10 Großraumbüro-Typen – und wie man mit ihnen umgeht

“Organisationspsychologie ist […] die Wissenschaft von Erleben, Verhalten und Handeln des Menschen in Organisationen”

Quelle: Rosenstiel, Lutz: Grundlagen der Organisationspsychologie

 

Wer in einem Großraumbüro mit 50 anderen Kolleginnen und Kollegen arbeitet, weiß, dass die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf engstem Raum aufeinander treffen. Umso wichtiger ist es, dass alle aufeinander Acht geben und sich anpassen. Ich habe heute mit meiner lieben Kollegin die 10 wichtigsten typischen Mitarbeiter ausgesucht, die garantiert in jedem Großraumbüro sitzen und stelle euch Tipps vor, wie ihr den Arbeitsalltag mit diesen überlebt (bitte den Beitrag nicht allzu ernst nehmen). Viel Spaß!

Der Vielredner

Der wohl auffällgste Bürotyp ist derjenige, der sich selbst am liebsten sprechen hört. Er hat stets viel zu erzählen, ganz gleich, ob es um berufliches oder privates geht. Ein kurzes Hallo kann schonmal in einem 30-Minütigen Gespräch enden. Du scheinst diese Person ganz genau zu kennen, denn sie hat Dir bestimmt schon jede EInzelheit aus ihrem Leben berichtet. Manche von ihnen sind aufgrund der offenen Art besonders geschätzt – andere hingegen verpönt.

Es hilft nicht, diese Person abzuwimmeln, denn sie lässt Dich nicht gehen. Auch wenn ihr euch im Treppenhaus begegnet und du demonstrativ Stufe für Stufe höher läufst, dieses Gespräch scheint niemals enden zu wollen. Manchmal hilft da nur Augen zu und durch. Wenn Du jedoch tatsächlich schwer beschäftigt bist, solltest Du dieser Person höflich zu verstehen geben, dass ihr das Gespräch ein ander Mal fortführen solltet und darfst dich nicht von der Arbeit abhalten lassen. Keine Sorge: da ihr einige Mitarbeiter seid, wird die Person schon jemand anderen finden, dem sie das Ohr abkauen kann.

Der Pessimist

Ganz gleich, was gerade um euch herum passiert: es gibt immer diesen einen Kollegen, der alles immer schwarz sieht. Natürlich haben wir auf Arbeit nicht immer nur Spaß, jedoch lässt sich diese Person von jeder Negativität völlig mitziehen und zieht somit das gesamte Arbeitsklima runter. Gefühlt müsste dieser Kollege schon 10 Mal gekündigt haben, da er jedes Mal alles hinschmeißen will.

Bei solchen Gesprächen musst Du immer im Auge behalten, dass Du Dich nicht von der schlechten Stimmung mitziehen lassen darfst. Selbstverständlich laufen Dinge auch mal schief, der Chef ist gestresst oder die Auftragsmenge ist schlicht zu groß oder zu klein – doch Du musst Deinen eigenen Optimismus bewahren. Wenn diese Person es für nötig hält, sich ihre eigene Laune jeden Tag zu vermiesen, dann lass es nicht Dein Problem sein.

Der Übermotivierte

Dieser Kollege ist das völlige Gegenteil von dem Pessimisten. Er freut sich über jede unwichtige Aufgabe und würde alles dafür tun, auf der Karierreleiter eine Stufe weiter steigen zu dürfen. Er nimmt es in Kauf, seine Pause zu opfern und sitzt Abend für Abend als letzter im Büro. Seine Motivationsgründe sind ganz unterschiedlich, aber das Ziel ist klar: er möchte hoch hinaus.

Das wichtigste hier ist: rede Dir bloß kein schlechtes Gewissen ein, wenn Du so nicht bist! Dir ist nicht nur dein Job wichtig, Du selbst hast ein ausgeprägtes Privatleben. Oft sind dies junge Menschen ohne Familie, die eventuell von Weiter hergezogen sind und an ihren Abenden nichts besseres zu tun haben, als im Büro zu sitzen. Jedes Büro braucht auch diese Art von Mitarbeiter – aber wenn Du nicht dazu gehörst, dann gehörst Du eben nicht dazu.

Der Neue

Er ist noch unbefleckt und unvoreingenommen, weil er viele schlechte Seiten des Unternehmens noch nicht kennt, außerdem noch den Drang hat, sich zu beweisen und seine  Probezeit gut zu überstehen. Er ist noch motiviert, erledigt seine Arbeit mehr als gründlich und denkt über alles genauer nach.

