Der perfekte Zeitpunkt

Der perfekte Zeitpunkt

Der Grund für diesen Artikel sind sogenannte Babybooms. Immer wieder kommt es vor, dass im Freundeskreis plötzlich alle schwanger werden und Babys bekommen. Mit diesem Eintrag möchte ich auf den perfekten Zeitpunkt für das erste, zweite, dritte, … Kind eingehen und wieso dieser tatsächlich nie kommt.

Wie alles begann

Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, war tatsächlich einer dieser Zeitpunkte, zu den man auf keinen Fall ein Kind bekommen sollte. Zwar hatte ich bereits eine eigene Wohnung und Erfahrung damit alleine zu wohnen, jedoch war ich gerade mal 20 Jahre alt, hatte einen guten Job im Fitnessstudio verloren und musste aus finanzieller Not einen Job mit fürchterlichen Arbeitszeiten und Kunden in einem Bahnhofskiosk anfangen. Auch mein Mann, der seit vielen Jahren Probleme mit seinen Gelenken hat und auf dem Bau gearbeitet hat, wurde gekündigt und wartete auf eine Umschulung. Wir zogen aus meiner 2 Zimmer Wohnung in eine nur etwas größere um und schlugen uns durch. Auch damals schien es so, als würde jeder, wirklich jeder in unserer Umgebung schwanger werden. Das Ende der Geschichte war, dass mein Vertrag im neuen Job aufgrund der Schwangerschaft nicht verlängert worden ist und mein Mann auf seine Umschulung verzichtet hat, um wieder auf den Bau zu gehen und seine Familie zu ernähren. Ich habe unser Einkommen mit Nachhilfe für Schüler aufgestockt und irgendwie ging es voran.

Tatsächlich haben wir uns dann auch nach und nach weiter entwickelt. Als meine Tochter 3 Monate alt war, habe ich die Chance auf ein EQJ im größten Konzern unserer Umgebung bekommen, das ein Jahr später begonnen hat und in ein Ausbildungsverhältnis mit Start ins 2. Ausbildungsjahr überging. Auch mein Mann wurde befördert, wir zogen in eine schöne große Wohnung und alles schien, als hätten wir es geschafft.

Das Geschwisterkind

Meine Tochter wird nächste Woche nun schon 4 Jahre alt und die Zeit ist wirklich sehr schnell vergangen. Seit ungefähr einem Jahr fragt sie mich, wann sie endlich eine kleine Schwester bekommen würde. Unser Grund, weshalb jetz der schlechte Zeitpunkt ist, war da immer: Mama geht noch zur Schule. Im Dezember ist mein Mann wieder krank geworden, hat seit Februar nun 3 Operationen am Knie hinter sich und hat seinen Job verloren. Jedoch hat er vom Arbeitsamt eine Zusage auf eine Umschulung erhalten, die im September anfangen würde. Es war jetzt Mai und ich hatte meine schriftlichen Prüfungen. Meine Tochter hat mich ganz direkt darauf angesprochen, dass Mama ja nun fertig mit der Schule ist und wann endlich ihre Schwester käme. Die Enttäuschung war von beiden Seiten sehr groß, dass nun Papa und nicht mehr Mama zur Schule gehen müsste und deshalb gerade kein Baby kommen könnte. Auch bei mir gibt es ein kleines großes Problem, das sich befristeter Übernahmevertrag schimpft. Und erst in zwei Jahren zu einem Unbefristeten übergehen kann. Also ist auch jetzt nicht der perfekte Zeitpunkt.

Wieso der perfekte Zeitpunkt nie eintritt

Diese Schleife kann man sein Leben lang weiter führen. Wenn mein Mann fertig mit seiner Umschulung ist, wird er auch in ein neues Arbeitsverhältnis übergehen. Wenn das der Fall ist, werde ich vielleicht eine Chance auf eine Beförderung haben. Und wenn das eintritt, möchten wir uns ein Haus kaufen und werden Geld brauchen.

