Aufmerksame Erziehung- So stärkst Du die Beziehung zu Deinem Kind im Hier und Jetzt

Kennst Du das auch? Dein Kind erzählt Dir etwas, Du hörst es reden, aber irgendwie dringen die Worte nicht wirklich zu Dir durch. Schnell sagst Du mal “hmm” oder “ja”, obwohl Du gar nicht wirklich weißt, worum es geht. Und vielleicht bekommst Du selbst diese Unaufmerksamkeit gar nicht wirklich mit, bis Dein Kind alt genug ist und fragt “Mama, hast Du mir überhaupt zugehört??”

Natürlich ist es oft so, dass Du einen harten Tag hattest. Die Arbeit war stressig, Du hast schlecht geschlafen und bist einfach völlig unkonzentriert. Meist hast Du noch Dein Smartphone in den Händen oder bist mit den Gedanken noch beim Projekt XY. Und dabei begehst Du den Fehler, den auch ich schon so oft gemacht habe: Dein Kind wird nebenher abgefertigt und bekommt nicht die nötige Aufmerksamkeit. Aber auch dieses hat einen Tag in der Kita hinter sich oder gar eine sehr wichtige Sorge auf dem Herzen und muss diese unbedingt der eigenen Mama mitteilen. Doch diese hört einfach nicht richtig zu.

Auch ich habe dieses Muster sehr lange verfolgt. Und dieser Umstand war mir nie wirklich bewusst, bis ich bei einer Frau, die ich sehr gut kenne, genau das beobachtet habe. Meine Tochter hat versucht, immer ein Gespräch aufzubauen und hat von ihr immer nur halbherzige Antworten erhalten, als wüsste sie gar nicht, worum es geht. Und ich habe immer meine Augen verdreht und mich aufgeregt und wollte schon etwas sagen und meine Tochter in den Schutz nehmen, bis mir eines bewusst wurde: ich selbst mache es oft nicht anders.

Du bist die wichtigste Bezugsperson

Eines darfst Du niemals vergessen: als Mama bist Du die wichtigste Bezugsperson im Leben Deines Kindes. Diese Bindung entsteht schon im Bauch, geht weiter mit dem Stillen / Füttern und endet im Erwachsenenalter. Denn ganz gleich, ob Du einen Jungen oder ein Mädchen hast, wenn es Deinem Kind nicht gut geht, muss es immer eine Bezugsperson haben, an die es sich wenden kann, damit es sich richtig entwickeln und zu einem starken Erwachsenen heranwachsen kann. Und um ihm oder ihr diese Möglichkeit zu geben, muss es wissen, dass Du immer für das Kind da bist. Wenn Dein Kind im frühen Alter schon merkt, dass seine Sorgen nicht wichtig genug sind, um Deine Aufmerksamkeit zu erlangen, dann wird es später, wenn es wahre Sorgen hat, nicht mehr auf Dich zukommen. Dasselbe gilt auch für frohe Ereignisse: wenn Du dich nicht mit Deinem Kind freuen kannst und ihm vermittelst, dass seine Erfolge Dir im Grunde egal sind, wird es fürchterliche Folgen im Erwachsenenalter haben.

Aufmerksamkeit als Mittel zu einer besseren zwischenmenschlichen Beziehung nutzen

Du selbst erwartest es auch nicht anders: wenn Du dich mit jemandem unterhälst, erwartest Du ebenfalls eine wahre Reaktion. Wenn diese nicht zurück kommt, erlebst Du eine Frustration und die Beziehung zwischen euch leidet darunter. Vielleicht unterlässt Du es auch, dich dieser Person anzuvertrauen und euer Kontakt bricht irgendwann. Das soll nicht bedeuten, dass Dein Kind generell eine schlechte Beziehung zu Dir haben wird, wenn Du ihm im Kindesalter ein paar Mal nicht zugehört hast. Wenn dieser Zustand jedoch dauerhaft wird, dann kann es sein, dass dieses die Versuche, deine Aufmerksamkeit zu erlangen, aufgeben wird und sich anderen Personen und Dingen zuwendet.

Lass nicht zu, dass die Beziehung zu Deinen Kindern einen Bruch erleidet, weil Du nicht zu 100 % anwesend bist. Dein Kind muss immer voll und ganz das Gefühl haben, bei seinen Eltern sicher und behütet zu sein, schließlich ist genau dafür das Elternhaus da.

Bewusste Aufmerksamkeit

Du kannst auf viele Arten üben, bewusst aufmerksam zu sein und vor allem auch zu bleiben. Denn selbst wenn wir ein Gespräch beginnen, passiert es hin und wieder, dass unsere Gedanken abschweifen. Die Kunst ist es, genau diese wieder an die richtige Stelle zu schieben.

Gehe spazieren und setze Dich auf eine Bank. Jetzt konzentriere Dich fünf Minuten lang nur auf das, was Du siehst. Bemerke Menschen, die vorbei laufen, Gebäude, die an dieser Stelle stehen. Während Du die Gegend erkundest, werden sich viele Gedanken in Deinen Kopf schleichen, welche Du abschütteln musst, denn in diesen fünf Minuten gehören Deine Gedanken nur dem, was Du jetzt siehst. Du wirst merken, dass Dir diese Übung mit jedem Mal immer leichter fällt.

