Daran merkst du, dass dir alles zuviel wird

An dieser Stelle möchte ich ein ziemlich sensibles Thema ansprechen. Ich habe in den letzten Jahren / Monaten und vor allem Wochen gemerkt, dass ich immer angespannter werde und mich sehr viele Sachen extrem überfordern. Und in immer mehr Gesprächen fallen Sätze wie: “Wio. pass auf, dass du keinen Burnout bekommst”. Und wenn ich mich selbst so beobachte, merke ich immer mehr, dass ich die Bremse ziehen sollte. Deshalb möchte ich euch hier meine Merkmale mitteilen, die mir gezeigt haben, dass mir alles, wirklich alles völlig über den Kopf wächst. Und wenn Du auch diese Merkmale an dir findest, solltest Du dir überlegen, ob Du nicht die ein oder andere Überforderung weglassen solltest.

Du wirst grundlos wütend

Mit Wut meine ich hiermit nicht, dass Du ausrastest und alles um dich wirfst und es kaputt schlägst. Ich meine damit dieses Drücken in der Brust, in Situationen, auf die Du normalerweise völlig gelassen reagieren würdest. Und dann merkst Du, wie du immer pampiger wirst zu deiner Familie, deinen Freunden und auch deinen Kollegen gegenüber. Du meinst es in dem Fall vielleicht gar nicht böse und willst auch keinem Weh tun. Aber Du fühlst dich plötzlich einfach wütend. Manchmal kann es dich völlig aus der Bahn werfen, wenn eine Gabel schief liegt und schon wirst du einfach nur genervt.

Heute zum Beispiel hatte ich auch so eine Situation. Wir waren mit Kids und Freunden im Zauberwald spazieren. Und kaum sind wir angekommen, war es mir insgesamt einfach zu viel. Mir war kalt, ich war müde, ich wurde hungrig, ich hatte keine Lust irgendwo hin zu gehen und wollte einfach nur ins Bett und schlafen. Damit war nicht gemeint, dass ich keine Lust hatte, etwas zu unternehmen oder auf irgendjemanden wütend war – ich war einfach nur generell genervt, weil das Wochenende so gut wie vorbei war und mir nichts gepasst hat, egal was man mir in diesem Moment gutes getan hätte. Womit wir beim zweiten Punkt angekommen wären.

Du kannst dich über nichts wirklich freuen

Eigentlich meinen es alle nur gut für dich und Du hast so viel erreicht und bist jemand? Du hast eine tolle Familie, einen tollen Job, dein Partner würde alles für dich tun und eingentlich hast Du gar nichts, worüber Du meckern könntest. Aber irgendwie ist es doch nicht so ganz, was Du wolltest. Dein Partner wollte Dir eine Freude machen und hat die Wäsche eingeräumt, aber leider hängt nichts wo es sollte? Du hast einen Beruf bekommen, in dem Du voll aufgehst, aber Du hättest gerne mehr Zeit für andere Sachen? Du hast eine traumhafte Wohnung, aber leider an der Hauptstraße und möchtest lieber doch wegziehen? Du überlebst einen Tag nach dem anderen, ohne etwas zu finden, was dich wirklich glücklich gemacht hat? Dann solltest Du dir die Frage stellen, ob es irgend etwas gibt, das dich glücklich machen kann, oder ob Du schon so in deiner Überforderung feststeckst, dass es eigentlich gar nicht möglich ist, einen positiven Aspekt daraus zu ziehen. Denn dann wird es an der Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Du hast keine Motivation mehr

Meine sinkende Motivation began gegen Ende meiner Ausbildung. Wo ich im ersten Jahr noch so viel gelernt habe und irgendwann begann, zum Ausgleich etwas Sport zu machen, wurde das Lernen und die Hobbies immer weniger. Und je schlechter meine Noten wurden (sie waren nie wirklich schlecht, aber eben nicht überragend genug) und je weniger Veränderung ich an meinem übertrainierten Körper sah, umso weniger Lust hatte ich, noch etwas dafür zu tun. Ich war immer ein Mensch, der gerne Herausforderungen auf sich nahm. Mittlerweile habe ich eine gewisse Komfortzone erreicht, in der ich einfach nicht mehr wirklich aus mir herauskomme und nicht mehr versuche, besser in etwas zu werden.  Meine Ausbildung habe ich irgendwie überstanden, Hobbies verfolge ich gar keine mehr. Und wehe irgendjemand will zu einer Zeit etwas machen, zu der es bei mir einfach nicht passt. Dann verschließt sich alles in mir und ich habe einfach keine Motivation, das Haus zu verlassen.

Das bedeutet nicht, dass ich gar nichts mehr mache – das bedeutet nur, dass meine Hobbies sich generell geändert haben. Von der sportlich aktiven, die 3-4 Mal die Woche beim Sport war und ihr Kind jeden Samstag mit langen Einreden überreden konnte heute DOCH zum Reiten zu gehen, bin ich sehr entspannt geworden. Statt stundenlangen Wanderungen wurden stundenlange Ausmalbilder (ich kann Ausmalbücher mit Einhörnern sehr empfehlen, wenn jemand von euch eine Tochter hat), statt Sport zu machen, habe ich angefangen einen Blog zu schreiben (nicht im Büro sondern mit dem Laptop auf dem Schoß auf dem Sofa) und statt ständigen Besuchen von oder bei Freunden gemütliche Abende mit einem Serienmaratton oder gemeinsam vor der Playstation oder wii).

