Das musst Du bei wütenden Kindern beachten – Tipps für ein entspannteres Zusammensein

Wie auch wir Erwachsene sind auch Kinder ganz eigenen Individuen und entwickeln bereits jetzt ihre eigene Persönlichkeit. Kein Wunder, dass es jetzt schon große Unterschiede des Charakters gibt und jedes Kind anders tickt. Es gibt Kinder, die sind die Ruhe selbst: geduldig gehen sie an gewisse Aufgaben heran, strahlen immer sehr viel Lebensfreude aus und sind immer für gemütliche Zeiten zu haben. Und es gibt Kinder, die in der Trotzphase hängen bleiben und diese bis in die Pubertät ziehen. Sie haben ihren völlig eigenen Kopf und setzen diesen durch, komme was wolle. Sie scheinen eine gewisse Energie aufzusaugen und diese zu versprühen. Und sie gehen öfters mal durch die Decke. Und natürlich gibt es viele Kinder, die irgendwo dazwischen hängen.

Doch auch genauso wie wir, haben die wütenden Kinder meist ihre Gründe, weshalb sie so hoch fahren. Es gibt immer irgendwas, was ihre Laune auf den Tiefpunkt zieht. Und ganz oft färbt sich das auch auf uns Eltern aus. Ich habe letztens sehr viele verzweifelte Momente, an den ich einfach nicht mehr weiß, wie ich zu meiner Tochter durchdringen soll. Und ich merke immer mehr, dass das auch meine Laune nach unten zieht und wir am Ende in einem Kreislauf aus Wut aufeinander dastehen und nicht mehr weiter können. Deshalb habe ich mich nun tiefer damit beschäftigt, was mein Kind so wütend macht und habe mir Regeln erstellt, um das Miteinander entspannender zu gestalten.

Das Kind als Spiegel unseres Selbst

Kennt ihr das, dass manche Personen schlecht gelaunt euren Weg kreuzen und automatisch auch eure Laune runter ziehen? Genau das habe ich schon oft bei uns daheim beobachten können. Wenn ich morgens aufwache und es einfach “nicht mein Tag” ist, dann spielt nicht nur alles andere verrückt, sondern vor allem auch mein Kind. Bin ich selbst jedoch relativ positiv gestimmt, dann stehen die Chancen ganz gut, dass der Alltag mit Kind auch klappt.

Das bedeutet nicht, dass ausschließlich Deine Laune die Deines Kindes beeinflusst, aber dass es so zurück hallt, wie man in den Wald hinein ruft. Und besonders Kinder ahmen sehr gerne das Verhalten von uns Erwachsenen nach, denn wir dienen ihnen schließlich als Vorbilder. Und bei genauerer Betrachtung habe ich hier und da tatsächlich Worte und Sätze bei ihr aufgeschnappt, die auch wir gerne mal in der Wut von uns geben. An einem besonders schlechten Tag hat sie das komplette Reportoir auf einmal parat.

Natürlich können wir, erwachsen hin oder her, unsere Launen nicht komplett unterdrücken und es ist auch wichtig, vor den Kindern Gefühle zu zu lassen. Doch ich merke meist, dass meine Wut auf ihre Reaktion mit Wut beantwortet wird. Aber wir dürfen uns nicht in dieser Negativität verfangen, denn dieser Kreislauf aus Schimpfen aufeinander wird den restlichen Tag nie durchbrochen. In diesem Fall hilft es mir meist, kurz aus dem Raum zu gehen, mich zu fangen und ruhig weiter zu machen. Nur dann kann ich sie aus ihrem Wahn runter holen.

Neuer Tag, Neues Glück?

Kinder verzeihen meist schneller als Erwachsene, denn sie leben im Hier und Jetzt und nicht in der Vergangenheit. Deshalb versuche ich jeden neuen Tag als eine neue Chance zu sehen. Und nur weil der letzte mit einem Wutausbruch beim Umziehen und Zubettgehen geendet hat, muss es nicht heißen, dass der nächste genauso beginnen muss (auch wenn wir das meist an der Nacht noch merken).  Auch hier brauchen wir unser positive minds und müssen selbst für uns entscheiden, dass der neue besser wird.

