Baby wo bist Du?

Ich lasse nach fast zwei Wochen nun wieder etwas von mir hören. Nicht, dass ich nichts zu erzählen hätte – aber ich habe nicht unbedingt etwas positives zu erzählen, weil mich momentan ein sehr sensibles Thema beschäftigt. Wer meinem Blog regelmäßig folgt, weiß dass wir sehentlich auf ein Baby warten. Seit meinem Beitrag Scheinschwangerschaft ist nun ein Zyklus vergangen. Und wieder einmal habe ich die Gewissheit, nicht schwanger geworden zu sein. Ich habe viel mit meinem Mann darüber geredet, ob ich diesen Beitrag schreiben soll oder ob er doch zu persönlich ist. Und wir haben uns dafür entschieden, dass auch solche Wahrheiten zu einem guten und authentischen Blog gehören. Deshalb widme ich diesen Post meinem ungeborenem Kind, das nun seit vier Jahren auf sich warten lässt.

Die Umstände haben nie gepasst

Als im Sommer 2013 meine Große zur Welt kam, stand für uns immer fest, dass wir nochmals ein Kind bekommen würden. Wir haben immer die Sachen behalten, die unsere Maus getragen hat auch als sie größer war, ihr erklärt, dass sie für ihr Geschwisterchen bleiben werden. Da wir aber in einer eher unsicheren finanziellen Situation standen, bewarb ich mich, als sie wenige Monate war, auf eine Berufsausbildung. Der Plan war also: wenn ich eine bekomme, werde ich sie machen, wenn nicht, dann kommt Kind Nr. 2.

Es kam so, dass ich eine Art Praktikumsplatz erhielt, welcher sich BEJ (Berufseinstiegsjahr) nennt. Ich hatte die Chance, in einer großen Firma eine Art Ausbildung zu machen und auch zur Schule zu gehen. Ich hatte jedoch strenge Vorgaben, die auch in meinem Vertrag besiegelt waren. Zum Beispiel musste ich einen schulischen Durchschnitt von mindestens 2,0 erreichen, um anschließend im 2. Lehrjahr meine Lehre fortsetzen zu können. Ich machte dies auch für Lau, denn ich erhielt kein Ausbildungsgehalt und der Zuschuss von Arbeitsamt gerade so reichte, die Tagesmutter und den Tank zu meiner Ausbildungsstätte zu bezahlen. Ich war überzeugt, es als junge Mutter mit Kind nicht zu schaffen, aber gab dennoch alles und erreichte sogar einen guten 1er Schnitt. Im ersten Jahr, als alles noch einfach war. Kaum hatte das 2. Schuljahr das erste Drittel erreicht, ging es nicht nur mit meinen Noten, sondern auch mit meiner Motivation bergab. Es entwickelte sich ein Wunsch, nochmal ein Kind zu bekommen und alles zu schmeißen. Mein Mann brauchte lange, um mich davon zu überzeugen, dass es denoch der richtige Weg ist, mich durch zu beißen. Doch ich hatte bei jeder ausbleibenden Periode die Hoffnung, dass es nun doch eher auf eine Schwangerschaft hinaus läuft. Doch unser Plan war nicht fest besiegelt, denn ich hatte in meiner ersten Schwangerschaft Komplikationen (diese könnt ihr hier nachlesen) und es blieben noch ein paar Arzttemine aus, welche belegen sollten, ob eine weitere Schwangerschaft überhaupt möglich sei.

Wir entschlossen uns also, ein Baby zu bekommen, sobald meine Ausbildung in trockenen Tüchern stand und ich kurz vor meinen Prüfungen wäre. Doch die das Schicksal es so wollte, bekam mein Mann Anfang letzten Jahres gesundheitliche Probleme, wurde gekündigt und hatte drei Operationen am Knie. Da unsere Zukunft unsicher war, verschoben wir erneut den Zeitpunkt darauf, wenn wir mehr wüssten. Gleichzeitig machte ich jedoch meine Termine erst beim Hämatologen, dann in der Frauenklinik. Besonders dem zweiten Termin fieberte ich sehr entgegen, denn wir würden an diesem Tag die Entscheidung fällen, ob ich mein heiß ersehntes Baby bekommen dürfte oder nicht.

Als meine Prüfungen rum waren, fragte mich meine Tochter auf dem Weg zum Kindergarten, wann denn eigentlich ihre Schwester käme. Schließlich müsste ich nun nicht mehr zur Schule und hätte Zeit für ein Baby. Dieser Satz einer damals fast 4-Jährigen ging mir richtig nah. Und es versetzte mir einmal mehr ein Stich in diese Lücke in meinem Herzen, die ich freigeschaufelt habe, für ein zweites Baby.

Etwa eine Woche vor meinem Termin bekam mein Mann die Zusage auf eine Umschulung, die uns finanziell sehr lange einbüsen würde, denn sie sollte 28 Monate dauern. Dennoch klammerte ich mich an diesen Termin, denn wir hatten Ideen und Pläne, wie wir die Situation meistern würde. durch die Entscheidung des Arztes, dass eine Schwangerschaft möglich sei, jedoch mit Komplikationen und einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus verbunden sein würde, legten wir das Thema für eine kurze Weile nach einem riesigen Streit aufs Eis. Ich hatte in diesem Moment das Gefühl, als wäre etwas essentielles in mir gestorben. Doch ich hielt ihm immer wieder die Vorteile an einem Baby, das gerade jetzt käme und schließlich ließ er sich mitziehen und gab dem Kinderwunsch nach. Denn wir waren uns einig, dass es den perfekten Zeitpunkt nicht gibt.

