Das Beschäftigungsverbot – alles was ihr wissen müsst

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit – diesen Satz hört man oft von unbeteiligten, die sich nicht in die Situation hereinfühlen können. Doch so sehr man seinen Job mag, ist es oft der Fall, dass eine Schwangere ihn nicht mehr ausführen kann oder darf. Viele von uns quälen sich durch diese Monate durch und stellen sich oft die Frage “habe ich ein Recht auf ein Beschäftigungsverbot?”. Und wer finanziert das Ganze? Schließlich dient dieser Absatz des Mutterschutzgesetzes zum Schutz der Schwangeren.

Ich habe in diesem Beitrag viele wichtige Tipps und Informationen aus den Artikeln im Netz gesammelt und sie gekürzt formuliert.

Definition “Beschäftigungsverbot”

Das Wort Beschäftigungsverbot ist nicht gleichzusetzen mit einer Krankschreibung. Es wird für die komplette oder teilweise Schwangerschaft ausgestellt, wenn der Mutter oder dem Ungeborenen ein gesundheitlicher Schaden durch den ausgeführten Beruf entstehen kann, nicht wenn bereits ein Schaden eingetreten ist. Wenn Mutter oder Kind krank sind, wird die Nichtbeschäftigung auch als Krankschreibung, also Arbeitsunfähigkeit gehandelt.

Generelles Beschäftigungsverbot

Das generelle Beschäftigungsverbot wird meist vom Arbeitgeber ausgesprochen. Hier geht es darum, dass der Beruf selbst eine Gefahr für das Ungeborene darstellt. Dies ist oft in Branchen der Fall, die viel mit Chemikalien zu tun haben oder bei sozialen Berufen wie Erzieher (wegen vieler Kinderkrankheiten) oder Altenpfleger. Auch in Branchen wie dem Einzelhandel kommt es zu Beschäftigungsverboten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, der schwangeren Mitarbeiterin eine Stelle anzubieten, in der keine Gefahr für die Schwangerschaft besteht und die sich an alle Vorgaben des Mutterschutzgesetzes hält. So könnte eine Verkäuferin ausschließlich an der Kasse arbeiten. Sobald der Arbeitgeber dies nicht bieten kann, und die Verkäuferin schwere Waren tragen und einsortieren muss, ist er verpflichtet, sie frei zu stellen. Wenn der Arbeitgeber sich weigert, ein Beschäftigungsverbot aus zu stellen, kann dies auch der Frauenarzt oder der Hausarzt tun.

Individuelles Beschäftigungsverbot

Neben den allgemeinen Regelungen gibt es auch persönliche Gründe, die der Schwangeren nicht erlauben, eine Beschäftigung auszuüben. Die Schwangerschaftsbeschwerden variieren von Frau zu Frau und können diese mehr oder weniger beeinträchtigen. Wichtig ist aber, dass die Beschwerden durch die Schwangerschaft ausgelöst werden. Dazu gehört eine starke Übelkeit, Schmerzen, die von der Tätigkeit hervorgerufen werden oder eine Unverträglichkeit gegenüber Gerüchen, den Du während der Arbeitszeit ausgesetzt bist. In diesem Fall muss der Frauenarzt oder Hausarzt beurteilen, ob ein Beschäftigungsverbot ausgestellt werden kann und darf.

Alternativ kann auch ein Teilbeschäftigungsverbot ausgestellt werden, wenn die Schwangere zum Beispiel nicht mehr fähig ist, 8 Stunden zu arbeiten und stattdessen 4 Stunden täglich kommen soll.

Aufhebung des Beschätigungsverbots

Achtung: wenn sich die Umstände am Arbeitsplatz ändern oder der behandelnde Arzt die Schwangerschaftssymptome nicht mehr als gefährdend sieht, kann das Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft aufgehoben werden. Dann müsste die Schwangere an ihren Arbeitsplatz zurück kehren. Somit werden beispielsweise verbliebene Urlaubstage erst zum Jahresende ausbezahlt und die Zeitkonten für gewöhnlich eingefrorren.

Beschäftigungsverbot während der Arbeitslosigkeit

Lässt eine Schwangere, die in keiner Beschäftigung ist, ein Beschäftigungsverbot ausstellen, so ist sie nicht mehr durch das Arbeitsamt vermittelbar und kann ihren Anspruch auf das Arbeitslosengeld verlieren!

Gehalt während dem Beschäftigungsverbot

Das Mutterschutzgesetz schützt die Schwangere und besagt grundlegend, dass der Schwangeren durch das Beschäftigungsverbot kein Nachteil entstehen darf.

Die Höhe des Entgelds

Das Entgeld muss die mitlere Höhe aus dem gewöhnlichen Gehalt betragen. Wer einen festen Betrag erhalten hat, bekommt genau diesen weiterhin gezahlt. Frauen, die vor der Schwangerschaft geschichtet haben und deren Gehalt somit durch die Zuschläge variiert hat, muss den mittleren Wert (also den Durchschnitt) der letzen 12 Gehälter erhalten. Auch bei einer generell einretenden Gehaltserhöhung darf die Schwangere nicht benachteiligt werden.