In meiner Ausbildung habe ich an einem Workshop zur “steigerung der inneren Wirkung” gemacht. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Vorstellungs-Methode. Denn wenn ich mir vorstelle, ein Ziel zu erreichen und daran denke, wie ich es mache, dann habe ich schon den Grundstein gelegt, es zu erreichen. Wenn ich mir also vorstelle, wie ich einen guten Folgetag mit meiner Tochter habe, dann stehen die Chancen gut, dass ich eben diesen haben werde. Und das muss ich nur noch ausstrahlen!

Fehler zu machen ist ok

Das ist eine ganz wichtige Lektion, die ein Kind und ein Erwachsener lernen muss, um seine Frustrationstoleranz zu verbessern. Es ist menschlich Fehler zu machen und anschließend daran zu arbeiten. Gewisse Personen neigen dazu, ihren Frust in Wut zu verarbeiten und geben ihre Ziele zu schnell auf. Meine Tochter zum Beispiel ist ein sehr ungeduldiger Mensch – was ich übrigens auch bin. Wenn die Jacke nicht wie gewollt zugeht, dann wird sie schon mal von sich gerissen, durch die Gegend geworfen und auf dem Boden gestampft gefolgt von einem “ich kann auch gar nichts” (an dieser Stelle muss ich mir auf die Lippe beißen, denn das gehört definitiv zu den Sätzen, die schon von mir kamen). Wir müssen unseren Kindern beibringen, dass es ok ist, dass etwas das eine Mal nicht geklappt hat und besser wird, wenn es sich jetzt kurz darauf konzentriert.

Schon gelesen? Wie wir die Resilienz unserer Kinder stärken und sie zu erfolgreichen Menschen machen, könnt ihr hier nachlesen

Unterschätze nie die Persönlichkeit deiner Kinder

Leider gibt es in dieser Gesellschaft den Trend, allem einen Namen zu geben. Kinder, die besondere Charakterzüge besitzen, werden somit als “Hochsensibel” abgestempelt, im schlimmsten Fall leiden sie an ADHS. Es ist einfacher für uns, dem Zustand einen Namen zu geben und etwas auf ein Merkmal oder eine Charakterstörung zu schieben, als einfach nur zu akzeptieren, dass Kinder unterschiedliche Persönlichkeiten haben und nicht nach Schema X funktionieren. Sie möchten sich entwickeln und innerlich wachsen und darin müssen wir sie bestärken. So wie wir erwarten, dass wir akzeptiert werden, wie wir sind, müssen wir auch endlich unser Kind als eine eigene Person wahrnehmen. Denn die Erwartung, dass jemand so oder so handeln muss verursacht Frust und der führt zur Wut – und das endet wieder einmal in einem Kreislauf aus Verzweiflung.

Die Selbstständigkeit unserer Kinder, helfen ihnen zu mehr Selbstvertrauen. Doch es sind wir Eltern, die diese bremsen! Wie Du Dein Kind in seiner Selbstständigkeit stärken kannst, findest Du hier.

Wut als wichtig akzeptieren

Doch wichtiger, als zu versuchen, gegen die Wut des Kindes vorzugehen ist es, genau diese zu akzeptieren. Du kennst sicher die Momente, wenn etwas schief läuft und Du einfach mal Luft ablassen musst. Meist rufst Du jemanden an, um mit ihm darüber zu sprechen. Oder Du lässt einfach einen Schrei los und bist somit etwas Wut los geworden. Dein Kind kann eben dieses Verlangen nicht so steuern und verliert sich manchmal in dem Auslassen. Es ist aber wichtig, dass es seine Gefühle versteht und zulässt, damit es lernen kann, damit umzugehen. Unterdrückte Gefühle aus Furcht, weil es sich eben so nicht gehört, können schlimme Folgen in der Jugend haben.