Du bist immer müde

Ich war schon immer ein Morgenmuffel. Bedingt durch meine Schilddrüsenunterfunktion brauche ich morgens länger im Bett und warte ca. 20 Minuten, bis meine Tabletten wirken und ich nicht beim Laufen wieder einschlafen würde. Doch tendenziell nimmt es zu, dass ich länger als 20 Minuten brauche und mir die Augen immer mehr zufallen, während ich versuche aufzustehen. Zudem schlafe ich zur Zeit, sofern ich nicht am Laptop sitze, abends immer auf dem Sofa ein (was ziemlich nervig ist, da es mir danach noch schwerer fällt, wieder ins Bett zu kommen). Auch im Laufe des Tages merke ich einfach, dass mich ab einer gewissen Uhrzeit ein tief überfällt und ich gar nicht wirklich wach und konzentriert werde. Und eigentlich habe ich an diesen Tagen gar nichts anstrengendes getan. Die Müdigkeit kommt einfach von ganz allein und will nicht weggehen. Das tut mir besonders für meine Tochter leid, die mich den ganzen Tag nicht siehr und Abends noch ein volles Bespaßungsprogramm erwartet. Doch wenn ich heim komme, brauche ich erstmal ein Kaffee, sitze in der Küche und starre die Wand an.

Du wirst häufiger krank

Es gibt sie, diese Menschen, die einen Tag in zwei Jahren auf arbeit fehlen und nie auch nur einen schnupfen haben. Und es gibt auch die Menschen, die jeden Monat eine andere “Seuche” ins Büro schleppen. Und es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Unzufriedenheit krank macht. Ich war nie eine besonders gesunde Frau (ja wie schon erwähnt, eine Schilddrüsenunterfunktion ist auch nicht besonders gut für das Immunsystem) und doch muss ich sagen, dass ich nach nur einem Jahr Arbeit mit Kind das erste Mal im Leben ohnmächtig geworden bin – einfach so morgens beim Tasche packen. Und seitdem habe ich oft Probleme mit Schwindel, Kreislauf aber auch allen Bakterien, die an der Tür des Kindergartens angekündigt werden. Seit ich arbeite hatte ich jeden Winter Grippen, Schwarlach, einen Norovirus (besonders schön, da an meinem 25. Geburtstag), ungeklärte Hautausschläge, fürchterliche Akne und alles was eben so dazu gehört. Und ja, es gibt die, die nie krank werden, die eben denken, man mache blau. Aber unter uns wissen wir, dass es alles andere als gespielt ist.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Es gibt unzählige Sprüche und Slogans über das Glücklichsein. Glück ist eine Entscheidung, jeder hat sein Glück selbst in der Hand. Und alle diese Sprüche haben nur eine Aussage: du musst aktiv deine Situation ändern, um dich wohl zu fühlen. Doch manchmal hat man diese elendigen Situationen, in den einfach alles falsch zu laufen scheint und jede Entscheidung, die man jemals getroffen hat, nicht mehr zu den eigenen Wünschen passt. Und ja, auch ich versuche meine Situation zu ändern, soweit es aus dem finanziellen und zeitlichen Asprekt irgendwie möglich ist. Aber ich habe eingesehen, dass alles, wie es ist keinen Wert hat und ich an allem, was mich unglücklich macht, etwas ändern muss. Deshalb richte ich diesen Artikel an Dich, die auch überfordert mit deiner Situation zu sein scheinst und möchte dir sagen: fahr einen Gang runter, mach langsamer, entspanne dich etwas mehr. Und schon wird sich deine Umgebung bessern und es wird dir selbst besser gehen. Habe den Mut, eine wichtige Entscheidung zu treffen, die vielleicht alles aus der Bahn werfen wird, aber auf lange Sicht gesehen, dich entlastet. Und komme aus diesem Kreislauf an Wut und Überforderung endlich heraus.

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6 Antworten auf „Daran merkst du, dass dir alles zuviel wird“

  1. Burnout ist ein ganz wichtiges Thema! Ich habe selbst schon persönlich Erfahrung damit gemacht und es ist nicht schön … aber wenn man rechtzeitig auf sich schaut und sich Hilfe holt, kommt man aus dem Kreislauf wieder raus.

    lg
    Verena

  2. Das kenne ich gut! Ich hatte bereits Burn out und bin immer wieder knapp an der Grenze dahin ;-( … aber als Mami von 2 Kleinen, Vollzeitjob, Blog und großem Haus mit Garten … geht es halt schwer unter einem Hut. Es sein denn man hat Unterstützung durch Eltern, Putzfrauen und ähnliches.

    Liebe Grüße
    Verena

    1. Liebe Verena,
      Ja das ist alles schnell mal sehr viel. Wir haben zwar meine Schwiegereltern, die sind jedoch selbst auch noch voll berufstätig und doch nicht sooo einsetzbar.

  3. Genauso geht es mir im Moment. Abschluss des Masterstudiums, Jobsuche, Umzug – alles auf einmal. Manchmal muss ich mich einfach zurücknehmen, den Kopf ausschalten und Zeit nehmen.
    Dann gehts wieder. Ich bin aber auch froh, dass das auch anderen so geht. Oft fühlt man sich dann mit seinen Gefühlen schon alleine.
    Danke für den tollen Beitrag 🙂
    Alles Liebe,
    Theresa

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