Baby Led Weaning – unsere Breifrei Ernährung

Rückblickend auf das erste Jahr mit Baby gab es einige Meilensteine, die für alle Eltern etwas ganz besonderes waren. Dazu zählt eindeutig auch die Einführung in die Beikost! Denn ab diesem Moment ist das Baby kein absoluter Säugling mehr. Mama und Kind haben so die Möglichkeit los zu lassen und unabhängiger voneinander zu werden. Die meisten von uns haben eine genaue Vorstellung davon, wie dieser Prozess ausssehen soll und legen sich Pläne zurecht. Doch nicht jedes Kind passt in diese Norm. Bei uns ist jegliche Einführung von Breien komplett gescheitert. Daher ging unser Weg über das Baby Led Weaning. In diesem Beitrag erkläre ich Dir, was das genau ist und wie das BLW genau funktioniert.

Dank der WHO haben wir recht genaue Richtlinien, was die Ernährung unserer kleinsten angeht. Diese empfiehlt, bis zum 6. Lebensmonat voll zu stillen. Außerdem dürften Babys nach abgeschlossenen 4 Monaten langsam Essen in Form von Brei bekommen. Selbst die Menge und Häufigkeit ist in einem genauen Plan festgelegt.

Wie die meisten Eltern haben auch wir dem 5. Monat entgegen gefiebert und uns auf das Brei Geben gefreut. Schon bei unserer Großen hatte das ganze super geklappt und ich wollte diesmal etwas mehr Freiheit gewinnen, da ich so weniger stillen müsste. Diese Rechnung haben wir jedoch vollkommen ohne unsere Tochter gemacht, denn sie hatte an jeglichen Breien überhaupt gar kein Interesse! Erst mit 6 Monaten aß sie mal hier mal da ein paar Löffel, eine wirkliche Mahlzeit wurde es auf diesem Weg nie. Während ich völlig frustriert war, da mein Plan, meine persönliche Freiheit zu erlangen, komplett schief ging, stolperte ich zunehmend über den Begriff „Baby Led Weaning“ und die Breifrei Ernährung.

Baby Led Weaning – eine Erfindung der modernen Zeit?

Das Baby Led Weaning, kurz BLW, bedeutet zu Deutsch „vom Baby geleitete Abgewöhnung“. Schnell verbindet man diesen Begriff mit der bedürfnissorientierten Erziehung, die sich nach den Bedürfnissen der Kinder richtet. Die Idee dahinter ist, dass wir statt unseren Babys Breie aufzuzwingen die Einführung in die Ernährung nach der vom Baby bestimmten Geschwindigkeit richten.

Von Grund aus ist es logisch, denn auch für die Fütterung von Breien gilt aus Reifezeichen, dass die Kinder überhaupt Interesse an Essen zeigen. Wir übereifrigen Eltern beginnen, jedes Anzeichen so zu interpretieren, dass die Kinder bereits unser Essen wollen. Doch wann wollen sie es wirklich?

Man könnte meinen, dass das Baby Led Weaning eine Erfindung der modernen Zeit sei, in der viele Stimmen für Erziehungslosigkeit und Bedürfnissorientierung plädieren. Jedoch ist das ganz falsch! In Wahrheit ist die Fütterung von Breien eine moderne Methode, Babys Essen zu geben. Seit Anbeginn der Zeit begannen Babys irgendwann einfach vom Essen der Eltern zu naschen und haben sich so nach und nach an die Ernährung gewöhnt. Das Füttern von Breien wurde erst im 19. Jahrhundert in Europa als geeignete Beikost angesehen.

Spaß beim Essen: hier wird am liebste mit Händen und nur selbstständig gegessen

BLW oder Brei: was ist nun gesünder?

Individuell betrachtet hat jeder Mensch seine Vorlieben. So ist es auch sicherlich bei Babys. Während die einen Brei sehr gerne essen, können die anderen nichts damit anfangen. Andersrum gesehen gibt es Babys, die mit fester Nahrung einfach nicht zurecht kommen. Doch es gibt einige Fakten, die dem Baby Lead Weaning vorauseilen und Eltern verunsichern.