Sonderzahlungen

Manche Arbeitgeber zahlen den Arbeitnehmern Sonderzahlungen in Form von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder einer Gewinnbeteiligung. Diese werden auch während eines Beschäftigungsverbots und später während des Mutterschutzes an die Schwangere oder Mutter gezahlt. Während dem Mutterschutz bekommt die Schwangere ebenfalls Urlaub gezahlt (zum Beispiel 8 Wochen Mutterschutz nach Geburt ergeben 4 Tage nicht angetretenen Urlaub). Dieser Anspruch entfällt jedoch in der Elternzeit.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitgeber selbst zahlt der Angestellten weiterhin das volle Gehalt. Er kann einen Teil des Gehalts jedoch im Zweifelsfall bei der Krankenkasse der Schwangeren beantragen.

Entgeld bei einer Arbeitsunfähigkeit

Spricht ein Arzt bei der Schwangeren eine Areitsunfähigkeit, also eine Krankschreibung aus, rutscht diese nach 6 Wochen in das sogenannte Krankengeld. Dieses wird von der Krankenkasse gezahlt und beträgt etwa 60 % des generellen Gehalts der Angestellten. Dieser Betrag wirkt sich wiederum auf das Elterngeld aus!

Wart ihr schon in einem Beschäftigungsverbot? Seht ihr weitere Themen, die in diesem Artikel behandelt werden müssten? Dann hinterlasst mir einen Kommentar! Mein Blog lebt von eurer Interaktion. Durch Feedback kann ich meinen Lesern bessere und qualitative Artikel bieten und alle Fragen beantworten! Vielen Dank 🙂

 

 

26 Antworten auf „Das Beschäftigungsverbot – alles was ihr wissen müsst“

  1. Ich stecke zwar aktuell nicht in der Kinderplanung, aber von Bekannten höre ich immer wieder, wie nervig dieses Thema doch ist. Deinen Beitrag finde ich sehr verständlich, ich werde ihn definitiv weiterempfehlen 🙂 Vielen Dank dafür!

  2. Schöne Zusammenfassung! Schwangerschaft in Deutschland ist bei mir ja schon eine Weile her u. damals war Beschäftigungsverbot noch nicht so üblich. Hier in Norwegen ist es alles etwas anders.

    Lg aus Norwegen
    Ina

  3. Hallo,

    herzlichen Dank für den tollen Artikel. Das letzte Baby ist bei uns schon ein bisschen her und beim neuen, welches gerade auf dem Weg ist, haben wir uns mit dem Thema noch nicht beschäftigt, oder nicht beschäftigen müssen, da meine Frau einen ganz anderen Beruf als beim ersten Kind ausübt. Diesmal kann sie wesentlich länger ohne Beschäftigungsverbot arbeiten, da der neue Arbeitgeber wesentlich mehr auf die schwangeren Mitarbeiterinnen achtet als es der alte getan hat.

    Liebe Grüße
    Blog-Pirat
    https://blog-pirat.com

  4. Ich hatte in der Ss auch ein Beschäftigungsverbot (individuell) und bin so froh gewesen, dass es diese Schutzmaßnahme gibt für werdende Mamas. Als kleine Ergänzung: Bei der Krankschreibung kannst du vielleicht erwähnen, dass Beamtinnen nicht ins Krankengeld rutschen. Sie bekommen ihre vollen Dienstbezüge weiterhin ausgezahlt. 🙂

    LG
    Steph

  5. Liebe Wioleta,

    ein sehr schön zusammengefasster Beitrag. Den hätte ich auch gern vor sieben Jahren gern gelesen. Aber ich lege ihn mir in meinen Favoriten ab, die nächste schwangere Freundin kommt bestimmt.

    Liebe Grüße,
    Mo

  6. Danke für die tollen Infos. Ich bin zwar noch nicht schwanger, aber irgendwann bald kommt das Ganze auch auf mich zu. Ich habe 2 Freundinnen, die schwanger sind. Die beschäftigen sich auch gerade mit dem Thema, denn eine hat nun auch ein Verbot, weil sie ständig Kreislaufprobleme hatte.

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  7. Oh wow, erst vorgestern habe ich mir die Finger wund gegoogelt, weil bei uns die Kinderplanung ansteht und ich definitiv ein Beschäftigungsverbot bekommen werde. Da kam dein Beitrag wirklich zum richtigen Zeitpunkt. Du hast das so übersichtlich geschrieben, dass ich jetzt endlich mal bescheid weiß und mir nicht seitenlange Berichte durchlesen muss!
    Vielen lieben Dank!

    1. Liebe Sarah, das freut mich, dass ich dir helfen konnte! Schau dich gerne mal auf dem Blog um, Ich habe viele Artikel zu Kinderwunsch und Schwangerschaft

  8. Hey meine Liebe!

    Ein fantastischer Beitrag, super infomativ und vor allem auch enorm wichtig. Mich trifft dieses Thema erst in ein paar Jahren, aber ein Großteil von meinen Freundinnen müssen sich gerade auch damit rumschlagen.

    Liebe Grüße aus Stuttgart!

  9. Hi Wioleta!

    Es ist noch gar nicht so lange her, da hat mich dieses Thema selbst betroffen. Damals wäre ich dankbar für so eine knackige Zusammenfassung gewesen. Ich bin sicher, dass dieser Artikel vielen werdenden Mamas weiterhelfen wird!

    Hab ein schönes Wochenende!

    Beste Grüße aus Tirol,
    Corinna

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