Das große Kind auf sein Geschwisterchen vorbereiten – unsere Tipps

Manchmal staune ich selbst darüber, welche Wunder die Welt über uns Menschen bringt. Vor ganzen fünf Jahren kam meine große Tochter zu Welt. Ich hatte mit ihr eine wunderschöne Schwangerschaft, anfangs komplett ohne Komplikationen oder Übelkeit und konnte sie in vollen Zügen genießen. Beim zweiten Kind habe ich dieses Glück leider nicht. In der 16. Schwangerschaftswoche angekommen bin ich immer noch tierisch müde, mit allem überfordert und habe nur noch Schmerzen. Und ich habe eine große Tochter, die nach einem langen Arbeitstag Aufmerksamkeit braucht und eigentich die Zeit genießen will, in der sie ihre Mama noch nicht teilen muss. Damit sie sich nicht benachteilig fühlt und auch später keinen Groll gegen das neue Familienmitglied hegen kann, setzen wir nun alles daran, um sie auf die Zeit mit dem Baby vorzubereiten und versuchen ihr beizubringen, dass es jetzt schon ein Mensch ist und Gefühle und Bedürfnisse hat. Sie darf die ganze Schwangerschaft voll und ganz miterleben. In diesem Beitrag möchte ich euch erklären, wie genau wir unsere Tochter auf die große Veränderung vorbereiten.

In diesem Bauch wächst Dein Geschwisterchen

Was mir ganz besonders wichtig ist, ist ihr beizubringen, dass dieses Kind, das bald kommen wird, nicht irgendein fremdes Baby ist. Es ist jetzt schon ganzer Teil der Familie. Deshalb versuchen wir, von dem Begriff “das Baby” weg zu kommen. Sie soll sich nicht durch den Neuankömmling bedroht fühlen. sondern das Gefühl haben, ihn jetzt schon kennen zu lernen. Wir reden somit meist von “deinem Geschwisterchen”. Um ihm die Ankunft in dieser Welt angenehm zu machen, darf sie voll und ganz mithelfen: sie ist in die Namenswahl voll eingebunden (unser Limit lag jedoch dabei, dass es im Falle einer Schwester nicht eine Elsa werden würde), darf Klamotten und Möbelstücke mit aussuchen und durfte sogar schon an einem Kontrolltermin teilnehmen und es live auf dem Bildschirm über den Ultraschall sehen (leider hat es ausgerechnet an diesem Termin geschlafen, sonst ist es immer sehr aktiv). Sie gibt ihrem Geschwisterchen jeden Tag, wenn sie in den Kindergarten geht, einen Kuss und kuschelt abends mit Mama und dem Baby, ABER

Sie ist immer wichtig

Trotz dass wir nun ein 4er Gespann werden und es nicht mehr nur Mama, Papa und Kind gibt, gilt sie als Individuum ganz besonders und darf nicht im ganzen Baby Fieber untergehen. Deshalb bestelle ich zum Beispiel ihr etwas mit, wenn ich Babykleidung kaufe und auch wenn wir das Geschlecht noch nicht kennen und die beiden sich später ein Zimmer teilen werden, wurde kein neutraler, sondern ein Mädchen-Bürostuhl bestellt. Manchmal sind es schon ganz kleine Gesten, die dem großen Kind zeigen können, dass es immer noch sehr wichtig ist und als einzelne Person zählt. Dazu zählt auch Zeit, die wir mit ihr verbringen und Unternehmenungen mit ihr, die ihr wichtig sind. Trotz der Schwangerschaft wurde ein großes Geburtstagsfest und ein Kindergeburtstag gefeiert. Das letzte, was ich möchte, ist ihr zu vermitteln, dass wir keine Kraft oder Zeit mehr für sie haben, nur weil noch ein zweites Kind auf dem Weg ist.

