Deshalb leiden Beziehungen arbeitender Mütter – was ihr als Paar dagegen tun könnt

Bis vor zwei Monaten gehörte ich noch zu den Working Moms – nicht nur nebenher, sondern komplett auf Vollzeit. Dass es eben nicht immer möglich ist, alles unter einen Hut zu bekommen ist klar. Schließlich müssen wir Frauen als Arbeitskraft, Mama, Hausfrau und Ehefrau funktionieren und irgend ein Bereich wird sicherlich immer leiden. Dennoch habe ich letztens einen auffälligen Trend entdeckt: ganz gleich ob im Bekanntenkreis oder in Internet-Foren, immer mehr arbeitende Mütter klagen darüber, dass die Beziehung zu ihrem Partner und auch ihr Sexleben extrem leidet, seit sie arbeiten. Was mich im ersten Moment erstaunt hat, da arbeitende Frauen weit unabhängiger und somit selbstbewusster sein sollten. Ich habe an meine Berufszeit zurück gedacht, daran wie wir das Ganze gelöst haben und auch an unsere Problemfelder und habe tatsächlich Paralellen zu den genannten Auseinandersetzungen gefunden. Deshalb möchte ich mit euch unsere damaligen Pobleme und auch Lösungen vorstellen und wie wir diese Zeit gut gemeistert haben.

#1 Das im Stich gelassen fühlen
Problem

Das Problem hier ist ganz klar: arbeitende Mütter müssen wahnsinnig viel leisten und stehen unter einem sehr hohen Druck. Wenn da die Unterstützung vom Partner nicht so kommt, wie gefordert, dann fühlen wir uns schnell mal alleine gelassen und auf uns alleine gestellt. Ganz schlimm war diese Phase bei uns, als mein Mann seine Umschulung begonnen hat und dafür 100 km am Tag pendeln musste. Er ist vor uns aus dem Haus gegangen und nach uns gekommen – was bedeutete, dass ich mit dem Kindergarten voll und ganz auf mich alleine gestellt war, er war nie pünktlich da, um unsere Tochter mal ab zu holen. Wenn es morgens mal nicht wie geplant funktioniert hat und ich schon gestresst auf Arbeit ankam, dann habe ich das auch mal an ihm ausgelassen und ihn dafür verantwortlich gemacht, dass er nicht da war – natürlich völlig zu unrecht.

Lösung

Zunächst einmal müsst ihr euch klar werden, in welchen Punkten ihr euch nicht genug unterstützt füht. Viele arbeitende Mütter fühlen sich mit dem Haushalt alleine gelassen, obwohl sie genauso lange am Tag das Haus verlassen wie die Männer und ihnen somit nicht wirklich mehr Zeit zur Verfühung steht. Hier heißt es ganz klar, Zuständigkeiten genau definieren und aufteilen! Um auf unser Beispiel zurück zu kommen, konnte er mir natürlich nicht den Stress des Bringens uns Abholens abnehmen. Dafür konnte er aber den Tag vorbereiten, damit ich weniger gestresst startete, als er schon weg war. Somit bereitete er das Vesper für uns beide vor, sodass ich mich nur noch setzen und Frühstücken und meine Tasche schnappen musste. Es war eine große Entlastung jeden Morgen schon geschmierte Brote für die ganze Familie zu haben. Abends wenn wir gleichzeitig ankamen, half er mir essen vorzubereiten oder lenkte Mia ab, solange ich beschäftigt war. So stand ich nicht noch stundenlang alleine in der Küche mit einem nach dem Vollzeit-Kindergarten mies gelaunten Kind da und wusste nicht wo vorn und hinten war.

Ist auch Dein Kind nach dem Kindergarten gestresst? So wirkt sich die Ganztagsbetreuung auf unsere Tochter aus

#2 DIe Zuständigkeit ist nicht klar definiert
Problem

Ein weiterer Konflikt zwischen den Paaren entsteht, wenn die Aufgaben und Zuständigkeiten zuhause nicht klar definiert sind. Frauen fühlen sich oft mit Haushalt und Kind allein gelassen und würden sich wünschen, mehr Unterstützung zu bekommen. Die Männer geben uns diese Unterstützung machmal aber einfach an falscher Stelle zurück. Da Frauen oft aber zu stolz sind, genau auszuprechen, WAS sie stört, kommt der Partner oft nicht auf die Idee und verzucht an ganz falschen Punkten zu helfen.

Lösung

Auch hier ist ein offenes Gespräch unvermeidbar, wenn ihr euch nicht mehr wegen Kleinigkeiten anzoffen wollt. Im schlimmsten Fall hilft ein genauer Haushaltsplan, in dem klar gelistet ist, wer was zuhause zu tun hat.