Gib ihm die Chance, sich richtig zu integrieren. Es bringt nichts, einen Menschen zu verurteilen, nur weil er sich noch verstellt. Die Zeit wird kommen, an dem auch der Neue sein wahres Gesicht zeigt und sich zu einem ganz anderen Mitarbeiter-Typen entwickeln kann. Es bringt auch nichts, die anfängliche Euphorie zu zerstören. Deshalb ist es gut, den Neuen vom Pessimisten fern zu halten.

Der Spaßvogel

Er erheitert jedes Büro, macht immer Witze und scheint jeden Morgen schon gut gelaunt zu sein. Zu jedem Spruch weiß er zudem einen guten Konter. Eigentlich verbreiten solche Personen stets gute Laune, doch manchmal wissen sie nicht, wenn sie mit ihren Witzen zu weit gehen und eventuell Grenzen überschreiten. Überhaupt scheinen sie keine SItuation wirklich ernst zu nehmen.

Wenn Dir diese Person zu nahe tritt, solltest Du sie in ihre Schranen weisen. Denn wenn Du einmal erlaubst, dass sie sich auf Deine Kosten lustig macht, wird sie es immer wieder versuchen. Erkläre ihr höflich aber bestimmt, dass es bis hier her und nicht weiter geht. Wer Persönlichkeit hat, wird das akzeptieren. Und ihr Respekt vor Dir wird aufgrund der offnen Umgangsweise wachsen.

Der Hilfsbedürftige

Die besonders anstrengenden Kollegen sind die, die nichts selbst auf die Reihe bekommen. Sätze wie “daran hätte ich auch selbst denken können” gehören zum alltäglichen Reportior. Wenn ihr Kopf nicht angewachsen wäre, dann hätten sie sich bestimmt Deinen geliehen, denn selbst Mitdenken gehört nicht zu ihren Stärken.

Wenn Du enger mit dieser Person arbeitest, wirst Du nicht drum herumkommen, ihr öfter zur Seite stehen zu müssen. Wenn Dein Alltag jedoch daraus besteht, immer nur nach ihr zu schauen, dann musst Du die Bremse ziehen. Versuche diese Person doch an andere Stellen weiter zu leiten oder schlage ihr vor, die Sache selbst einmal zu versuchen und zur Not dann zu fragen. Wenn Du ihr Vertrauen schenkst, kann sie dieses auch leichter gewinnen.

Der Helfer

Im gegenzug zu den Hilfsbedürftigen gibt es auch die Personen, die immer allen zur Hilfe stehen (müssen). Irgendwas an ihrer Persönlichkeit löst aus, dass viele Mitarbeiter mit Sorgen und Problemen immer auf sie zukommen. Ganz gleich ob es Gefallen sind, die sie jemandem tun, hinter anderen Fehler ausbaden oder einfach nur für Recht und Ordnung sorgen – sie sind immer da, wenn ihr sie braucht.

Sei einfach dankbar, so eine Person an Deiner Seite zu haben, aber verscherze es Dir mit ihr nicht. Sie soll sich nicht ausgenutzt fühlen, denn irgendwann ist auch ihre Gedud zu Ende. Wenn Du eine Person mit Helfersyndrom zu Deinen Freunden zählen kannst, dann wirst Du im Unternehmen nie alleine stehen.

Die frischgebacknen Eltern

Diesen Kollegen (meist ist er männlich, denn der weibliche Teil befindet sich bestimmt gerade in Elternzeit) ist meist daran erkennbar, dass sein ganzer Arbeitsplatz voller Babybilder, Kalender oder Tassen ist. Es ist tatsächlich an keiner Stelle zu übersehen, dass er eben Papa geworden ist und super stolz auf seine kleine Familie ist. Im Vergleich dazu hat ein Vater wohl weniger eine Tasse mit dem Gesicht seiner 15-jähriger Tochter. Der Boom bezieht sich tatsächlich auf Babys und Kleinkinder. Auch in der Pause (oder auch während der Arbeitszeit) erzählt er nur Geschichten vom ersten Wort, ersten Schritt oder einfach nur der vollen Windel am Vorabend.

Teil seine Euphorie mit ihm. Es ist etwas schönes, wenn ein Mann so stolz auf sein Kind ist. Und auch wenn Du schon die 100ste Geschichte über den Babybrei gehört hast und eigentlich gar keine Kinder magst – in diesem Fall ist es ein Tabu zu sagen, dass es reicht.