Sie kennt meine Grenzen

Doch auch wenn ich mich manchmal noch so sehr bemühe, für sie da zu sein, manchmal habe ich, nachdem ich nach 10 Stunden heim komme, einfach nicht mehr die Kraft und den Nerv wirklich für sie da zu sein. Deshalb wurde auch sie eingeweiht, dass Mama in bestimmten Situationen eine Pause braucht. Und das hat sie wirklich wunderbar verstanden und umgesetzt.  Letzte Woche hatte ich an einem Tag so schlimme Rückenschmerzen vom Sitzen den ganzen Tag, dass ich es abends einfach nicht hin bekommen habe, die Spülmaschine ein zu räumen und einfach in Tränen auf dem Sofa zusammen gebrochen bin. Das eigentlich so kleine Mädchen ist den Papa verständigen gegangen und hat mir mit der Maschine geholfen und sich anschließend alleine ohne einen Mucken umgezogen. Und das war der Moment an dem ich wusste, dass ich alles genau richtig vermittelt habe. Es gibt Kinder, die verstehen das als Unlust, nach ihnen zu sehen. Wenn sie jedoch so viel Verständnis und Mitgefühl entwicklen konnten, dann weiß ich genau, sie hat die Situation verstanden. Und ich staune immer öfter darüber, wie reif sie sich manchmal schon verhält, was als Einzelkind nicht geklappt hat.

Oft ist es so, dass ich eine kurze Pause von Allem brauche. Am Anfang hat das auch wirklich nicht funktioniert, denn sie kam trotzdem alle 5 Minuten und wollte dies und das und hat es einfach nicht verstanden, wieso das jetzt nicht geht. Es hat viele Gespräche gebraucht, ihr bei zu bringen, dass dass Mama manchmal mehr Kraft verbraucht, weil sie Dinge für zwei machen muss und es nichts mit ihr zu tun hat. Ich habe ihr auch zu verstehen gegeben, dass ich viel lieber etwas mit ihr machen würde, als jetzt rum zu sitzen, aber meine Kraft dazu gerade einfach fehlt. Vorletzte Woche war ich mit ihr daheim, da sie eine Magen Darm Grippe hatte. Nachdemich die ganze Nacht ein spuckendes Kind im Bett liegen hatte und zur Krönung um 2 Uhr nachts die ganze Bettwäsche wechseln musste, wr ich am Mittag völlig ausgelaugt! Und sie hat mich sogar eine halbe Stunde düsen lassen, um wieder etwas zu mir zu kommen, bevor ich mit ihr spielte (wundersamerweise werden Kinder ziemlich schnell wieder fit nach einer Krankheit, während die Eltern hinterher hinken).

Und manchmal, wenn mir die Kraft fehlt und sie mich so sehr braucht, dann entspannen wir uns einfach zusammen und nehmen uns in den Arm und geben uns gegenseitig so viel Kraft, dass wir danach alles schaffen können.

Papa ist gewohnt zu übernehmen

Was uns auch wirklich wichtig ist, ist die Teamarbeit als Paar. Was früher nur unter Mamas Aufgaben fiel, wird jetzt fair zwischen Mama und Papa aufgeteilt. Das ist mir nicht nur jetzt eine riesen Stütze – auch wenn das Baby später da ist und zum Beispiel hunger hat, während die große ins Bett muss, wird sie es nicht als Ablehnung verstehen, wenn mal Papa sie ins Bett bringt, wenn er es jetzt schon hin und wieder tut. Er fungiert voll und ganz als Ansprechperson und geht auch mal abends zu ihr wenn sie nicht schlafen kann. So kann er mir auch später immer den Rücken freihalten

Ganz viel Liebe

Doch das aller wichtigste ist, dass jedes Kind weiß, dass ganz viel Liebe für alle da ist! Denn Liebe ist etwas, das man nicht auf mehrere Personen teilen muss, sondern das sich verdoppelt, je mehr man davon braucht! Und das wird mein Kind jedes für sich wissen, dass ich es über alles liebe!