Ich als Frau bin stolz, arbeiten zu dürfen! Weshalb ich gerne arbeite

#3 Die Frau fühlt sich nicht wertgeschätzt
Problem

Frauen sind oft nicht die Hauptverdiener. Sie gehen endweder eine kleinere Anzahl an Stunden arbeiten oder erliegen ganz einfach der Ungerechtigkeit, dass Frauen in Deutschland immer noch weniger verdienen als Männer. Da kann es schnell passieren, dass wir uns als Frau trotz gleicher Arbeit einfach nicht gleichberechtigt fühlen. Es gibt auch leider immer noch Männer, die der Ansicht sind, eine bessere Stelle würde ihn wertvoller machen (umkehert geht das aber ganz genauso!) und die Frau müsse deshalb mehr zuhause leisten. Wir sind oft aneinander geraten, weil unsere Tochter nachts sehr lange schlecht geschlafen hat, mein Mann aber nie nachts aufgewacht ist. Manchmal ging ich nach nur wenigen Stunden Schlaf zur Arbeit oder gar zur Schule und konnte kaum mehr meine Augen offen halten. Sein Argument war oft, dass er auf dem Bau fit sein musste, schließlich gab es viele Gefahrenquellen. Ich müsse ja nur ein bisschen im Büro sitzen. Diese Aussage hat mich sehr oft wütend gemacht und ich hatte oft das Gefühl, dass mein Job, beziehungsweise meine Ausbildung in dem Fall weniger wert war, als sein Beruf.

Lösung

Hier solltest Du ganz klar Deinem Partner sagen, wie Du dich fühlst. Vielleicht sieht er ja was Du leistest, ist aber nicht der Mensch der großen Worte und kann Dir die Dankbarkeit und Wertschätzung einfach nicht so zeigen? Ich weiß es klingt plump, aber mein Mann kann nachts einach nicht aus dem Schlaf gerissen werden. Er kann dann nicht auf unsere Tochter eingehen, regt sich nur auf und ist schnell gereizt. Dann fangen die beiden an, sich zu streiten und am Ende sind alle wach, was allen nicht geholfen war. Als Kompromiss bin ich an den Wochenenden länger liegen geblieben oder durfte mal ein Mittagschlaf machen während er mit Mia spazieren ging oder seine Eltern besuchte.

Unsere Tochter war nie der große Schläfer. Über unseren Einschlaf-Wahnsinn kannst du hier nachlesen

#4 Serie statt Sex
Problem

Nach so einem langen Tag kann man ganz schön ausgelaugt sein. Erst die schlechte Nacht, dann der Stress am Morgen und der Arbeitstag wollte heuete auch nicht wirklich enden. Zuhause wird dann gekocht und wenn das Kind dann endlich schläft und ich geduscht war, gab es oft nur einen Gedanken: endlich aufs Sofa! Wir haben sehr viele Serien schon komplett gesehen, manchmal bis tief in die Nacht, bis einer von beiden auf dem Sofa eingeschlafen ist und sich beide müde wie Zombies ins Bett gequält haben. Wenn das mal vorkommt, wird es sicherlich auch keinem Schaden. Wenn es jedoch zur Gewohnheit wird, dann wird aus der Ehe ein stumpfes Nebeneinanderherleben und man fragt sich manchmal wer der Fremde denn überhaupt ist, der da jeden Abend neben einem sitzt.

Lösung

Die Sache mit den Eltern und dem Sex ist sicherlich vielen klar. Wenn dann noch Belastung durch einen Vollzeitjob hinzu kommt, dann liegt die Lust auch oft bei null. Aber es ist erwiesen, dass mangelnde Nähe die Beziehung kaputt macht und dass das Liebesleben zu einer Ehe einfach dazu gehört. Zudem ist es schwer, aus dem Hamsterrad zu kriechen, wenn es mal anfängt zu rollen und irgendwann “braucht” man ES nicht mehr wirklich. Doch so wie man sich den Verzicht angewöhnen kann, kann man auch lernen, wieder Lust zu haben. Verzichtet bewusst auf den Fernseher und seid euch nahe, bevor ihr auf dem Sofa entspannt. Oder verbindet eins mit dem anderen. Irgendwie geht es immer. Aber eine Beziehung ohne Sex geht viel leichter kaputt als eine, in der ihr ES regelmäßig tut. Und sie macht mehr Spaß.

Was waren eure Beziehungskiller? Wart ihr mit dem Spagat auch überfordert oder konntet ihr euer Liebesleben gut mit dem Rest vereinbaren?

31 Antworten auf „Deshalb leiden Beziehungen arbeitender Mütter – was ihr als Paar dagegen tun könnt“

  1. Es ist schön, wie offen und ehrlich du darüber sprichst. In manchen Dingen finde ich mich als arbeitende Mutter auch wieder. Wir hatten zum Glück von Anfang eine klare Aufteilung, wer für was zuständig ist. Mein Mann schätzt das, was ich mache, sehr und das ist für mich wichtig. Auch wenn wir nun Mama und Papa sind – trotzdem sind wir noch ein Paar. Wir nehmen uns bewusst eins bis zwei Tage pro Monat und zwischendurch auch Stunden Zeit für uns und machen Dinge als Paar und nicht als Eltern.