Leider sind unsere Kinder nicht so steuerbar, wie eine Übung. Du wirst es nicht erleben, dass Du einen festen Zeitpunkt ausmachst, an dem Du und Dein Kind euch bewusst unterhalten werdet. Dein Kind wird zu Dir kommen, wenn es den Gedanken im Kopf hat und wird diesen auf der Stelle loswerden müssen. Natürlich kann es auch bedingt damit warten, aber im großen und ganzen ist das Bedürfniss in dem Alter nicht steuerbar.

Stell Dir vor, Du hast eine Sorge, die Du mit Deiner Freundin besprechen möchtest. Du wartest nicht, bis ihr euch das nächste mal seht. Du schickst ihr meistens eine kurze Nachricht, denn Du musst jetzt den Gedanken loswerden. Unsere Kinder haben kein Smartphone und meist nicht so feste Freundschaften, dass sie es jemanden Außenstehenden erzählen würden. Sie möchten es Dir in diesem Augenblick vermitteln. Denn dafür sind sie schließlich Kinder.

5 Regeln, um die Aufmerksamkeit zu steigern

  • Halte Blickkontakt: nur wenn Du die Person, die mit Dir spricht, direkt ansiehst, weiß diese, dass Du ihr wirklch zuhörst
  • Wende Dich von Deinem Smartphone ab: wenn Du nebenher Deinen Newsfeed scrollst, kannst Du gar nicht wirklich dabei sein
  • Antworte in ganzen Sätzen: um sich bewusst zu sein, was einem wirklich erzählt wurde, musst Du das erzählte wiedergeben können und eine richtige Antwort dazu verfassen können
  • Stelle Fragen: so kanns Du noch mehr erfahren und vermittelst Deinem Kind, dass das Thema wirklich wichtig ist
  • Schiebe die anderen Gedanken beiseite: wenn sich fremde Gedanken einschieben, lass diese wie Wolken vorbeiziehen. Diesen kannst Du dich später widmen

 

12 Antworten auf „Aufmerksame Erziehung- So stärkst Du die Beziehung zu Deinem Kind im Hier und Jetzt“

  1. Ich bin zwar selbst noch keine Mutter, beobachte das Verhalten aber auch ganz oft. Und ja, es hat sicherlich mit dem Stress im Alltag zu tun, deswegen würde ich das nicht mal verurteilen. Es passiert einfach 🙂 Aber schön, dass es dir bewusst geworden ist. Ich bin Erzieherin und weiß ebenfalls, wie wichtig es ist aufmerksam zu sein. Das ist einfach eine wahnsinnig hohe Wertschätzung für das Kind 🙂

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  2. Leider leider ein Thema das man heutzutage ansprechen muss… frueher war das nicht so das Problem, aber im Zeitalter von Internet und Smartphone ein ernstzunehmendes Problem!

  3. Ich finde es auch wichtig, dass man hier klar differenziert. Es muss Phasen geben, in denen man dem Kind die volle Aufmerksamkeit schenkt und solche, in denen man das ganz bewusst nicht tut und es auch mitteilt. Warten lernen ist auch wichtig. So tun als ob ist allerdings für beide Seiten kein Gewinn.

  4. Aufmerksamkeit war auch in meiner Kindheit ein sensibles Thema. Damals gab es noch keine tollen Smartphones und co. Daher kann ich mir gut vorstellen, wie schnell und schleichend man von den Sorgen der Kinder abggelenkt wird – zumal Erwachsene Kindersorgen gerne als “nicht so tragisch” abtun.
    Meine Mutter war selbstständig und ich war nach der Schule immer im Laden bei ihr. Wenn ich ihr dann von meinem Tag erzählen wollte, hieß es oft “nicht jetzt!”. irgendwann hab ich meine Sorgen einfachin mich reingefressen, da meine Bezugsperson ja nie Zeit hatte und ich auch niemanden nerven wollte.
    Als ich eine starke depressive Tendenz hatte, ausgelöst durch massive Probleme mit Vorgesetzenverhalten in meiner Ausbildung – war sie schockiert, dass ich ihr nicht davon erzählt hatte. Ich könne doch mit all meinen Problemen immer zu ihr kommen. Als ich ihr dann von den “nicht jetzt” Erlebnissen erzählt hatte, war sie am Boden zerstört. Sie wusste, dass es nicht immer leicht ist als Alleinerziehende und dann noch in der Selbstständigkeit und sie hat sich immer ein Bein ausgerissen, damit wir genug zum Leben hatten. Was für Auswirkungen dass aber auf mich und meine Persönlichkeit hatte, zerbrach ihr das Herz.
    Daher kann ich nur hoffen, dass andere Eltern dass versuchen zu vermeiden – trotz Smartphone und Co.
    Liebe Grüße,
    Tama <3

    1. Liebe Tama,
      Das tut mir wahnsinnig Leid, dass du diese Erfahrung machen musstest! Aber ich freue mich wahnsinnig, dass du und deine Mama wieder zueinander gefunden habt. Diese Erfahrung unterstreicht umso mehr, wie wichtig es ist, für seine Kinder da zu sein ❤

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