Ausbildung mit Kind – was Euch vorher keiner erzählt

Es gibt sie immer öfter: Mütter, die vor ihrem Kind noch keine Ausbildung gemacht haben, oder sich aufgrund der Arbeitsbedingungen nochmals umschulen möchten. Besonders beliebt ist hierbei eine duale Berufsausbildung, in der man sowohl in einem Betrieb arbeitet, als auch theoretische Kenntnisse in der Schule sammelt. Meine Ausbildung ist in 2 Wochen nach meiner mündlichen Prüfung vorbei und ich blicke mit einem lachenden und einen weinenden Auge auf diese Zeit zurück. Denn ich habe in dieser Zeit viele Erfahrungen gemacht, die ich so in einer normalen Arbeitsstelle nicht gemacht hätte. Mit diesem Beitrag möchte ich Euch meine Erfahrungen mit auf den Weg geben, vor allem da bald die Bewerbungszeit für das neue Ausbildungsjahr beginnt. Ich möchte junge Frauen mit Kind dazu ermutigen, diesen Schritt zu wagen und ihren Lebensstandard aufzubessern. Und deshalb verrate ich Euch hier offen und ehrlich Fakten, über die keiner direkt spricht.

#1 Ergreift Chancen, die sich Euch bieten

Es ist nicht leicht, mit einer Elternzeit im Lebenslauf und somit einem kleinen Kind, einen guten Ausbildungsplatz zu erhalten. In meiner Gegend bewirbt man sich über ein Jahr im Voraus auf Ausbildungen. Als ich mich beworben habe, war meine Tochter gerade mal wenige Wochen alt, bei meinem ersten Vorstellungsgespräch gerade mal 3 Monate. Das schreckt Arbeitgeber oft ab – weshalb ihr öfter nicht zu Gesprächen eingeladen werdet und oft gar nicht die Chance erhält Euch zu beweisen. Schon bei meinem ersten Vorstellungsgespräch wurde mir ein EQJ angeboten (Langzeitpraktikum mit Schulbesuch). Es hat zwei Haken: zum einen wird Euch das Ausbildungsgehalt vom Arbeitsamt bezahlt und ihr bekommt viel weniger raus als Eure Mitschüler, zum anderen besteht die Gefahr, dass ihr nicht in das zweite Ausbildungsjahr übernommen werdet. Da ich mit meiner Entscheidung Zeit bis Mai hatte, da das Amt erst dann über die finanziellen Mittel entscheiden kann, hatte ich vorerst mit diesem Weg innerlich abgeschlossen. Also habe ich mich bei weiteren Unternehmen beworben, habe die Branchen ausgeweitet, aber egal wo, keiner wollte eine Mutter mit einem Baby einstellen. Im Endeffekt war ich aber froh, diesen Weg dann doch gewählt zu haben. Denn wenn man diese Chance richtig angeht, kann man auch das Beste daraus machen.

#2 Kümmert Euch rechtzeitig um die Kinderbetreuung

Wenn Ihr nicht gerade in Ostdeutschland lebt, wo die Betreuung weit ausgebaut ist, müsst Ihr Euch rechtzeitig darum kümmern, dass Euer Kind den ganzen Tag betreut ist. Dabei müsst Ihr auch bedenken, dass zu Eurer Arbeitszeit die Pause und der Anfahrtsweg berechnet werden müssen. Meine Tochter ist jetzt 9,5 Stunden am Tag im Kindergarten und ich komme immer knapp raus. Ideal ist es natürlich, wenn Oma und Opa in der Nähe der Tagesstätte wohnen oder der Papa schichtet. So könnt Ihr bis zu 100 Euro im Monat sparen. Meine Tagesmutter hatten wir bereits, bevor ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte, also ca. 9 Monate im Voraus. Den Platz könnt ihr Euch reservieren lassen.

#3 Gebt immer Euer Bestes, um Eindruck zu hinterlassen

In dieser Hinsicht sind die Lehrer und Ausbilder zwiegespalten. Einerseits wird niemand von Euch erwarten, dass Ihr Klassenbeste werdet und eine 1 nach der anderen schreibt (außer ihr habt ein EQJ gewählt und habt Notenvorgaben, die ihr zur Übernahme erreichen müsst). Andererseits wird Euch jeder kritisch betrachten, denn ihr fehlt öfter als andere Auszubildende, verpasst durch Euer krankes Kind oder Bakterien, die Eure Kinder aus der Tagesstätte nach Hause schleppen, mehr Schulstoff oder gar Klassenarbeiten. Findet Euer Talent und beweist den Anderen, dass Ihr etwas besonders gut könnt, um Eure Defizite auszugleichen.

