich sie in den Kinderwagen gepackt und zu Oma geschoben (glücklicherweise waren wir damals noch in der Stadt und ich konnte sie innerhalb weniger Gehinuten dort hinbringen). Anschließend schleppte ich mich zum Vertretungsarzt. Dieser hat es allerdings nicht eingesehen, mir eine Spritze zu geben, um den Nerv zu lösen, ich sollte einfach ein paar Tage Tabletten nehmen, irgendwann würde es schon besser werden. Auf meine Frage, wie ich den Alltag mit einem Säugling schaffen soll fragte er mich nur, ob er mir auch noch eine Hausaltshilfe besorgen soll. Also holte ich die Kleine ab, weil meine Schwiegermutter zur Arbeit musste und kämpfte mich irgendwie durch den Tag. Zumindest mein Mann hatte abends Verständnis.

Von uns Müttern wurde schon immer erwartet , dass wir unser Leben nur für die Kinder führen. Natürlich sind unsere Kinder auch das schönste, was uns passiert ist und wir würden immer alles für sie tun. Jedoch gibt es einfach Momente, zu den auch wir eine kurze Pause brauchen. Während wir vor Fieber fast umfallen, müssen wir im Kinderzimmer auf dem Boden sitzen und  unsere Sprösslinge beschäftigen, später etwas leckeres und gesunden zu essen zaubern, womit “fastfood” für Kinder ausfällt und sie abends nach diesem anstrengenden Tag noch duschen. Während die ganze Familie krank ist, sitzen wir benommen am Kinderbett und messen Fieber und schauen nach unseren Kindern, während uns die Augen zufallen. Das ist von den anderen Familienmitgliedern auch nicht böse gemeint, aber Mama ist eben immer die erste Anlaufstelle.

Das erinnert mich an die Telefonate zwischen meinem Mann und seinen Eltern. Wenn seine Mama ans Telefon geht, wird fröhlich geplaudert, wenn es sein Papa ist, hört man nur “Ist Mama da?”.

Kinder brauchen Mamas, egal wann

Durch unsere Bindung bereits im Babybauch und später in der Babyzeit, während Mama zuhause ist und der Papa arbeitet, entsteht zwischen Mutter und Kind eine ganz andere Bindung als mit dem Vater. Die Väter gelten als die Bespaßer, die wilde Spiele spielen oder sich Ausflugsziele überlegen. Mamas hingegen pflegen die Familie, sind für alle Sorgen da und bei jedem Wehwehchen zur Stelle. Nach der kurzen Bespaßung sind wir die nächste Anlaufstelle egal bei welchen Belangen.

Manchmal wünschte ich, ich könnte mich während einer Krankheit zu meiner Mama ins Bett verkrümmeln und mich versorgen lassen. Einfach mal die Augen schließen ohne ein entsetzes “Mama du schläfst ja”.

An dieser Stelle möchte ich mich jedoch keinesfalls beschweren. Denn meine Tochter ist oft die, die mich bemitleidet, meinen Kopf streichelt und sagt, dass sie mich lieb hat. Und ich verstehe vollkommen, dass sie mich auch dann braucht, wenn es mir nicht gut geht, denn die kinderlichen Sorgen können sich noch nicht den der Erwachsenen anpassen. Und ich möchte es auch nicht missen, denn irgendwan werden auch unsere kleinsten groß und brauchen diese Fürsorge nicht mehr. Und solange sie es möchte, werde ich für sie dasein, wenn sie mich braucht – auch dann wenn ich krank bin. Und egal wie schlecht es mir jetzt im Moment geht, ich sehe dieses wunderschöne Mädchen an und bin glücklich, dass sie da ist.

33 Antworten auf „Dürfen Mamas krank sein?“

  1. Mein Mann ist eine wichtige Bezugsperson für unsere Töchter, da er 3 Jahre in Elternzeit war und sie von Baby auf betreut hat. Von daher sind beide auch Papa-Kinder, was es leichter macht.

    Dennoch kannte ich das Problem. Kranksein war die Hölle, als meine Kinder klein waren. Füttern, wickeln, bespaßen… Ich war echt oft verzweifelt, obwohl es ja nur ein paar Stunden waren, mein Mann kam schon 17 Uhr wieder nach Hause. Trotzdem. Krank ist krank und man braucht eigentlich Ruhe…

    1. Mein Mann liegt aktuell mit einer schweren Männergrippe im Bett, somit hatte ich die Tage drei Kinder zu versorgen…
      Heute ist es dafür aufgestanden und hat die große weg gebracht

  2. Als Papa kann ich zu dem Artikel nur sagen: Trifft den Nagel exakt auf den Kopf, man könnte fast meinen du wohnst auch bei uns *grins*
    Mamas haben es wahrlich nicht leicht, leider sehen das sehr viele einfach gar nicht. Ganz toller Artikel, danke dafür.

