10 Dinge, die sich beim Baby-Besuch nicht gehören

Das Wochenbett ist für jede Frau eine sehr empfindliche Phase, in sehr vielen Hinsichten. Die Familie muss sich an die neue Situation gewöhnen, Eltern, Geschwister und Baby lernen sich kennen und der Alltag spielt sich ganz langsam ein (oder auch nicht). Und dennoch ist die Geburt eines Babys für viele Personen ein Anlass, möglichst noch in der ersten Woche die junge Familie zu besuchen. Generell ist das auch nicht schlecht und besonders die Mama freut sich über Gespräche, die über das Wechseln von Windeln hinausgehen und sie wieder Dinge mitbekommt, die außerhalb ihrer vier Wände stattfinden. Dennoch gibt es ein paar ungeschriebene Regeln, an die sich der Besuch halten sollte. Nach vier Wochen mit der Kleinen und einigen Besuchen, die wir hinter uns und weiteren, die wir noch vor uns haben, möchte ich genau diese “Regeln” festhalten und euch ans Herz legen.

Von der Geburt sprechen

So eine Geburt ist für viele faszinierend und jede Person macht seine eigenen Erfahrungen damit. Umso interessanter ist es zu hören, wie es bei anderen war. Das ist später irgendwann auch vollkommen in Ordnung – aber viele Frauen haben die Geburt im Wochenbett noch nicht verarbeitet. Mich hat es immer wahnsinnig gestresst, Fragen dazu beantworten zu müssen oder gar meinem Mann zu zu hören, der die ganze Geschichte bis ins letzte Detail erzählt hat. Nach zwei Malen habe ich ihm auch untersagt, davon zu sprechen und vor allem “Witze” zu machen. Und auch jetzt Wochen später ist die Geburt für mich noch ein einschneidendes Erlebnis, zu dem ich nicht gerne befragt werde.

Fragen, ob das Stillen klappt

Vielleicht bin ich bei diesem Thema so emfindlich, weil ich meine große nicht gestillt habe und das für mich beim zweiten Kind ganz neu ist. Und eigentlich klappt es ganz gut – mein Kind ist gut genährt und das ist es doch was zählt, oder? Auf jede Frage, ob das Stillen klappt, auf die man sich irgendwie rechtfertigen muss, folgt immer ein gut gemeinter Ratschlag, wie es noch besser klappen kann. So musste ich mir diese Woche anhören, dass meine Milch wahrscheinlich zu dünn ist und sie deshalb so oft trinkt. Ich sollte doch zufüttern, dann habe ich länger Ruhe. Eine andere Person meinte, ich soll doch anfangen zu pumpen, wenn ich so viel habe. Sie habe früher auch ihre Milch sogar verkauft… Bitte lasst es einfach. Ganz gleich, ob eine Mama zu viel oder zu wenig Milch hat, besonders in der ersten Zeit lernt der Körper den Bedarf des Kindes erst kennen und muss sich daran anpassen.

Das große Kind vergessen

Für das große Kind ist die Geburt des Geschwisterchens schon aufregend genug. Mama und Papa haben oft nicht mehr so viel Zeit und generell nervt das Kleine oft. Umso schlimmer ist es, wenn das große Kind beim Baby-Schauen einfach vergessen wird. Unsere Tochter hat nach ein paar Besuchen angefangen, sich in ihr Zimmer zu verziehen, wenn Besuch kam, um die Kleine zu sehen. Zuerst dachte ich, dass der große Aufmarsch sie generell nervt. Nach ein paar Tagen ist alles eskaliert und in einer tränenreichen Nacht geendet, in der sie sich gar nicht mehr beruhigen konnte vor Enttäuschung und Trauer, weil einige Besucher so sehr auf die Kleine fixiert waren, dass sie einfach nicht mehr interessant war. Mir tat das so in der Seele weh, sie so leiden zu sehen! Seit dem wurde einiger Besuch eingestellt und die, die kommen durften, wurden nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass wir zwei Kinder haben.