#4 Krank mit Kind

Ihr habt bestimmt schon einmal davon gehört, dass Paare das Recht haben, insgesamt 20 Tage im Jahr mit ihrem kranken Kind daheim zu bleiben. In der Regel wird das ganze im Verhältnis 10-10 aufgeteilt und von der Krankenkasse mit Abzug bezahlt. Bei Auszubildenden läuft das anders: Ihr habt insgesamt 30 Tage bei einer Ausbildungsdauer von 3 Jahren, die Ihr mit einer Bescheinigung von Kinderarzt mit Eurem kranken Kind daheim bleiben dürft. Euch wird in dieser Zeit das volle Gehalt ohne Abzüge vom Ausbildungsgeber gezahlt.

Übrigens war mein Ausbildungsbetrieb sehr kulant was die Krankheiten meiner Tochter angeht. Als mein erstes Jahr fast vorbei war, hat sie sich in der Tagesstätte den Arm gebrochen und musste 2 Wochen eine Schiene tragen. Da es Hochsommer war, die Schiene aber weder nass noch dreckig werden durfte, habe ich mich dafür eingesetzt, die Zeit mit ihr daheim zu verbringen. Von meinem Betrieb hatte ich hierzu vollste Unterstützung und mir wurde mehrmals versichert, ich brauche mir keine Sorgen zu machen, wenn mit ihr etwas wäre und ich daheim bleiben müsste.

#5 Holt Euch finanzielle Hilfen

Sofern Euer Partner nicht zu viel verdient, habt ihr Ansprüche auf unterschiedliche finanzielle Hilfen vom Amt. Das Jugendamt beispielsweise hat mir während meinem EQJ die volle Kinderbetreuung in Höhe von 450 € bezahlt, ab dem 2. Lehrjahr musste ich erst übernehmen. Über die vielen Mittel, die Euch zustehen informieren Euch Einrichtungen wie die Diakonie und Donum Vitae. Das Amt wird Euch nicht verraten, was Euch zusteht, wenn ihr ohne Plan dort hingeht.

#6 Ausbildung in Teilzeit

Ich selbst habe keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Ausbildungsform, da ich es nicht in Kauf nehmen wollte, länger zu lernen. Doch für Euch habe ich mich über die Ausbildung in Teilzeit informiert. Der Grundgedanke ist, dass Eure Arbeitszeit auf 20-30 Wochenstunden reduziert wird, der Schulbesuch erfolgt jedoch wie bei den anderen Auszubildenden auch. Je nach Vorkenntnisse wird die gesamte Ausbildungszeit um ein halbes bis ein ganzes Jahr verlängert. Zudem müsst ihr natürlich ein Ausbildungsbetrieb finden, welcher Euch die Arbeitszeit in der gewünschten Form anbietet. Nähere Informationen erhält ihr auf dem Arbeitsamt.

#7 Zeitmanagement

Ein für mich ganz wichtiger Punkt ist die sinnvolle Zeitaufteilung. Anders als bei Ausbildungen, die ihr macht, während ihr noch bei Euren Eltern wohnt, kommt ihr nicht um 17 Uhr nach Hause und setzt Euch an einen gedeckten Tisch. Euch muss immer klar sein, dass ihr neben Eurer Arbeitszeit noch den Haushalt, ein Kind und die Lernzeit habt. Die Zeit mit Eurem Kind ist dann meist schon auf 2 Stunden beschränkt, bis ihr es ins Bett legen müsst. Ich persönlich habe schon einen festen Tagesablauf und komme leicht aus dem Rhythmus, sobald wir abends einkaufen gehen oder eingeladen sind. Gelernt habe ich immer erst nach 20 Uhr, nachdem die Kleine im Bett war und ich geduscht hatte. Zeit zum Fernsehen bleibt da nicht. Das soll Euch nicht abschrecken – aber ihr müsst Euch ganz sicher sein, dass ihr diesen Ablauf durchziehen wollt und könnt.

Wenn Ihr euch also zu diesem Schritt entschieden habt und nochmal eine Ausbildung mit einem Kind wagen wollt, dann seid Ihr wirklich starke Mütter mit einer großen Persönlichkeit. Ihr stellt Eure finanzielle Situation und Eure Freizeit in den Hintergrund, um Euch und Eurem Kind später ein leichteres Leben zu ermöglichen. Und ich bin mir sicher, ihr habt ganz viele tolle Personen, die Euch dabei unterstützen werden und für Euch da sind. Wenn Ihr weitere Fragen zur Ausbildung mit Kind habt oder noch einen wichtigen Fakt ergänzen wollt, dann immer her mit Euren Vorschlägen. Und Euch viel Erfolg bei diesem wichtigen Schritt.

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