Unsere Eltern hatten es oft einfacher. Damals hat niemand von einer Frau erwartet, dass sie ihre Karierte vorantreibt und es war aus finanzieller Sicht selten nötig, dass sie überhaupt Geld verdient. Heutzutage bekommt kaum ein Paar mehr ein Kredit, wenn beide nicht berufstätig sind, kann sich kein Haus kaufen oder bauen oder gar seine Lebenshaltungskosten decken. Mehrere Kinder zu haben bedarf eine überteuerte Wohnung, ein großes Auto, viele Unternehmungen, teure Kindergartenplätze. Unsere Gesellschaft richtet ihr ganzes Leben nur an Geld und Beruf aus. Es ist nicht mehr möglich, dass eine Frau zwei Kinder nacheinander bekommt, weil beim Zweiten das Elterngeld nicht mehr am Verdienst angerechnet werden kann. Und immer öfter sieht man, dass die Personen in unserer Umgebung mit einem viel späteren Alter Kinder bekommen. Jeder, der heutzutage in den 20ern ein Kind hat, wird fast schon zum Außenseiter gemacht, der sein Leben nie in den Griff bekommen wird, weil er sich das nie leisten können wird. In meinem Geburtsvorbereitungskurs war ich mit sehr großem Abstand die Jüngste, alle nach mir waren schon über 30 wenn nicht über 40 Jahre alt.

Auf dieses Thema möchte ich in einem weiteren Artikel über junge Mütter eingehen.

Oft machen sich auch Festangestellte Sorgen, ihre sichere Stelle zu verlieren und in eine andere Abteilung versetzt zu werden. Beruflich gesehen, dürften wir nie Kinder bekommen und besonders Frauen sind aus dieser Sicht IMMER benachteiligt.

Ein weiteres Problem ist oft aus gesundheitlicher Sicht. Zumindest bei uns ist dies der Fall. Meine Tochter kam aufgrund von Rhesuskonflikten als Frühchen zur Welt und der Verlauf einer weiteren Schwangerschaft wird in einem Termin in der Hämatologie Ende diesen Monats geklärt (zumindest darum habe ich mich bereits gekümmert). Oder weil es einfach Personen gibt, die nicht leicht schwanger werden, vielleicht viele Fehlgeburten riskieren müssen.

Manch andere können auch mit dem ersten Kind so sehr überfordert gewesen sein, dass sie davon abgeschreckt sind, ein zweites zu bekommen. Denn die heutige Gesellschaft fordert mehr Leistung von Müttern, die sich nur unter Druck setzen, um bestimmten Anforderungen gerecht zu werden. Es ist auch nicht mehr so, dass Familien in einem Haus wohnen, die eigenen Eltern sind zur Unterstützung nicht mehr in der Nähe, oft nicht einmal im Umkreis von 100 Kilometern. Oder die Paare trennen sich und ziehen ihre Kinder alleine auf.

Ergreift eure Chance

Wenn man sich jedoch immer und immer wieder in dem Kreislauf aus schlechten Zeitpunkten verliert, sieht er den tatsächlich perfekten Zeitpunkt nicht. Der Zeitpunkt, in dem ein Paar einfach weiß, dass es jetzt soweit ist. Wenn die Motivation groß genug ist, dass man es zusammen irgendwie schafft, aus einem gesellschaftlichen Rückschlag Schwung zu holen und auch die 9 Monate der Schwangerschaft dazu nutzen kann, alles aufzubessern. Denn auch wenn alles zum Zeitpunkt vor einer Schwangerschaft gut aussieht kann es sich in dieser Zeit zum Negativen wenden – oder eben auch umgekehrt. Dieser eine Zeitpunkt, zu dem man weiß, dass die Zeit, die uns bleibt, ausreicht, um unser Leben zurecht zu rücken. Und wenn man die Angst vor dem Scheitern überwindet darf man diesen einen perfekten Zeitpunkt nicht verpassen.

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2 Gedanken zu „Der perfekte Zeitpunkt

  1. Ich finde es gibt einfach für nichts den „perfekten“ Zeitpunkt! Weder für Kinder noch für Karriere … denn es gibt keine Zufälle und wenn es soweit ist, ist auch der Zeitpunkt der „richtige“. Also einfach nicht zu viel nachdenken und sich dem Fluss des Lebens anvertrauen :-).

    Liebe Grüße
    Verena

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