Krank vorbei kommen

Besucher, die ankommen und direkt sagen, sie seien nur erkältet, können direkt wieder gehen. Das Immunsystem von Neugeborenen ist wahnsinnig empfindlich. Unsere Kleine hat mit drei Wochen schon einen starken Schnupfen bekommen und wir haben in der Familie weitere Krankheiten abbekommen. Das macht die erste Zeit, in der alles noch nicht ganz funktioniert, wahnsinnig schwierig.

Besonders wer Herpes hat, darf auf keinen Fall das Neugeborene besuchen, da eine Ansteckung gefährlich werden kann.

Rauchen

Auch wenn die Raucher auf den Balkon gehen, kommen sie stinkend zurück. Ich stelle mir diesen Gestank für ein Neugeborenes furchtbar unangenehm vor, wenn eine Person, die nach frischem Nikotin stinkt, in der Nähe des Babys ist. In den wenigen Stunden, die man bei solchen Besuchen verbringt, sollte man sich das Rauchen verkneifen können.

Unangekündigte Besuche

Ein Baby schläft nachts sehr schlecht und braucht noch oft Milch – was auch am Schlaf der Mutter nagt. Umso wichtiger ist es für die, sich tagsüber hin zu legen. Ein unangekündigter und vor allem ungeplanter Besuch, kann den Schlaf stören oder verhindern. Meldet euch doch lieber spontan bei der Familie, falls ihr in der Nähe seid und fragt kurz, ob es denn passt. Aber bitte klingelt nicht einfach unangekündigt an der Türe.

Zudem wird eine Mama im Wochebett meist nicht gerichtet zuhause sitzen, hat tagsüber vielleicht noch den Schlafanzug an und die Wohnung sieht fürchterlich aus. Die Mama wird sich und ihr Zuhause gerne vorbereiten, wenn sie sich auf Dich einstellen kann.

Zu spät oder zu früh kommen

Die Planung des Co-Sleepings und die Stillzeiten fallen und stehen auch damit, dass der Besuch pünktlich ist. Wenn die Familie Besuch auf 15 Uhr erwartet, wird sie das Baby auf 15 Uhr vorbereiten und stillen. Kommst Du zu spät, kannst Du die Eltern im Stress erwischen, kommst Du zu spät kann das für kurze Zeit besänftigte Baby wieder Hunger bekommen oder andere Bedürfnisse haben. Dann kann sich die Familie nicht mehr voll und ganz auf Dich konzentrieren.

Nicht merken, wann man gehen sollte

Die Laune und Motivation der Familie ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Manchmal hat das Baby einfach keinen guten Tag oder die Mama ist müder als sonst. Selbst wenn euer Besuch lange eingeplant war, kann es sein, dass die Familie an diesem Tag einfach nicht in Form ist. Wenn Du merkt, dass es der Familie nicht gut geht, solltest Du dich nicht länger dort aufhalten als nötig. Niemand meint es böse und keiner wird dich nach Hause schicken, aber manchmal ist es offensichtlich, dass die frische Mama sich sehr zusammen nehmen muss um den Besuch zu “überstehen”.

Erwarten, Essen zu bekommen

Wahrscheinlich springt die Familie in den letzten Tagen im Achteck, um sich selbst und das Baby zu versorgen. Wenn Du diese Familie besuchst, solltest Du nicht erwarten, dass Du Kuchen oder etwas zu Essen bekommen wirst. Du kannst der Familie aber eine große Freude machen, in dem Du den Kuchen bringst 🙂

Nicht das Aussehen der Mutter kommentieren

Wie oben schon erwähnt, wird eine frisch gebackene Mama nicht in voller Pracht gerichtet vor euch stehen, von den überschüssigen Pfunden ganz ab zu sehen. Ich habe zudem das Poblem, dass mir meine Umstandskleidung zu groß, die normale aber noch zu klein ist, was die Auswahl meines Outfits sehr auf Jogginghose und Shirt einschränkt. Und diese Milch klebt einfach überall. Versuche die Mama nicht in Verlegenheit zu bringen und lasse jegliche Kommentare zu ihrem Aussehen.

