Scheinschwangerschaft – die Wirkung der Einbildung

Meinen ersten Schwangerschaftstest habe ich in meiner Jugend gemacht. Natürlich war dieser negativ, denn ich habe immer zuverlässig verhütet. Dennoch gab es in meinem Leben hin und wieder Momente, in den ich dachte “ich bin Schwanger. Ganz sicher”. Aber wieso bilden wir uns so oft ein Schwanger zu sein? Wieso lassen wir die Hoffnung oder die Angst so oft über uns herrschen? Ich habe mein Sexleben revue passieren lassen. Meine Schwangerschaftssymptome, die ich nie hatte, könnt ihr hier nachlesen:

Einige von uns kennen sicher Monat für Monat diese Erwartung der Periode. Dieses erleichternde Gefühl, wenn endlich unsere Tage kommen, und wir aufatmen können, nicht schwanger zu sein. Es gibt genug Momente, an den wir guten Grund haben zu glauben, dass die Verhütung versagt haben können. Dazu reicht eine Magen Darm Grippe während der Einnahme der Pille. Oder umgekehrt, wenn wir versuchen Schwanger zu werden, diese harten Tage in den wir uns die Frage stellen, ob ein Test sich lohnt oder nicht. Natürlich alles ganz normal, denn wir können nicht in unseren Körper hinein sehen und nicht in uns einfühlen, ob wir schwanger geworden sind oder nicht. Es gibt aber diese Momente, in den wir uns völlig in diese Situation hinein steigern. Plötzlich bekommen wir Ziehen im Unterleib oder wunde Brüste. Und sobald auch nur ein “Anzeichen” der Schwangerschaft aufkommt, finden wir plötzlich tausende von anderen Gründen, wieso wir wirklich schwanger sein MÜSSEN. Es kann in dieser Situation fast gar nicht anders sein.

Auch nach meiner ersten Tochter, sprich nachdem ich schon eine ganze Schwangerschaft durch hatte und genau damit vertraut sein musste, wie eine Schwangerschaft sich anfühlt, beschlich mich trotz Kupferspirale der Gedanke, ich könnte schwanger geworden sein. So habe ich mindestens zwei Mal im Jahr schon ein halbes Vermögen für negative Schwangerschaftstests ausgegeben, die ich einfach hätte abwarten können, ob meine Blutung nicht doch einsetzt. Weil ich in desem Moment einfach von ganzem Herzen davon überzeugt war, dass es so ist. Weil ich mich schwangerer fühlte, als eine Frau im 9. Monat. Zu meiner Verteidigung bekam ich ohne Hormone einen sehr unregelmäßigen Zyklus, der zwischen 20 und 35 Tagen dauerte, je nach Lust und Laune meiner Hormonlage.

Ein einziges Mal hatte ich tatsächlich eine Berechtigung mir Sorgen zu machen. Es war wenige Monate vor meinen Prüfungen, als ich Schmerzen auf der rechten Seite hatte, zudem einen komischen Heißhunger bekam und mich einfach nur schwanger fühlte. Da ich aber wie erwähnt eine Kupferspirale trug beschlich mich jedoch die Sorge, eine Eileiterschwangerschaft zu haben, denn die Gefahr bestand immer und das Ziehen war nur einseitig. Eines Tages wurden die Schmerzen so stark, das ich nicht mehr sitzen konnte. Nach einem ganzen Tag im Krankenhaus und einem anschließenden Besuch bei meiner Frauenärztin hat sich herausgestellt, dass ich eine Zyste im rechten Eierstock hatte. Und diese löst bewiesenermaßen Schwangerschaftssymptome aus. Nachdem die geplatzt ist, war auch alles wieder normal und alle Vermutungen erledigt. Ganz plötzlich.

Nun hat sich die Situation gewendet: wir versuchen tatsächlich nochmal ein Kind zu bekommen. Und ich wundere mich sehr darüber, wie schwer es plötzlich trotz meines relativ jungen Alters ist, dies zu werden, wenn man es so nicht plant. Damals, als unsere erste Tochter eigentlich nicht in unsere Planung passte, ging das ganz schnell mit dem Schwangerwerden. Jetzt, wenn wir es tatsächlich möchten, funktioniert das ganz und gar nicht. Und jeden Monat ab der 3. Woche je Zyklus mache ich Qualen durch, denn jeden Monat aufs neue bin ich “schwanger”.  Es beginnt mit einem Ziehen im Bauch und geht weiter mit einem komischen Gefühl beim Liegen. Vor einer Woche habe ich nicht schlafen können, bis ich mir ein Kissen unter den Bauch geschoben habe, weil ich der festen Überzeugung war, diesen abstützen zu müssen.  Am nächsten Tag bekam ich dann auch noch eine schwache blase und rannte eine Woche lang jede 30 Minuten pinkeln. Und je mehr ich mich gefreut habe, schwanger zu sein, desto mehr Anzeichen fand ich bei mir. Dann war es soweit: laut meinem Kalender hätte ich meine Tage nach einem 35 tägigen Zyklus haben müssen und machte gleich morges einen Test. Und es zerbrach einiges in mir, als dieser mal wieder negativ ausfiel. Nicht weil ich es so besonders lange versuche oder tatsächlich die Gefahr besteht, dass es nicht funktioniert. Sondern einfach nur, weil ich in meinen Gedanken so fest davon überzeugt war, dass es nicht anders hätte sein können. Aber mir diesem einen Strich auf dem Test waren alle, wirklich alle Symptome wie verflogen. Einfach im Nichts aufgelöst.

Vorgestern hat also ein neuer Zyklus angefangen. Ein Neuanfang. Und ich habe mir ganz fest vorgenommen, mir diesmal nicht so viele Gedanken zu machen. Aber ich weiß jetzt schon, dass es fast nicht mögich sein wird, denn die Macht der Gedanken ist meist größer als die tatsächliche Vernunft. Wenn wir uns etwas wünschen oder davor Angst haben, spielt unser Körper ein komisches Spiel mit uns. Es ist einfach nur erstaunlich, wie überlegen er uns ist.

Hattet ihr auch schon eine Scheinschwangerschaft? Oder auch gar mehrere? Wie seid ihr damit umgegangen? Erzählt mir von euren Erfahrungen, damit ich weiß, nicht die einzige Verrückte hier zu sein 😉

5 Antworten auf „Scheinschwangerschaft – die Wirkung der Einbildung“

  1. ein super spannender und informativer Beitrag liebe Wioleta!
    ich habe selber aus dem Familienkreis schon gehört, da hat ein Pärchen verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen, aber es wollte einfach nicht klappen – wohl wegen dem Druck dahinter. allerdings stand keine Scheinschwangerschaft im Raum … ist schon skuril, was der Körper alles kann!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

  2. Ich schätze, in der Situation ist das ziemlich normal.^^ Ich war zum Glück beide Male direkt schwanger, als wir Kinder planten. Sonst hätte ich sicher auch sehr darauf gewartet und mir Symptome eingebildet. Ansonsten verhüten wir ja, weswegen ich nie von einer zufälligen Schwangerschaft ausgegangen bin oder ausgehe. Da verlasse ich mich eigentlich drauf, hätte mich aber über so eine Überraschung auch immer gefreut (ab 19/20 Jahren).

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