    1. Hallo Andreas,

      vielen Dank! Ich erwarte von der Seite der Männer oft eher einen Shitstorm. Aber es freut mich wirklich zu hören, dass ihr uns ab und zu auch mal versteht 🙂

      Viele Grüße
      Wio

  3. Huhu,

    ich selbst bin zwar keine Mutter bisher, aber ich habe einen 16 Jahre jüngeren Bruder und habe somit erlebt am Beispiel meiner Mutter wie grausam es ist, wenn man selbst total schwach ist, aber für das Kind da sein muss, weil mein Vater dann arbeiten war. Zum Glück war ich schon alt genug um ihr dann unter die Arme greifen zu können. Als Mutter hat man leider einen 24 Stunden Job und deshalb sollte man das auch viel mehr respektieren und tolerieren, wenn jemand “nur” Hausfrau und Mutter in den ersten Jahren ist, denn es ist ein Fulltime-Job!

    Lg

    Steffi

    1. Hallo Steffi,

      naja das stimmt so zum Teil 🙂 Ich bin keine Vollzeit Mama sondern eher Vollzeit Arbeitstier und ab Nachmittag habe ich Zeit Kind und Haushalt usw. Natürlich wäre es schöner, mehr Zeit für sie zu haben und wie es manchmal so kommt, habe ich eben eine Grippe und kann ihr nicht mal das geben. Aber nur zuhause sitzen ist mir schon in meiner Krankmeldung die Woche sehr schwer gefallen.
      Ich finde es toll, dass du deine Mama so unterstützt hast! Meine jüngste Schwester ist 9 Jahre jünger als ich, bei uns war es relativ ähnlich.

      Viele Grüße
      Wioleta

  4. Ich bin selbst noch keine Mama, aber manchmal scheint Mama sein auch nicht ganz einfach, gerade wenn man selbst nicht ganz fit ist, stelle ich es mir in der Tat schwierig vor…

    Nichts desto trotz glaube ich gibt jede Mama immer ihr Bestes, so gut es geht und das ist schön 🙂

    Liebe Grüße
    Birgit

  5. Guten Morgen,
    Ich kenne das gut. Ich bin Mama von 2 Söhnen (7&3). Wobei beim großen das alles läuft. Er ist einfach sehr selbstständig. Da kann ich auch einfach mal im Bett liegen bleiben und er kommt wenn er was brauch. Wieder rum beim kleinen nicht. Der ist so ein richtiges Mamakind. Das ist dann schon echt ne zerreißprobe wenn man krank ist. Aber ich bin sehr froh über meinen Mann. Er unterstützt mich wo er nur kann.
    Wir dürfen auch mal krank sein. Weil wir sind auch nur Menschen.
    Liebe Grüße Nadine

    1. Vielen Dank Nadine,
      ja das sind wir in der Tat. Und ich danke auch so oft, dass ich meinen Mann habe, denn es gibt gewiss auch andere.
      Dieser ist letztens Nachts mit Mia sogar auf den Balkon gegangen, als sie ihren Krupp Anfall hatte und hat uns beiden dann das Bett überlassen 🙂

      Liebe Grüße
      Wio

  6. Ach…. ich weiss genau was Du meinst!

    Ich bin selbst auch Mutter, habe aber keine Hilfe von Oma oder so und es ist nicht immer einfach!

    Wenn ich mal krank bin, hilft mir mein Mann auch sehr und zum Glück ist mein Sohn jetzt älter und macht so zu sagen alles selbst, wenn es sein muss!

    Aber trotzdem muss ich sagen, ich liebe es Mutter zu sein und es ist ja auch mal schön, wenn Kind und Mann, wenn man krank ist, einen verwöhnt! ;oD

    Dein Bericht ist wirklich super geschrieben!

    Hab einen schönen Tag!

    xoxo
    Jacqueline

    1. Hallo Jacqueline,

      vielen Dank für den wirklich lieben Kommentar!
      Ja, zum Glück haben wir unsere Männer und Kinder. Ich wüsste wirklich nicht, was ich ohne sie wäre.

      Liebe Grüße
      Wio

  7. Um die Frage zu beantworten: Ja auch Mamas dürfen krank sein! Nicht so einfach ich weiß, aber man kann es den Kleinen erklären wenn es Mama nicht so gut geht und sie verstehen es auch irgendwann jedenfalls 😉 u. dann muss der Papa eben mal einspringen. Auf jeden Fall ganz schnell gute Besserung!
    LG aus Norwegen
    Ina

    1. Hallo Ina,

      ja Papa springt ein, wo er nur kann. Leider fährt er ziemlich weit zur arbeit und die zwei Tage, die meine kleine auch mit krank gemacht hat, waren schon sehr anstrengend. Im Endeffekt bin ich mehr im AUto und bei Ärzten gesessen als mich tatsächlich zu entspannen.