„Das Baby kann sich verschlucken“

Die meisten Eltern machen um das BLW einen großen Bogen, da sie Angst haben, das Baby könnte sich an der festen Nahrung verschlucken. Auch uns ging es so. Denn während meine kleine Brei verweigerte, habe ich mich einfach nicht getraut, ihr etwas festes zu Essen zu geben, zumal sie erst mit 8 Monaten den ersten Zahn bekam. Also gab ich auf und stillte sie voll, bis sie 9 Monate alt wurde. Von einem Tag auf den anderen verlange sie nach unserem Essen und ich sage es wie es ist: ich habe sie bei jedem Bissen panisch beobachtet.

Anfangs passierte es auch, dass sie zu große Stücke versucht hat zu schlucken. Ich hob sie immer panisch aus dem Stuhl und versuchte ihr zu helfen. Aber schnell lernte ich, dass sie einen sehr guten Würgreflex hatte und Essen, das sie fälschlicherweise zu schnell geschluckt hat, seinen Weg ganz einfach wieder heraus fand. Wir begannen mit Nahrungsmittel, die sie sehr einfach zerkauen konnte, wie zum Beispiel geschälte Gurke und tasteten uns nach und nach in festere Nahrungsmittel. Schnell bekam sie sowohl gekochtes als auch Rohkost und hat Spaß am Essen.

Vergleichbar mit der kleinen Schwester, hat die große sehr schnell „richtig“ gegessen. Allerdings in Breiform. Ich erinnere mich gut, dass sie, sobald die späteren Gläschen dazu kamen und Stücke beinhalteten, sich sehr oft richtig schlimm verschluckt hat. Das habe ich auch schon von vielen anderen Mamas gehört. Das kann man sehr gut erklären: ein Baby, das immer nur zersetzte Nahrung erhalten hat, kennt feste Stücke gar nicht. Wenn diese auf einmal im Brei vorhanden sind, kann das Baby darauf gar nicht gefasst sein und schluckt diese am Stück ohne zu kauen. Und das kann ja gar nicht funktionieren…

„BLW ist kein richtiges Essen, nur Spielerei“

Erstmal vorab: die Ernährung im ersten Lebensjahr wird BEIkost genannt. Dies geschieht aus dem Grund, da das Hauptnahrungsmittel weiterhin (Mutter-)Milch sein sollte. Food before one – just for fun!

Natürlich sieht es für den Betrachter so aus, als würden die Kinder mit dem Essen spielen, wenn sie es selbst zu sich nehmen, anstatt brav gefüttert zu werden. Für die Kinder ist das jedoch ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt. Denn genauso wie Babys ihre Spielsachen auch mit dem Mund erkunden, nehmen sie ihr Essen in die Hand, matschen es, befühlen die Konsitenz und lernen Lebensmittel mit allen Sinnen kennen.

Indem ein Baby mit seinem Essen „spielt“ lernt es genau, was eine Karotte oder eine Erbse ist und kennt diese nicht nur als zersetzte Form sondern den wahren Geschmack.

Lieblingsfrühstück: Käse, Wurst und Gurke

„Vom Naschen wird das Baby gar nicht satt!“

Ein weiterer Fakt ist, dass Babys, die Breifrei ernährt werden, in Summe weniger essen. Dass sie davon nicht satt werden, ist so jedoch nicht richtig. Wer einem Baby Brei gibt, also Essen, welches weich und zersetzt ist, gibt dem Baby eine viel größere Menge, als es in natürlicher Form zu sich nehmen könnte. Das begünstigt Verdauungsprobleme und Übergewicht. Ein Baby, welches selbst essen darf, hört auf, sobald es satt ist.

Weitere Vorteile des Baby Led Weaning

  • die Kinder kennen die Nahrungsmittel und entwickeln von Beginn an ihren eigenen Geschmack. Kinder, die Essen nur als Brei serviert bekommen, neigen eher dazu, später „schleckig“ zu werden
  • Das Kind lernt von Beginn an, dass gegessen wird, was am Tisch steht
  • Der Aufwand für uns Eltern ist viel Geringer, da wir für das Baby nicht extra kochen, wenn es vom Tisch isst
  • Wir wissen genau, was wir den Kindern zu essen geben. Oft sind in Fertignahrung unbekannte Konservierungsstoffe enthalten
  • Lebensmittelunverträglichkeiten können besser erkannt und vermieden werden

Wie ernährst Du Dein Baby? Erzähle davon in den Kommentaren.

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