Zuspätkommer und Pausenüberzieher

Diese Menschen gehören eigentlich zu den unzuverlässigsten Menschen die Du kennst – doch auf eines kannst Du dich verlassen: er kommt immer zu spät. Besonders wohl fühlen sich die Menschen in einer Firma mit Gleitzeit, die selbstverständlich voll ausgenutzt wird. Du fragst Dich immer, wie diese Person auf ihre Stunden kommt, wenn sie als letzte kommt und als erste geht. Zwischendrinn ist sie auch am längsten in der Kantine. Ganz fair kann das in den meisten Fällen nicht zugehen.

Sofern Du keine Beweise hast, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, solltest Du Dich dezent raushalten (außer Du bist natürlich der Vorgesetzte). Keiner möchte seinen Kollegen anschwärzen und zum schluss dumm dastehen, wenn die Vorwürfe ins Nichts laufen. Wenn Du in irgendeiner Form Einfluss nehmen kannst, dann versuche gemeinsame Besprechungen möglichst früh oder möglichst spät zu legen. Oder spreche das Verhalten schwerzhaft in einem Moment unter vier Augen an. Aber: mache dich nicht zum Narren, indem Du zum Chef rennst.

Der Störenfried

Er macht es nicht so bewusst wie der Vielredner oder der Spaßvogel, aber er fällt durch eine bestimmte Geste oder Angewohnheit einfach negativ auf. Und besonders in einem Großraumbüro fällt es auf, wenn jemand laut telefoniert, beim Tippen in die Tasten schlägt, immer lacht, jeden Text laut mitliest oder einfach den ganzen Tag schnieft.

Da es sich hier um Charaktereigenschaften handelt, ist es diesen Personen meist nicht bewusst, dass ihr Verhalten auf andere Nervenauftreibend sein kann. Meist reagieren sie deshalb auf Anweisungen zu ihrem Verhalten ziemlich schroff. Versuche es hier doch mit umgekehrter Psychologie: rede doch einen Tag extra laut ins Telefon. Vielleicht nervt es diese Person genauso und sie achtet in Zukunft darauf, es nicht zu tun. Ansonsten hilft da nur ein offenes Gespräch.

 

Nun seid ihr gefragt: habt ihr auch einen dieser Büro-Typen bei euch ? Oder erkennt ihr euch vielleicht selbst wieder? Wie geht ihr mit solchen Problem-Mitarbeitern um? Ich freue mich auf viele Kommentare!

18 Antworten auf „10 Großraumbüro-Typen – und wie man mit ihnen umgeht“

  1. Hahaha, ohja da hab ich so einige Leute wieder erkannt. Ich arbeite selbst im Großraumbüro “shared desks” und vor allem die Laut-Telefonierer können da echt lästig sein. Offene Kommunikation ist da meist die beste Lösung. Meisten ist diesen Leuten das nämlich tatsächlich nicht bewusst 😉

  2. Ehrlich gesagt mag ich Großraumbüros überhaupt nicht. Die von Dir beschriebenen Charaktere, ständig bimmelt irgendwo ein Telefon oder Jemand ist am husten oder schnäuzen. Das lobe ich mir ein Büro mit der Kollegin.

  3. Was für ein herrlicher Beitrag! Und genauso ist es! Mein Mann und ich, wir arbeiten beide im Homeoffice (getrennte Räume), weil wir nicht ins Großraumbüro passen. Mein Mann telefoniert sehr laut, läuft dabei herum und ich zicke alles an, was nicht bei 3 aufm Baum ist.

    LG, Bea

  4. Liebe Wioletta,

    ich musste jetzt sehr schmunzeln! Ich bin Wirtschaftspsychologin und habe mich für die Abschlussfächer Organisationspsychologie und Wirtschaftspsychologie entschieden. Rosenstiel und Lutz haben mich begleitet ;-). In 25 Jahren Berufserfahrung habe ich mittlerweile alle Typen durch. Ich glaube es gibt keinen Bürotypen mit dem ich nicht umgehen kann. Super Beitrag, bitte mehr davon ;-).

    Liebe Grüße und schönen Abend!
    Verena

    1. Liebe Verena,

      Das habe ich fast Gedacht, dass Dein Studium in diese Richtung ging:)
      Wenn ich einen vergessen habe, dann bitte gerne ergänzen

  5. Ein bisschen musste ich auch schmunzeln, als ich den Beitrag gelesen habe. Solche unterschiedliche Typen kennt man nicht nur von der Arbeit 😉

  6. haha, was für ein genialer Beitrag meine Liebe!
    jeder der schonmal in einem (Großraum-) Büro gearbeitet hat, kennt das zu gut! ich arbeite zwar inzwischen im Home Office, aber muss für verschiedene Projekte trotzdem immer mal wieder in ein Büro – da begegnen mir auch einige dieser Typen! ganz schlimm ist ja der Pessimist 😉

    einen schönen kleinen Freitag und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

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