Wir als Eltern haben hier die Aufgabe unsere Kinder durch die Wut zu begleiten. Das bedeutet nicht, dass diese alles tun dürfen, was sie wollen. Wir müssen aber vermitteln, dass Wut normal ist und den Kindern helfen, damit richtig umzugehen und Grenzen zu akzeptieren. Je mehr ihr das übt, umso besser wird das irgendwann funktionieren (wenn es nicht gleich funktioniert, denke daran, Fehler zu machen ist ok!). Und wenn Du in diesem Zeitpunkt des (Selbst-)Zweifels zu Deinem Kind hälst, ist es nicht frustriert und verängstigt, weil es alleine durch dieses Gefühl durch muss.

Was machst Du, wenn Dein Kind wütend ist? Was hilft euch, das als Team durch zu stehen? Und welche Situationen lösen dies aus? Ich freue mich auf Kommentare!

14 Antworten auf „Das musst Du bei wütenden Kindern beachten – Tipps für ein entspannteres Zusammensein“

    1. Liebe Annette,
      Ich finde das selbstverständlich den Fehler erstmal bei sich selbst zu suchen. Kinder nehmen verhalten immer von anderen auf. Die Eltern stehen da einfach am nächsten

  1. Meine Liebe,

    du triffst gerade genau meinen Nerv, denn wir stecken hier auch in dieser Phase. Mein Sohn bringt mich derzeit auch oft an meine Grenzen und das schlägt sich auf meine Laune nieder. Das ist wirklich ein Kreislauf, aber wenn man akzeptiert, dass Wut wichtig ist, dann kann man aus dem Blickwinkel vielleicht besser damit umgehen.

    Liebe Grüße
    Chris

    1. Liebe Christine,
      langsam muss ich sagen, dass ich wirklich beruhigt bin. Ich habe nun so viel Feedback erhalten und weiß deshalb genau, wir sind nicht mit dem Problem alleine! Wut scheint bei vielen Kindern normal zu sein und gehört eben dazu, damit diese lernen, mit den Gefühlen umzugehen

  2. Ein richtig schöner Beitrag. Ich als gelernte Erzieherin kann natürlich allem total zustimmen 🙂 Besonders wichtig findet ich immer neue Chancen zu geben. Wie du schon schreibst – die Kids verzeihen viel schneller und machen Dinge ja nicht, weil sie gemein sein wollen. Meist geht’s einfach mit ihnen durch 🙂

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  3. Gerade heute morgen ( Sonntag, 8 Uhr) hat es im Nachbarsgarten DRAMEN gespielt. Die 13 jährige Tochter hat gebrüllt geheult, hysterisch geschimpft. Beim näher hinhören ( hey ich wurde durch ihren Wutausbruch am SONNTAG um 8 Uhr aufgeweckt. Da darf man auch mal hinhören) war der Grund, dass der Vater meinte, sie solle erst NACH dem Frühstück in den Pool springen. Ja gut. Den Link hab ich kopiert – der Mutter hab ich Deine Seite geschickt. In grosser Hoffnung, dass meine Nachbarn ihre Tochter irgendwie wieder in den Griff bekommen und ich endlich Sonntags mal wieder aussschlafen kann. 🙂 VLG Marion

  4. ohh deine Tipps kann ich echt gut gebrauchen liebe Wioleta! auch wenn ich keine eigenen habe, mein kleiner Neffe ist ein richtiger Bock und da weiß ich manchmal auch nicht mehr weiter 😉

    ich finde es einen sehr interessanten und auch wichtigen Aspekt, dass man die Persönlichkeit des Kindes nicht unterschätzen sollte 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

    1. Liebe Tina,
      Ich finde das so toll, wie viel Zeit du mit Deinem Neffen verbringst und dir immer ein Kopf machst. Meine Schwestern sehen meine Tochter nur alle paar Monate wenn wir uns zufällig bei meiner Mutter begegnen 🤷‍♀️

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