Entgegen aller Nachteile

Da ich zudem länger Probleme mit meiner Kupferspirale hatte, ließ ich sie mir im Herbst letzten Jahres ziehen und wir versuchten es tatsächlich mit dem Baby. Mit meinem großen Wunsch, der nicht nur bei uns als Paar, sondern auch bei meiner Tochter ewig besteht. Mein Mann beschwerte sich noch, dass es bei unserem “Glück” sofort klappen würde und ich zu seinen Zwischenprüfungen meinen ET hätte. Ich habe irgendwie auch nicht wirklich daran gezweifelt. Wir sind beide noch jung und unsere Maus kam auch mehr drauf angelegt als darauf gewartet. Aber wir entschlossen uns, es zunächst nicht zu provozieren, sondern einfach nur nicht zu verhüten und es so zu nehmen wie es kam. In dieser Phase pasierte natürlich einfach nichts. So oft reicht es selbst mit Verhütung nicht aufzupassen um sofort schwanger zu werden. Und so oft braucht man Monate, wenn nicht Jahre, bis das Wunschkind sich anmeldet. Doch seitdem wir es wirklich beide wollen, ist jeder Monat eine Qual und ich lebe nur von Zyklus zu Zyklus, jedes Mal aufs neue aufgeregt, wenn meine Fruchtbare Phase beginnt und am Boden zerstört, wenn meine Mens einsetzt – meist noch am selben Tag an dem ich einen negativen Test gemacht habe. Ganz im Gegensatz zu meiner Freundin, die sich von Babywahn mitziehen hat lassen und wir eigentlich gemeinsam schwanger sein wollten, hat sie es nun nach einem Zyklus geschafft und ich bleibe alleine mit meinem Wunsch zurück.Nicht, dass ich es Dir nicht gönne, Du weißt, ich freue mich von Herzen für Dich! Aber es kommt mir vor, als hätte ich daran versagt.

Ich habe alles in meiner Macht stehende getan

Nach meinem letzten misslungenen Zyklus im Dezember stellte ich meinen Lebensstil um. Ich hörte auf zu Rauchen (bin nun seit zwei Wochen davon Weg), nahm jeden Tag Folsäuretabletten, trank kaum Alkohol, benutzte Ovoluationstests, wir kuschelten in der richtigen Zeit und ich ging jeden Stress aus dem Weg. Mehr hätten wir für diesen Wunsch nicht tun können, nichts mehr beeinflussen. Ich war mir so sicher, nun endlich schwanger zu sein und machte gestern einen Test – der natürlich negativ ausfiel. Da es bei meiner Freundin auch so war und man Frühtests nicht immer glauben kann, war ich voller Hoffung, dass es bei mir auch so laufen würde. Nun bekam ich heute aber doch eine Blutung. Mein Kopf wehrt sich noch dagegen, es zu glauben, dass kein Baby kommt. Ich rede mir immer ein, es sei eine Einnistungsblutung. Und doch weiß ich tief in mir, dass kein Baby kommen wird. Und ich habe auch schon die Hoffnung verloren, dass es im nächsten Zyklus klappt. Die ganze Familie leidet an meiner Trauer, ich erkenne mich selbst nicht wieder und kann keine Zeit mehr genießen, ohne mir darüber Gedanken zu machen, was ich dafür tun könnte, dass die aktuelle Situation mir zu einem Baby hilft. Ich denke darüber nach, wie andere schnell schwanger geworden sind und was sie dafür getan haben können. Ich stelle fest, dass alle in meiner Umgebung Kinder bekommen, schwanger werden oder es gerade beschlossen haben. Und ich habe eine innere Panik, dass ich alleine zurück bleibe. Ist es nicht auch in eurer Umgebung so, dass alle es enweder gleich schaffen oder nach Jahren nicht?  Ich bin mir der Tipps in meiner Umgebung bewusst, dass ich entspannter werden soll und es dann schon klappt. Aber was wenn nicht?

Natürlich haben wir schon ein Kind

Natürlich haben wir schon ein Kind und müssen keine Sorge haben, kinderlos zu bleiben. Andererseits haben wir es schon einmal geschafft, wir sind beide gesund und wissen, dass es bei uns funktioniert. Doch ich bin mittlerweile krankhaft daran vernarrt, dass ich dieses Baby einfach brauche. Und ich weiß, dass wenn ich es aufgebe und unsere Lebenspläne doch ändere, die dann kein Baby mehr zulassen, dass ich genau dann schwanger werde. Ich weiß einfach mittlerweile dass das Leben derart ungerecht zu mir wäre. Ich versuche, mir vor unserer Tochter nichts anmerken zu lassen, aber auch sie versteht oft viel mehr als ich von ihr erwarte und ich habe die große Sorge, dass sie einfach spürt, was los ist. Und ich weiß momentan nicht, wie ich noch positiv in diese Misere blicken soll.

Wenn also irgendjemand da draußen ein paar Worte für mich übrig hat, die mir wirklich weiter helfen, dann wäre ich sehr froh, diese an dieser Stelle zu hören.

 

4 Antworten auf „Baby wo bist Du?“

  1. Von Herzen nur das Beste für Euch und dass diese vier Jahre nur noch mehr vier Wochen dauern! Bleib zuversichtlich und stark und erfreue dich an deiner Großen. Fühl dich fest umarmt!!!

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