17 Replies to “Das große Kind auf sein Geschwisterchen vorbereiten – unsere Tipps”

  1. Ein sehr schön geschriebener Beitrag. Das klingt wirklich nach einer tollen Strategie. Ich kann mich ehrlich gesagt nur noch daran erinnern, dass ich mich mega auf meinen kleinen Bruder gefreut habe.. Meine Eltern haben aber irgendwie gar nicht so richtig darauf vorbereitet. Allerdings finde ich das super wichtig.. Kinder begreifen ja noch gar nicht, was passiert. (je nachdem wie alt sie sind )

    Liebste Grüße,
    Sarah

    http://www.vintage-diary.com

    1. Wie alt seid ihr denn auseinander? Ich habe auch das Glück dass sie sich von selbst aus interessiert. Jetzt ist es total spannend, weil sie das Baby auch spüren kann, wenn es strampelt… Ich glaube sie wird eine tolle Schwester

  2. Sehr gut geschrieben. Viel Einbindung in den Prozess (wie sich das anhört ^^) ist total wichtig – also, kann ich mir vorstellen. Wenn die Geschwister wissen was passiert und warum, fühlen sie sich viel eher auf Augenhöhe und sind daher sowieso von Grund auf viel Verständnisbereiter.
    Wünsch euch ganz viel Spaß zu 4. 😀
    Liebe Grüße,
    Tama <3

  3. Ich finde es wirklich sehr schön das ihr eure Tochter so mit einbezieht. Für Kinder denke ich das nicht so einfach wenn dann das Neugeborene anfangs mehr Aufmerksamkeit benötigt.

    LG Jasmin

    1. Ja das dachten wir auch! Sie hatte am Anfang eine Phase, in der sie Angst hatte dass wir sie dann nicht mehr lieb hätten. Da wusste ich, dass wir handeln müssen

  4. Ganz toll, wie du deine Tochter mit einbeziehst. So gibst du ihr die Chance zu begreifen und gleichzeitig, dass sie sich auch wichtig und bedeutend fühlt. Das ist wirklich grandios.

    Ich wünsche euch alles Liebe und Gute für die Zukunft.

    Liebe Grüße,
    Mo

  5. Es ist schon spannend, was ist der Zeit passiert 🙂 Ich beobachte das auch immer mit Spannung im Familien- und Freundeskreis und bin schon gespannt ob und wie ich das hinkriege. Ich möchte nämlich auch gerne zwei Kinder bekommen.
    Liebe Grüße,
    Emilie

  6. Ich bekomme richtig Gänsehaut, wenn du so von eurem Umgang miteinander erzählst! Wenn ein kleines Kind so rücksichtsvoll handelt, spiegelt es im Grunde nur, was es selbst erfährt und fühlt sich offenbar sicher und gesehen. Ich hoffe, dass wir das auch so gut hinbekommen, wenn unser Wirbelwind irgendwann einmal große Schwester wird. Ich wünsche dir noch eine gute Schwangerschaft und dass deine große Kleine sich weiterhin auf das Geschwisterchen freut!

    1. Vielen Dank liebe Josi!
      Wenn ihr noch eine Weile wartet, dann sicherlich. Ich glaube wenn sie jünger wäre, würde sie das gar nicht so bewusst mitbehmen

  7. Ihr macht das schon ganz richtig! Wir haben das ganze schon 3 mal durch ;-), also 4 Kinder bzw. noch 2xmal mehr, durch 2 Fehlgeburten. Interessant das Ganze noch an die verschieden Alter an zu passen und auch die Ängste die durch die Fehlgeburten entstanden sind bei den Kindern, die damals auch schon älter waren. Dann wünsche ich dir und euch noch eine gute Restkugelzeit.

    LG aus Norwegen
    Ina

    1. Oh nein das wusste ich ja gar nicht! Ich wüsste nicht, wie ich einen Verlust meiner großen beibringen soll, das muss euch alle viel Kraft gekostet haben!
      Toll, dass ihr das überstanden und trotzdem nochmal versucht habt

  8. Danke für deinen interessanten und absolut hilfreichen Beitrag, das hört sich alles sehr sinnvoll an. Wie mans letztendlich dann selbst macht, wenn der Moment gekommen ist, das ist sowieso irgendwie Gefühlssache und mit ein bisschen gesunden Menschenverstand ganz individuell handzuhaben. LG Ina

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