    Gruss
    Natascha

    1. Liebe Natascha,
      Du hast so recht, gemeinsame Zeit ist sooo wichtig! Ich finde es klasse, dass ihr alles super aufteilen konntet und alles wunderbar funktioniert hat

  2. Ich finde es toll, wie offen du darüber schreibst und deine Sichtweise mit uns teilst. Das sind richtig interessante Themen, auch für jemanden wie mich, obwohl ich selbst keine Kinder habe. Kann mir gut vorstellen, dass so etwas auch an einer Beziehung nagt und es unheimlich anstrengend ist, sich um alles zu kümmern.

  3. Ein sehr wertvoller und interessanter Bericht. Ich haette es auch eher anders vermutet, aber dein Bericht ist sehr einleuchtend. Ich denke es ist wichtig sich helfen zu lassen, gerade und vorallem wenn man voll berufstätig ist. Dann gibt es auch keinen Streit.
    Liebe Grüße
    Anja von https://pinkshape.de

    1. Liebe Julia, ja das stimmt! Wenn jedoch keine Kinder im Spiel sind hat man die ganze zuhause Zeit für sich, ist nicht so müde und geschlaucht… Da war es schon noch anders, flexibler irgendwie

  4. Ich bin immer voll berufstätig gewesen und habe 3 Kinder. Es gab Zeiten, da hat alles wunderbar geklappt und es gab aber auch Zeiten, da hätten wir uns gegenseitig erwürgen können 😉 Oft ist es tatsächlich so, man spricht nicht aus, was man gerade denkt, warum man sich vielleicht verletzt oder überfordert fühlt und der Partner soll es eigentlich trotzdem erahnen! Der kommt aber selbst müde, ausgelaugt oder missmutig von Arbeit…. Streit vorprogrammiert! Inzwischen ist die Jüngste 19 und wir genießen es, mehr Zeit für uns zu haben.

  5. ich finde es super schön, dass du zu den vielen Problemen, die bei Beziehungen arbeitender Mütter auftreten können, direkt eine Lösung aufzeigst! das ist doch mal ein super Praxis-Check 🙂

    alles Liebe,
    Eden

  6. Huhu,
    vielen Dank für deinen Beitrag.
    Auch ich gehe arbeiten und mein Mann hat dazu noch total unterschiedliche arbeitszeiten. Aber wir bekommen es ganz gut hin, mal mehr und nal weniger. Trotzdem können die Tipps nicht schaden um es uns noch leichter zu machen.
    Liebe Grüße Sabrina

  7. Ich glaube, jede Workingmum kennt das Problem, danke, dass Du das mal ansprichst! Da aus der Spirale rauszukommen ist auch Arbeit. Muss aber sein, wenn man weiter ein Paar sein will.

    Lieben Gruß, Bea.

  8. Also Berufstätigkeit und Kinder/Familie sind wirklich nicht leicht unter einen Hut zu bekommen. Ich kämpfe da wirklich täglich daran … und es ist schwierig einen Partner zu finden der sich an Haushalt & Co beteiligt, denn die meisten verdienen einfach mehr und sehen sich somit in der “wichtigeren” Rolle.

    lg
    Verena

    1. Liebe Verena,
      Ja vor allem du auf deiner Stufe der karierreleiter wirst sicher oft Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit haben! Da verstehe ich aber nicht, wie dein Mann da die wichtigere Rolle haben kann

  9. ein richtig wertvoller Beitrag mal wieder liebe Wioleta! auch wenn ich selber noch keine Kinder habe – es Frauen scheinen mir immer etwas im Nachteil, im Gegensatz zu ihren Partnern …
    aber bin auch der Überzeugung, dass mit einer gesunden Kommunikation alle Probleme gelöst werden können 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  10. Hey, ein sehr interessanter Beitrag! Jeder, der sagt, in Deutschland herrscht Gleichberechtigung, hat Unrecht.
    “Schließlich müssen wir Frauen als Arbeitskraft, Mama, Hausfrau und Ehefrau funktionieren.” – Nein, wer sagt, dass FRAUEN das müssen…? Gesellschaftlich ist das noch so definiert ja, aber das MÜSSEN wir nicht. Hier wird es Zeit zum Umdenken!
    Liebe Grüße,
    Marie

    1. Liebe Marie,
      Du hast recht, theoretisch müssen wir nicht. Aber wenn wir es nicht tun, dann bricht Chaos aus. Weil die anderen das eben noch nicht können. Würde ich hier nicht aufräumen, dann würde das wahrscheinlich keinen stören – außer mir selbst

  11. Ich bin zwar noch keine Mami und auch nicht in naher Zukunft, aber mein Verlobter ist Zimmermann und auch super unregelmäßig von der Arbeit zurück. Dies liegt zwar auch viel an dem jetztigem Arbeitgeber, aber belasten tut uns das jetzt auch schon ohne Kinder, aber wir reden regelmäßig darüber was schief läuft und versuchen dies zu ändern.
    Rede ist einfach das A und O egal in was für einer Beziehung.

    Liebe Grüße

    Freyja

    https://www.freyjasthing.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.