Bald ist alles wieder normal…

Und bitte vergesse nicht, auch wenn Deine Freundin oder Verwandte gerade nur von dem Baby spricht und dich mit übermüdeten Augen ansieht und sich kaum ein Wort merken kann, dass Du ihr erzählst: nach wenigen Wochen wird auch sie wieder die Alte und voll und ganz für Dich dasein.

Was waren eure No Gos beim Baby-Besuch? Was hat euch in de Zeit besonders geholfen? Ich freue mich auf viele Kommentare!


37 Replies to “10 Dinge, die sich beim Baby-Besuch nicht gehören”

  1. Liebe Wioleta,

    ich muss ehrlich sagen, dass ich mich mit diesen Fragen nie wirklich beschäftigt habe. Ich meine mit Sicherheit macht das niemand absichtlich diese heiklen Themen anzusprechen, aber ich werde es auf jeden Fall meiden. Danke für die Übersicht und vor allem deine Erfahrung.

    Liebe Grüße
    Bea

    1. Liebe Verena,
      leider ist das nicht ganz so. Ich habe Freunde und Bekannte eher als Vorsichtig und Mitfühlend erlebt, die engere Familie ist da eher negativ aufgefallen. Vielleicht weil da die Selbstverständlichkeit einfach größer ist.

  2. Als Achtsamkeitstrainerin und frisch gebackene Mama stimme ich deinen Punkten zu.

    Für ein gutes Wochenbett stehen für mich aus Sicht der Achtsamkeit drei Dinge im Vordergrund:

    1.) Klare Kommunikation:
    Die Mama darf klar kommunizieren, was sie möchte und was nicht … zB. “Besuch ist heute unpassend. Wir brauchen Ruhe und bauen auf euer Verständnis”

    2.) Auf die eigene Energie achten
    Weiterhin ist es als Mama ganz wichtig, auf sich selbst zu achten, denn nur wenn die Mama Kraft hat, kann sie diese auch für das Kind aufbringen.

    3.) Mitgefühl
    Selbstmitgefühl spielt eine große Rolle. Als Mutti darf man sich auch mal schwach fühlen; mal nicht begeistert vom Kind sein, wenn es drei Stunden lang durchschreit; sich verzeihen, wenn mal nicht alles toll lief.

    4.) Den Perfektionismus abschütteln
    Es ist ganz entscheidend, nicht um jeden Preis die perfekte Mutter sein wollen, sondern eine liebende, herzliche und echte Mama. Das ist dem Kind so viel wichtiger!

    Ich hoffe, ich konnte einigen Mamas und werdenden Mamas ein paar hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben. Ihr seid spitze!

    Alles Liebe
    Sarah von https://www.achtsam.blog/

    1. Liebe Sarah,
      Vielen Dank für diese Tipps! Klar finde ich auch, dass die Mütter besonders im Wochenbett offen kommunizieren sollten. Wir Frauen sind aber doch oft so eingestellt, dass wir ja niemanden kränken wollen.
      Ich selbst habe zwar ein sehr liebes und ruhiges Baby, allerdings weiß ich auch noch von der Baby Zeit meiner großen Tochter, dass schreikinder wirklich anstrengend sind. Damals haben wir auch weniger Besuch empfangen als jetzt.

    1. Liebe Sarah, das freut mich, dass es noch einfühlsame Menschen gibt, für die sich solche Dinge einfach gehören 🙂 wobei ich die kinderlosen eher als rücksichtsvoll empfunden habe

  3. Das Kind an den Händen oder Gesicht anfassen gehört für mich auch in die Liste wegen Infektionsgefahr. Man muss nämlich noch keine Erkältung haben, aber man kann sie schon an sich tragen. Mein Schwager hat gemeint ihr die Hände abknutschen zu müssen als wärs sein eigenes Kind. Und das Baby herumreichen ist mir persönlich auch ein Dorn im Auge. Es wird sich viel zu wenig in das Kind hinein versetzt leider…

    1. Ja das ist wahr, da denken die Erwachsenen nur an sich und die Gier nach dem Baby. Ich habe meine bewusst immer im Arm gehalten und sie nur bekannten Personen kurz übergeben, wenn ich die Hände frei gebraucht habe

    1. Liebe Tina, das würde ich so nicht sagen. Ich finde die kinderlosen waren meist noch vorsichtiger, während Mütter das ganz schnell zu vergessen scheinen, wie es bei ihnen selbst war

  4. Gute Tipps, für alle die noch Babybesuch unerfahren sind. Generell ist es wohl bei jedem anders und individuell, dennoch ist man sicher auf dem richtigen Weg, wenn man deine Tipps berücksichtigt.