      Viele Grüße
      Wio

  8. Oh je, das kenne ich. Seitdem ich meinen Sohn habe, lag ich vielleicht nur einen Tag komplett im Bett. Zu mehr Kranksein hat man halt keine Zeit. Letztens habe ich eine Erkältung fast 4 Wochen mit mir rumgeschleppt … Aber ich will nicht jammern, wir Mamis sind ja auch zäh 😉

  9. Liebe Wioleta,
    Ja das ist auch so eine Sache. Man hat immer als Mutter Schuldgefühle, weil sie immer für das Kind da sein will. Und denkt, das Kind kann nicht ohne sie. Sicher, das Kind kommt und sieht, dass es Mama nicht gut geht und ist besorgt. Aber es gibt auch den Papa, der dann auch die Rolle der Mutter übernehmen muss. Ich bin der Meinung: Ja, auch Mütter dürfen krank sein. Auch sie dürfen keine Lust mehr haben. Das gilt für alle Beteiligten in einer Familie. Ich wünsche dir gute Besserung.
    Liebe Grüße, Selda.

    1. Liebe Selda,

      vielen Dank!
      Ich bin schon fast wieder auf den Beinen und meine kleine hat es heute auch endlich eingesehen, dass sie doch in den Kindi kann. Heute haben sie Turnen, also habe ich bis 16 Uhr etwas Ruhe 🙂

  10. Ein wirklich interessanter Blogpost! Ich kann zu diesem Punkt leider nicht viel sagen, da ich noch keine Erfahrung habe. Aber ich kenne diese Situationen von meiner Mutter sehr gut.

    Liebe Grüße
    Lisa

    1. Hallo Lisa,

      vielleicht ist es auch ganz gut, die Andere Seite kennen gelernt zu haben 🙂
      Es heißt ja schließlich, die eigenen Kinder geben einem das zurück, was man selbst als Kind gegeben hat

      Liebe Grüße
      Wioleta

    1. Hallo Freya,

      vielen Dank fürs Mitfühlen 😉 Ja nachdem meine kleinen nun auch 2 Tage Krupp hatte, konnte ich mich heute etwas zurück nehmen, während sie im Kindi spielt. Manchmal bin ich wirklich froh, diese Möglichkeit zu haben.

      Liebe Grüße

  11. Ich habe zwar noch keine Kinder, denke aber dass wenn wir mal welche haben mich mein Zukünftiger sehr unterstützen wird. Er wird Erzieher was ich persönlich ganz toll finde denn davon gibt es viel zu wenige. Ich weiß dass er sich toll um den oder die Kleine kümmern wird wenn es mir mal nicht gut geht.
    Was man sich als Frau heutzutage manchmal noch anhören muss ist echt unglaublich gerade der Vertretungsarzt ist ja wohl ziemlich unverschämt gewesen.
    Ich wünsche dir weiterhin gute Besserung und ein bisschen Erholung.

    Liebe Grüße Shirin

  12. Ja, diese Situation kenne ich auch noch zur Genüge, auch, da ich seit meine Tochter klein ist alleinerziehend bin und 80 km von meinen Eltern entfernt gewohnt habe. Da konnte ich sie nicht mal eben zur Oma bringen, da war durchhalten die Devise. Zum Glück sind wir beide selten krank.
    Aufgrund der Tatsache, dass ich alleine bin musste ich allerdings auch schon sehr früh wieder arbeiten und meine Tochter ist immer lange und gerne in die Betreuung gegangen. Da konnte ich mir dann auch ohne schlechtes Gewissen mal einen ganzen Tag für mich gönnen wenn es wirklich dringend nötig war.
    Heute ist meine Kleine 15 und im letzten Jahr durfte sie mich dann bei meiner dicken Erkältung umsorgen, inkl. kochen und sich um den Hund und die Pferde kümmern, Da hat sie ganz toll gemacht und von daher sei Dir sicher, irgendwann wird sie es sein die Dir den Tee ans Bett bringt und sich zu Dir kuschelt, damit es Dir auch ganz schnell wieder besser geht!

    1. Hallo Conchita,
      lieben Dank für die Aufmunterung! Was du beschreibst klingt heftig, ich bin manchmal so abhängig von meinem Mann und seinen Eltern, ich habe einen riesen Resprekt vor Alleinerziehenden Frauen!

      Liebe Grüße
      Wioleta

  13. Das stimmt, die kleinen Mäuse sind es einfach gewohnt, dass Mama immer da ist und der Papa erst spät von der Arbeit kommt. Natürlich ist das dann eine andere Bindung, die auch schön ist, hat aber auch den “Nachteil”, dass Mama funktionieren soll, wenn es ihr selbst nicht so gut geht.
    LG Melli

    1. Hallo Melli,
      ja das stimmt, wobei ich nicht viel weniger arbeite wie mein Mann. Allerdings haben wir ja den Vorsprung von der Elternzeit, die die Männer nicht in der Länge wenn überhaupt mitmachen.

      Liebe Grüße,
      Wioleta

  14. Hi Wioleta!
    Ich bin zwar selbst noch nicht Mama, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass der Spagat zwischen der Mamarolle und dem “Man Selbst Sein” schwer sein kann manchmal.
    Deine Kinder brauchen dich natürlich auch sehr fest und immer, aber dennoch finde ich es vollkommen okay, wenn man mal nicht die “perfekte” Mama spielt und die Tage etwas langsamer laufen, weil es dir nicht gut geht.
    Alles Liebe,
    Theresa

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