    Liebe Grüße
    Birgit

  5. Servus! Ich hatte jedem verboten mich im Krankenhaus bei der Geburt meiner Tochter zu besuchen. Ich wollte Ruhe haben. War für mich die Beste Entscheidung, egal ob Verwandte deswegen enttäuscht waren. Liebe Grüße, Claudia

  6. Was geht und was nicht geht, ist ziemlich individuell. Fragen nach Geburt oder Stillen waren mir z.B. willkommen. Ich fand diese neue Welt selbst faszinierend und habe gerne auf Fragen dazu geantwortet. Alles in allem ist dein Beitrag aber eine sehr gute Anleitung, denn so weiß man zumindest, bei welchen Themen man sensibler sein sollte.

    1. Wow so ist jeder unterschiedlich! Besonders das Thema mit der Geburt ist bei uns eher sehr sensibel. Ich habe jetzt noch ein furchtbares Trauma und habe einfach nicht die Kraft fragen dazu zu beantworten

  7. Liebe Wioleta,

    am Meisten haben mich damals die ganzen “guten” Ratschläge genervt. Ja, ich war zum ersten Mal Mutter geworden, aber ich hatte nicht das Gefühl nicht mit meinem Kind zu recht zu kommen. Wenn ich Fragen hatte, dann habe ich die meiner Hebamme gestellt.
    Dein Beitrag finde ich toll und den sollte sich wirklich Jeder vor einem Babybesuch mal durch gelesen haben.

    Liebe Grüße,
    Mo

  8. Hallo Wioletta,
    ich gebe dir bei allen Punkten recht. Das es mir bei sowas ähnlich geht. Kann sowas auch überhaupt nicht haben und finde das sollte auch respektiert werden.
    Liebe Grüße Nadine

  9. Ja! Ich erinnere mich! Wir haben komplette Besuchssperre erst mal eingelegt nach dem die engste Familie da war. Too much …. ich war müde und musste mich erst mal an alles gewöhnen. Das haben auch alle verstanden! Super, dass Du so straight und ehrlich bist mit Deinen Regeln! VG! Sirit

  10. Also ich habe mich in deinen angesprochenen Punkten so unglaublich wiedergefunden! Schön, dass es auch anderen Mamas so ergeht bzw. ergangen ist und ich mit meiner Genervtheit von bestimmten Dingen anscheinend nicht übertrieben habe. 🙂
    LG Ina

  11. Ich hatte noch nie die Situation, eine frisch gebackene Mutter zu besuchen, finde deinen Post aber dennoch super. Die Begründungen finde ich sehr logisch und die einzelnen Punkte auch selbstverständlich 🙂 Vielen Dank fürs Teilen!

  12. Liebe Wioleta,

    die Frage nach der Geburt war mir egal (obwohl ich eine dramatische hatte) … aber die ganzen Fragen bezüglich dem Stillen. Das war mir zuviel! Dazu dann noch die vielen ungefragten Ratschläge.

    Liebe Grüße
    Verena

  13. Also ich finde ja überhaupt, dass die ersten zwei, drei Wochen nur für die engste Familie sind. Ich bin da eher der Typ “nur nicht aufdrängen”, ruf aber nach ein paar Tagen an oder schick eine SMS um mich zu erkundigen.

    1. Ja das haben wir so auch gemacht. Leider denkt auch die Ängste Familie nicht unbedingt an solche Dinge und verhält sich einfach total daneben. Deshalb sind solche Regeln auch hier unabdingbar

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